Europäische Geschichte


Europäische Geschichte
Europa als Reichskönigin (Heinrich Bünting: Itinerarium Sacrae Scripturae, 1588)

Die Geschichte Europas wird häufig als ein ständiger Prozess verstanden, der sich aus vielen kleinen Einheiten größere politische, kulturelle und geografische Strukturen formt. Die Geschichte dieses Kontinents wurde von Menschen gemacht, die in einem Puzzle von Herrschaftsgebieten, Stämmen, Kulturen, König- und Kaiserreichen, vielen Kleinstaaten, Mittel-, Groß- und Weltmächten in deren Eroberungs-, Glaubens- und Befreiungskriegen, europäische Großkriege sowie zweier Weltkriege über mehrere Jahrtausende die politische Gestalt Europas geprägt haben.

Die Völker Europas mit ihren verschiedenen Kulturen und Sprachen hatten ihre Siedlungsgebiete immer über politische Herrschaftsgebiete bzw. Staatskonstruktionen hinweg, deren willkürliche Grenzziehungen ständig Anlass zu Konflikten gab und sich aufgrund von Fürstenhochzeiten oder Kriege auch ständig verschoben. Nachdem die politische und kulturelle Landkarte Europas Mitte des 20. Jahrhunderts nochmals gewaltsam geändert wurde, hat sich danach allmählich die Einsicht durchgesetzt, man müsse eine neue Form von wirtschaftlicher und politischer Gemeinschaft der Staaten in Europa bilden. Mittlerweile hat sich in Europa eine politische und wirtschaftliche Gemeinschaft von 27 Staaten gebildet, mit rund 493 Millionen Menschen, die im Gegensatz zu früheren Zeiten freiwillig, friedlich, freiheitlich und demokratisch zu gegenseitigem Nutzen zusammengekommen sind. Ob sich die Vision von einem „Europa“ als Inbegriff von Frieden, Freiheit, Sicherheit und Wohlstand auch für die Zukunft halten läßt, wird die Geschichte zeigen.

Europa war immer ein Kontinent der extremen Vielfalt an Völkern mit sprachlichen und regionalen Identitäten, den verschiedensten Brauchtümern, Kulturen und Errungenschaften auf allen Wissensgebieten. In dieser vielfältigen Landschaft, vom Nordmeer bis zum Mittelmeer und vom Atlantik bis zum Ural, gab es immer ein stetiges Streben nach Macht, Wohlstand und auch Frieden, wobei es an Ideen und Plänen nie mangelte. Die bitteren Erfahrungen der Geschichte ist für die Menschen in Europa mit ein Grund, eine bessere Zukunft zu gestalten.

Topografie von Europa
Satellitenfoto Europas
Politische Karte Europas

Inhaltsverzeichnis

Herkunft des Begriffes „Europa“

Der Name Europa

Der Name „Europa“ stammt vom semitischen Wort für „Dunkel“. Man findet auf assyrischen oder auch auf den iberischen Denkmälern inhaltliche Unterschiede niedergeschrieben:

  • „dem Land der aufgehenden Sonne“ je nach Sichtweise,
  • „dem Land der Dunkelheit“ oder „der untergehenden Sonne“.

Auch das Hebräische Wort „ereb“ bedeutet soviel wie „Dunkel“ oder „Abendland“.

Der Mythos

Tizian: Raub der Europa, 1559-1562, Tafelmalerei, 185 x 205 cm, Isabella Stewart Gardner Museum in Boston

Der griechische Mythos erzählt, dass Europa, die Tochter des phönizischen Königs Agenor, sich mit ihren Gefährtinnen am Strand des Mittelmeeres vergnügt habe. Zeus verliebte sich in das schöne Mädchen und beschloss, es zu entführen. Er nahm die Gestalt eines weißen Stiers an, der dem Meer entstieg und sich Europa näherte. Das Mädchen streichelte das überaus schöne, zutrauliche Tier und fand sich schließlich bereit, auf dessen Rücken zu klettern. Darauf erhob sich der Stier und stürmte ins Meer, das er mit Europa auf dem Rücken durchquerte. Aber wie durch ein Wunder wurden sie und der Stier nicht einmal nass. Zeus entführte Europa nach Kreta, wo er sich ihr in seiner göttlichen Gestalt zu erkennen gab und mit ihr drei Söhne zeugte: Minos, Rhadamanthys und Sarpedon. Aufgrund einer Verheißung der Aphrodite wurde der heimatliche Erdteil nach ihr benannt.

