Aka-Substanz

Huna ist eine esoterische Interpretation der alten schamanistisch geprägten Naturreligion Hawaiis mit psychologischen, religiösen und magischen Elementen. Huna hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte einen gewissen Kreis von Anhängern in vielen Ländern Europas sowie in Amerika erobert, da Überschneidungen mit Weltanschauungen aus Esoterik, New Age und Neoschamanismus vorhanden sind.

Inhaltsverzeichnis

Max Freedom Long

Der amerikanische Sprachforscher Max Freedom Long (1890-1971), der in den 1920er Jahren auf Hawaii als Lehrer tätig war, gilt als Entdecker der Huna-Lehre. Er wollte die Naturreligion der hawaiischen Ureinwohner entdecken. Fasziniert von den für ihn eindrucksvollen Fähigkeiten der Kahunas (der Priester und Schamanen Polynesiens), denen er zutraute, über magische Kenntnisse zu verfügen, versuchte er deren geheimes Wissen zu entschlüsseln. Diese verweigerten sich allerdings einer tiefergehenden Zusammenarbeit, denn aus Sicht der Hawaiier entstammte Max Freedom Long einer geistigen Tradition, welche die kulturelle Überlegenheit der damals dominierenden „westlichen“ Zivilisation für so gesichert hielt, dass er glaubte, er könne die Fähigkeiten der „Eingeborenen“ von einem überlegenen Standpunkt aus beurteilen, einordnen und katalogisieren.

Long ließ sich hiervon jedoch nicht beirren. Er glaubte, dass sich praktisch die gesamte Lehre in kodierter Form in Aufbau, Wortschatz und Struktur der hawaiischen Sprache widerspiegele. Nach einigen Jahren der Beschäftigung mit der hawaiischen Sprache ging er davon aus, die wesentlichen Inhalte der Naturreligion entschlüsselt und begriffen zu haben. Die so gefundenen Elemente fasste er schließlich in einem Lehrgebäude zusammen, welchem er den hawaiischen Namen Huna gab, was übersetzt Geheimnis oder geheimes Wissen bedeutet. Er veröffentlichte mehrere Bücher zum Thema und gründete 1946 die Huna Research Associates, welche sich dem weiteren Studium der von ihm aufgestellten Lehre widmete. Long leitete diese Organisation bis zum Jahr 1971, seitdem wird das Institut von seinem Nachfolger Otha Wingo geführt.

Strömungen

Lange Jahre blieb Max Freedom Long und seine Huna Research die einzige maßgebliche Informationsquelle für an „Huna“ und hawaiischem Schamanismus Interessierte, bis der Psychologe Serge Kahili King (Geburtsname Serge King) 1973 eine eigene Gesellschaft zur Verbreitung und Lehre des Huna-Systems (Order of Huna International) gründete. Er nimmt für sich in Anspruch, auf Hawaii eine veritable Ausbildung zum Kahuna durchlaufen zu haben. Auf dieser Basis schrieb er eine Reihe von Büchern über Huna und erläuterte die Lehre in Vorträgen und Seminaren. Heute ist die Version der Lehre nach Serge Kahili King diejenige, welche sich die größte Zahl an Anhängern sichern konnte.

In jüngerer Zeit melden sich vermehrt Stimmen aus Hawaii, die die Authentizität der Lehren sowohl Max Freedom Longs als auch Serge Kahili Kings anzweifeln. Sie versuchen, die ursprünglichen Riten und Verfahrensweisen der alten hawaiischen Kultur wiederzubeleben und verweisen darauf, dass allein schon der Name „Huna“ eine Verfälschung darstelle. Des Weiteren bemängeln sie, dass ein „Kahuna“ in seiner ursprünglichen Bedeutung nicht unbedingt ein Schamane oder Priester sein muss: Jeder Experte – sei es ein Bootsbauer, Fischer oder Koch – könne ein Kahuna sein, solange sein Leben und Denken sich im Rahmen der kulturellen und religiösen Vorstellungen der alten hawaiischen Traditionen bewege.

