Aids in Afrika
AIDS-Poster in der Elfenbeinküste.
Verbreitung von AIDS in Afrika (zu den grau markierten Gebieten liegen keine Daten vor)

Afrika südlich der Sahara ist die weltweit am schwersten von der HIV-Epidemie getroffene Region: 2007 lebten mit 22,0 Millionen HIV-positiver Menschen 67% aller Menschen mit HIV/AIDS in Subsahara-Afrika; dort kam es zu 75% (2,0 Millionen) aller HIV-bedingten Todesfälle. 2,3 Millionen wurden neu infiziert. Eine Studie zu den gemeldeten Todesfällen zeigt, dass die Zahl der Todesfälle in der Altersgruppe über 15 Jahre im Zeitraum 1997–2002 um 62% angestiegen ist, die Todesfälle in der Altersgruppe 25–44 Jahre haben sich mehr als verdoppelt. [1] Dies hat dramatische demografische Folgen: In einigen Ländern ist durch die Immunschwäche die Lebenserwartung um mehr als zehn Jahre gesunken. Warum sich die Erkrankung im südlichen Afrika schneller verbreitet, ist unter dem Punkt Ursachen noch näher erläutert.

Innerhalb Afrikas unterscheidet sich Nordafrika (0,3%) hinsichtlich des Anteils der Infizierten an der Gesamtbevölkerung deutlich vom südlichen Afrika (5,0%).

Die Hauptübertragungswege von HIV unterscheiden sich grundlegend von denen in Europa und Nordamerika: Der heterosexuelle Geschlechtsverkehr ist in Afrika mit etwa 50% der HIV-Infektionen der weitaus häufigste Übertragungsweg. Zu weiteren 5 bis 10% der Ansteckungen kommt es durch infizierte Bluttransfusionen. Die Übertragung des Virus von HIV-positiven, schwangeren Frauen auf ihre Neugeborenen während der Schwangerschaft, der Geburt und der Stillzeit ist einer der wichtigsten Ansteckungswege: Infizierte Schwangere übertragen das HI-Virus mit einer Wahrscheinlichkeit von 16 bis 30 % auf ihr Kind (Mother to child transmission – MTCT). Die Hälfte von ihnen stirbt im ersten Lebensjahr, die meisten anderen vor dem fünften Geburtstag[2].

Region Anteil
(Alter: 15–49)
Total Infizierte
2005
Neuinfizierte
2005
Todesopfer
2004
Nordafrika / Naher Osten 0,2% 510.000 67.000 58.000
Südliches Afrika 7,2% 25,8 Millionen 3,2 Millionen 2,4 Millionen
West- und Mitteleuropa 0,3% 720.000 22.000 12.000
Osteuropa und Zentralasien 0,9% 1,6 Millionen 270.000 62.000
Ostasien 0,1% 870.000 140.000 41.000
Süd- und Südostasien 0,7% 7,4 Millionen 990.000 480.000
Ozeanien 0,5% 74.000 8.200 3.600
Nordamerika 0,7% 1,2 Millionen 43.000 18.000
Lateinamerika 0,6% 1,8 Millionen 200.000 66.000
Karibik 1,6% 300.000 30.000 24.000
Weltweit 1,1% 40,3 Millionen 4,9 Millionen 3,1 Millionen
(UNAIDS, 2005)

Inhaltsverzeichnis

Verbreitung

In diesen Ländern ist der Anteil der HIV/AIDS-Infizierten und Erkrankten bezogen auf die Gesamtbevölkerung (15–49 Jahre) am höchsten [3]

Staat Anteil Infizierte Todesopfer
Swasiland 38,8% 220.000 17.000
Botswana 37,3% 350.000 33.000
Lesotho 28,9% 320.000 29.000
Simbabwe 24,6% (2001) 1,8 Millionen (2001) 170.000
Südafrika 21,5% 5,3 Millionen 370.000
Namibia 21,3% 210.000 (2001) 16.000
Sambia 16,5% 920.000 89.000
Staat Anteil Infizierte Todesopfer
Malawi 14,2% 900.000 84.000
Zentralafrikanische Republik 13,5% 260.000 23.000
Mosambik 12,2% 1,3 Millionen 110.000
Guinea-Bissau 10,0% 17.000 1200 (2001)
Tansania 8,8% 1,6 Millionen 160.000
Gabun 8,0% 48.000 3.000
Elfenbeinküste 7,0% 570.000 47.000
Staat Anteil Infizierte Todesopfer
Sierra Leone (2001) 7,0% 170.000 11.000
Kamerun 7,0% 560.000 49.000
Kenia 6,7% 1,2 Millionen 150.000
Burundi 6,0% 250.000 25.000
Liberia 5,9% 100.000 7.200

