Airport Niederrhein
Airport Weeze
Kenndaten
IATA-Code NRN
ICAO-Code EDLV
Flugplatztyp Verkehrsflughafen
Koordinaten
51° 36′ 9″ N, 6° 8′ 32″ O51.6024138888896.142172222222229Koordinaten: 51° 36′ 9″ N, 6° 8′ 32″ O 29 m ü. MSL
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 6 km von Weeze
89 km von Düsseldorf
Straße ca. 8 km zur A 57
Nahverkehr Anrufbusse von Weeze, Kevelaer, Goch
Basisdaten
Eröffnung 1. Mai 2003
Betreiber Flughafen Niederrhein GmbH
Fläche 620 ha
Terminals 1
Passagiere 1.525.063 (2008) [2]
Kapazität
(PAX pro Jahr)
2,5 Mio.
Start- und Landebahn
09/27 2.440 m × 45 m
Flughäfen in NRW

Der Flughafen Weeze (Eigenbezeichnung: Airport Weeze, IATA: NRN, ICAO: EDLV) liegt in der Gemeinde Weeze im Kreis Kleve nahe der Grenze zu den Niederlanden. Er wird unter anderem vom Billigflieger Ryanair angeflogen, der den Flughafen als Düsseldorf (Weeze) bezeichnet. Im Jahr 2008 hat der Flughafen 1.525.063 Passagiere abgefertigt, 676 211 mehr als im Vorjahr. Seit 2007 werden die drei Kontinente Afrika, Asien und Europa angeflogen.

Die Betreibergesellschaft Flughafen Niederrhein GmbH gehört (über mehrere Zwischengesellschaften) zu 99,93 % dem niederländischen Unternehmer Herman Buurman, zu 0,04 % dem Kreis Kleve und zu 0,03 % der Gemeinde Weeze.

Der heutige zivile Flughafen ist als Konversionsprojekt aus dem britischen Militärflughafen RAF Laarbruch hervorgegangen. Er hat danach mehrfach den Namen gewechselt und hieß zuvor unter anderem Flughafen Niederrhein sowie Flughafen Düsseldorf (Weeze).

