Ephemeriden

Eine Ephemeride ist eine Tabelle, die die Positionen eines sich bewegenden astronomischen Objekts in konstanten Zeitabständen auflistet. Im engeren Sinn sind es Positionstabellen von Sonne, Mond, Planeten, Kometen und Fixsternen.

Ephemeriden werden neben der Astronomie auch in der Raumfahrt, der Himmelsmechanik und der Astrogeodäsie verwendet. Auch weitere Anwendungen mit Bezug zur Sonne, Planeten oder Erdsatelliten und in der Astrologie verwenden solche Tabellen.

Der Ausdruck ist aus dem Adjektiv ephemer, ‚flüchtig, vergänglich‘ abgeleitet (von altgriechisch ἐφημέριος ephēmérios ‚nur einen Tag lang dauernd, vergänglich‘).[1]

Inhaltsverzeichnis

Anwendungen

Ephemeriden für die beobachtende Astronomie bedienen sich zur Positionsangabe entweder des Vollkreises von 360 Grad längs der Ekliptik oder geben die Position in Äquatorialkoordinaten an. Die Berechnung der Ephemeriden gehört zu den Leistungen der astronomischen Phänomenologie und ist heute Bestandteil vieler astronomischer Programme oder interaktiv im Internet verfügbar.

Bei einem Satelliten beschreiben die Ephemeriden in mathematischer Form die scheinbare Umlaufbahn. Beim Global Positioning System (GPS) und anderen GNSS-Systemen sind diese Bahndaten Bestandteil des von jedem Satelliten ausgestrahlten Signals, die dann Grundlage zur Berechnung der Empfängerposition sind.

Für die Abschätzung der Wahrscheinlichkeit einer möglichen Kollision zweier Körper im Sonnensystem ist es erforderlich, die Positionen der Körper und die zeitliche Entwicklung ihrer Bahnelemente genau zu kennen. Daher werden Ephemeriden-Kataloge für Asteroiden angelegt, um deren meist nur unzulänglich bekannten Bahndaten genauer bestimmen zu können. Besonderes Augenmerk gilt dabei den Erdbahnkreuzern, deren Einschläge auf der Erde zu einer Bedrohung werden könnten.

Bei astrologischen Ephemeriden werden zur einfacheren Orientierung die Angaben gelegentlich als Winkel (Grade) innerhalb der Tierkreiszeichen angegeben. Die Angabe der ekliptikalen Breite ist nicht in allen astrologischen Ephemeriden üblich.

Besondere Bedeutung hat die Berechnung der Aspekte tatsächlicher Auf- und Untergang und des Tagbogens der Sonne für die Effektivitätsberechnung von Solaranlagen sowie in der Architektur für eine Abschätzung des Sonneneinfalls; dies ist in CAD-Software in der Regel als Lichtmodul implementiert.

Ephemeridenrechnung

Die Ephemeridenrechnung als Betätigungsfeld der astronomischen Phänomenologie erfolgt auf der Basis der tatsächlich beobachteten Positionen der Himmelskörper und der Gravitationstheorie. Für zukünftige Werte werden dabei die zu erwartenden Bahnstörungen berücksichtigt. Zu diesem Zweck werden Rechenmodelle wie die Planetentheorie aufgestellt, um die Störungstheorie zu präzisieren.

Siehe auch

Literatur

  • Andreas Guthmann: Einführung in die Himmelsmechanik und Ephemeridenrechnung, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2000, ISBN 3-8274-0574-2
  • Oliver Montenbruck: Grundlagen der Ephemeridenrechnung, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2005, ISBN 3-8274-1602-7
  • Oliver Montenbruck u. Thomas Pfleger: Astronomie mit dem Personal Computer, Springer Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-540-21204-3
  • Hermann Mucke (Hrsg.): Moderne astronomische Phänomenologie. 20. Sternfreunde-Seminar, 1992/93. Zeiss Planetarium der Stadt Wien und Österreichischer Astronomischer Verein, Wien 1992 (weblink)
  • Die Deutsche Ephemeride. 1850–1889. Barth, München 1929

Einzelnachweise

  1. Wilhelm Gemoll: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch. G. Freytag Verlag/Hölder-Pichler-Tempsky, München/Wien 1965.

Weblinks

 Commons: Ephemeriden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Berechnungen:

Grundlagen:


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