Geschichte

Das HI-Virus stammt sehr wahrscheinlich von dem bei Schimpansen gefundenen SI-Virus ab

Siehe auch: Geschichte des Aids

Genaue Angaben über Zeit, Ort, Wirtstier, Art und Anzahl der Übertragungen sind nicht bekannt. Ein internationales Forscherteam konnte 2006 schlüssig beweisen, dass der Ursprung des Erregers bei Schimpansen in Kamerun liegt.[4] Phylogenetische Untersuchungen (Verwandtschaftsvergleiche zwischen den unterschiedlichen Subtypen von HIV und zwischen HIV und SIV) lassen vermuten, dass mehrere unabhängige Übertragungen vom Schimpansen auf den Menschen in Kamerun und/oder dessen Nachbarländern stattfanden. Die erste Blutprobe, in der sich HIV nachweisen ließ, wurde 1959 im Kongo von einem erwachsenen Menschen genommen. Weitere Proben stammen von einem US-Amerikaner (1969) und einem norwegischen Matrosen (1976).

Der südafrikanische Politikwissenschaftler Deon Geldenhuys urteilte im Jahr 2004: „Aids, Arbeitslosigkeit und Armut bedrohen Entwicklung und Stabilität. Nur wenn die Regierung hier in den nächsten zehn Jahren so erfolgreich ist wie bei der Demokratisierung, hat Südafrika eine Chance.“[5]

Ursachen

Die vergleichbare Verbreitung in Nordafrika und West- bzw. Zentraleuropa ist auf den Einfluss Europas auf den nordafrikanischen Teil zurückzuführen; zusätzlich bildet die Sahara eine ökologische Abgrenzung zwischen nord- und südafrikanischen Staaten.

Für die weite Ausbreitung von AIDS in den südafrikanischen Staaten sind vermutlich folgende Ursachen verantwortlich:

  • Späte Präventionskampagnen: Während in Europa und Nordamerika kurz nach der Entdeckung des HI-Virus durch Massenmedien die Endzeitstimmung verbreitet wurde und damit große Teile der Bevölkerung über die Übertragungswege und Prävention informiert waren, blieb AIDS in vielen Teilen Afrikas ein Tabuthema, wodurch die Seuche fast 20 Jahre Zeit hatte, sich ungehindert zu verbreiten.
  • Kostengründe: Die Bevölkerung des südlichen Afrika gehört zu den ärmsten der Welt. Werden Kondome und HIV-Tests den Betroffenen nicht sehr kostengünstig zur Verfügung gestellt, so werden diese Mittel nicht breite Verwendung finden.
  • Prostitution sowie sexuelle und körperliche Gewalt gegen Frauen sind mögliche Gründe, weshalb im Gegensatz zu Europa und Nordamerika mehr Frauen als Männer infiziert sind (57 % der HIV-infizierten Erwachsenen sind Frauen[6]), erklären dieses Phänomen jedoch nicht vollständig. In Tansania ergab eine Untersuchung, dass bei jungen Frauen, die Gewalt durch ihren Partner erfahren haben, die Wahrscheinlichkeit, HIV-infiziert zu sein, zehn mal höher war als bei Frauen, die keine Gewalt erfuhren.
  • Gleichgültigkeit der Infizierten: In vielen Gebieten besteht kein großes Interesse bei den Betroffenen, den eigenen HIV-Status zu kennen und somit andere schützen zu können. Ein positives Testergebnis kommt in vielen Gebieten Afrikas einem Todesurteil gleich, da es keinerlei Behandlungsmöglichkeiten gibt.
  • Starke Tabuisierung von Aids und Diskriminierung und Ausgrenzung von Aids-Kranken, was die Bereitschaft, einen Aids-Test durchzuführen, stark vermindert.
  • Kulturelle Ursachen: Polygamie und das sofortige Heiraten der Witwen durch Familienangehörige des Verstorbenen sind ebenfalls begünstigende Faktoren.

