Evangelista Torricelli
Evangelista Torricelli

Evangelista Torricelli (* 15. Oktober 1608 in Faenza; † 25. Oktober 1647 in Florenz) war ein italienischer Physiker und Mathematiker.

Leben

Torricelli stammte aus einer armen Familie, studierte von 1624 an (wohl in seiner Geburtsstadt) Mathematik und Philosophie, später bei Benedetto Castelli - zeitweise als dessen Sekretär - in Rom Mathematik, Astronomie und Mechanik. Es scheint, dass seine Tätigkeit als Sekretär (1626-1632) das Entgelt für den Unterricht darstellte, den er bei Castelli erhielt.

In Rom lernte er den 1632 erschienenen Dialogo und andere Schriften von Galileo Galilei kennen, die ihn beeindruckten und beeinflussten. Aus einem Brief Torricellis an Galilei weiß man, dass er die kopernikanische Vorstellung für richtig hielt; in Anbetracht des gegen Galilei angestrengten Prozesses jedoch stellte er die Astronomie zurück und widmete sich physikalischen und mathematischen Aufgabenstellungen. Von 1632 an arbeitete er als Sekretär für Giovanni Ciampoli, einen Freund Galileis.

Im Spätherbst 1641 – drei Monate vor Galileis Tod – ging er auf Empfehlung von Castelli nach Arcetri bei Florenz und wurde dort Galileis Assistent und schließlich sein Nachfolger als Hofmathematiker des Großherzogs von Toskana sowie als Professor für Mathematik an der Florentiner Akademie. Bis zu seinem Tod wohnte er als Hofmathematiker im herzoglichen Palast in Florenz. Ab 1644 war er auch als Lehrer für Befestigungswesen tätig. Er war nicht nur ein geschickter Experimentator, sondern auch ein hervorragender Linsenschleifer, womit er sich in Florenz einen beträchtlichen Zusatzverdienst erarbeitete.

Im Alter von nur 39 Jahren starb Torricelli an den Folgen einer Infektion (vermutlich Typhus).

Werk

Torricelli zählt zu den bedeutendsten Physikern und Mathematikern der Barockzeit, deren Wissenschaften er mit seinen Zeitgenossen Galileo Galilei, René Descartes, Bonaventura Cavalieri, Pierre de Fermat und Blaise Pascal wesentlich beeinflusste.

1644 hatte er sein wegweisendes Werk über die Gesetzmäßigkeiten bei Fall und Wurf veröffentlicht (De motu gravium naturaliter descendentium). Es war dies der zweite Teil des dreibändigen Werkes Opera geometrica, in dem seine Forschungen zur Hydrodynamik ihren Niederschlag fanden, und die schnell in ganz Europa lebhaftes Interesse erregten.

Beachtet wurde vor allem der später so genannte „Torricellische Lehrsatz“, der besagt, dass beim Ausfließen einer Flüssigkeit aus einem Gefäß die Ausflussgeschwindigkeit der Quadratwurzel aus der Höhe der Flüssigkeit proportional ist. Sie hängt also nicht von der Art der Flüssigkeit ab; daher fließen beispielsweise Wasser und Quecksilber bei gleicher Füllhöhe gleich schnell aus.

Neben diesen grundlegenden Beobachtungen zur Dynamik von Flüssigkeiten leistete Torricelli auch entscheidende Vorarbeiten für die Infinitesimalrechnung. Cavalieri, gleichfalls ein Schüler von Castelli, hatte die Überlegungen von Kepler zu infinitesimalen Rechengrößen weiterentwickelt. Mit Hilfe dieser Methode fand Torricelli höchst elegante Beweise für geometrische Probleme - etwa dass das Volumen einer rotierenden Hyperbel endlich ist (obwohl ihre Fläche unendlich groß ist, siehe Gabriels Horn). Besonders in seinem Werk De motu gravium… konnte er die parabolische Bewegung von Geschossen mit Hilfe dieses Verfahrens erfolgreich untersuchen.

Er verbesserte Galileis Fernrohr und entwickelte ein einfaches, aber bereits leistungsstarkes Mikroskop.

Er war auch der Erste, dem es gelang, ein Vakuum für längere Zeit aufrechtzuerhalten. Seine wichtigste Entdeckung betraf das Funktionsprinzip des Quecksilberbarometers: er stellte die Behauptung auf, dass – etwa beim Saugen mit einem Strohhalm – die Flüssigkeit nicht heraufgesogen (infolge des vermuteten horror vacui), sondern von der Last der Luftsäule hinaufgedrückt wird. Diese Vermutung war durchaus umstritten (Zitat René Descartes: Vakuum sei allenfalls in Torricellis Kopf anzutreffen.) konnte aber 1647 durch das Experiment Leere in der Leere von Blaise Pascal endgültig bestätigt werden. Auch die Entstehung von Wind als Folge von Temperatur- und Druckunterschieden in der Atmosphäre hat er korrekt erklärt.

Nach Torricelli ist eine – veraltete – physikalische Maßeinheit benannt: das Torr. Auch ein ausgezeichneter Dreieckspunkt, der Fermat-Torricelli-Punkt, Torricellis Trompete und ein Mondkrater tragen seinen Namen.

Weblinks

 Commons: Evangelista Torricelli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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