Inhaltsverzeichnis

Einrichtung und wirtschaftliche Entwicklung

  • 1954: Gründung des britischen Militärflughafens Weeze/Laarbruch. Die Royal Air Force stationierte hier u. a. Flugzeuge der Typen Canberra, Buccaneer, Jaguar, Tornado, Puma, Chinook und Harrier.
  • 1993: Gründung der Flughafen Niederrhein GmbH. Die Gesellschaft erarbeitete Nutzungskonzepte für das Flughafenareal mit dem Ziel, Unternehmensansiedlungen und neue Arbeitsplätze zu schaffen, die den absehbaren Wegzug von 5.000 Militärangehörigen der RAF Germany ausgleichen können.
  • 1997: Das Nutzungskonzept Euregionales Zentrum für Luftverkehr, Logistik und Gewerbe wurde beschlossen, das Genehmigungsverfahren eröffnet.
  • 1999: Nach 45 Jahren verließ die Royal Air Force am 30. November ihre Basis Weeze-Laarbruch. Über 400 zivile Arbeitsplätze gingen verloren.
  • 2001: Eine niederländische Investorengruppe kaufte das 620 Hektar große Areal in Laarbruch. Am 20. Juni erteilte Verkehrsminister Ernst Schwanhold die luftrechtliche Genehmigung für den zivilen Flugbetrieb.
  • 2002: Der Bau des neuen Passagierterminals und eines neuen Vorfeldes begann. Die Flugbetriebsanlagen wurden komplett renoviert und teilerneuert. Die Deutsche Flugsicherung richtete einen Tower ein.
  • 2003: Am 1. Mai nahm der neue Flughafen Niederrhein den Linienverkehr auf. Die Billigfluglinie Ryanair flog drei mal täglich nach London. Bis zum 1. August wurden die Passagiere in einem provisorisch hergerichteten Hangar abgefertigt, dann wurde das neue, 15.000 m² große Terminal eröffnet. Im Oktober bekam der Flughafen seinen ersten Home Carrier: Die niederländische V Bird stationierte drei Airbus A 320 und bot Billigflüge zu deutschen und europäischen Flughäfen an. Nur kurze Zeit flog der niederländische Veranstalter Sudtours mit seinem Ferienflieger Dutchbird; die Vermarktung der Pauschalreisen nach Gran Canaria blieb ohne Erfolg. Eine erfolgreiche Klage der Nachbargemeinde Bergen führte zu einer Einschränkung des Flugbetriebs am Wochenende.
  • 2004: Am ersten Mai-Wochenende feierten 80.000 Besucher den ersten Geburtstag des Zivilflughafens. Der Flughafen erweiterte die Parkflächen auf 3.000 Parkplätze. Am 8. Oktober stellte V Bird den Betrieb ein. Verhandlungen mit neuen Investoren waren gescheitert. Kurz darauf meldete die Gesellschaft Insolvenz an. Im Voraus bezahlte Flugtickets von rund 4.000 V-Bird-Passagieren wurden wertlos. Rund 100 Beschäftigte verloren ihre Stelle beim Flughafen. Währenddessen erweiterte Ryanair sein Flugangebot.
  • 2005: Nach einem Gerichtsurteil änderte die Betreibergesellschaft den Namen des Flughafens in Airport Weeze.
  • 2007: Ryanair richtet auf dem Airport Weeze eine neue Basis ein. Vier Flugzeuge sind hier fest stationiert. Weeze wird damit Ryanairs dritte deutsche Basis und die 19. in Europa.[1].
  • 2008: Ryanair kündigt an, ab dem 27. bzw. 28. Oktober zwei weitere Maschinen am Flughafen zu stationieren. Außerdem wird erstmals seit vier Jahren wieder ein Inlandsflug nach Berlin-Schönefeld angeboten.[2].
  • 2008: Hamburg International kündigt an, den Flughafen Weeze als Basis zu nutzen. Das erste Flugzeug soll im Sommer 2009 hier stationiert werden.
  • 2009:Der Flughafen Weeze wird im Sommerflugplan von Ryanair, Sky Airlines, Hamburg International, Sunexpress, Transavia, Bulgarian Air Charter, Nouvelair und Pegasus Airlines angeflogen. Ryanair stationiert zum Sommer eine weitere Boeing 737-800 in Weeze und bedient daher 9 weitere Ziele. Unter anderem Bratislava, Ibiza und Krakau.

Rechtsstreitigkeiten um den Namen

Im Oktober 2004 wurde der Flughafen Niederrhein von den Betreibern in Airport Düsseldorf – Prefecture Weeze umbenannt, um eine Nähe zum international bekannten Flughafen Düsseldorf International zu suggerieren. Diese Umbenennung wurde jedoch vom Landgericht Köln per einstweiliger Verfügung untersagt. Daraufhin wurde der Flughafen im November 2004 als Airport Düsseldorf Regional (Weeze) bezeichnet. Auch dieser Name wurde vom Landgericht Köln untersagt. Das Urteil wurde jedoch von den Betreibern ignoriert. Deswegen erließ das Landgericht Köln ein Ordnungsgeld in Höhe von 500.000 Euro, das später auf 150.000 Euro reduziert wurde. Daraufhin änderten die Betreiber im März 2005 den Namen in Airport Weeze. Dieser Name hat bis heute Bestand. Die Betreibergesellschaft hingegen heißt seit ihrer Gründung unverändert Flughafen Niederrhein GmbH.

Eine Klage gegen die Fluggesellschaft Ryanair, die den Flughafen in ihren Anzeigen als Flughafen Düsseldorf (Weeze) bezeichnet, ist vor dem Landgericht Köln vorerst gescheitert. Die Richter sahen den in den Anzeigen ergänzten Hinweis, dass der Flughafen circa 70 Kilometer von Düsseldorf entfernt liegt, als für die Verbraucher ausreichende Information an.

Rechtsstreitigkeiten um die Genehmigung

Am 3. Januar 2006 hob das Oberverwaltungsgericht Münster die Genehmigung für die zivile Nutzung des Flughafens auf, da die von der Bezirksregierung Düsseldorf erteilte Genehmigung erhebliche Mängel aufweist.[3] Sie erlaubt Tourismus-Flugverkehr bis an die Kapazitätsgrenze, ohne dabei den Nutzen für die Gebietsentwicklung ausreichend zu berücksichtigen. Dieser hätte als eine Art Ausgleich für die Fluglärm-Belästigung gewertet werden können. Da das Gericht einen solchen Nutzen zum Vorteil der Region aber nicht erkennen konnte, entschied es zugunsten der Anwohner. Weiterhin bejahte es einen Rechtsfehler, weil die Genehmigung ohne gesonderte formelle Umweltverträglichkeitsprüfung erteilt wurde. Eine Revision wurde nicht zugelassen.

