Aigen (Gemeinde Kirchschlag)
Wappen Karte
Wappen von Kirchschlag in der Buckligen Welt
Kirchschlag in der Buckligen Welt (Österreich)
DEC
Kirchschlag in der Buckligen Welt
Basisdaten
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)
Bundesland Niederösterreich
Politischer Bezirk Wiener Neustadt-Land (WB)
Fläche 57,96 km²
Koordinaten 47° 30′ N, 16° 17′ O47.516.283333333333417Koordinaten: 47° 30′ 0″ N, 16° 17′ 0″ O
Höhe 417 m ü. A.
Einwohner 2.904 (31. Dez. 2008)
Bevölkerungsdichte 50 Einwohner je km²
Postleitzahl 2860
Vorwahl 02646
Gemeindekennziffer 3 23 14
AT122
Adresse der
Gemeindeverwaltung
Hauptplatz 1
2860 Kirchschlag in der Buckligen Welt
Offizielle Website
Politik
Bürgermeister Franz Pichler-Holzer (ÖVP)
Gemeinderat (2005)
(21 Mitglieder)
16 ÖVP, 5 SPÖ
Lage der Stadt Kirchschlag in der Buckligen Welt
Karte

Kirchschlag in der Buckligen Welt ist eine Stadtgemeinde und Passionsspielort im Bezirk Wiener Neustadt-Land in Niederösterreich.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Kirchschlag in der Buckligen Welt liegt im Industrieviertel in der südöstlichen Ecke von Niederösterreich. Die Fläche der Stadtgemeinde umfasst 57,96 Quadratkilometer. 41,67 Prozent der Fläche sind bewaldet.

Katastralgemeinden sind Aigen, Kirchschlag in der Buckligen Welt, Lembach, Stang und Ungerbach.

Etymologie

Der Ortsname Kirchschlag lässt in der Stammsilbe "-schlag" erkennen, dass es sich hier um ein noch ungerodetes Waldgebiet gehandelt hat, das erst geschlägert werden musste, während die Vorsilbe "Kirch-" darauf hinweist, dass die Siedlung auf Initiative der Kirche, höchstwahrscheinlich des Stiftes Reichersberg, entstanden ist. Urkundlich: 1246/1255 - Castrum Kryslag

Geschichte

Die Stadt Kirchschlag in der Buckligen Welt ist ein geschichtlich sehr bedeutender Ort, was vor allem auf seine Lage an der Ostgrenze des alten deutschen Reiches zurückzuführen ist, welche die stark befestigte Siedlung immer wieder als Bollwerk des Abendlandes gegen die von Osten anstürmenden Feinde in Erscheinung treten ließ. Bezeichnenderweise wird der Ort noch in Dokumenten des 18. Jahrhunderts als „Granizfeste“ bezeichnet.

Kirchschlag wird erstmals 1246 und 1255 urkundlich genannt, als ein Gefolgsmann des ungarischen Königs Bela IV. „sub castro“ Kryslag den Tod fand. In der Folgezeit stand die Burg im Brennpunkt kriegerischer Auseinandersetzungen und die Besitzverhältnisse änderten sich häufig.

Kirchschlag und nördliche Umgebung um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

Im Jahre 1651 erbaute Hans Christoph von Puchheim am Kirchschlager Hauptplatz ein Herrenhaus (Hofhaus) im Stil der Renaissance. Nach seinem Tod 1657 kam Kirchschlag an den Grafen Nikolaus Pálffy, der über seine Mutter Eva Susanne von Puchheim Erbansprüche geltend machen konnte. Die Pálffy gehörten zu den wenigen Adelsgeschlechtern Ungarns, die dem Hause Habsburg stets die Treue hielten. Ihre weitaus größeren Besitzungen lagen allerdings in Ungarn, so dass ihr Interesse für die vereinigten Grundherrschaften Kirchschlag-Krumbach relativ gering war; dennoch behielten sie diese bis zur Aufhebung des Untertanenverhältnisses (1848).

Im Laufe seiner Geschichte wurde Kirchschlag oft von feindlichen Heeren heimgesucht, so z.B. 1250, 1254, 1271 und 1482 von den Ungarn, 1532 und 1683 von den Türken, 1605 von den Haiduken unter Stephan Bocskai, 1621 von den räuberischen Horden des Gábor Bethlen, 1703 von den Kuruzen, 1805 und 1809 von den Franzosen und 1921 von ungarischen Freischärlern. An das Gefecht vom 5. September 1921, das im Zusammenhang mit der Besetzung des Burgenlandes von Ungarn her in den Ort eingedrungene Banden einer Kompanie des österreichischen Bundesheeres lieferten, erinnert heute noch ein Kriegerdenkmal bei der Zöbernbachbrücke nahe der Pfarrkirche. Bei Kriegsende betrat die Rote Armee am Karfreitag 1945 in Kirchschlag erstmals altösterreichischen Boden.

Am 12. Dezember 2002 wurde die Marktgemeinde Kirchschlag zur Stadtgemeinde erhoben.

Eingemeindungen

In den 70er-Jahren wurden im Zuge der Gemeinde- und Schulreform die eigenständigen Gemeinden Aigen, Lembach, Stang und Ungerbach mit Kirchschlag zusammengelegt.

