Akkordeonist

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Akkordeon
engl.: Accordion, ital.: Fisarmonica
Klassifikation Aerophon, Tasteninstrument, Handzuginstrument
Verwandte Instrumente Bandoneon, Konzertina, Harmonium, Mundharmonika

Das Akkordeon (Pl.: Akkordeons) ist ein Handzuginstrument, bei dem der Ton durch freischwingende, durchschlagende Zungen erzeugt wird. Es zählt somit zu den selbstklingenden Unterbrechungs-Aerophonen. Man zählt heute alle Handzuginstrumente, die auf der rechten Seite, dem Diskant, die Tastatur in einer abgewinkelten Form angebracht haben, zu den diversen Akkordeonarten. Diese Anordnung der Tastatur geht auf die ersten Wiener oder die ersten französischen Instrumente zurück.

Die verschiedenen Typen der Konzertina wie beispielsweise das Bandoneon weisen im Gegensatz zum Akkordeon keine vorkonfigurierten Akkorde und keine abgewinkelte Tastatur auf.

Inhaltsverzeichnis

Terminologie

Es gibt eine Reihe von regionalen Bezeichnungen für das Akkordeon oder spezielle Bauformen, wie Handharmonika, Ziehharmonika, Ziehorgel, Ziach, Handorgel, Riemenorgel, Quetschkommode, Quetsch, Quetschn, Zerrwanst, Tretschrank, Schifferklavier oder auch einfach Harmonika.

Besonders die Begriffe „Akkordeon“ und „Harmonika“ werden teilweise synonym, aber auch abgrenzend verwendet. Die regionalen Unterschiede in Bauart, Spielweise und Bezeichnung sind derart komplex, dass eine Darstellung wie diese nur lückenhaft sein kann.

Anfangs bezeichnete man mit dem Ausdruck „Harmonika“ die größeren Handzuginstrumente, die immer mit der rechten Hand gespielt wurden, also die kleinere Bauart der Physharmonika. Sprachlich ist im Laufe der letzten beiden Jahrhunderte ein gewisser Tausch der Bezeichnungen eingetreten, heute wird eher das Akkordeon als die große Variante der Harmonika betrachtet, eine scharfe Begriffsabgrenzung gibt es aber nicht. Die Harmonika war ursprünglich chromatisch; siehe Geschichte des Pianoakkordeons.

Im volkstümlichen Bereich werden Begriffe exklusiv für bestimmte Sonderformen verwendet. Heute wird sehr häufig von „Akkordeon“ gesprochen, wenn es sich um teurere, hochwertige und schwerere Produkte handelt, die auch für konzertantes Spiel verwendet werden. Der Begriff „Harmonika“ wird eher für leichtere Ausführungen verwendet. Aber bereits hier gibt es Ausnahmen. So wurden in Wien gerade die größeren Instrumente als „Harmonika“ bezeichnet.

Regional gibt es sprachliche Unterschiede in der Benennung, grob kann gesagt werden, dass in Österreich Harmonika tatsächlich für das Akkordeon Verwendung findet, häufig aber auch als Kurzbezeichnung für die Steirische Harmonika, oft auch in der Form von Ziehharmonika. In der Schweiz wird eher der Ausdruck Orgel verwendet. In Deutschland wurde in letzter Zeit ein neuer Ausdruck geprägt, nämlich Zuginstrument oder in der verkürzten Form einfach Zugin oder Ziach (vor allem in Westösterreich und Bayern).

Unterscheidet man die Regionen noch genauer, kommen umgangssprachlich noch viele weitere Bezeichnungen hinzu. Es ist daher natürlich, dass Personen aus verschiedenen deutschsprachigen Regionen die verschiedenen Bezeichnungen für derartige Instrumente mit unterschiedlichen Instrumentvarianten verknüpfen. So sind auch die Benennungen für das Instrument in den verschieden Sprachen der Erde oft von Harmonika oder Akkordeon abgeleitet. Im englischen Sprachraum wird Accordion als Oberbegriff verwendet.

Um die regionalen Unterschiede in der Terminologie zu umgehen, verwenden wir hier in erster Linie den Begriff „Akkordeon“.