Höhere Prävalenz und fehlende Behandlungsmöglichkeiten für andere sexuell übertragbare Krankheiten begünstigen die Übertragung des HI-Virus. Inwieweit die Prävalenz dieser Erkrankungen die Verbreitung von HIV beeinflusst, ist noch nicht verstanden. Da viele Geschlechtskrankheiten zu Hautwunden an den Geschlechtsorganen führen, kann das Virus beim Geschlechtsverkehr die Schleimhautbarrieren wesentlich leichter überwinden. Gelegentlich werden auch genetische Faktoren in Betracht gezogen und Unterschiede des HI-Virus zu den in Europa verbreiteten Stämmen genannt. Bekannt ist, dass Aids vermehrt mit den in Afrika häufigen Erkrankungen Tuberkulose und Malaria einher geht.

Auch wenn alle oben genannten Ursachen die Verbreitung von AIDS begünstigen, überwiegen in bestimmten Regionen spezifische Ursachen. Zentral- und Ostafrika sind die einzigen Regionen in Afrika, die eine Abnahme der Verbreitung in der Bevölkerung aufzeigen – um dies nun schon als allmähliche Entschärfung des Problems betrachten zu können, sind die beobachteten Zeiträume jedoch zu kurz und ist der prozentuale Anteil der Infizierten in der Bevölkerung immer noch zu hoch. Trotzdem nimmt man an, dass diese Abnahme auch auf die Präventionskampagne, die seit Mitte der 1980er Jahre in Zusammenarbeit mit der WHO begonnen hat und die dafür verantwortlich ist, dass die Aids-Problematik und die möglichen Schutzmaßnahmen inzwischen 99 % der Bevölkerung, insbesondere auch den Jugendlichen, bekannt sind, zurückzuführen ist. In Ost- und Zentralafrika konnte UNAIDS feststellen, dass gute, intensive Präventionskampagnen einen deutlich positiven Effekt aufweisen können.

In Westafrika soll Prostitution eine wichtige Ursache sein. Beispielsweise sind in Luanda 33%, in Ouagadougou 21% der weiblichen Sexarbeiter HIV positiv – ein riesiges Potential für ein zukünftiges Wachstum der Epidemie.[6]

Die Ursachen in Südafrika liegen gemäß UNAIDS (2004) an der frühen sexuellen Aktivität der Jugendlichen (das Durchschnittsalter beim ersten Geschlechtsverkehr beträgt bei Männern 16,4 Jahre und bei Frauen 17 Jahre, Deutschland: 16.9 Jahre) in Zusammenhang mit schlechter bzw. schlicht nicht vorhandener Präventionsaufklärung. Bei den Fünfzehn- bis Neunzehnjährigen sind 4,8% (2004) infiziert, bei den Zwanzig- bis Vierundzwanzigjährigen bereits 16,5% (2004). Auch sexuelle Gewalt scheint eine große Rolle zu spielen: 14 % der Frauen in Ostafrika geben an, dass sie zu ihrer ersten sexuellen Erfahrung gezwungen wurden.[6]

Probleme der Aufklärung

Thabo Mbeki, ehemaliger südafrikanischer Präsident und AIDS-Leugner

In vielen Staaten Afrikas haben Mediziner und AIDS-Aufklärer mit heftiger Ablehnung der wissenschaftlichen Erkenntnisse über das HI-Virus zu kämpfen sowie mit einer weitverbreiteten Ignoranz gegenüber der AIDS-Forschung. Dazu beigetragen hat die als Aids-Leugner (engl. AIDS denialists) bezeichnete Gruppe von Personen, die mit unterschiedlichen Thesen den Zusammenhang von HIV und AIDS oder sogar die Existenz des Virus in Frage stellt. Ein besonders prominenter Vertreter dieser Gruppe ist der deutsch-amerikanische Molekularbiologe Peter Duesberg, der trotz seiner im Westen völlig diskreditierten Thesen zu der Krankheit in die AIDS-Beratungskommission der südafrikanischen Regierung berufen wurde.[7] Südafrikas ehemaliger Präsident Thabo Mbeki hat wiederholt den Zusammenhang zwischen HIV und AIDS bestritten ebenso wie die Tatsache, dass es sich bei AIDS überhaupt um eine Krankheit handelt.[8][9] Sein voraussichtlicher Nachfolger Jacob Zuma hat ähnliche Ansichten angedeutet.[8] Auch andere afrikanische Staatschefs haben sich in dieser Hinsicht hervorgetan. So rät etwa Gambias Diktator Yahya Jammeh den Einwohnern seines Landes von der Einnahme antiviraler Medikamente ab.[8]