Einwohnerentwicklung

Nach dem Ergebnis der Volkszählung 2001 gab es 2960 Einwohner. 1991 hatte die Stadtgemeinde 3014 Einwohner, 1981 2974 und im Jahr 1971 2928 Einwohner.

Bürgermeister seit 1945

1945 Karl Koglbauer
1945-1946 Karl Pichler
1946-1947 Franz Pichler
1947-1955 Josef Ungerböck
1955-1972 Karl Baueregger
1972-1985 Alois Dopler
1985-1995 Gottfried Schwarz
1995- Franz Pichler-Holzer

Wappen

Verleihung: 1988

Blasonierung: Im roten Schild über grünem Erdreich eine gequaderte, zinnenbekrönte silberne Stadtmauer mit mächtiger Toranlage, geöffneten goldenen Torflügeln und hochgezogenem goldenen Fallgitter; die Toranlage flankiert von zwei ebenfalls mit Zinnen bekrönten silbernen Türmen, zwischen ihnen ein von Blau und Rot geteilter Schild, oben aus der Teilungslinie wachsend ein rechtsgewendeter aufsteigender silberner Löwe; der Schild gehalten von einem goldenen Engel, der seine Flügel über die beiden Türme ausbreitet.

Das Kirchschlager Marktwappen geht auf ein Marktsiegel zurück, das ungefähr in derselben Zeit, also Mitte 15. Jahrhundert, entstanden sein dürfte. Eine zeitgenössische Abbildung findet sich im Gewölbe der spätgotischen Kirchschlager Pfarrkirche (Wappenschlussstein im Chor, bezeichnet 1480). Das Wappen zeigt eine Ortsbefestigung mit mächtiger Toranlage und zwei Türmen, darüber ein Engel, der das Wappen der Herren von Pottendorf in Händen hält. Die Pottendorfer waren von Anfang 14. Jahrhunderts bis zum Aussterben im Mannesstamm 1488 Inhaber von Schloss und Herrschaft Kirchschlag. Sie dürften das dem Wappen zugrunde liegende Siegel dem Markt als Amtssiegel verliehen haben. Kirchschlag spielte in den Ungarnkriegen des Spätmittelalters als Grenzfeste und später in der Zeit der Türkenkriege als Fluchtort eine wichtige Rolle. Die im Wappen dargestellte Befestigung mit der mächtigen, offen stehenden Toranlage wird dahingehend interpretiert, dass Kirchschlag als Grenzfestung und Fluchtort allen Bewohnern der Umgebung bei Feindesgefahr offen stand. Schützend breitet der Engel seine Flügel über den Markt und die in seinen Mauern Zuflucht suchenden Menschen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Pfarrkirche von Kirchschlag
Burgruine vom Ort aus gesehen
  • Burgruine
  • Hofhaus mit Büstenwand von 9 Habsburgern
  • Liebfrauenkirche
  • Pfarrkirche
  • Passionsspielhaus
  • Kreuzweg (14 Stationskapellen)

Naturdenkmäler

  • Radegundenstein

Sport

  • Freibad
  • Fußballplätze
  • 4 Tennisplätze
  • Volleyballplatz
  • Eislaufplatz
  • Modellflugplatz
  • Asphaltstockanlage
  • umfangreiches Rad- und Wanderwegenetz
  • Motocross-Strecke (MSC Kirchschlag)
  • Modellautobahn
  • USC Kirchschlag

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Passionsspiele
  • Stadtfest
  • Zeltfeste und Bälle der Vereine
  • Advent am Schlossberg
  • Moto Cross Staatsmeisterschaftslauf
  • Abend in Schräglage

Wirtschaft und Infrastruktur

Ansässige Unternehmen

Durch politische Fehlentscheidungen auf Gemeinde- und Landesebene sind mehrere Großbetriebe in den letzten Jahren abgewandert oder haben ihre Produktionsstätten in Kirchschlag eingestellt. Ungefähr zur gleichen Zeit wurden mehrere Supermärkte und andere kleinere Handelsbetriebe in Kirchschlag ansässig.

Öffentliche Einrichtungen

  • Postamt
  • Katholische Kirchen
  • Praktische Ärzte
  • Zahnarzt
  • Frauenarzt
  • Tierärzte
  • Bezirksstelle des Roten Kreuzes
  • Freiwillige Feuerwehren

Bildung

  • Hauptschule Kirchschlag
  • Musikschulverband Bucklige Welt - Süd
  • NÖ Landeskindergarten Kirchschlag
  • Polytechnische Schule
  • Volksschule Kirchschlag

Persönlichkeiten

  • Ernst Zickero (28. Oktober 1829 - 25. Oktober 1897): studierte Medizin, Buch 'Kirchschlag und seine Denkwürdigkeiten', Träger des "Goldenen Verdienstkreuzes"
  • Otto Pfeiffer (6. Juli 1850 - 27. März 1937): Kenner der Gartenbaues, Landschaftsbild-Maler, Obmann des Verschönerungsvereines
  • Johann Ritter (24. Mai 1868 - 13. Juni 1937): Zeichnungen der Buckligen Welt, Marterl- und Grabkreuz-Schnitzereien

Weblinks


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