Die Bezirksregierung Düsseldorf hat Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision eingereicht. Die Beschwerde wurde durch das OVG Münster abgewiesen und damit an das Bundesverwaltungsgericht Leipzig abgegeben. Am 2. Februar 2007 hat das Bundesverwaltungsgericht die Revision gegen den Entzug der Airport-Betriebserlaubnis zugelassen[4] und am 16. Oktober 2008 den Rechtsstreit an das OVG Münster zurückverwiesen, damit insbesondere über die Frage der Nachholbarkeit der Umweltverträglichkeitsprüfung neu entschieden werden kann. Bis zu dieser Entscheidung kann der Flugverkehr in vollem Umfang weitergehen.[5]

Subventionen

Von Planungsbeginn des Zivilflughafens an hat es erhebliche Auseinandersetzungen um staatliche Subventionen gegeben. Dabei ist bereits umstritten, welche Unterstützung von öffentlicher Seite es überhaupt gegeben hat. Gesichert ist, dass das Land Nordrhein-Westfalen den Flughafen mit Zuschüssen von 3,8 Mio. € gefördert hat.[6] Mindestens 16,5 Mio. € hat die Flughafen Niederrhein GmbH als Kredit vom Kreis Kleve bekommen, nach eigener Aussage „zu banküblichen Konditionen“.[7] Die Deutsche Lufthansa beziffert die gesamten öffentlichen Zuschüsse hingegen auf „mindestens 50 Mio. €“[8], außerdem sollen die jährlichen Betriebskosten von 7 Mio. € durch eine Erhöhung der Kreisumlage finanziert werden.[9]

Die für Weeze wichtigste Fluggesellschaft Ryanair erhielt für eine Werbekampagne Niederrhein 450.000 €, die zum größeren Teil aus der Euregio-Förderung der EU stammten, zu kleineren Teilen vom Kreis Kleve und der Gemeinde Weeze.[10] [11] Da die Gegenleistung lediglich in einem Link auf der Ryanair-Homepage zur Niederrhein-Tourismus-Website sowie in entsprechenden Hinweisen in den Ryanair-Kundenrundmails bestand, gehen Kritiker von einer verdeckten Subventionierung der Fluggesellschaft durch überhöhte Preise für ansonsten kaum verkäufliche Leistungen aus.

Seit Anfang 2007 plant der Kreis Kleve die Übernahme eines 49-prozentigen Kapitalanteils an der Flughafen-GmbH. Dafür soll ein Kaufpreis von 17 Mio. € an den bisherigen 99-Prozent-Eigentümer Herman Buurman fließen. Nach dem Erwerb müsste der Kreis zusätzlich entsprechend seinem Kapitalanteil die Betriebsverluste des Flughafens mittragen. Dafür will der Kreis in den Haushalten 2007 und 2008 jeweils 3 Mio. € einplanen.[12]

Kritiker der Subventionierung sind einerseits konkurrierende Unternehmen wie die Lufthansa und der Flughafen Düsseldorf, andererseits gesellschaftliche und politische Organisationen wie der Bund der Steuerzahler und Bündnis 90/Die Grünen. Befürworter der Subventionierung sind u. a. die Subventionsgeber Kreis Kleve und Land Nordrhein-Westfalen sowie die Industrie- und Handelskammer Niederrhein. Die Befürworter verteidigen die staatlichen Subventionen für den Flughafen Weeze vor allem mit dem Argument, dass alle anderen Flughäfen ebenfalls massiv subventioniert werden.[13]

Kapazität

Der Flughafen verfügt über eine Start- und Landebahn mit einer Länge von 2.440 Metern (plus je 275 Meter Stopway an jedem Ende). Die Abfertigungshalle ist für 2,5 Millionen Fluggäste pro Jahr ausgelegt. Im Jahr 2008 – dem bislang erfolgreichsten Jahr des Flughafens – wurden 1.525.063 Passagiere befördert.