Bauarten

Ein Akkordeon besteht wie fast alle Handzuginstrumente aus zwei Teilen (Diskant und Bass), die durch einen Balg miteinander verbunden sind. Durch das Auseinanderziehen und Zusammendrücken der beiden Teile wird die Luft im Balg durch die Stimmstöcke in den beiden Seitenteilen geführt. Je nachdem, ob beim Ziehen und Drücken die gleichen Töne erklingen, kann grundsätzlich zwischen wechseltönigen und gleichtönigen Instrumenten unterschieden werden. Weiterhin ist eine Klassifikation nach Art der Tastenbelegung im Diskant möglich. Neben den hier aufgezählten sind noch zahllose weitere Varianten bekannt. Die Vielfalt der Akkordeons in Gruppen einzuteilen, ist schwierig. Bei praktisch allen Klassifikationssystemen zeigen sich Vor- und Nachteile sowie mehr oder weniger zahlreiche Ausnahmen.

wechseltönig
gleichtönig

Baugruppen

Stimmstöcke

Geklebte Stimmstöcke

Ein Stimmstock ist die Zusammenfassung von Kanzellen zu einer Gruppe. Die Kanzellen können direkt im Musikinstrument mit dem Gehäuse verleimt sein. Werden sie jedoch zu Stimmstöcken zusammengefasst, sind sie meistens mit dem Gehäuse verschraubt und ausbaubar.

Die Kanzellen sind meistens aus Holz gefertigt, manche Billigprodukte verwenden aber auch Spritzguss-Kunststoffstimmstöcke. Der Art der Verarbeitung und dem Material kommt besondere Bedeutung zu, da die Stimmstöcke einen wesentlichen Einfluss auf den Gesamtklang eines Akkordeons ausüben. Bei der Verarbeitung kommen im Wesentlichen zwei Verfahren zum Einsatz: Entweder werden die Trennwände der Kanzellen als Einzelteile mit einer Trennwand verleimt, oder ein vorbereiteter Holzblock wird mittels CNC-Fräsmaschine in die gewünschte Form gebracht. Die obere Leiste ist meistens aus einem härteren Holz, die Grundplatte (Sohle) mit den Schallöffnungen ebenfalls. In manchen Instrumenten kommen auch Stimmstöcke zum Einsatz, die bereits die Registerschieber im Stimmstockfuß beinhalten. Die Anordnung der Stimmplatten auf den Stimmstöcken variiert sehr stark in Abhängigkeit von der jeweiligen Instrumentenvariante. Fast immer sind sie aber im Diskant an einem Ende meist kleiner als am anderen. Die Tonlöcher sind oft rechteckig ausgeführt, um den Einsatz von Registerschiebern zu ermöglichen. Die Stimmplatten sind bei den meisten Instrumenten auf den Stimmstöcken mit einer speziellen Wachsmischung aufgeklebt. Bei modernen französischen Konzertinstrumenten und bei alten Wiener Instrumenten findet man eine Befestigung mit Schrauben, Haken oder – und Nägeln, dabei wird die Stimmplatte mit einer Abdichtung aus Leder oder Kork auf den Stimmstock aufgelegt. In manchen Fällen entfällt auch eine Zwischenlage. Besonders bei der französischen Musette-Stimmung wird eine obertonreiche Klangfarbe erwünscht und durch die spezielle Art der Befestigung und Konstruktion der Stimmstöcke gefördert. Bassstimmstöcke bedürfen einer besonderen Aufmerksamkeit.

Auch Stimmstöcke für Bassakkordeons sind meist auf eine besondere Art konstruiert (Faltung), damit die Ansprache und das Klangbild optimiert wird. Bei alten Instrumenten wird meist das Wachs hart und Stimmplatten können locker werden, was zum Rattern des Tones führt.

Stimmplatten und Ventile

Stimmplatten und Ventile sind ein wesentlicher Bestandteil des Akkordeons und sind in erster Linie maßgeblich für die erreichbare Tonqualität in Bezug auf Lautstärke, Klangfarbe, Dynamik und Tonhaltigkeit. In den meisten Instrumenten kommen heute Stimmplatten aus maschineller Fertigung zum Einsatz. Für höchste Ansprüche werden aber auch heute sogenannte „Handgemachte Stimmplatten“ verwendet.

Weiterführende Information zu Stimmplatten und Ventile siehe: Stimmplatte und Stimmplattenqualität.

Register

Auf der rechten wie auf der linken Seite gibt es die Möglichkeit, die Klangfarben durch Zuschalten von bis zu fünf Chören durch sogenannte Register stark zu variieren. Bei diatonischen Instrumenten werden Register nur selten (eine Ausnahme ist das Cajun Accordion) verwendet. Heute hängt es stark von Hersteller und Fabrikat ab, ob Register angeboten werden oder nicht. Sehr einfache Instrumente besitzen keine Register. Zum Verschließen der Schallöffnungen für einzelne Stimmplattensätze dienen Registerschieber.

