Akeleien
Akeleien
Gemeine Akelei (Aquilegia vulgaris)

Gemeine Akelei (Aquilegia vulgaris)

Systematik
Eudikotyledonen
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Unterfamilie: Isopyroideae
Tribus: Isopyreae
Gattung: Akeleien
Wissenschaftlicher Name
Aquilegia
L.
Lithographie im Curtis's Botanical Magazine Aquilegia alpina.

Die Akeleien (Aquilegia) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Es sind meist 3-5 jährige Pflanzen mit reich verzweigtem Wurzelsystem und bleibender Pfahlwurzel. Es werden je nach Autor über 70 Arten, vornehmlich in der gemäßigten Zone, unterschieden. Dabei reicht das Gattungsareal nördlich in die boreale Zone und südlich bis in die Berge Nordmexikos und Nordafrikas.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Akelei-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen. Es werden schlanke, leicht verholzende Rhizome als Überdauerungsorgane gebildet. Es stehen mehrere aufrechte, meist verzweigte Stängel an einer Pflanze zusammen. Die Laubblätter stehen in grundständigen Blattrosetten zusammen und etwas kleinere, wechselständig am Stängel verteilt. Die lang gestielten, ein- bis dreifach dreiteilig gefiederten Laubblätter bestehen aus gelappten bis geteilten Fiederblättchen. Der Rand der Fiederblättchen ist gekerbt.

Die Benetzbarkeit der Blattoberfläche ist gering. Wasser perlt in Tropfen ab, wie es auch bei Lotosblumen beobachtet werden kann, und nimmt dabei auf der Oberfläche anhaftende Schmutzpartikel mit (Lotuseffekt)[1].

Die Blüten stehen endständig, manchmal einzeln, aber meist zweit bis zehnt in zymösen oder doldigen Blütenständen zusammen, mit laubblattähnlichen Hochblättern. Die zwittrigen, radiärsymmetrischen Blüten sind fünfzählig. Die Farben der Blütenhüllblätter reichen von weiß bis blau und gelb bis rot. Die fünf freien, kurz genagelten Kelchblätter sind ausgebreitet und 0,7 bis 5,1 cm lang. Die fünf mehr oder weniger aufrechten, freien Kronblätter sind mit weniger als 30 mm meist kürzer als die Kelchblätter. Die Basis der Kronblätter ist meist zu einem rückwärts gerichteten Sporn verlängert, es sind also fünf Sporne vorhanden, die Nektarien enthalten. Es sind viele Staubblätter vorhanden. Die etwa sieben schuppenförmigen Staminodien sind häutig. Es sind meist fünf (vier bis zehn) freie Fruchtblätter mit vielen Samenanlagen vorhanden. Der Griffel ist etwa halb so lang wie der Fruchtknoten.

Es stehen mehrere schmal zylindrische Balgfrüchte zusammen; an ihnen ist der Griffel deutlich erkennbar. In jeder 3 bis 26 mm langen Balgfrucht sind viele schwarze, schmale, verkehrt-eiförmige, glatte Samen enthalten.

Namen

Die Herleitung des Namens ist unklar. Aber vermutlich ist der deutsche Voksname Akelei aus dem lat. aquilegia entlehnt. In den althochdeutschen Glossen sind Formen wie agaleia, ageleia (seit dem 10 Jh.) anzutreffen. Bei Hildegard von Bingen (1078 - 1190) heißt die Pflanze acoleia, ackeleia, agleia, im Mittelniederdeutchen akuleye. In der Volkssprache ist das Wort vielfach umgewandelt so in Akelchen (Thüringen), Aggerlei, Aggerleine (Pfalz), Aglije (Luzern, Zürich), Hagleie (Schaffhausen), Hakeleden, Hakelehnen (Mecklenburg), Gakeilei (angelehnt an Gaggel 'Ei' in der Kindersprache (Niederhessen, rheinisch), Klei(e) (Niederrheinisch).

Viele Volksnamen nehmen Bezug auf die Form der nickenden Blüten, so Glocken, Glöckerl, Glöckchen, Blaue Glocken (verbreitet), Zigeunderglocken (Gailtal/Körnten), Teufelglocken (Lenggries/Oberbayern), Kaiserglocken (Riesengebirge), Zuckerglocken (Thurgau), Glockenblume (weit verbreitet), Glockenstück (Schwäbische Alb), Glockenrosa (Anhalt).

