Ailanthus altissima
Götterbaum
Götterbaum (Ailanthus altissima)

Götterbaum (Ailanthus altissima)

Systematik
Klasse: Dreifurchenpollen-
Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
Unterklasse: Rosenähnliche (Rosidae)
Ordnung: Seifenbaumartige (Sapindales)
Familie: Bittereschengewächse (Simaroubaceae)
Gattung: Götterbäume (Ailanthus)
Art: Götterbaum
Wissenschaftlicher Name
Ailanthus altissima
(Mill.) Swingle
Götterbaum

Der Götterbaum (Ailanthus altissima, Syn.: A. cacodendron, A. peregrina, A. glandulosa, Rhus cacodendron, Toxicodendron altissimum), auch Himmelsbaum oder Bitteresche genannt (engl. Tree of Heaven), ist eine Laubbaum-Art der Gattung Götterbäume (Ailanthus) aus der Familie der Bittereschengewächse (Simaroubaceae).

Inhaltsverzeichnis

Verbreitung

Ursprünglich ist der Götterbaum in China und im nördlichen Vietnam beheimatet. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Art in anderen Teilen Asiens sowie in Europa, Amerika und später auch in Afrika und Australien angepflanzt. Von solchen Anpflanzungen breitete sich der Götterbaum zahlreich aus und kommt heute wildwachsend in allen Gebieten weltweit mit gemäßigtem und Mittelmeerklima vor.

Botanische Beschreibung

Wuchsform, Alter und Höhe

Der Götterbaum ist ein mittelgroßer Baum (Lebensform Phanerophyt), der in Mitteleuropa auf guten Standorten 27 bis 30 m groß werden kann. Im Mittelmeergebiet sowie auf nährstoffarmen, trockenen Standorten erreicht er meist nur Höhen von 18 bis 20 m.

Als Pionierbaum wird der Götterbaum häufig weniger als 100 Jahre alt. Allerdings sind deutlich ältere Bäume bekannt. Der älteste Götterbaum wuchs in einem Park in der Plittersdorfer Aue in Bonn: Der Baum erreichte einen Stammumfang von 1.27, eine Höhe von 30 m und ein Alter von 130 Jahren.

Der Götterbaum gilt als schnellstwüchsiger Baum in Europa. Der größte Höhenzuwachs erfolgt bei 5 bis 10 Jahre alten Bäumen. Nach 20 Jahren verlangsamt sich der Höhenzuwachs merklich. Keimlinge können auf günstigen Standorten im Jahr ihrer Keimung bereits 1-2 m hoch werden. Auf guten Standorten können 20-jährige Bäume über 20 m hoch werden. Besonders stark ist das Höhenwachstum bei Sprossen, die vegetativ aus der Wurzel getrieben werden (Wurzelsprosse) oder bei Stammausschlag, der sich nach einer Störung des Stammes, z.B. infolge von Bekämpfungen, zahlreich bildet. Solche Sprosse können in einem Jahr bis zu 3 m lang werden.

Zweige, Stamm und Kronenaufbau

Junge Sprosse mit Blättern sind grünlich und kurz behaart. Altere Zweige sind rötlich oder bräunlich und unbehaart. Der Stamm ist glatt, hat eine graubraune Rinde und weist im Alter ein rautenförmiges Muster auf.

Das Wachstum der Sprosse wird nicht von der endständigen Knospe, sondern von darunter liegenden Seitenknospen fortgesetzt. Dieses sympodiale Wachstum führt zu einem unregelmäßigen Kronenaufbau. Typisch für den Götterbaum ist ein Wechsel im Verzweigungsmuster nach etwa 10-15 Jahren. Dann wird das weitere Wachstum von ein oder zwei nunmehr führenden Seitentrieben übernommen (monochasiales oder dichasiales Wachstum).

Blätter

Die großen unpaarigen Fiederblätter sind häufig vierzig bis neunzig Zentimeter lang. Besonders an jungen Wurzelsprossen oder Stammausschlägen können sie auch über einen Meter lang werden. Das größte, bislang bekannte Blatt hatte eine Länge von 1.67 m (Kowarik & Säumel 2007). Ein Fiederblatt wird von 20-30 (maximal 43) länglich-ovalen Fiederblättchen gebildet, deren Anzahl stark variiert. An ihrem Grund weisen die Fiederblättchen 2-4 Drüsen auf, welche die Blätter des Götterbaumes unverwechselbar machen und auch zu seinem Namen "Drüsiger Götterbaum" geführt haben. Diese Drüsen sind Nektarien, die Zucker absondern und daher auch von Ameisen besucht werden.

Die Blätter sind im Austrieb dunkelrot und erscheinen meistens erst im Mai. Der Laubfall im Herbst beginnt erst sehr spät. Eine Herbstfärbung der Blätter erfolgt nicht.

Blüten

Die Art ist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch), das heißt die männlichen und die weiblichen Blüten finden sich auf verschiedenen Bäumen. Eine Blüte hat 5 Blütenblätter. Männliche Blüten enthalten 10 Staubblätter. Weibliche Blüten können zwar auch Staubblätter enthalten, aber diese enthalten keine Pollen, so dass es keine zweigeschlechtlichen Blüten gibt. Die gelblich-grünen Blüten sind rispenähnlich angeordnet, wobei der Blütenstand dem Typ eines doppelten Thyrsus entspricht. Männliche Blütenstände sind größer und weisen mehr Blüten als weibliche auf.