Der Korpus

Die beiden Gehäuseteile des rechts eingebauten Diskants mit der Klaviatur (Klaviertasten) oder der Tastatur (Knöpfe) und des links eingebauten Basses mit der Bassmechanik erfüllen hauptsächlich die Aufgabe, die nötige mechanische Basis für die eingebauten Teile bereitzustellen, aber sie schließen auch den eingeschlossenen Luftraum dicht zur Umgebung ab, so lange keine Ventile (Klappen) geöffnet werden. Zur klanglichen Komponente eines Instrumentes trägt die Art der Konstruktion nur bedingt bei. Wohl hat die Größe des freien inneren Volumens einen gewissen Anteil auf die Tonqualität in Beziehung auf Lautstärke und Klangfarbe, wie auch das verwendete Material einen sehr kleinen Beitrag leistet. Vorrangig ist aber, dass der Korpus möglichst stabil und leicht ist. Traditionell wurde Fichtenholz, aber auch andere Massivholzarten verwendet. Sehr bald hat aber die Verwendung von Mehrschichtholz Einzug gehalten, was zu sehr guten akustischen Ergebnissen führt. Beim Akkordeon gilt der Grundsatz, dass die Korpusteile möglichst nicht vibrieren sollen ähnlich wie bei Lautsprecherboxen. Somit ist ein leichtes Instrument oft akustisch schlechter als ein etwas schwereres. Es verwundert daher auch nicht, dass Einzelanfertigungen aus Plexiglas den Spieler klanglich zufriedenstellen. Leider ist Plexiglas doppelt so schwer wie Mehrschichtholz. Hingegen haben ansonsten Kunststoffmaterialen einen negativen Einfluss auf das Klangverhalten. Mit Erfolg wurden auch Gehäuseteile aus Aluminium und Magnesium gebaut. Aluminium wird oft für die Füllung (der Boden, auf dem die Klappen aufliegen) und für die Mechanik verwendet.

Oberflächen

Die Oberflächen wurden ursprünglich wie andere Gegenstände aus Holz behandelt, jedoch kam in den 1920er Jahren mit den ersten Kunststoffen die Beschichtung mit Zelluloid auf. Heute ersetzen bereits viele Hersteller diese Verfahren mit einer etwas umweltfreundlicheren speziellen Mehrschichtlackierung. Der neueste Trend auch bei Konzertinstrumenten sind aber wieder Instrumente in Massivholzlook mit Klarlackoberflächen. Heutige Mainlineprodukte aus China und Europa sind meist mit abgerundeten Gehäusen ausgeführt. Für abgerundete Gehäuse in Naturlook lässt sich Mehrschichtholz aber schlecht einsetzen.

Diskant- und Basskonstruktion

Die Konstruktionen des Diskants und des Basses unterscheiden sich je nach Hersteller relativ stark, obwohl sehr viele Zulieferteile Verwendung finden.