Fluggastaufkommen

  • 2003: 207.992
  • 2004: 796.745
  • 2005: 591.744
  • 2006: 585.403
  • 2007: 848.852
  • 2008: 1.525.063

Lage

  • Koordinaten: 51° 36' nördl. Breite, 6° 10' östl. Länge
  • Höhe über NN: 29 m

Der Airport Weeze liegt zirka 55 Kilometer nordwestlich vom Flughafen Düsseldorf International und 45 km südlich von Arnheim.

Verkehrsanbindung

  • Kevelaer und Weeze sind die nächsten Bahnhöfe an der Eisenbahnstrecke Düsseldorf/Köln–Kleve, auf der halbstündlich der Niers-Express (RE 10) verkehrt. Mit dem Flugplatz bestehen folgende ÖPNV-Verbindungen (Stand NIAG-Fahrplan 2008):
    • Linie 73 (Rufbus) Kevelaer–Airport (alle 60 Min., Stadtwerke Kevelaer)
    • Linie SW 1 (Linienbus, teilweise Taxibus) Weeze–Airport (alle 60 Min., NIAG)
    • Linie SL 17 (Taxibus) Goch–Airport (Alle 60 Min., Stadtbus Goch)
  • Der Flughafen liegt etwa 8 Kilometer von der A 57 entfernt.
  • Außerdem bestehen Shuttlebusdienste nach Amsterdam, Arnheim, Brühl, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Köln, Moers, Nimwegen, Utrecht und Venray

Sonstiges

In den Jahren 2000 bis 2002 wurde auf einem Teil des früheren RAF-Stützpunkts, der nicht zum Zivilflughafen gehört, das Bizarre-Festival ausgerichtet. An diesem Ort wandelte es sich zum größten deutschen Festival für alternative (hauptsächlich Rock- und Hip-Hop-) Musik. Im Jahr 2003 wählte der Veranstalter aufgrund eines Rechtsstreits den Namen Terremoto. Aufgrund von Besucherrückgängen sowie Ausschreitungen und Polizeieinsätzen musste der Veranstalter schließlich Insolvenz anmelden. Seit 2004 findet in Weeze jährlich das Techno-Festival Q-Base statt.

Im April 2008 und März 2009 wurde der Fisherman’s Friend Strongman Run, ein Crosslauf-Rennen mit vielen speziellen Hindernissen, auf einem Teil des Flughafengeländes ausgetragen.

Der Flughafen diente der Fernsehserie Alarm für Cobra 11 (Folge Falsche Signale) als Austragungsort für eine Verfolgungsjagd auf der Startbahn, eine Schießerei und die Explosion eines Helikopters. Außerdem wurden dort einige Hubschrauber-Szenen für den Film Die Sturmflut gedreht.

Quellen

  1. Ryanair macht Weeze zur 19. Basis, Mitschnitt der Ryanair-Pressekonferenz, 6. Februar 2007
  2. Ryanair stationiert weitere Maschinen., Informationen der Pressestelle, des Flughafens, 30.Juli 2008
  3. Konversion des Militärflugplatzes Weeze-Laarbruch in einen zivilen Verkehrsflughafen aufgehoben, Pressemitteilung des OVG Münster, 3. Januar 2006
  4. Weeze fliegt weiter Rheinische Post, 2. Februar 2007
  5. [1]Pressemitteilung des Bundesverwaltungsgerichts
  6. Öffentliche Subventionen am Flughafen Niederrhein in Weeze, Antwort der Landesregierung NRW auf eine Kleine Anfrage, 3. April 2006
  7. Airport Weeze weist Düsseldorfer Vorwürfe zurück, Pressemitteilung des Flughafens, 13. September 2004
  8. Kleinstflughäfen: Wildwuchs ungebrochen, Lufthansa Politikbrief, März 2007
  9. Kleinstflughafen Weeze: Finanzprobleme ohne Ende, Lufthansa Politikbrief, Juli 2006
  10. Verdeckte bzw. offene Subventionen für Ryanair am Flughafen Niederrhein, Kleine Anfrage der Grünen im Landtag NRW, 11. September 2006
  11. Kleinstaaterei beim Flughafenausbau in NRW stoppen, Stellungnahme der IHKs NRW, März 2007, S. 10
  12. Airport: Kreis kauft 49 Prozent, Rheinische Post, 5. Februar 2007
  13. Über Subventionen und gut angelegtes Geld, Thema Wirtschaft der IHK Niederrhein, März 2007

Siehe auch

Weblinks


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