Ajoit
Ajoit
Ajoite-113785.jpg
Feinnadelige Ajoitkristalle aus der New Cornelia Mine, Ajo, Pima County, Arizona
Chemische Formel (K,Na)Cu7Al[Si9O24(OH)6] • 3H2O[1]
Mineralklasse Silikate und Germanate - unklassifizierte Silicate
9.EA.70 (8. Auflage: VIII/D.07-10) (nach Strunz)
78.05.01.01 (nach Dana)
Kristallsystem triklin
Kristallklasse triklin-pinakoidal \ \bar 1 [2]
Farbe blau, grün
Strichfarbe hellgrün
Mohshärte
Dichte (g/cm3) 2,96
Glanz Glasglanz bis matt
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Bruch uneben, muschelig
Spaltbarkeit vollkommen nach {010}
Habitus prismatische Kristalle ; massige, plattige Aggregate
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,550 ; nβ = 1,583 ; nγ = 1,641 [3]
Doppelbrechung
(optische Orientierung)
δ = 0,091 [3] ; zweiachsig positiv
Winkel/Dispersion
der optischen Achsen
2vz ~ gemessen: 68° bis 80°; berechnet: 76° [3]
Pleochroismus sichtbar:
X = sehr helles blaugrün
Y = glänzendes blaugrün [3]
Weitere Eigenschaften
Radioaktivität kaum messbar

Ajoit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Silicate und Germanate und der Ordnung der unklassifizierten Silicate. Es kristallisiert im triklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung (K,Na)Cu7Al[Si9O24(OH)6] • 3H2O[1] und ist meist in Form von büschelig angeordneten, faserigen, lamellenförmigen oder prismatischen Kristallen bis etwa einem halben Millimeter Länge von blaugrüner Farbe bei hellgrüner Strichfarbe zu finden. Als Inklusionen (Einschlüsse) in Quarz gibt er diesem ebenfalls eine grünliche bis bläuliche Farbe.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde das blaugrüne Kupfer-Aluminium-Silikat von Harry Berman (Harvard University) im August 1941 zusammen mit dunkelblauem Shattuckit in der „New Cornelia Mine (Ajo Mine)“ in den Little Ajo Mountains im Pima County (Arizona, USA). Berman bemühte sich gemeinsam mit Waldemar Theodore Schaller, das neue Mineral zu bestimmen und zu beschreiben, verstarb jedoch unerwartet 1944. Schaller beendete die Analysen zusammen mit Angelina C. Vlisidis und benannte das Mineral nach dessen erstem Fundort (Typlokalität) Ajoit.

Klassifikation

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Ajoit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Unklassifizierten Silikate“.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Ajoit ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die Abteilung der „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“ ein. Diese Abteilung ist zudem weiter unterteilt nach der Kristallstruktur, so dass das Mineral entsprechend seines Aufbaus in der Unterabteilung „Mit einfachen Tetraedernetzen mit 4, 5, (6) und 8 beteiligten Ringen“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 9.EA.70 bildet.

Auch die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Ajoit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Unklassifizierten Silikate“. Hier ist er einziges Mitglied der unbenannten Gruppe 78.05.01 innerhalb der Unterabteilung der „Unklassifizierten Silikate: Mögliche Schichtsilikate“ zu finden.

Bildung und Fundorte

Ajoit in Quarz eingewachsen aus der „Messina Mine“ bei Messina (heute: Musina), Südafrika

Ajoit bildet sich als Sekundärmineral in Kupfer-Lagerstätten. Dort findet er sich zumeist mit Shattuckit vergesellschaftet oder eingewachsen in Quarz, kann aber auch je nach Fundort mit weiteren Begleitminerale wie unter anderem Konichalcit, der Bi- und Ca-haltige, grünlichgelben Mottramit-Varietät Duhamelit, Muskovit, Papagoit, Pyrit und Sillénit auftreten.

Neben seiner Typlokalität Ajo Mountains fand sich das Mineral noch in der ebenfalls im Pima County gelegenen „Potter-Cramer Mine“ (Vulture-Mountains) sowie in der „Moon Anchor Mine“ (Big Horn Mountains).

In Deutschland konnte Ajoit bisher nur bei Ramsbeck im Sauerland gefunden werden. Einziger österreichischer Fundort ist die Putzkammer Alp in der Verwallgruppe im Vorarlberg.

Weitere Fundorte sind die „Ashio Mine“ bei Ashio in der japanischen Präfektur Tochigi, Khorixas in Namibia, die „Messina Mine“ bei Messina (heute: Musina) in Südafrika sowie Tavistock (Devon) in England (Vereinigtes Königreich).[3][4]

Kristallstruktur

Ajoit kristallisiert triklin in der Raumgruppe \ P1 oder P \bar 1 (Raumgruppen-Nr. 1 oder 2) mit den Gitterparametern a = 13,64 Å; b = 14,51 Å; c = 13,62 Å; α = 107,2°; β = 105,4° und γ = 110,6° sowie 3 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. a b c Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X.
  2. Webmineral - Ajoite (englisch)
  3. a b c d e Mindat - Ajoite (englisch)
  4. Mineralienatlas:Ajoit

Literatur

  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 237.

Weblinks

 Commons: Ajoite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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