Vor- und Frühgeschichte

Vorgeschichte

Der älteste Nachweis von Vertretern der Gattung Homo stammt derzeit aus Georgien, wo zuverlässig datierte, 1,8 Mio. Jahren alte Fossilien gefunden und provisorisch als „Homo georgicus“ bezeichnet wurden; ihre Anbindung an den Stammbaum der Gattung Homo ist ungeklärt. In Spanien wurden Fossilien geborgen, deren Alter ca. 650.000 Jahre betragen soll und die von ihren Entdeckern als Homo antecessor benannt wurden. Einem 2007 entdeckten Unterkiefer wurde sogar ein Alter von 1,1 Mio. Jahren zugeschrieben. Die Zuordnung der Funde zu einer eigenständigen Art ist allerdings umstritten; viele Paläoanthropologen bezeichnen die Angehörigen der ersten Auswanderungswelle aus Afrika (Out-of-Africa-Theorie) einheitlich als Homo erectus, die vor ca. 1,8 Mio. Jahren bereits Java besiedelt hatten.

Während die Entwicklung des Homo sapiens vor ca. 160.000 Jahren in Afrika ihren Ausgang von den dort verbliebenen Populationen des Homo erectus nahm, wurde Europa zur Domäne des hier aus Homo erectus bereits entstandenen Homo heidelbergensis und des aus diesem hervor gegangenen Neandertalers. Erst vor ca. 35.000 Jahren gelangte Homo sapiens in einer zweiten Auswanderungswelle der Gattung Homo nach Europa (vergl. Ausbreitung des Menschen) und ersetzte nach und nach den Neandertaler (vergl. Cro-Magnon-Mensch). Mit der Jungsteinzeit und der Bronzezeit begann in Europa eine lange Geschichte großer kultureller und wirtschaftlicher Errungenschaften, zunächst im Mittelmeerraum, dann auch im Norden und Osten.

Urgeschichte

Für Nordeuropa waren mehrere Eiszeiten für die weitere Entwicklung vor allem der geologischen Formationen bestimmend. Diese Vereisungen betrafen das heutige Skandinavien, Island, Irland, den Norden Deutschlands, Polens und Russlands. Die letzte Hauptvereisungszeit dauerte etwa von 23.000 bis 8000 v. Chr.

Im Wesentlichen werden unterschieden

Hinweise auf dauerhafte Siedlungen des Menschen (Homo sapiens) gibt es von 7000 v. Chr. an.

Jüngste umfangreiche Ausgrabungen längs der Lahn in Wetzlar-Dalheim haben größere, 7000 Jahre alte Siedlungsreste einer Bandkeramiker - Kultur, hervorgebracht. Die Fachwerkhäuser haben einen je 30 Meter langen Grundriss. Sie werden von einem rund zwei Meter tiefen Graben sowie einem vorgelagerten Wall geschützt. Zur Sicherstellung der Wasserversorgung bestanden zwei voneinander unabhängige Brunnen innerhalb der Befestigung.

Mittelsteinzeit

Vor 5000 v. Chr. lebten die Menschen meist nomadisch in kleinen Sippen von etwa 20 Personen. Sie jagten, fischten und sammelten Pflanzen.

Jungsteinzeit

Um 5000 v.Chr. kamen aus dem Orient ackerbautreibende Völker (Bandkeramiker, Megalithkultur, etc.) und besiedelten die fruchtbaren Landschaften Europas. Um 2500 v. Chr. tauchten aus dem Osten die indogermanischen Reitervölker auf und vermischten sich mit den sesshaften, Ackerbau betreibenden Völkern. Im Laufe der Zeit entstanden so die Vorfahren der verschiedenen europäischen Völker, wie wir sie heute kennen (Kelten, Germanen, Slawen, Griechen usw.).

Bronzezeit

Um 1800 v. Chr. setzt sich die Bearbeitung von Bronze durch. Gleichzeitig streben in immer neuen Wellen Völker aus den Tiefen der sibirischen Steppe nach Europa (Kimmerier, Skythen).

Eisenzeit

Etwa um 800 v. Chr. beginnen die Menschen in Mitteleuropa mit der Verhüttung von Eisen. Träger sind die den Illyrern und Kelten zugeschriebenen Kulturen von Hallstatt und La Tène.

