Etude

Eine Etüde (oV Etude) (frz.) ist in ihrem ursprünglichen Wortsinn („les études“ = Studium; „étudier“ = studieren) ein Instrumentalwerk für ein Soloinstrument, das dem Musizierenden zu größeren Fertigkeiten auf seinem Instrument verhelfen soll. Beispielhaft hierfür stehen die Klavieretüden von Carl Czerny sowie die Ausführliche theoretisch-practische Anweisung zum Pianoforte-Spiel von Johann Nepomuk Hummel.

Im 19. Jahrhundert, in der Zeit der Romantik, entwickelte sich aus den Etüden eine eigenständige Musikform, die zwar auch dem Studium besonderer Fertigkeiten diente, aber darüber hinaus als konzertantes Werk einem Publikum zu Gehör gebracht wurde. Beispiele hierfür sind die Etüden für Violine von Niccolò Paganini sowie die Klavieretüden von Franz Liszt, Sergei Rachmaninow, Alexander Skrjabin und Frédéric Chopin. Die - ohnehin schon fingertechnisch anspruchsvollen - Chopinschen Etüden erfuhren später in einer Fassung von Leopold Godowsky sogar noch eine weitere Erschwerung.

Im Verlauf der Zeit entfernte sich diese Musikform von ihrem ursprünglichen Sinn (Erlangen von Fingerfertigkeit). Das zeigt sich in Ansätzen bereits bei einigen Skrjabinschen Etüden, die zum Teil eher als formlose Moments musicaux denn als Etüden angelegt sind und durch eine zu hastige Präsentation an klanglichem Reiz verlieren. Aber auch die Symphonischen Etüden (für Klavier) von Robert Schumann sind ein Beispiel für die Abkehr vom ursprünglichen Gedanken einer Etüde, handelt es sich dabei doch vielmehr um Variationen über ein Thema. Ebenso handelt es sich bei den Paganini-Variationen op. 35 (zwei Bände) von Brahms um eine Sammlung von Etüden; sie tragen unmissverständlich im Untertitel den Namen Studien für Pianoforte.

Sammlungen von Etüden

  • Chopin
    • Etüden op. 10
    • Etüden op. 25

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  • Etude — (fr., spr. Etüd), 1) Studium; daher Etudiant (spr. Etüdiang), Student; 2) Studie, Übungsstück, ein Musikstück zur Übung u. Erlangung vorzugsweise der Fertigkeit u. Geläufigkeit, Kraft u. Ausdauer auf den verschiedenen Instrumenten. Man theilt sie …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Etüde — (franz., »Studie«), in der Musik allgemeine Bezeichnung für technische Übungsstücke, sei es für die allerersten Anfänge im Spiel eines Instruments oder für die höchste Ausbildung der Virtuosität. Gewöhnlich führt die E. ein technisches Motiv… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

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