Andere die Blütenform betrffende Voksnamen sind noch Pausewängel (Sächs, Felsengebirge), Stllhäfele (eigentlich ein irdenes Kochgefäß mit Füssen) (Aachern/Baden), Kessel (Mittenwald/Oberbayern), Stanitzelblume (baerische Stanizl 'Papierdüte') (Knittelfeld/Steiermark), manselblume (schweiz. manse 'Rockärmel mit Spitzen') (Aargau), Narrenkappen (z.b. Lörrach/Baden, Kt. St. Gallen), Kapuzinerchappe(n), - hüetli (Kt. St. Gallen), Pfaffenkäpple (Achkarren/Baden), Plumphose (kt. Schaffhausen), Schlotterhose (St. Gallen), Schwizerhose (Aargau), Hose(n)lätzli (Aargau), Frae(n)schüehli (Küsnacht/Schwyz), Fünf Vögerl zsam (Oststeiermark), Tauberln (südmähren).

Die dunkle Blütenfarbe ist in den Namen Tintenglocke (Thüringer Wald, Thugau), truarbliemli (Trauerblümlein da auch auf ländl. Friedhöfen gepflanzt) (Grindelwald/Bern).

Andere Name sind noch Kaiserblume (Albendorf/riesengebirge), Hernblume (Eifel), Zaniggele, Zinäggele, Süniggele (angelehnt an 'Sanikel') (Schaffhausen).[2]

Weitere Volksnamen sind Elfenschuh, Zigeunerglocken, Teufelsglocken, Kaiserglocken, Narrenkappen.

Einen weiteren Namen, Agelblume, verwendete die adelige Schwesternschaft von der Agelblume in Königsberg in Bayern, die bis zur Reformation bestand und in Königsberg ansässig war. Dabei stand die Akelei für die Bescheidenheit, an die sie die Schwestern von der Agelblume erinnern sollte.

Eine der vielen Zuchtformen der Akelei (Aquilegia × hybrida).
Schwarzviolette Akelei
(Aquilegia atrata)
Aquilegia bertolonii
Rocky-Mountains-Akelei
(Aquilegia caerulea)
Rote Akelei
(Aquilegia canadensis)
Gold-Akelei (Aquilegia chrysantha)
Schöne Akelei
(Aquilegia formosa)
Von der Rückseite sind die Sporne am besten zu erkennen: Aquilegia fragrans.
Aquilegia ottonis subsp. amaliae
Sibirische Akelei

Verbreitung

Aquilegia-Arten haben ihre Areale in den Gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel (zirkumboreal): in Eurasien und Nordamerika. Man unterscheidet etwa 75 Arten.[3] Verbreitungsschwerpunkt sind die zentralasiatischen Gebirge in Südsibirien mit 10 Arten. Die Arten verteilen sich zu je ungefähr einem Drittel auf die Kontinente Nordamerika, Asien und Europa . Arten, die in Europa vorkommen, sind im Abschnitt Systematik mit "Europa" gekennzeichnet.

Ökologie

Die Arten besiedeln eine Vielzahl unterschiedlicher Habitate, von Oasen in Trockengebieten bis zu alpinen Grasländern, Felsheiden oder temperaten Wäldern, von der Meeresküste bis zu den Hängen des Himalaya, Rocky Mountains oder der Alpen. Sie haben sich dabei an eine Vielzahl unterschiedlicher Bestäuber angepasst: Schwebfliegen, Hummeln, Schwärmer und Kolibris.

Bestimmte Arten besiedeln als Generalisten eine Vielzahl von Habitaten; so findet sich Aquilegia vulgaris sowohl in Fels-, Wald und Grasvegetation. Spezialisten sind dann oft an felsige oder Gebirgsstandorte angepasst, was bei den europäischen Akeleien insbesondere auf einige der seltenen endemischen Arten Südeuropas und der Alpen zutrifft (z.B. Aquilegia alpina, Aquilegia dinarica, Aquilegia kitaibelii).

Akeleien können sich durch das Fehlen von bestimmten fördernden Ausbreitungsmechanismen der kleinen Samen nicht über größere Distanzen verbreiten. Sie treten dadurch auch oft nur lokal häufiger auf.