Hierzu ist anzumerken, dass weder Long noch King jemals behauptet haben, in ihren Werken die alten, historisch gewachsenen Strukturen des hawaiischen Schamanismus darzustellen und zu vertreten, auch wenn sie sich explizit darauf beziehen. In welchem Ausmaß die traditionell hawaiische Sichtweise der ursprünglichen Naturreligion im Huna tatsächlich wiedergegeben wird, ist offen. Letztendlich bleibt Huna ein Kunstprodukt der Bemühungen Max Freedom Longs und Serge Kahili Kings sowie von deren Gefolgsleuten.

Die Lehre

Die Inhalte der Lehren Longs und Kings stehen sich prinzipiell sehr nahe, unterscheiden sich allenfalls in Punkten, die nicht von zentraler Bedeutung sind. Beide beschreiben Huna als ein seinem Wesen nach magisches System, welches den Anwender in die Lage versetzen soll, mit Hilfe der Magie auf sein Schicksal und die ihn umgebende Realität Einfluss zu nehmen.

Gemäß dieser Doktrin wird behauptet, dass die Realität, in welcher der Mensch lebt, ein genaues Abbild von dessen bewussten wie unterbewussten Überzeugungen und Glaubensvorstellungen darstelle. Man könne, so wird unterstellt, „magischen“ Einfluss auf die Wirklichkeit ausüben, indem man ebendiese Überzeugungen tiefgreifend und nachhaltig verändere.

Aka und Mana

Zur Darstellung der hier angeblich wirkenden Kräfte und Zusammenhänge greifen die Autoren auf Versatzstücke und Fragmente der alten hawaiischen Naturreligion zurück:

  • Aka: Die Huna-Lehre postuliert, dass die gesamte „reale“ Welt von „feinstofflicherAka-Substanz durchdrungen sei. Jede konkrete Erscheinung – sei es Mensch, Tier, Pflanze oder Stein – fände in jener ihr Abbild. Dies gelte nicht nur für die physische Erscheinung der Dinge, sondern ebenso für flüchtige Erscheinungen wie zum Beispiel menschliche Gedanken und Gefühle. Huna nennt dieses Abbild „Schattenkörper“ und meint damit eine feinstoffliche Matrix, in welche eine Art Blaupause der dynamischen Realität des Lebens enthalten sei. Verändere sich diese Matrix, dann verändere sich auch die Realität. Eine gewisse Ähnlichkeit mit diesem Konzept findet sich in den esoterischen Ideen von Ätherleib und Astralleib.
  • Mana: Nach Auffassung der Anhänger des Huna ist Mana eine Energie, die in den Akaformen der Dinge fließt, um jene mit Leben zu erfüllen. Sie glauben, dass die Wirklichkeit sich gemäß jenem Abbild der Realität gestalte, in welchem der Fluss dieser Energie am stärksten sei. Teilweise findet das Huna-Konzept vom „Mana“ eine Entsprechung in den Ideen verschiedener Lehren von einer „universellen Lebenskraft“, wie Prana, Qi (Ch'i), Orgon und anderen. Allerdings personalisiert die Huna-Lehre diese Kraft, indem es jene mit den weltlichen Fähigkeiten und dem Willen dessen verbindet, der Mana erwirbt und nutzt. Mana bedeutet im Polynesischen ebenso „Macht“ wie „Fähigkeit“ und „Energie“. Die Verwendung von Mana zu magischen Zwecken ist nach Meinung der Verfechter der Lehre ein zielgerichteter, an die Fähigkeiten und den Willen des Nutzers gebundener Einsatz jener Lebensenergie, um „magische“ Zielsetzungen zu verwirklichen.

Die drei Selbste des Menschen

Die Huna-Anhänger sind der Überzeugung, dass die gedankliche Vorstellung eines bestimmten Realitätszustandes („Aka-Gedankenform“, „Blaupause der erwünschten Realität“) dann Wirklichkeit werden könne, wenn es gelänge, jener eine hierfür ausreichende Menge Mana zukommen zu lassen. Sie erklären, dass dazu in erster Linie eine geistige Anstrengung nötig sei. Um darzustellen, wie diese durchzuführen ist, bedienen sie sich eines weiteren Elements der alten hawaiischen Naturreligion. Sie erklären, dass der Mensch drei voneinander unterschiedliche, aber untrennbar miteinander verbundene „Selbste“ besäße:

