Aiga Rasch

Aiga Rasch (* 9. Juli 1941 in Stuttgart; † 24. Dezember 2009) war eine deutsche Illustratorin.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Ihr Vater war Architekt. Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft baute er zunächst Ruinen auf. Die Mutter Lilo Rasch-Naegele war Modegrafikerin, gehörte zum Kreis um Willi Baumeister und war europaweit bekannt. Die Eltern bauten am Rand des Naturparks Schönbuch ein Haus, wo Aiga in einen Biotop mit Ententeich aufwuchs und Pläne entwickelte, Schriftstellerin zu werden. Kurz vor dem Abitur beteiligte sie sich an Romanwettbewerb des Kosmos Verlags; dadurch erhielt sie die Gelegenheit, sich mit einer Mappe im Lektorat vorzustellen. Seither war sie diesem Verlag auch freundschaftlich verbunden.

Nach dem Abitur studierte sie in Tübingen Germanistik, Philosophie und Psychologie mit dem Ziel Journalismus,[1] um der Mutter nicht als Grafikerin Konkurrenz zu machen.[2] Der Chefredakteur der Werkzeitung der Ilseder Hütte entdeckte ihr Talent für das Zeichnen, als sie dort während der Semesterferien volontierte. 1961 heiratete sie ohne jede Ausbildung und brach das Studium ab.

Aus der Berufspraxis der Mutter hatte sie jedoch genug gelernt, um einen Berufseinstieg bewerkstelligen zu können. So wurde sie Mitglied der DM und lernte beim Chef-Layouter ihr Handwerk. Seit 1992 arbeitete sie mit einem Macintosh, seit 1999 zunehmend an eigenen Projekten.

1980 verbrachte sie ein Jahr in Colorado, USA, und lernte bei Gia-Fu Feng die Zen-Meditation, Tai Chi und ein wenig Kung-Fu, was ihr Leben und auch ihre Arbeitsweise sehr veränderte; sie verlegte sich auf die Aquarelltechnik. Seit 1992 trat wiederum der Computer in den Vordergrund.[2]

Die drei ???

Aiga Rasch ist vor allem durch die Titelbilder der Jugendbuchreihe Die drei ??? bekannt und berühmt geworden; diese Reihe wurde ursprünglich aus dem Amerikanischen übersetzt und erreichte in Deutschland nicht zuletzt durch ihre Titelbilder einen bis heute ungebrochenen Kultstatus. Ihr Design ist prägnant und unverwechselbar.

„Ich glaube uns allen ist klar, welchen erheblichen Anteil am Erfolg der Serie in Deutschland die wundervollen Illustrationen von Aiga gehabt haben. Ich glaube, es gibt wenig Künstler, die so konsequent einen so eigenen Stil verfolgt haben, die einen so hohen Wiedererkennungswert haben und deren Bilder gleichzeitig so aussagestark sind und doch so viel Raum für die eigene Fantasie lassen.“

– Nachruf der Produktmanagerin von EUROPA[3]

Zufällig sah sie 1969 die ersten beiden Bände (… und das Gespensterschloss und … und die flüsternde Mumie) aus der Serie von Alfred Hitchcock mit den Schutzumschlägen von Jochen Bartsch und erkundigte sich nach dessen Resonanz. Die war nicht besonders. Sie schlug einen eigenen Entwurf vor, den man ihr jedoch als Frau bei dem eher männlichen Thema nicht zutraute. Sie vereinbarte mit dem Kosmos-Verlag auf das Honorar zu verzichten, sollte der Entwurf nicht gefallen. Der Verleger reagierte entsetzt auf das schwarze Design; so etwas habe es noch nie gegeben. Die Künstlerin hielt dies für ein zusätzliches Argument und konnte ihn schließlich zu einem Versuch überreden.

1970 kam das erste Titelbild als Collage in Schwarz, Weiß und Rot heraus. Dann wechselte sie auf Farbfolien, schließlich auf die neuartigen Filzstifte. Die Protagonisten der Reihe tauchen auf keinem der Titelbilder auf; dies ist ein Kunstgriff, der es dem Leser erlaubt, seine eigenen Vorstellungen zu entwickeln. [2]

Charakterisierung

1979 erschien ein bis heute unverändert aufgelegtes Nachschlagewerk, das ihre Arbeit bis 1974 wie folgt würdigt:

„R. legt besonderen Wert auf Figurendarstellungen; landschaftliche bzw. architektonische Formen treten zurück, haben allenfalls dekorativen Charakter. Sie arbeitet in der Regel die individuellen Gesichtszüge ihrer Figuren nicht sonderlich aus, betont vielmehr die Typencharakteristik, z.B. bei Asiaten die Schlitzäugigkeit (Max Kruse: "Die kleine Fang", 1966), Negern die Wulstlippen (Karen Olsen: "Aus Njagwe wird Peter", 1970), Nordländern die Sommersprossen (Viola Wahlstedt: "Jonas auf der Flucht durch Lappland", 1972) usw. Damit folgt sie weitverbreiteter Stereotypie. R. bevorzugt schwarz-weiß, ist bei Kolorierung für strikte Farbtrennung und verwendet verschiedene Arbeitsweisen, darunter auch die der Reißtechnik (H. Grit Seuberlich: "Balabin", 1968) oder auch Mischformen (Dorothy Sterling: "... ihre dunkle Haut", 1965). Die Bewegungen der Personen, die Drehungen des Kopfes, der Arme und Beine wirken teilweise schematisch, nicht jedoch organisch bzw. funktional bedingt. R. hat sich in ihrem Stil dem Grunddesign der Verlagshäuser, für die sie illustriert (Franckh, Ensslin & Laiblin, Erika Klopp, Arena, O. Maier u.a.) angeschlossen und mit ihrer kindertümlich-fröhlichen Themenauffassung und der Orientierung am Stil der Modezeichnungen eine nicht sehr ausgeprägte, jedoch ansprechende Handschrift gefunden.“

Klaus Doderer (Hsg.): Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur, 1979[4]

Die 1974 schon erschienenen Titelbilder zur Serie Die drei ??? werden in dieser Übersicht noch nicht berücksichtigt; es handelt sich hierbei ja auch nicht um illustrierte Bücher.

Werke

Eigene Bilderbücher

  • Der Kampf um den Molar. Paracelsus, Stuttgart 1979, ISBN 3-7899-0070-2.
  • Pipapo im Fehlerzirkus. Pestalozzi, Erlangen 1977.

Illustrationen

Literatur

  • Klaus Doderer (Hsg.): Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur. Personen-, Länder- und Sachartikel zu Geschichte und Gegenwart der Kinder- und Jugendliteratur. Band P-Z, Weinheim/Basel, 1979, ISBN 978-3407565204
  • Aiga Rasch. Porträt einer Graphikerin. In: Bulletin Jugend und Literatur. 1972. 5., S. 36-37

Einzelnachweise

  1. Über das Leben und die Arbeit von Aiga Rasch auf der Fanseite
  2. a b c Wer ist Aiga Rasch? Vorstellung auf der Homepage
  3. Nachruf auf der Europa-Homepage (Produktmanagerin von EUROPA)
  4. Aiga Rasch im Lexikon. Dort ausführliches Werkverzeichnis der illustrierten Bücher 1964-1974.

Weblinks


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