FAPDS

Die FAPDS-Munition (Frangible Armour Piercing Discarding Sabot, zerbrechliche, panzerbrechende Treibkäfigmunition) wurde entwickelt, um weiche und harte Flug- und Bodenziele zu bekämpfen. Bei der Entwicklung wurde bewusst darauf verzichtet, im Projektil Sprengstoff und Zünder zu verwenden. Es ist also ein Wuchtgeschoss, dessen Wirkung am Ziel zunächst allein auf der kinetischen Energie des Geschosses beruht. Die Munition wurde von RWM Schweiz (Rheinmetall Waffe Munition, zuvor Oerlikon Contraves Pyrotec AG), einem Unternehmen der deutschen Rheinmetall Defence entwickelt.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau und Wirkung

Die Munition nutzt das Prinzip des Unterkalibers, das heißt der Durchmesser des Geschosses ist geringer als der des Rohres. Die Abdichtung und Führung im Geschützrohr übernimmt dabei der Treibkäfig (engl. Sabot). Ein Schwermetallkern wird bei der FAPDS im Spritzguss mit Kunststoff ummantelt, dabei wird auch das Führungsband integriert. Die FAPDS-Munition verfügt über eine sehr hohe Mündungsgeschwindigkeit (größer als 1400 Meter pro Sekunde beim Kaliber 35 mm), was ihr eine relativ gestreckte Flugbahn ermöglicht. Dies führt zu einer Vereinfachung der Feuerleitrechnung und im Zusammenhang mit der kurzen Flugzeit zu einer Erhöhung der Trefferwahrscheinlichkeit.

Der Schwermetallkern, der normalerweise aus einer Wolframlegierung besteht, zerlegt sich (zerbricht) nach dem Durchschlagen der Oberfläche des Ziels in mehrere Einzelteile. Diese Teile zerlegen sich beim weiteren Eindringen in das Ziel immer weiter und breiten sich dabei kegelförmig aus (Kaskadeneffekt). Das Ziel wird somit durch die Bruchstücke, die eine sehr große kinetische Energie aufweisen, ohne den Einsatz von Sprengstoff zerstört, wobei natürlich Sekundärexplosionen durch Kraftstoff oder Munition im Ziel nicht ausgeschlossen sind. Durch die kaskadierende Zerstörungswelle im Ziel sind oft weniger Treffer als mit normaler explodierender Munition nötig, um das Ziel zu zerstören oder zum Abbruch des Einsatzes zu bringen.

Die Treibladung des Geschosses besteht aus einbasiger Nitrozellulose.

Verwendung

Die FAPDS-Munition wurde in erster Linie zum Einsatz gegen Luftziele, insbesondere gegen Kampfhubschrauber, entwickelt. Sie kann gegen Tiefflieger, Drohnen und Marschflugkörper (cruise missile), aber auch gegen weiche bis leicht gepanzerte Bodenziele, wie Radfahrzeuge, Schützenpanzer und Flugabwehr-Fahrzeuge eingesetzt werden. Daher wird sie hauptsächlich auf FlaK-Panzern und Schützenpanzern verwendet. Sie ist heute in unterschiedlichen Kalibern von 23 bis 35 Millimetern (mm) und als FAPDS-T (Frangible Armour Piercing Discarding Sabot – Tracer) als Leuchtspurmunition verfügbar.

Auch ein Einsatz gegen kleinere Seeziele in Marineleichtgeschützen ist möglich. So verwendet die Deutsche Marine seit 2003 die 27 × 145-mm-Version im MLG 27. [1]

Auf dem FlaK-Panzer Gepard bei der Bundeswehr ist die FAPDS die Hauptmunition, die gegen alle Luftziele und weiche bis leicht gepanzerte Bodenziele eingesetzt wird. Im Einsatz ist dabei das Kaliber 35 × 228 mm.

Eine Modifikation der FAPDS stellt die FAP (Frangible Amour Piercing) dar. Durch ihr 20- und 23-mm-Kaliber kann sie auch in Bordkanonen von Flugzeugen (wie die M61 Vulcan) verwendet werden. [2] Zum Einsatz im Schützenpanzer Puma wurde die FAPIDS-T (Frangible Armour-Piercing Incendiary Discarding Sabot – Tracer, deutsch etwa zerbrechliche, panzerbrechende entzündliche Treibkäfigmunition mit Leuchtspur) im Kaliber 30 × 173 mm entwickelt.[3]

Vorteile

  • hohe Mündungsgeschwindigkeit und damit kurze Flugzeit
  • flache Flugbahn und damit vereinfachte Feuerleitrechnung
  • Einsatz gegen Boden- und Luftziele, harte und weiche Ziele
  • umweltfreundlich, da im Projektil keine Giftstoffe enthalten sind
  • sehr sicher, da das Projektil keinen Sprengstoff enthält (keine Gefahr durch Blindgänger)

Siehe auch

Weblinks

Quellen

  1. Information auf der Website von RWM Schweiz zu Einsatz der 27-mm-Munition
  2. Information auf der Website von RWM Schweiz zur 20-mm-Munition
  3. Schützenpanzer Puma auf der Website von Army Technology (engl., abgerufen am 28. November 2009)

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