Der umstrittene deutsche Vitaminverkäufer Matthias Rath war ebenfalls in Südafrika aktiv und verkaufte, unterstützt von der dortigen Gesundheitsministerin, Vitaminpräparate als angebliche Arznei gegen AIDS.[8] Ende 2006 gab es Berichte darüber, dass sich ein grundlegender Kurswechsel in der AIDS-Politik Südafrikas abzeichne.[10] Die Protagonisten der umstrittenen AIDS-Politik blieben allerdings weiterhin im Amt.

Situation der Infizierten

AIDS ist für eine rückläufige Lebenserwartung in manchen südafrikanischen Staaten verantwortlich (Quelle: World Bank World Development Indicators, 2004)

Während sich die Lebenserwartung und Lebensqualität für HIV-Infizierte in den Industrienationen deutlich vergrößert bzw. gebessert haben – sei es durch antiretrovirale Medikamente, durch bessere Behandlung von opportunistischen Infektionen oder die medikamentöse Prophylaxe von Infektionen –, sind die Perspektiven von HIV-Infizierten in den meisten afrikanischen Ländern weiterhin schlecht. Wo eine medizinische Versorgung oft ein Privileg Weniger ist, bleibt eine lebenslange antiretrovirale Therapie für Millionen von Menschen unbezahlbar.

Mindestens 85 % (nahezu 900.000) der Südafrikaner, die antiretrovirale Medikamente benötigen, bekamen diese Mittel 2005 nicht, das Gleiche gilt für mindestens 90 % der Bedürftigen in Ländern wie Äthiopien, Ghana, Lesotho, Mozambique, Nigeria, der Vereinigten Republik Tansania und Simbabwe.[6]

Eine antiretrovirale Therapie kostet in Europa zwischen 10.000 $ und 15.000 $ pro Person und Jahr. Die Kosten sind u.a. so hoch, weil auf diesen Medikamenten Patentrechte liegen. Durch pharmazeutische Fabriken in Südafrika, Indien, Brasilien, Thailand und China sowie durch Spenden ist es möglich, in bestimmten afrikanischen Ländern Generika für 140 $ pro Person und Jahr zur Verfügung zu stellen.

Zu Beginn des Jahres 2004 hat die Clinton Foundation eine Einigung zwischen verschiedenen Herstellern von Generika und Markenherstellern erzielt und deutlich günstigere Konditionen für die Länder ausgehandelt, die am stärksten von der Pandemie betroffen sind. UNAIDS verkündete das Ziel, in diesen Ländern bis zum Jahre 2005 drei Millionen Menschen den Zugang zur antiretroviralen Therapie zu ermöglichen. 2004 wurde von der WHO die Initiative 3 by 5 gestartet: 3 Millionen Infizierte sollten im Jahr 2005 mit Medikamenten versorgt werden.

Situation der Familien der Infizierten

Junge Mädchen müssen oft die Schule abbrechen, um ihre erkrankten Eltern zu pflegen oder sich um die jüngeren Geschwister zu kümmern. Bis zum Jahr 2006 waren in Afrika 12 Millionen Kinder durch AIDS zu Waisen geworden. Diese gehen oft nicht zur Schule, werden ausgegrenzt und diskriminiert. Die Großfamilien sind angesichts der riesigen Anzahl an Waisen mit der Pflege dieser Kinder zunehmend überfordert. Sie tragen ein hohes Risiko, an Unterernährung zu leiden.[11]

AIDS-Bekämpfung

Die 2003 von UNAIDS und anderen erarbeiteten „Three Ones“-Kernprinzipien [12]

