Aiwan

Der Iwan (auch Aiwan oder Liwan) ist ein Bautyp insbesondere persischer und zentralasiatischer Bauten.

Iwan von Masjed Nasir ol Molk in Schiraz, Provinz Fars, Iran

Er ist eine dreiseitig geschlossene Halle, die an ihrer Vorderseite völlig offen gelassen ist. Weder eindeutig Außen- noch Innenraum, ist er ein Hauptmerkmal der zentralasiatischen und persischen Architektur, welches zum ersten Mal im 9. Jahrhundert v. Chr. im syrisch-mesopotamischen Raum in Tel Halaf auftauchte und sich auch im hellenistischen Baktrien nachweisen lässt. In der parthischen Architektur findet er sich seit dem 1. Jahrhundert n. Chr., wo er als selbstständiger Raum vorkommt und nicht, wie später ab der sassanidischen Zeit, als Vorzone zu einer überkuppelten Halle.

Beispiele der Parther finden sich im parthischen Palast in Assur aus dem 1. Jh. v.Chr., Teile dessen West-Fassade im Vorderasiatischem Museum in Berlin rekonstruiert sind.[1] Gut erhalten sind die Iwane des parthischen Palastes in Hatra. Hier befinden sich zwei große Iwane, begleitet je von zwei kleinen, je links und rechts, und eine Gruppe kleinere aufgereiht an derselben Fassade. Die Gestaltung der Fassade erinnert an römische Triumphbögen. Bei der linken Anlage führt ein Durchgang in der hinteren Wand des großen Iwan zu einem dahinter liegendem Feuertempel. Obwohl der Feuertempel dem Iwan nur angeschlossen scheint, weist hier die Anlage zu den späteren Typ des Eingangsiwan.

Iwan des Schlosses von Ardaschir I. in Firuzabad

In der Nähe von Firuzabad in Persien ließ Ardaschir I. (Herrscher: 224–239/40) sich einen Palast errichten. Eine monumentale Folge von Iwan-Kuppelhalle-Iwan bildet dort den Zugang zum inneren Hof, an dessen gegenüberliegenden Ende sich ein großer Iwan mit geschlossener Rückwand befindet.

Ruinen des sassanidischen Palastes

Der größte noch erhaltene Iwan wurde von den Sassaniden in Ktesiphon errichtet. Der vermutlich von Chosrau I. (König: 531-579) errichtete, heute Taq-e Kisra genannte, Palast liegt am Ostufer des Tigris. Sein Hauptiwan ist etwa 30 Meter hoch und 43 Meter tief.

Iwan der Jama Masjid in Herat

Meistens öffnet sich der Iwan zu einem Innenhof, der gärtnerisch gestaltet ist und über ein zentrales Wasserbecken verfügt. Solch ein Innenhof kann auch über mehrere Iwane verfügen.

Sind um einen rechteckigen Innenhof kreuzförmig vier Iwane so angeordnet, dass sich jeweils zwei gegenüberstehen, so spricht man von einer Vier-Iwan-Anlage. Die Schah-Moschee in Isfahan besitzt solch einen Grundriss. Zahlreiche Moscheen, Medresen und Karawansereien Zentralasiens sind dergestalt aufgebaut.

Im Wohnungsbau ist der Iwan oft nach Norden ausgerichtet. Traditionell ist er der schattige Aufenthaltsplatz für den Sommer. Seine Entstehung hat mit der Holzarmut des Irans zu tun. Aus diesem Grund haben iranische Wüstenhäuser kein Peristyl oder Laubengang, der etwa in Griechenland eine schattige Aufenthaltszone bildet.

Ein architekturgeschichtlicher Vorläufer neben Anderen, mag das Bit Hilani (assyrisch für „hethitisches Haus“) sein, eine querliegenden Eingangshalle mit seitlichen Stirnräumen. Bereits in Petra (al-Bitrā’, Jordanien) – die nach dem Zusammenbruch der Diadochenreiche wohlhabend gewordene Hauptstadt des Nabatäerreiches – gab es Bankettsäle mit Speisesofas (Klinen) an den Seitenwänden, die Diwan (=Liwan/Iwan) genannt wurden und auf die Raumbezeichnung übergingen. Der Begriff bezeichnete u. a. im Osmanischen Reich den Staatsrat, demnach eine dem griechischen Andron vergleichbare Versammlung von Würdenträgern.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Staatliche Museen zu Berlin (Hrsg.), "Das Vorderasiatische Museum Berlin", 1992, ISBN 3-8053-1188-5, S. 196ff

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