  • Das Lono (Uhane) – Mittleres oder äußeres Selbst: Sitz des menschlichen Wachbewusstseins und des rationalen Verstandes. Seine zentrale Funktion sei die Entwicklung des Willens, denn Aufgabe des Lono sei es, Entscheidungen über die Richtung von Denken und Handeln des Menschen zu fällen.
  • Das Ku ( Unihipili) – Unteres oder eigentliches Selbst, auch inneres Selbst: Die Funktion dieses Selbstes ist in Teilen identisch mit dem westlichen Konzept des Unterbewusstseins. Wesentliche Aufgabe des Ku sei es, das Erinnerungsvermögen des Menschen zu organisieren und zu verwalten. In diesem Zusammenhang sei es verantwortlich für die Ausbildung von Emotionen und Komplexen. Des Weiteren kontrolliere es alle unbewussten Funktionen des menschlichen Körpers. Nur das „Ku“ sei in der Lage, Mana zu sammeln und in eine bestimmte Richtung zu leiten und nur das „Ku“ hätte einen Zugang zum „Aumakua“, dem dritten Selbst des Menschen.
  • Das Aumakua (Kumupa'a oder 'ao'ao) – Hohes oder göttliches Selbst, Überbewusstsein: Dieses Selbst stelle die Verbindung des Menschen mit der „jenseitigen“ Welt dar. Es sei der Repräsentant des Menschen auf der übergeordneten göttlichen Ebene und im Zusammenspiel mit den dort waltenden Kräften Erzeuger der konkreten irdischen Realität.
Die Huna-Lehre setzt die Existenz einer derartigen jenseitigen Existenzebene voraus und erklärt diese zur Ursache aller weltlichen Phänomene. Huna postuliert sinngemäß, der menschliche Körper sei ein materialisierter Gedanke des Hohen Selbst. Dies gilt nach Anschauung der Huna-Anhänger für die gesamte Welt der Erscheinungen: Alles auf der Welt, selbst jedes Sandkorn, besäße sein eigenes Aumakua und so sei die ganze Welt Ausdruck und Materialisation der gemeinsamen Gedanken der Gemeinschaft der Hohen Selbste (poe aumakua). Die Realität auf dieser körperlichen Ebene heißt auf hawaiisch Kino.

Magisches Handeln

Um nun eine erfolgreiche „magische Handlung“ im Sinne der Huna-Lehre durchzuführen, müssen nach Meinung der Verfechter der Lehre folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Ausarbeitung eines exakten Gedankenbildes des erwünschten Zustandes der Wirklichkeit. (Aka-Gedankenform, gesehen als „Keim“ oder „Saat“.)
  • “Kala“: Klärung des Weges, innere Reinigung. Hier sollen eventuelle bewusste wie unbewusste Zweifel und innere Widerstände ausgeräumt werden, die einer Verwirklichung des erwünschten Zustandes im Wege stehen. Die Huna-Anhänger betonen, dass eine magische Handlung nur dann von Erfolg begleitet sein könne, wenn alle drei Selbste des Menschen in harmonischem Einklang stünden und gemeinsam diesem Ziel zuarbeiteten.
  • Schaffung einer Verbindung zum hohen Selbst, um den Mana-Fluss in Gang zu bringen und diesen in die ausgearbeitete Gedankenform der erbetenen Realität zu leiten.

Um diesen Prozess zu fördern, schlagen die Anhänger der Lehre eine Reihe von unterstützenden Maßnahmen vor: Verschiedene Arten der Meditation, Huna-Gebete, Atemübungen, spezielle Massagen sowie diverse Formen von rituellen Handlungen. Die Verwirklichung eines magischen Projektes kann daher eine vielstufige und langwierige Vorgehensweise erfordern.

Literatur

  • Serge Kahili King: Der Stadt-Schamane. Lüchow 1991, ISBN 3-363-03110-6.
  • Max Freedom Long: Geheimes Wissen hinter Wundern. Schirner 2006, ISBN 3-89767-487-4.
  • Serge Kahili King: Begegnung mit dem verborgenen Ich. Aurum 2003, ISBN 3-89901-313-1.
  • Henry Krotoschin: Huna-Praxis: Bewußte Lenkung des Schicksals. Schirner 2003, ISBN 978-3-89767-164-5.

Externe Weblinks

Huna Forschungs-Gesellschaft Zürich

  • Literatur über Huna in Bibliothekskatalogen: DNB, GBV

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