Evolution

Die Akeleien sind vor etwa 6,18 bis 6,51 mio. Jahren aus einem zentralasiatischen Verbreitungszentrum hervorgegangen. Sie bilden sowohl insgesamt, als auch in den einzelenen Verbreitungsschwerpunkten eine monophyletische Gruppe (Monophylie).[3]

Die Entstehung der Arten wird für Europa dabei auf einen Zeitraum auf 1.25 bis 3.96 mio. Jahren vor Heute, für Nordamerika auf 1.42 bis 5.01 mio. Jahren vor Heute angegeben. Da keine fossilen Überreste von Aquilegia gefunden werden, beruhen diese Datierungen aus molekulargenetischen Daten (Molecular clock). Die Besiedlung Nordamerikas erfolgte nur Einmal über die im Pliozän geöffnete Landverbindung von Beringia (Bering Straße als Landverbindung im geologischen Zeitraum von 3.1 bis 5.5 mio. Jahre vor Heute geöffnet).

In Eurasien und Nordamerikas haben sich die Akeleien evolutionär jedoch in relativ kurzer Zeit spezifisch anders entwickelt, während sich in Eurasien Spezien der Akeleien durch adaptive Radiation an unterschiedliche Habitate (Wald, Grassland, alpine Standorte) weiterentwickelten, die Blütenmodifizierung aber relativ unbeutend blieb, so fand in der neuen Welt die blütenmorphologische Anpassung an unterschiedliche Bestäuber statt.[4] Daher haben sich die europäischen Akeleien überwiegend allopatrisch durch reliktische Isolation gebildet (lokale Endemiten), die amerikanischen dagegen auch sympatrisch durch Barrieren im Bestäubungsmechanismus. So sind die Blüten der eurasischen Akeleien noch immer auf Hummeln fixiert, während die amerikanischen Arten größere Vielfalt entwickelten und neben Arten mit Hummel-, auch Formen entwickelten die ganz oder überwiegend auf Vogel- (Kolibri) (A. flavescens, A. skinneri A. formosa, A. canadensis, A. elegantula) oder Schwärmer-Bestäubung angelegt sind.[5]

Systematik

In der Gattung Aquilegia gibt es etwa 70 bis 75 Arten [6].
Arten, die in Europa vorkommen, sind mit (Europa) gekennzeichnet.[7]

