Akkommodation (Erkenntnistheorie)

Unter Akkommodation wird in der Lernpsychologie ein Vorgang verstanden, bei dem vorhandene kognitive Strukturen (Schemata) angepasst werden, wenn diese für die mentale Repräsentation der Außenwelt nicht genügen.

Die Akkomodation befähigt den Menschen, einen neuen Sachverhalt mit seinen vorhandenen Erkenntnissen in Einklang zu bringen, weshalb auch häufig von dem Streben nach Gleichgewicht (Äquilibration) die Rede ist.

Jean Piaget spricht von Akkomodation, wenn ein Mensch gezwungen ist, sein Wissen zu erweitern, um Wahrnehmungen zu differenzieren.

Beispiel

Ein Kleinkind verfügt über ein WauWau-Schema, das heißt, es kann Hunde - unabhängig von Farbe, Form und Größe erkennen. Eines Tages sieht es eine Kuh und sagt Wauwau. Die Mutter schüttelt den Kopf und lacht nicht, wie sie sonst tut, wenn das Kind einen Wauwau erkannt hat. Sie sagt Muhmuh. Dieser Vorgang wiederholt sich mehrmals und schließlich hat das Kind den Unterschied zwischen Wauwau und Muhmuh gelernt. Es hat seine kognitive Struktur an die äußere Welt angepasst (akkomodiert).

Akkommodation und Assimilation

Akkommodation ist ein Gegenbegriff zu Assimilation. Bei Assimilation und Akkomodation handelt es sich um Prozesse, die stufenlos ineinander übergehen. Jede Erfahrung regt sowohl Assimilation als auch Akkomodation an; beide sind für die kognitive Entwicklung des Menschen wichtig. Würde ein Mensch ausschließlich assimilieren, würde er über sehr wenige, dafür aber sehr goße Schemata verfügen und hätte erhebliche Schwierigkeiten, zwischen ähnlichen Objekten Unterscheidungen zu treffen. Würde der Mensch nur akkomodieren, wäre er nicht in der Lage auf Gemeinsamkeiten von Objekten zu reagieren.


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