Siehe auch: Dreiperiodensystem, Urgeschichte

Hochkulturen

Die erste wohlbekannte Zivilisation in Europa war die der Minoer und Achäer auf der Insel Kreta sowie dem nahe gelegenen Griechenland, die um 2000 v. Chr. begann. Etwa zur gleichen Zeit breiteten sich die Kelten über Mitteleuropa bis nach Spanien und die heutige Türkei aus. Da sie keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterließen, ist das Wissen über sie nur bruchstückhaft. Die Römer begegneten ihnen und schrieben etliches über sie nieder. Diese Aufzeichnungen und archäologische Grabungen bilden den Kern unserer Informationen über diese sehr einflussreiche Kultur. Die Kelten stellten einen gigantischen, wenn auch wenig organisierten Gegner für die Römer dar. Später eroberten und kolonialisierten die Römer große Teile Südeuropas.

Antike

Die Griechen

Hauptartikel: Antike, Antikes Griechenland

Die Athener Akropolis

Am Ende der Bronzezeit brachen die älteren griechischen Königreiche zusammen und eine neue Zivilisation erwuchs an ihrer Stelle. Die griechische Zivilisation war eine Ansammlung von Stadtstaaten (Poleis), die bedeutendsten davon waren Athen und Sparta. Unter den Stadtstaaten gab es viele verschiedene Regierungsformen und Kulturen, welche neue Formen der Regierung hervorbrachten und Philosophie, Wissenschaft, Politik, Sport, Theater und Musik weiterentwickelten. Die hellenischen Stadtstaaten gründeten viele Kolonien an den Küsten des Mittelmeeres, vor allem im Gebiet der heutigen Türkei, auf Sizilien und in Süditalien. Im 4. Jahrhundert v. Chr. jedoch wurden diese Kolonien zu einer leichten Beute für König Philipp II. von Makedonien, da die Stadtstaaten durch Kriege untereinander geschwächt waren. Die Feldzüge von Philipps Sohn, Alexander dem Großen, verbreiteten die griechische Kultur nach Persien, Ägypten und Indien, brachten die Griechen aber auch in Kontakt mit dem Wissen dieser Länder, wodurch eine neue Entwicklung, der Hellenismus, entstand.

Rom

Hauptartikel: Römisches Reich

Die Expansion des Römischen Reiches.

Rom übernahm viel vom Wissen der Griechen, als es sich von Italien her ausbreitete. Die Römer nutzten es zu ihrem Vorteil, dass ihre Gegner nicht in der Lage waren, sich gegen Rom zu vereinigen. Die einzige wirkliche Gefahr für Roms Aufstieg kam von der phönizischen Kolonie Karthago. Mit der Niederlage Karthagos am Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. (siehe Punische Kriege) stieg Rom endgültig zur unbestrittenen Vormacht im westlichen Mittelmeerraum auf. Ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. weitete Rom seine Einflusssphäre auf die hellenistischen Mächte im Osten aus. Zunächst durch Könige regiert, wandelte sich Rom bereits um 500 v. Chr. zu einer Republik, die gegen Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr., nachdem fast hundert Jahre Bürgerkrieg die Republik erschüttert hatten, unter Augustus zum römischen Kaiserreich (Prinzipat) umgestaltet wurde.

Das Imperium hatte sein Zentrum am Mittelmeer und kontrollierte alle Länder, die ans Mittelmeer grenzten. Unter Kaiser Trajan im 2. Jahrhundert erreichte das Römische Reich seine größte Ausdehnung; England, Rumänien und Teile Mesopotamiens waren Teil des Reichs. Das Reich brachte Frieden, Zivilisation und eine effiziente Zentralregierung in die Territorien, bis es im 3. Jahrhundert durch Bürgerkriege geschwächt wurde. Im 4. Jahrhundert gelang es Kaiser Diokletian, den Niedergang Roms zu verlangsamen, indem er die Verwaltung des Reichs einschneidend reformierte. Sein Nachfolger Konstantin I. förderte das Christentum, das unter Theodosius I. Ende des 4. Jahrhunderts zur römischen Staatsreligion erhoben wurde. Es kam zur Ausbildung der Reichskirche, wenngleich immer wieder zahlreiche theologische Konflikte ausgetragen werden mussten (siehe Arianismus, Monophysitismus).

Die heutigen westeuropäischen Zivilisationen entstanden, als das Weströmische Reich durch wiederholte Invasionen germanischer Stammesverbände in der Endphase der Völkerwanderung im 5. Jahrhundert unterging und endgültig aufhörte als kulturelle Einheit zu existieren (siehe vor allem Spätantike). Von nun an bestimmten mehr oder weniger langlebige Neubildungen verschiedener Reiche die historische Landschaft im Westen des Kontinents. Das hellenistisch geprägte oströmische Reich, nach seiner Hauptstadt Byzanz auch Byzantinisches Reich genannt, konnte sich hingegen noch ein weiteres Jahrtausend bis zur Eroberung seiner Hauptstadt 1453 halten.