1. Eine Strategie zur HIV/AIDS-Bekämpfung

2. Eine nationale, multisektorale AIDS-Koordinationsstelle

3. Ein landesweites Monitoring- und Evaluierungssystem

sollen die Koordination von Mitteln für die HIV/AIDS-Bekämpfung innerhalb eines Landes verbessern und die Aktivitäten verschiedener Geber und Kooperationspartner harmonisieren. Im Sinne der „Three Ones“ liegen die Aktivitäten zur HIV/AIDS-Bekämpfung in den meisten Staaten Afrikas den jeweiligen Gesundheitsministerien und Nationalen AIDS-Räten. Die meisten Gelder für Aktivitäten gegen AIDS fließen über multilaterale Institutionen (Weltbank, Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria[13] u.a.) oder bilaterale Abkommen zwischen Industrieländern und den afrikanischen Regierungen (z.B. über das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung [14], die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit[15], PEPFAR[16]).

Diese Finanzierungen unterstützen afrikanische Staaten maßgeblich beim Aufbau nationaler Programme gegen die HIV-Epidemie. Kritiker mahnen häufig eine bessere Einbindung zivilgesellschaftlicher Gruppen und der Kirchen an.


Weltbank:

1988 begann die Weltbank Projekte gegen HIV/AIDS finanziell zu unterstützen. In Afrika fördert die Weltbank staatliche Programme gegen HIV/AIDS durch Zuschüsse, die im Rahmen des "Multi-Country AIDS Program for Africa" (MAP[17]) und des kleineren, auf die Implementierung der AIDS-Therapie ausgerichteten "Treatment Acceleration Program" (TAP[18], 2006-2008) vergeben werden. In der ersten Phase von MAP (2001 bis 2006) finanzierte die Weltbank 39 nationale oder überregionale Projekte mit einem Volumen von 1,286 Milliarden US-Dollar.


PEPFAR:

2003 initiierte US-Präsident Bush das globale US-Programm zur AIDS-Bekämpfung PEPFAR (President's Emergency Plan for AIDS Relief). PEPFAR ist einer der großen Geldgeber im Kampf gegen HIV/AIDS, insbesondere in Afrika, und unterstützt über bilateraler Partnerschaften in den Empfängerländern präventive, therapeutische und pflegerische Maßnahmen. Von 2003 bis 2008 waren 15 Milliarden US-Dollar für den Kampf gegen AIDS in Entwicklungsländern vorgesehen:

- 10 Milliarden US-Dollar für 15 „focus countries“ (Botswana, Äthiopien, Kenia, Namibia, Ruanda, Tansania, Südafrika, Uganda, Sambia, Mosambik, Nigeria, Cote d’Ivoire, Guyana, Vietnam, Haiti)

- 4 Milliarden US-Dollar für andere Länder und Aktivitäten (z.B. wissenschaftliche Untersuchungen zu HIV/AIDS)

- 1 Milliarde US-Dollar für den Globalen Fond zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria (GFATM)

Für das Fortsetzungs-Programm PEPFAR 2 (2009 bis 2013) sind 48 Milliarden US-Dollar geplant.

Häufig wird die Kritik [19] [20] geäußert, dass die Mittelvergabe mit vielen, teilweise ideologischen Bedingungen verbunden ist: In Therapieprogrammen werden Markenmedikamente von US-amerikanischen Herstellern gegenüber billigeren Nachahmerpräparaten (Generike) bevorzugt. Kirchliche amerikanische Organisationen (Faith based Organisations), die oft den Gebrauch von Kondomen ablehnen, werden anderen nichtstaatlichen Organisationen und Initiativen vorgezogen. Das Verhältnis zwischen präventiven und therapeutischen Maßnahmen sei nicht ausgewogen; insbesondere werde zu sehr die ABC-Strategie („A“: abstinence, „B“: be faithful, „C“ use condoms) propagiert.

In Südafrika engagieren sich zahlreiche kleine Organisationen und Gruppen in der besonders betroffenen Provinz KwaZulu-Natal in der AIDS-Arbeit. Oft handelt es sich dabei um dörfliche Initiativen, die dem Leid ihrer Nachbarn nicht länger untätig zusehen wollen. Was ihnen fehlt, sind fachliches Wissen und finanzielle Mittel. Die AIDS Foundation South Africa (AFSA) hilft den Basisgruppen durch fachliche Beratung und mit Geld aus einem eigens dafür eingerichteten Fonds. In den nächsten drei Jahren will AFSA 16 Initiativen, die sich für AIDS-Aufklärung engagieren und betroffenen Familien helfen, finanziell unterstützen und fachlich beraten. So kann sichergestellt werden, dass sich die kleinen Initiativen und Gruppen ganz auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren können und Hilfe bekommen, wenn sie nicht mehr weiter wissen.