  • Die Art der Konstruktion wird stark vom Hersteller beeinflusst
Die zwei französischen Erzeuger, die Firma Cavagnolo in Lyon und die Firma Maugauin in Tulle fertigen fast alle Teile von Chromatischen Akkordeons bis auf die Stimmplatten selbst. Auch die Firma Harmona mit dem Markennamen Weltmeister fertigt alles selbst bis auf die Stimmplatten. Ähnliches gilt für Instrumente aus Russland (Tula) und die tschechischen Instrumente mit dem Namen Delica. Instrumente aus Italien sind unter vielen Markennamen bekannt, aber es existieren nur mehr wenige selbständige, unabhängige Produzenten, die stark miteinander kooperieren, daher ähneln sich die Instrumente in Konstruktion und bei den mechanischen Einbauten sehr. Meist kommen nur mehr die Luxusinstrumente aus Italien, vieles wird bereits aus China importiert, wie dies auch mit Hohner-Instrumenten der Fall ist. Jedoch ist bei Hohner die Entwicklung, Fertigstellung und Kontrolle noch in Trossingen.
  • Die Art der Konstruktion wird stark von der Ausstattung beeinflusst
Im Diskant werden bis zu fünf Chöre eingebaut, das Verdeck kann mit einer Jalousie ausgestattet sein, manche Instrumente wurden mit in Sektionen verschließbarem Verdeck gebaut. Die Ausführung des Verdecks wirkt relativ stark als klangliches Filter und beeinflusst das Klangbild nicht unwesentlich. Der Einbau eines Cassottos ist eine Variante, die relativ oft vorkommt. Die Qualität der Gelenke im Diskant variiert erheblich, billigere Instrumente kommen oft ohne zusätzliches Gelenk aus. Für die Führungen der Tasten und die Gelenke kommt heute sehr oft Teflon zum Einsatz, aber auch Kugelgelenke werden zum Teil verwendet. Die Klappen sind ebenfalls teilweise recht unterschiedlich ausgeführt, sie sind daher nicht immer gleich dicht und geräuschlos. Nicht jeder Spieler hat die gleichen Bedürfnisse bezüglich Mechanik. Der erforderliche Druck, um die Tasten zu bewegen, kann ebenfalls variieren wie auch der Hub der Tasten bei verschieden Instrumenten nicht immer gleich ist. Es empfiehlt sich somit, möglichst viele Instrumente zu vergleichen, der Unerfahrene hat aber meist nicht das nötige Feingespür, um die Unterschiede zu bemerken. Die Basskonstruktionen unterscheiden sich bei der Mechanik in ähnlicher Weise wie im Diskant. Sehr wesentliche Unterschiede gibt es bei den möglichen Einbauten. Auch wenn sich an der Anzahl der Tasten rein optisch kein Unterschied bemerken lässt, kann doch der erzeugte Ton und Klang äußerst verschieden ausfallen. Für die meisten Instrumente ist jedoch eine relativ einfache, fast standardisierte Ausstattung anzutreffen. Siehe auch Basssysteme. Der Einbau der Stimmstöcke im Bass ist nicht generell einheitlich. Es gibt auch die Möglichkeit, einfache Helikonstimmplatten im Bass eines chromatischen Akkordeons zu integrieren. Dabei werden zwölf einfache Helikonstimmplatten über dem Akkordstimmstock eingebaut, dieser darüber liegende Stimmstock mit den Helikonstimmplatten ist mit einem Luftkanal nach unten zum Bassboden angebunden. Die Helikonstimmplatten sind somit parallel zum Bassboden angeordnet. Die dazugehörende Oktave-Stimmplatte pro Ton ist im stehenden Luftkanal eingebaut. Somit sind bei dieser Variante drei Stimmplatten, davon zwei Begleitstimmplatten, am Begleitstimmstock stehend montiert. Eine ähnliche Montageform des Stimmplatteneinbaus im Bass verwendet Hohner jetzt für die Spitzenklasse. Nur werden keine Helikonstimmplatten eingebaut, sondern die üblichen Bariton-Abmessungen. Der verlängerte Luftkanal bei dieser Art des Einbaus führt auch bei Verwendung gleicher Stimmplatten zu einer besseren Ansprache (Reaktion) der Töne und insgesamt zu einer besseren Tonqualität in Bezug auf Lautstärke und Klang. Ein Erzeuger von chromatischen Instrumenten aus Italien (Stradella) hatte in manchen Modellen alle Stimmplatten in zwei Etagen liegend im Bass eingebaut. Dies führt zu sehr guten Ergebnissen, ist aber äußerst schwierig zu realisieren. Die Firma hat den Betrieb eingestellt.

Chromatisches Akkordeon

Tasten-Akkordeon

Das Chromatische Akkordeon ist eine Bauform des Akkordeons. Zu unterscheiden sind Instrumente mit Klaviatur (Pianoakkordeon) oder Knopfgrifftastatur (Chromatisches Knopfakkordeon) auf der Diskantseite.

Die Schrammelharmonika ist der Vorläufer des Chromatischen Knopfakkordeons.

Griff-Systeme

Die Knopfgriffinstrumente werden heute mit bis zu fünf Reihen (oder sechs Reihen bei der serbischen Dugmetar speziell für die Balkan Musik von Beltuna) gefertigt, wobei die inneren zwei (bzw. drei) Reihen eine Wiederholung von bereits vorhandenen Reihen darstellen. Es gibt B-Griff- und C-Griff-Systeme. Dabei sind die Reihen von innen nach außen beim C-Griff gegenüber dem B-Griff getauscht.