Im 7. Jahrhundert brachte die Ausbreitung der Araber die islamische Kultur an die Mittelmeerküsten, von Kleinasien über Sizilien bis nach Spanien; dies bedeutete das endgültige Ende der Antike, wobei die Epochengrenze zwischen Spätantike und Frühmittelalter fließend ist. Eine Invasion nördlich der Pyrenäen wurde durch Karl Martell, genannt „der Hammer“, zurückgeschlagen.

Mittelalter

Hauptartikel: Mittelalter

Karte: Die Eroberungen Karls des Großen
Europa, 814

Die städtische Kultur verkümmerte, der Handel ließ stark nach und die Menschen kehrten zu ländlichen Gemeinschaften zurück. Der Feudalismus ersetzte die römische Zentralverwaltung. Die einzige Institution, die den Zusammenbruch des westlichen Reiches überlebte, war die Kirche, die einen Teil des römischen kulturellen Erbes bewahrte und bis zum 14. Jahrhundert außerhalb von Byzanz einen Schwerpunkt der Bildung und Wissenschaft darstellte.

Die erste entgegengesetzte Entwicklung war eng mit der Krönung Karls des Großen durch Papst Leo III. zum römischen Kaiser im Jahre 800 verbunden. Die neue Hauptresidenz des Kaisers Aachen wurde zu einem Zentrum der Kunst und der Wissenschaften und gab damit den Anstoß zur karolingischen Renaissance, der Neubelebung der Kultur unter Rückbesinnung auf die Antike. Karl eroberte große Teile von Italien und anderen umliegenden Ländern und vergrößerte damit sein Reich. Er bekam dabei Hilfe durch den Papst, der nicht länger auf den Schutz des Byzantinischen Reiches vertrauen konnte. Auf diese Art wurde der Papst zunächst ein Lehnsmann des Kaisers, der Rom vor der Gefahr von Langobarden und Sarazenen schützte, später aber wurden die Güter des Papstes ein unabhängiger Staat in Mittelitalien. Die Aufteilungen des Reiches (siehe Karte) unter seinen Nachkommen führte nach langwierigen Erbfolgekonflikten 962 zur Gründung des Heiligen Römischen Reiches durch Otto I., und zur Gründung des Westfränkischen Reiches. Während und auch nach den Erbfolgekriegen gewann das feudalistische System an Bedeutung.

Zur gleichen Zeit übernahmen Normannen einige ihnen fremde Gebiete Europas und drangen in die alten Herrscherdynastien ein.

Ein weiteres Anzeichen der Wiedergeburt einer westeuropäischen Zivilisation nach der karolingischen Renaissance kann im 11. Jahrhundert beobachtet werden, als die ersten Universitäten in Italien gegründet wurden und der Handel bedeutender wurde, wodurch wirtschaftliches und kulturelles Wachstum der unabhängigen Stadtstaaten wie Venedig und Florenz begannen. Gleichzeitig formten sich neben dem Heiligen Römischen Reich, Frankreich und dem Kirchenstaat Königreiche wie England, Spanien (siehe Reconquista), Königreich Ungarn, Königreich Polen und die Kiewer Rus. Im Gegensatz dazu blieben Deutschland und Italien noch in eine Vielzahl kleiner Feudalstaaten und unabhängiger Städte zersplittert, die dem Kaiser nur formell unterstanden.

Eine der größten Katastrophen, die Europa heimgesucht haben, war die Pest. Es gab eine Reihe von Epidemien, aber die schwerste von allen war die erste Epidemie von 1346 bis 1352, die vermutlich ein Drittel der Bevölkerung Europas dahinraffte.

Das Ende des Mittelalters wird normalerweise mit dem Fall von Konstantinopel 1453 und der endgültigen Eroberung des Byzantinischen Reichs durch die Osmanen verbunden. Die Osmanen machten Konstantinopel zur neuen Hauptstadt des Osmanischen Reichs, das bis 1919 Bestand hatte und in seiner größten Ausdehnung den Nahen Osten, Nordafrika, die Krim, den Kaukasus und den Balkan umfasste.

Renaissance und Reformation

Hauptartikel: Renaissance, Reformation

Im 15. Jahrhundert, am Ende des Mittelalters, waren mächtige Nationalstaaten, wie Frankreich, England und Polen-Litauen, entstanden. Die Kirche dagegen hatte viel von ihrer Macht durch Korruption, innere Meinungsverschiedenheiten und die Ausbreitung der Kultur verloren, die zur Weiterentwicklung von Kunst, Philosophie, Wissenschaft und Technologie im Renaissance-Zeitalter führte.