Die Blüten erscheinen in Mitteleuropa meist im Juli. Der Geruch ist kräftig und wird vor allem bei männlichen Blüten als unangenehm empfunden. Die Blüten werden von Honigbienen und anderen Insekten besucht. Götterbaum-Honig ist sehr wohlschmeckend, auch wenn er zunächst nicht gut riecht.

Früchte

Nach der Blüte entwickeln sich im August bis September beidseitig geflügelte und spiralig gedrehte Früchte mit zentralem Samen. Die Farbe der Früchte kann zwischen grün, braun und rot variieren. Die mittlere Länge der Früchte beträgt 47 mm, die mittlere Breite 9 mm. Schon 3-5 Jahre alte Bäume können blühen und Früchte produzieren. An einem 8 m hohen Baum wurden 650 Fruchtstände mit 325.000 Einzelfrüchten gezählt.

Nutzung und Einführung nach Europa

Nutzung in China

In China werden die Blätter zur Fütterung der zu den Seidenspinnern zählenden Ailanthus- oder Götterbaumspinner (Philosamia cynthia) verwendet, die in Zuchten verwertbare Seide produzieren.

Nutzung in Europa

Wo große Bestände des Götterbaums existieren, wird er zur Honiggewinnung genutzt. Der sehr würzige Götterbaumhonig ist eine lokale Spezialität.

Einführung nach Europa und Ausbreitung

Die ersten Pflanzen gelangten 1740 durch den Jesuiten Pierre Nicolas d'Incarville nach Paris. Sowohl die Verwendung als Zierpflanze als auch der Versuch, den Baum wirtschaftlich zu nutzen, trugen zu seiner Verbreitung bei. In Wien bemühte man sich, mit Hilfe dieses Baumes den Seidenspinner als Nutztier in Europa einzuführen und trug damit zu einer verwilderten Population in Wien bei. In Berlin wurde er bereits 1780 als Zierpflanze kultiviert. Wild wachsende Götterbäume sind heute in den Innenstädten der größeren deutschen Städte häufig; sie traten jedoch erst nach 1945 verstärkt auf Trümmerflächen auf. Der Invasionsbiologe Ingo Kowarik führt dies darauf zurück, dass vor 1945 offene Flächen verhältnismäßig selten waren und diese zu intensiv gepflegt wurden, um den Aufbau einer spontanen Population zu ermöglichen.

Der Götterbaum als Stadtgrün

Der Götterbaum ist resistent gegen Salz, Trockenheit und Industrieabgase und toleriert den von urbanen Luftverunreinigungen ausgehenden Stress besser als andere Stadtbäume. Götterbäume benötigen eine Jahresmitteltemperatur von etwa +9 Grad Celsius und reagieren empfindlich auf Winterfröste.

Der Götterbaum als Neophyt

Ailanthus altissima

Der hemerochor nach Europa verbrachte Götterbaum wird in seiner Auswirkung auf die heimische Biodiversität unterschiedlich beurteilt. In einigen Staaten, wie zum Beispiel in Österreich und der Schweiz wird der Götterbaum zu den „invasiven Neophyten“ gezählt, deren weitere Ausbreitung man zu verhindern sucht. In Basel werden beispielsweise die Götterbaum-Populationen entlang des Rheinufers systematisch beseitigt und in Ungarn bedroht der Baum aufgrund seiner Ausbreitung die Lebensgemeinschaften von Mager- und Felsrasen.

Auf der italienischen Insel Procida im Golf von Neapel verdrängt der Götterbaum die "Macchia Mediterranea" (Macchie).

In Deutschland wird der Götterbaum als weniger problematisch angesehen, da seine Bestände die städtischen Wärmeinseln nur selten verlassen können. Für Berlin konnte Ingo Kowarik (siehe Lit.) in seinen Untersuchungen zeigen, dass er nur in den überwärmten Gebieten der Berliner Innenstadt vorkommt.

Schadinsekten

Eine Mottenart, deren Kokon aus Seidenfäden besteht ist der Ailanthus-Spinner (Samia cynthia). Er ernährt sich von den Blättern und aus seinem Kokon lässt sich eine Seide produzieren, die haltbarer und preisgünstiger ist als die übliche Seide. Der Ailanthus-Spinner wurde in mehrere Stadtgebiete der östlichen USA sowie in Wien eingeführt, um eine Seidenindustrie zu begründen. Einführungszeitpunkt in Wien war 1856; seit 1924 wird der Ailanthus-Spinner in Österreich als Neozoon betrachtet. In seiner Verbreitung ist er jedoch an die Götterbäume und damit an überwärmte Stadtgebiete gebunden. Auch im Osten der USA findet man diesen Spinner nur in Stadtnähe. Das Auftreten des Ailanthus-Spinners ist ein Beleg für die These der Invasionsbiologie, dass ein eingeführter und verbreiteter Neophyt in der Regel auch seine Schadinsekten nach sich zieht. Im Falle des Ailanthus-Spinners war an dessen Ausbreitung allerdings der Mensch sehr stark beteiligt.

Literatur

  • Ingo Kowarik: Biologische Invasionen - Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2003, ISBN 3-8001-3924-3
  • Ingo Kowarik & Ina Säumel, 2007: Biological Flora of Central Europe: Ailanthus altissima (Mill.) Swingle. Perspectives in Plant Ecology, Evolution and Systematics. 8 (4): 207-237.
  • Mario Ludwig, Harald Gebhard, Herbert W. Ludwig, Susanne Schmidt-Fischer: Neue Tiere & Pflanzen in der heimischen Natur - Einwandernde Arten erkennen und bestimmen. BLV Verlagsgesellschaft, München, ISBN 3-405-15776-5

Weblinks


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