Von-Janko-Tastatur

Diese Tastenbelegung wurde vor 1900 von Paul von Jankó erfunden, sie wird im deutschen Sprachraum auch unter „Beyreuther“ [1] oder „6 + 6“ geführt. Die Janko-Klaviatur hat beim Akkordeon wenig Verbreitung gefunden, es tauchen aber von Zeit zu Zeit gebrauchte Instrumente auf dem Markt auf. Bei Sonderanfertigungen müssen meist 10 Stück abgenommen werden. Die Tastatur kann sowohl mit Knöpfen als auch mit Tasten aufgebaut sein. Einige Instrumente wurden mit prismaförmigen Tasten angeboten, so ergibt sich eine bienenwabenartige Optik aus schwarzen und weißen Tasten. Eine Pianotastatur kann durch einfaches Überstülpen einer weiteren Tastaturebene sehr einfach an dieses System angepasst werden, dies ist aber aus baulichen Gründen eher bei Pianos möglich. Grundsätzlich kommt diese Tastenbelegung mit zwei Tastenreihen aus, jedoch sind meist Wiederholungsreihen (Kopplungen) vorhanden. Drei oder vier Reihen sind üblich. Bereits bei einer dreireihigen Ausführung ergibt sich gegenüber der Pianotastenanordnung ein einheitliches Griffmuster für alle Akkordtypen unabhängig von der Tonart, daher ähnliche Vorteile wie beim C- oder B-Griff. Jedoch liegen die Töne ähnlich weit auseinander wie bei der Klaviertastatur. Daher ist diese Tastatur als eine Art Hybrid beider Systeme zu sehen. Englische Webseite mit Abbildungen

Bass-Systeme

Es gibt zwei grundlegende Bass-Systeme.

Unter Stradella-Bass, (auch Manual-II-Bass oder Standardbass genannt) versteht man die Anordnung der Basstöne in Quinten in vertikaler Richtung mit den am häufigsten gebrauchten Dur-, Moll-, Sept- und verminderten Septakkorden in horizontaler Anordnung. Der Tonumfang ist hier auf eine Oktave beschränkt, wobei jedoch, je nach Bauart und Register, bei den Basstönen bis zu fünf Oktaven gleichzeitig und bei den Akkorden bis zu drei Oktaven gleichzeitig ertönen. Heute werden fast alle Akkordeons mit diesem Stradella Bass gebaut.

Im Gegensatz dazu verfügt der Melodiebass (auch Manual-III-Bass) nicht über Akkordknöpfe, hat dafür aber einen Tonumfang von bis zu fünf Oktaven und ermöglicht dadurch das tonhöhenrichtige Melodiespiel. Der Melodiebass (drei bis vier Reihen) ist entweder dem Standardbass vor- oder nachgelagert, oder kann alternativ (durch Umschalten der hinteren vier Reihen des Standardbasses durch zusätzliche Tasten) auf Melodiebass auf denselben Knöpfen gespielt werden. Ein solcher sogenannter Konverterbass ist in erster Linie bei höherwertigen Instrumenten üblich.

Des Weiteren sind auch noch „Free-Bass“-Systeme auf dem Markt.

Siehe auch: Sonderformen der Bassbelegung.

Basskopplungen (d. h.: verdoppelte Töne) mit eigenem Schalter zum Ein- und Ausschalten findet man zusätzlich bei großen Konzertinstrumenten, z. B.: Bajan.

Diatonisches Akkordeon

Siehe auch Hauptartikel: Diatonisches Akkordeon

Diatonische Handharmonika (wechseltönig)

Ein diatonisches Akkordeon (in Deutschland oft nur als Handharmonika oder Wiener benannt) ist – im Gegensatz zum chromatischen Akkordeon, aber ähnlich den diatonischen Mundharmonikaswechseltönig und diatonisch aufgebaut. Bei Zug und Druck entsteht bei den meisten Tasten der Harmonika ein unterschiedlicher Ton. Es können zudem nicht alle Tonleitern gleich einfach gespielt werden, sondern bevorzugt nur die für die jeweilige Reihe vorgesehenen. Dazu gibt es entsprechende Griffschriftsysteme (Tabulaturen) in verschiedenen Ausprägungen mit einer auf das Instrument abgestimmten Notation.

Die diatonischen Instrumente sind in vielfältiger Form heute auf dem Markt. Weite Verbreitung findet die sogenannte „Steirische Harmonika“ oder die tschechischen Heligonka-Instrumente. Sie weisen nur geringfügige Bauunterschiede auf. Auch die ursprünglichen Wiener Modelle ohne Gleichton sind weltweit sehr verbreitet. Die italienischen diatonischen Modelle entsprechen im Wesentlichen den ursprünglichen Wiener Modellen.