Die neuen Nationalstaaten waren im Kampf um die Vormachtstellung in Europa andauernd in einem Zustand politischer Veränderung und in Kriege verstrickt. Besonders mit dem Losbrechen der Reformation (nach gesamteuropäischer Betrachtung ab 1520), die Martin Luther mit seiner Verbreitung der Thesen zum Ablass 1517 mitbedingte, verwüsteten politische Kriege und Religionskriege den Kontinent. Die Zweite Spaltung (Schisma) der Katholischen Kirche sollte große politische, soziale und kulturelle Auswirkungen auf Europa haben. Der Bruch zwischen dem Katholizismus und dem Protestantismus war besonders deutlich in England, wo König Heinrich VIII. mit Rom brach und sich selbst zum Oberhaupt der Kirche erklärte, und in Deutschland, wo die Reformation die verschiedenen protestantischen Fürsten gegen die katholischen Kaiser aus dem Hause Habsburg einte.

Koloniale Expansion

Hauptartikel: Kolonisation, Europäische Expansion

Die zahlreichen Kriege hielten die neuen Staaten nicht von der Erforschung und Eroberung großer Teile der Welt ab, besonders im neu entdeckten Amerika. Im frühen 16. Jahrhundert waren Spanien und Portugal, die bei der Erforschung führend waren, die ersten Staaten, die Kolonien in Südamerika sowie Handelsposten an den Küsten Afrikas und Asiens gründeten, aber Frankreich, England und die Niederlande taten es ihnen bald nach.

Spanien hatte die Kontrolle über große Teile Südamerikas und die Philippinen, Großbritannien hatte ganz Australien, Neuseeland, Indien und große Teile von Afrika und Nordamerika, Frankreich hatte Kanada und Teile von Indien (beide verlor es 1763 an Großbritannien), Teile Südostasiens (Französisch-Indochina) und große Teile Afrikas unter Kontrolle. Die Niederlande bekamen Indonesien und einige Inseln in der Karibik, Portugal gehörten Brasilien und mehrere Gebiete in Afrika und Asien. Später erwarben auch andere Mächte wie Russland, Deutschland, Belgien, Italien, außerhalb Europas die USA und Japan einige Kolonien.

Natürlich gab es bei der Kolonialisierung auch Rückschläge, insbesondere durch die Unabhängigkeitserklärungen der USA und der südamerikanischen Staaten.

17. und 18. Jahrhundert

Versailles im Jahr 1715

In diesen zwei Jahrhunderten erreichten die religiösen und dynastischen Spannungen ihren Höhepunkt im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648, der längsten Kriegsperiode, an dem nahezu der gesamte Kontinent beteiligt war. Dieser Krieg begann mit dem sogenannten Prager Fenstersturz und endete mit dem „Westfälischen Frieden“, der für die Bevölkerung eine schwerwiegende Glaubensspaltung zur Folge hatte. Durch diesen langanhaltenden Krieg wurden ganze Landstriche verwüstet und entvölkert, und es bedurfte mehr als einer Generation, bis sich die Bevölkerung wieder erholt hatte. Die mittelalterliche Feudalordnung löste sich im 17. Jahrhundert weitgehend auf. Die Grafen und Fürsten verloren mit der stetigen Unabhängigkeit der Bevölkerung viel Vermögen und dem Kaiser blieb am Ende nur die Ohnmacht des Reiches, wobei die Kleinstaaterei ihren Anfang nahm und die Nationalstaaten weiter gestärkt wurden bzw. der Absolutismus sich zur vorherrschenden Regierungsform entwickelte.

Das veränderte Machtgefüge hinterließ bleibenden Eindruck in der Kultur und im kollektiven Gedächtnis der Menschen, das hervorgegangen war aus dieser Unzufriedenheit und den daraus resultierenden Kriegsfolgen und nun ganz langsam zum Aufstieg des Bürgertums möglich wurde. Durch den resultierenden Aufschwung des Handels kam der Merkantilismus als Wirtschaftsform auf.

Eine Erschütterung wiederholte sich 1683 in Europa - wie 1529 - mit der Belagerung Wiens durch die Türken. Das „christliche Abendland“ musste sich in einer militärischen Koalition zusammenschließen, um die Türken endgültig zu besiegen.

