Aigisthos
Aegisthus wird von Orestes und Pylades ermordet.

Aigisthos (griechisch Αἴγισθος[1], Bedeutung nicht genau bekannt, vielleicht Kraft der Ziege; lat. Aegisthus; deutsch auch Aigisth oder Ägisth) gehört in der griechischen Mythologie zum verrufenen Geschlecht der Tantaliden und ist ein Sohn des Thyestes und dessen Tochter Pelopeia.

Inhaltsverzeichnis

Zeugung

Thyestes war nach eigener Ansicht durch seinen Bruder Atreus zu Unrecht des Throns von Mykene beraubt worden. Darüber hinaus hatte Thyestes ein Verhältnis mit Atreus’ Ehefrau Aërope. Aus Rache tötete Atreus Thyestes Söhne, um sie ihm zum Mahl zu geben. Daraufhin floh Thyestes zu König Thesprotos und fragte ein Orakel, wie er nun Rache nehmen könne. Die Auskunft war, er solle mit seiner eigenen Tochter Pelopeia einen Sohn zeugen, dieser würde Atreus töten. So begab er sich nach Sikyon und zeugte bei Nacht und unerkannt mit seiner Tochter Aigisthos. Hierbei entwendete sie ihm sein Schwert. Thyestes ließ seine Tochter bei Thesprotos zurück und ging nach Lydien.

Kindheit

Auf der Suche nach Thyestes kam Atreus zu Thesprotos. Als er Pelopeia sah, verliebte er sich in sie und hielt bei Thesprotos, den er für den Vater hielt, um ihre Hand an und dieser gab sie ihm zur Frau. Nachdem Aigisthos geboren wurde, schämte sich Pelopeia über den unehelichen Sohn und setzte ihn aus. Schafhirten fanden ihn und ließen ihn von einer Ziege säugen (daher sein Name). Atreus, der um die Herkunft des Jungen nicht wusste, ließ ihn suchen, nahm ihn bei sich auf und zog ihn wie einen eigenen Sohn groß. Als Aigisthos erwachsen war, übergab Pelopeia ihm das Schwert seines Vaters.

Atreus' Tod

Atreus schickte Aigisthos zu Thyestes, um diesen zu töten. Als er Thyestes mit seinem eigenen Schwert erschlagen wollte, erkannte dieser es wieder. Nachdem er Aigisthos erklärt hatte, dass er sein leiblicher Vater sei, kehrte Aigisthos nach Mykene zurück und tötete Atreus.

Aigisthos und Thyestes regierten nun Mykene gemeinsam, und vertrieben Atreus' Söhne Agamemnon und Menelaos ins nahe Sparta, wo König Tyndareos dem ersten seine Tochter Klytaimnestra und dem anderen Helena zur Frau gab. Als Tyndareos starb, übergab er Menelaos den Thron von Sparta, welcher seinerseits Agamemnon half, Aigisthos und Thyestes zu überwinden und König von Mykene zu werden.

Verschwörung gegen Agamemnon

Nach Dictys Cretensis heiratete Aigisthos zuerst eine Tochter des Strophios. Als jedoch Agamemnon Mykene verlassen hatte, um in den zehnjährigen Trojanischen Krieg zu ziehen, verführte Aigisthos dessen Frau Klytaimnestra. Mit ihr zeugte er einen Sohn Aletes und eine Tochter Erigone.

Aigisthos und Klytaimnestra planten Agamemnon bei seiner Rückkehr zu ermorden, deshalb sandten sie Späher aus, die sie rechtzeitig über seine Rückkehr informieren sollten. So empfingen sie den ahnungslosen Agamemnon in Mykene und töteten ihn, als er gerade sein Gewand wechselte. Nun töteten sie auch Kassandra, ihre beiden Söhne Teledamos und Pelops und den Wagenlenker Eurymedon. Elektra floh mit Orestes und rettete ihn so vor der Ermordung durch Aigisthos.

Tod des Aigisthos

Acht Jahre später kehrte Orestes zusammen mit Pylades nach Mykene zurück. Da Aigisthos gerade abwesend war, tötete er zuerst seine eigene Mutter. Danach wurde Aigisthos aus einem Hinterhalt angegriffen und getötet. Da Orestes wegen der Ermordung der eigenen Mutter von Tyndareos verbannt wurde, übernahm Aletes die Herrschaft über die Stadt.

Aigisthos gilt den griechischen Tragödiendichtern und auch Seneca als Inbegriff des grausamen, aber feigen Verführers.


Vorgänger Amt Nachfolger
Agamemnon König von Mykene
12. Jahrh. v. Chr.
(mythische Chronologie)
Aletes

Quellen

  • Aischylos, Agamemnon
  • Aischylos, Die Weihgussträgerinnen
  • Bibliotheke des Apollodor 5, 14; 9, 9; 9, 23 - 25.
  • Dictys Cretensis, 5, 2 - 4.
  • Hesiod, Ehoien, 23a, 29; 176, 6.
  • Homer, Odyssee, 1, 28; 3, 263 - 270; 4, 517 - 524.
  • Hyginus, Fabulae, 87; 88; 117; 119; 122; 124; 244; 252.
  • Pausanias, Reisen in Griechenland, 1, 22, 6; 2, 16, 6 - 7; 2, 18, 2; 2, 18, 6.
  • Seneca, Agamemnon
  • Strabo, Geographica, 16.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Wilhelm Gemoll: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch. München/Wien 1965.

Weblinks

 Commons: Aigisthos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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