In Angola, Botswana, Guinea-Bissau, Mosambik, Namibia, Sambia, Simbabwe, Südafrika, (aber auch in Indien und China) arbeitet in bisher 50 Gebieten à 100.000 Einwohnern Total Control of the Epidemic („totale Kontrolle der Epidemie“), eine mehrfach ausgezeichnete Kampagne zur Bekämpfung von HIV/AIDS der NGO Humana People to People. Auf der Basis einer strikten Organisation betreibt sie die Aufklärung und Mobilisierung der Bevölkerung in Besuchen geschulter Einheimischer von Haus zu Haus. Ende 2006 hatte sie 4,8 Millionen Menschen erreicht.

In Äthiopien, Kenia, Tansania und Uganda fördert die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung die AIDS-Aufklärung, unter anderem indem sie Selbsthilfeinitiativen der Bevölkerung unterstützt.

Einzelnachweise

  1. Alle Zahlen 2007: „Global summary of the AIDS epidemic, December 2007“, UNAIDS, 2007 (PPT).
  2. De Cock KM et al. Prevention of mother-to-child-transmission in resource-poor countries. Jama 2000; 283: 1175-82
  3. Quelle, soweit keine andere angegeben ist: CIA The World Factbook CIA World Factbook
  4. Kathrin Zinkant (26. Juni 2006), „Wurzel einer Pandemie“, Zeit online, 26. Mai 2006.
  5. Focus 16/2004
  6. a b c d „Die AIDS-Epidemie.Status-Bericht: Dezember 2005“, UNAIDS, 2005 (PDF).
  7. Abschlussbericht der südafrikanischen AIDS-Expertenkommission 2001, S. 10 (PDF-Datei, englisch).
  8. a b c d Marco Evers: Seuche der Ignoranz, Spiegel Wissen.
  9. Peter-Philipp Schmitt: Der Aidskritiker von Toronto, FAZ, 19. August 2006.
  10. Alexander von Paleske: Ende der toedlichen HIV-Behandlungsirrfahrt, Indymedia, 8. November 2006.
  11. Unicef: "Bericht zu AIDS-Waisen in Afrika - „Afrikas verwaiste Generationen“"
  12. http://www.unaids.org/en/CountryResponses/MakingTheMoneyWork/ThreeOnes/
  13. http://www.theglobalfund.org/en/
  14. http://www.bmz.de/de/themen/gesundheit/HIVAIDS/arbeitsfelder/index.html
  15. http://www.gtz.de/de/themen/uebergreifende-themen/hiv-aids-bekaempfung/1795.htm
  16. http://www.pepfar.gov/
  17. http://web.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/COUNTRIES/AFRICAEXT/EXTAFRHEANUTPOP/EXTAFRREGTOPHIVAIDS/0,,contentMDK:21371947~menuPK:3880580~pagePK:34004173~piPK:34003707~theSitePK:717148,00.html
  18. http://www.uneca.org/tap/
  19. http://www.pepfar2.org/
  20. http://www.faz.net/s/Rub8E1390D3396F422B869A49268EE3F15C/Doc~E7C4F4E29374040018D7FBD65FBA768E2~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

Literatur

  • Hansjoerg Dilger: Leben mit Aids. Krankheit, Tod und soziale Beziehungen in Afrika. Eine Ethnographie. Campus, Frankfurt a.M., 2005. ISBN 3593377160.
  • Stefan Hippler/Bartholomäus Grill: Gott, Aids, Afrika, Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2007.
  • Stephanie Nolen: 28 Stories über Aids in Afrika. Piper, München 2007, ISBN 978-3-492-05014-2.
  • Edwin Cameron: Der Tod in Afrika: Mein Leben gegen AIDS. C.H. Beck 2007, ISBN 3406549829

Siehe auch

Weblinks


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