Ab 1756 wurde der Siebenjährige Krieg von Preußen mit England gegen Österreich und einige osteuropäische Staaten ergebnislos geführt. Die stetig steigenden hohen Zins- und Abgabelasten sowie eine schlechte Behandlung der arbeitenden Bürger führten in Frankreich dazu, dass das Volk auf die Barrikaden ging und die Unterdrückung durch die Französische Revolution am 14. Juli 1789, langsam beendete. Die Trennung von Exekutive und Legislative, also die Gewaltenteilung, als Trennung zwischen Gesetzgebung und Kontrolle wurde nun in Frankreich vollzogen und war der Anfang vom Ende des Feudalismus in ganz Europa. Um ein Übergreifen von Revolutionen, sowie veränderten Machtgefüge in Europa zu verhindern, nahmen am Ende des 18. Jahrhunderts die Koalitionskriege ihren Anfang.

Geistesgeschichtlich wurde die Renaissance durch die Philosophie der Aufklärung fortgesetzt, die die Stellung der Religion schwächte und die Grundlage für erste Demokratiebewegungen legte. Die Naturwissenschaften erzielten große Fortschritte; mit Erfindungen wie der Dampfmaschine begann im späten 18. Jahrhundert die Industrielle Revolution, die Wirtschaft entwickelte sich zum frühen Kapitalismus.

Die Französische Revolution und Napoleon

Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts führte die Weigerung von König Ludwig XVI. von Frankreich, unterstützt vom Adel und der Kirche, dem so genannten dritten Stand mehr Einfluss zu geben, zur Französischen Revolution von 1789. Es war ein maßgeblicher Versuch, einen neuen Staat nach den Prinzipien der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit (Liberté, Egalité, Fraternité) zu schaffen. Der König wurde hingerichtet, in Frankreich wurde die Republik ausgerufen und eine Art demokratischer Regierung wurde errichtet. In den darauf folgenden Wirren, die unter anderem durch die Kriegserklärungen der meisten europäischen Monarchien ausgelöst wurden, übernahm General Napoléon Bonaparte die Macht.

In den zahlreichen Kriegen des napoleonischen Zeitalters besiegte er mehrmals Österreich, dessen Kaiser den Titel Kaiser des heiligen römischen Reiches ablegen musste, sowie Russland, Großbritannien, Preußen und andere Mächte. Napoleon errichtete zeitweilig erneut das Königreich Polen, das im ausgehenden 18. Jahrhundert von Preußen, Österreich und Russland aufgeteilt worden war. 1804 ließ er sich zum französischen Kaiser ernennen. 1815 wurde er endgültig bei Waterloo geschlagen.

Das 19. Jahrhundert

Europa im Jahr 1849

Nach der Niederlage Frankreichs versuchten die anderen europäischen Mächte nach dem Wiener Kongress von 1814/1815 unter Federführung des österreichischen Staatskanzlers Fürst von Metternich, in der Zeit des Vormärz zwischen 1815 und 1848 die Situation wiederherzustellen, wie sie vor 1789 gewesen war. Sie waren jedoch längerfristig nicht in der Lage, die Ausbreitung der revolutionären Bewegung aufzuhalten. Die Mittelschicht war stark von den demokratischen Idealen der Französischen Revolution beeinflusst. Außerdem brachte die Industrielle Revolution im Lauf des 19. Jahrhunderts tief greifende wirtschaftliche und soziale Veränderungen mit sich und die Arbeiterklasse wurde zunehmend von sozialistischen, kommunistischen und anarchistischen Ideen beeinflusst, besonders von den Theorien, die von Karl Marx im Kommunistischen Manifest 1848 zusammengefasst worden waren. Weitere Destabilisierung kam durch die Gründung nationalistischer Bewegungen unter anderem in Deutschland, Italien und Polen, die die nationale Einheit und/oder die Befreiung von Fremdherrschaft forderten. Als Folge all dessen gab es in der Zeit zwischen 1815 und 1871 eine große Anzahl von Umsturzversuchen und Unabhängigkeitskriegen (siehe auch Julirevolution 1830, Februarrevolution 1848, Märzrevolution 1848/1849). Auch wenn die Revolutionäre oft besiegt wurden, waren 1871 die meisten Staaten nicht mehr absolutistisch, sondern hatten eine Verfassung erhalten. Deutschland wurde 1871 nach den drei deutschen Einigungskriegen (1864 gegen Dänemark, 1866 gegen Österreich und 1870/1871 gegen Frankreich) in Versailles zum deutschen Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm I. ausgerufen. Dessen Politik wurde bis 1890 wesentlich von Reichskanzler Otto von Bismarck bestimmt.