  • Aquilegia afghanica (Brühl) T.Durand & B.D.Jacks.
  • Alpen-Akelei (Aquilegia alpina L.) (Europa)
  • Aquilegia amurensis Kom.
  • Schwarzviolette Akelei (Aquilegia atrata W.D.J.Koch) (Europa)
  • Aquilegia atrovinosa Popov & Gamajun.
  • Aquilegia aurea Janka (Europa)
  • Aquilegia baluchistanica Qureshi & Chaudhri
  • Aquilegia barbaricina Arrigoni & E.Nardi (Europa)
  • Aquilegia barnebyi Munz
  • Aquilegia bernardii Gren. & Godr. (Europa)
  • Aquilegia bertolonii Schott (Europa)
  • Aquilegia borodinii Schischk.
  • Aquilegia brachyceras Fisch. & C.A.Mey. ex Turcz.
  • Aquilegia brevistyla Hook.
  • Aquilegia buergeriana Sieb. & Zucc.
  • Rote Akelei (Aquilegia canadensis L.)
  • Aquilegia champagnatii Moraldo u.a. (Europa)
  • Aquilegia chaplinei Standl. ex Payson
  • Aquilegia chitralensis Qureshi & Chaudhri
  • Gold-Akelei (Aquilegia chrysantha A.Gray)
  • Rocky-Mountains-Akelei (Aquilegia coerulea E.James)
  • Aquilegia colchica Kem.-Nath.
  • Aquilegia ×cultorum Bergmans
  • Aquilegia desertorum (M.E.Jones) A.Heller
  • Aquilegia dinarica Beck (Europa)
  • Aquilegia discolor Levier & Leresche
  • Aquilegia dumeticola Jord.
  • Aquilegia ecalcarata Maxim.
  • Kleinblütige Akelei (Aquilegia einseleana F.W.Schultz) (Europa)
  • Aquilegia elegantula Greene
  • Aquilegia euchroma Rech. f.
  • Serpentin-Akelei (Aquilegia eximia Van Houtte ex Planch.)
  • Aquilegia flabellata Sieb. & Zucc.
  • Aquilegia flavescens S.Watson
  • Schöne Akelei (Aquilegia formosa Fisch. ex DC.)
  • Aquilegia fragrans Benth.
  • Aquilegia glandulosa Fisch. ex Link
  • Aquilegia gracillima Rech. f.
  • Angenehme Akelei (Aquilegia grata Zimmeter) (Europa)
  • Aquilegia ×helenae Arends (= A. flabellata × A. coerulea)
  • Aquilegia hinckleyana Munz
  • Aquilegia incurvata P.K.Hsiao
  • Kalk-Akelei (Aquilegia jonesii Parry)
  • Aquilegia kareliniana C.A.Mey. ex Trautv.
  • Aquilegia kitaibelii Schott (Europa)
  • Aquilegia kurramensis Qureshi & Chaudhri
  • Aquilegia lactiflora Kar. & Kir.
  • Aquilegia laramiensis A.Nelson
  • Aquilegia litardierei Briq. (Europa)
  • Aquilegia longissima A.Gray ex S.Watson
  • Aquilegia maimanica Rech. f.
  • Aquilegia micrantha Eastw.
  • Aquilegia microcentra Rech. f.
  • Aquilegia moorcroftiana Wall. ex Royle
  • Dunkle Akelei (Aquilegia nigricans Baumg.) (Europa)
  • Aquilegia nivalis Falc. ex B.D.Jacks.
  • Aquilegia nugorensis Arrigoni & E.Nardi (Europa)
  • Aquilegia nuragica Arrigoni & E.Nardi (Europa)
  • Aquilegia olympica Boiss.
  • Aquilegia ottonis Orph. ex Boiss. (Europa)
  • Aquilegia oxysepala Trautv. & C.A.Mey.
  • Aquilegia pancicii Degen (Europa)
  • Aquilegia parviflora Ledeb.
  • Aquilegia pubescens Coville
  • Aquilegia pubiflora Wall. ex Royle
  • Pyrenäen-Akelei (Aquilegia pyrenaica DC.) (Europa)
  • Aquilegia rockii Munz
  • Aquilegia saximontana Rydb.
  • Aquilegia scopulorum Tidestr.
  • Aquilegia shockleyi Eastw.
  • Sibirische Akelei (Aquilegia sibirica Lam.)
  • Aquilegia skinneri Hook.
  • Aquilegia ×stuartii Balf. f. (= A. glandulosa × A. olympica)
  • Aquilegia thalictrifolia Schott & Kotschy (Europa)
  • Aquilegia transsilvanica Schur (Europa)
  • Aquilegia tuvinica I.M. Vassiljeva
  • Aquilegia turczaninovii Kamelin & Gubanov
  • Aquilegia vicaria Nevski
  • Aquilegia viridiflora Pall.
  • Aquilegia viscosa Gouan (Europa)
  • Gewöhnliche Akelei (Aquilegia vulgaris L.) (Europa)
  • Aquilegia yabeana Kitag.

Literatur

  • Alan T. Whittemore: Aquilegia in der Flora of North America. Volume 3. (online)
  • Fu Dezhi, Orbélia R. Robinson: Aquilegia. In: Flora of China. Volume 6, S. 278. (online)
  • Robert Noles: Columbines: Aquilegia, Paraquilegia, and Semiaquilegia. Timber Press, Portland 2003, ISBN 0-88192-588-8.

Weblinks

 Commons: Akeleien (Aquilegia) – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Rolf Froböse: Wenn Frösche vom Himmel fallen. Die verrücktesten Naturphänomene. Wiley-VCH Verlag, Weinheim 2007, ISBN 978-3-527-31659-5, S. 170
  2. Gustav Hegi (Hrsg.): Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Bd. 3.1.; 1958, S. 134-135.
  3. a b Jesus M. Bastida, Julio M. Alcantara, Pedro J. Rey, Pablo Vargas, Carlos M. Herrera: Extended phylogeny of Aquilegia: the biogeographical and ecological patterns of two simultaneous but contrasting radiations. In: Plant Systematics and Evolution. (2010) 284, S. 171–185 (online)
  4. Elena M. Kramer, Scott A. Hodges: Aquilegia as a model system for the evolution and ecology of petals. In: Philsophical Transaction of the Royal Society, Biological Sciences. 12. Februar 2010, vol. 365, no. 1539, S. 477-490. (abstract)
  5. Isolation und Fortpflanzung- Aquilegia Arten
  6. Eintrag bei GRIN mit vollständiger Artliste.
  7. Flora Europaea online: Aquilegia, (26. September 2011)

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