Europa im Jahr 1890

Ähnlich wie in Deutschland wurde nach dem Scheitern der demokratisch und liberal gesinnten Revolutionen und Unabhängigkeitsbewegungen in den italienischen Fürstentümern der italienische Nationalstaat von oben als Königreich Italien unter sardinischer Führung nach mehreren Kriegen vor allem gegen Österreich durchgesetzt (siehe auch Risorgimento). 1861 wurde der sardinische König Viktor Emanuel II. zum italienischen König proklamiert. Sein Ministerpräsident Camillo Benso Graf von Cavour spielte für Sardinien und Italien eine ähnliche Rolle wie Bismarck für Preußen und das Deutsche Reich. In Frankreich kam es nach dem Sturz von Kaiser Napoléon III. in Folge der französischen Niederlage im Krieg gegen Preußen und den Norddeutschen Bund zur Ausrufung der 3. französischen Republik. Im Verlauf der Umwälzungen in Frankreich hatten sich 1871 die Pariser Bürger und Arbeiter gegen die preußenfreundliche Politik der jungen Republik erhoben und die Pariser Kommune gegründet. Sie gilt als der erste sozialistisch-kommunistische Revolutionsversuch, wurde aber schon nach wenigen Wochen blutig niedergeschlagen. Die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts wurden durch eine zunehmende wirtschaftliche und machtpolitische Konkurrenz der Großmächte Zentraleuropas, insbesondere des Deutschen Reiches, Frankreichs und Englands bestimmt. Diese Konkurrenz führte unter anderem zu einer verstärkten Militarisierung der jeweiligen Gesellschaften, einem Rüstungswettlauf, dem Kampf um Kolonien vor allem in Afrika und Asien (Imperialismus) und zu einer Überhöhung des Nationalismus. Diese Entwicklungen führten langfristig, insbesondere nach der Auflösung des Bismarckschen Bündnissystems, das bis 1890 für eine gewisse zwischenstaatliche Stabilität gesorgt hatte, unter Kaiser Wilhelm II. zum Ersten Weltkrieg.

Frühes 20. Jahrhundert: Die Weltkriege

Das 20. Jahrhundert brachte dramatische Veränderungen des Machtgefüges innerhalb Europas und den Verlust seiner kulturellen und wirtschaftlichen Dominanz über die anderen Kontinente mit sich.

Nach der relativ friedlich verlaufenen Belle Époque eskalierten 1914 die Rivalitäten der europäischen Mächte, als der Erste Weltkrieg begann. Den Mittelmächten Deutschland, Österreich-Ungarn, Osmanisches Reich und Bulgarien stand die Entente gegenüber, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Russland, die 1915 durch Italien und 1917 durch die USA verstärkt wurden. Trotz der Niederlage Russlands 1917 siegte die Entente Ende 1918 doch. Der Krieg war eine der Hauptursachen für die Russische Revolution, die zur Gründung der kommunistischen Sowjetunion führte.

Im Friedensvertrag von Versailles erlegten die Sieger Deutschland harte Bedingungen auf und beschlossen, auf dem Gebiet des vormaligen österreichisch-ungarischen Reiches statt des Vielvölkerstaates eine Reihe neuer Nationalstaaten wie Polen[1], die Tschechoslowakei und Jugoslawien zu schaffen, mit dem Ziel, die nationale Selbstbestimmung zu fördern. In den folgenden Jahrzehnten führten die Angst vor dem Kommunismus und die wirtschaftliche Depression zur Machtergreifung autoritärer und totalitärer Regierungen: Faschisten in Italien (1922), Nationalsozialisten in Deutschland (1933), Franquisten in Spanien (nach Ende des Bürgerkriegs 1939) und auch in anderen Ländern wie etwa in Ungarn.

Nach der Allianz der so genannten Achsenmächte Deutschland, Italien und Japan und nachdem ein Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion unterzeichnet war, lösten der deutsche „Führer“ Adolf Hitler am 1. September 1939 und der sowjetische Machthaber Josef Stalin am 17. September 1939 mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg aus. Nach anfänglichen Erfolgen, hauptsächlich der Besetzung Polens, Frankreichs und des Balkans bis 1940, übernahm sich Deutschland durch den Angriff auf die Sowjetunion und die Kriegserklärung an die USA zur Unterstützung Japans. Trotz anfänglicher Erfolge wurde die deutsche Wehrmacht im Dezember 1941 kurz vor Moskau aufgehalten und erlitt ein Jahr später eine entscheidende Niederlage bei der Schlacht von Stalingrad. Die alliierten Streitkräfte siegten in Nordafrika, besetzten ab 1943 Italien und eroberten 1944 Frankreich zurück. Im Frühjahr 1945 wurde Deutschland von Osten von den sowjetischen Truppen und von Westen her von den US-amerikanischen und britischen Truppen besetzt. Den einrückenden alliierten Soldaten bot sich vielerorts ein Bild des Grauens: In den Konzentrationslagern (etwa 412) innerhalb Deutschlands und in den besetzten Gebieten waren Millionen Juden, Sinti und Roma, Sozialdemokraten, Kommunisten, Geistliche, Arbeitsunfähige, sowjetische Kriegsgefangene und polnische Zivilisten erschossen oder vergast worden, viele verhungerten oder starben an Krankheiten. Nach dem Suizid Hitlers kapitulierte Deutschland am 8. Mai 1945. Japan ergab sich im August 1945, nachdem zwei Atombomben die Städte Hiroshima und Nagasaki zerstört hatten.

Spätes 20. Jahrhundert: Der Kalte Krieg

Militärbündnisse zu Zeiten des Kalten Kriegs

Die beiden Weltkriege, besonders der zweite, beendeten die herausragende Rolle Westeuropas. Die Landkarte Europas musste neu gezeichnet werden, als Europa das Hauptspannungsfeld im Kalten Krieg zwischen den neu entstandenen Supermächten, der kapitalistischen USA und der kommunistischen Sowjetunion wurde. Die USA beanspruchten Westeuropa für ihre Einflusssphäre und gründeten die NATO als Schutz vor einer möglichen sowjetischen Invasion. Die Sowjetunion beanspruchte Osteuropa (Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, die DDR) und gründete den Warschauer Pakt. Europa war durch den „Eisernen Vorhang“ getrennt. Diese Situation hatte bis 1990 Bestand, als die Schwächung der Sowjetunion schließlich zum Ende der Teilung Europas führte. Die sowjetischen Satellitenstaaten konnten ihre kommunistischen Regierungen abschütteln und die beiden deutschen Staaten durften sich wieder vereinen. 1991 brach auch die Sowjetunion auseinander, wodurch eine Reihe neuer Staaten in Osteuropa und Asien entstand.

Die Europäische Einigung

Hauptartikel: Geschichte der Europäischen Union

Mitgliedsstaaten und Beitrittskandidaten der EU

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann in Europa langsam ein Prozess politischer und wirtschaftlicher Integration durch den Wunsch, ein geeintes Europa zu schaffen und weitere Kriege zu verhindern. Die jüngsten Schritte dieser Entwicklung, die immer noch anhält, waren die Einführung einer gemeinsamen Währung, dem Euro, in 13 Ländern der Europäischen Union sowie in anderen europäischen Staaten und die Erweiterung der EU um Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Estland, Lettland, Litauen, Slowenien, Malta sowie die Republik Zypern am 2. Mai 2004 und um Bulgarien und Rumänien am 1. Januar 2007.

Geschichte einzelner Staaten und Gebiete

Ehemalige Staaten und andere Gebiete: DDR - Jugoslawien - Österreich-Ungarn - Preußen - Römisches Reich - Sowjetunion - Tschechoslowakei

Fußnoten

  1. Polen erhielt in den polnischen Teilungen verlorene Gebiete zurück.

Literatur

Sammelwerke

  • Handbuch der europäischen Geschichte. Hrsg. von Theodor Schieder. 7 Bände. Stuttgart 1968–1987.
  • Handbuch der Geschichte Europas. Hrsg. von Peter Blickle. 10 Bände, Stuttgart 2000ff.
  • Penguin History of Europe. Hrsg. von David Cannadine. London 2001ff. (angelegt auf 8 Bde., noch nicht abgeschlossen).
  • Propyläen Geschichte Europas. 6 Bände, Berlin 1975ff., ISBN 3-549-05529-3.
  • Studienbuch Geschichte. Eine europäische Weltgeschichte. Hrsg. von Reinhard Elze und Konrad Repgen, 2 Bände, Stuttgart 1999/2000.

Einzelwerke

  • N. Davies: Europe. A History. Oxford 1996.
  • Michael Salewski: Geschichte Europas. Staaten und Nationen von der Antike bis zur Gegenwart. Beck, München 2000 (Beck's Historische Bibliothek), ISBN 3-406-46168-9.
  • Ferdinand Seibt: Die Begründung Europas. Ein Zwischenbericht über die letzten tausend Jahre. S. Fischer, Frankfurt am Main ²2002, ISBN 3-10-074421-7.
  • W. Schmale: Geschichte Europas. Wien 2001.
  • Gerhard Schulz: Europa und der Globus. Staaten und Imperien seit dem Altertum. DVA, Stuttgart/München 2001, ISBN 3-421-05349-9.

Weblinks


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