Sehr verbreitet sind auch nach wie vor einreihige Instrumente, sogenannte Cajuninstrumente. Zweireihige Instrumente sind ebenfalls in weiten Teilen der Erde sehr beliebt. Eine Sonderform stellt die Zweireihige in Irland dar. Bei diesem Irischen Akkordeon sind die beiden diatonischen Reihen nicht eine Quint voneinander entfernt, sondern nur einen Halbton. Damit entsteht ein Instrument, das eigentlich chromatisch ist, dabei trotzdem wechseltönig im Aufbau bleibt. Auch sind weitere Varianten der Tastenbelegungen in Verwendung.

Die russische Garmoshka (was übersetzt auch wieder Harmonika bedeutet) sieht ähnlich aus, ist aber chromatisch. Die deutsche Konzertina und die Anglo Concertina sind äußerlich stark in ihrer Bauform abweichende, aber ebenfalls diatonische Instrumente.

Griff-Systeme

Die Knopfgriffinstrumente werden heute mit bis zu fünf Reihen gefertigt. Es gibt eine sehr große Vielfalt an Tastenbelegungen, die Variationen zum ursprünglichen Wiener Modell sind oft relativ gering, aber doch für die Spieltechnik von Bedeutung. Das Club-Modell und das Schwyzerörgeli belegen die dritte Diskantreihe mit Halbtönen.

Bass-Systeme

Grundsätzlich kann die Bassseite ähnlich oder gleich aufgebaut sein wie bei chromatischen Instrumenten. Dies kommt etwa beim Schottischen Akkordeon vor. Am häufigsten sind jedoch wechseltönige Bässe mit circa je vier Knöpfen pro korrespondierender Reihe am Diskant. Die Belegung und die Anordnung der Knöpfe variiert äußerst stark. Das grundlegende Muster der Belegung ist aber fast immer so, dass zumindest auf Druck Grundton und Begleiter der Tonika zur entsprechenden Reihe erklingen, auf Zug die Dominante.

Weitere Angaben siehe bei der Beschreibung der individuellen Instrumenttypen.

Siehe auch: Sonderformen der Bassbelegung.

Geschichte

Vorläufer

Üblicherweise wird angenommen, dass die Mundharmonika die Vorläuferin der Handharmonika war. Dies aber ist ein Irrtum. Zuerst erhielten Kirchenorgeln und Flügel (Piano Forte) Register mit durchschlagenden Zungen (siehe Vorläufer des Harmoniums). [2]

Die direkten Vorläufer des Harmoniums sind allerdings die Aeoline und Physharmonika genannten Instrumente. Die Aeoline wurde um 1810 von Bernhard Eschenbach zusammen mit seinem Cousin Johann Caspar Schlimbach entwickelt, wobei sich die beiden von der Maultrommel anregen ließen. Die Physharmonika wurde 1821 in Wien von Anton Haeckl patentiert. 1824 bekam Anton Reinlein in Wien ein Patent für eine Verbesserung der Handharmonika.[3] [4] [5] Die Massenproduktion von Mundharmonikas setzte vor der Produktion der kleinen diatonischen Instrumente ein. In einer Druckschrift des Musikinstrumentenmuseum SIMPK in Berlin, die anlässlich der Ausstellung „in aller Munde“ herausgegeben wurde, lesen wir:

„Unausrottbar scheint die Legende, der Thüringer Friedrich Buschmann habe Mund- und Ziehharmonika erfunden. Einer Überprüfung hält diese These nicht stand. Denn der Musiker Buschmann spricht in einem Brief von 1828 von seiner soeben getätigten Erfindung. Jahre zuvor hatte schon die gewerbsmäßige Herstellung in Wien begonnen.“
„Nachweislich wurden „Mundharmonikas chinesischer Art“ 1825 in Wien verkauft.“[6]

Bereits 1827/28 baute Christian Messner in Trossingen die ersten Mundharmonikas nach. 1829 ließ Charles Wheatstone das Symphonium patentieren, eine Art Luxusmundharmonika. Er verbesserte das deutsche Wind-Instrument. Zu dieser Zeit waren derartige Instrumente zumindest in wohlhabenden Kreisen oder unter Musikern bekannt. Auch Weltausstellungen waren bereits üblich, um neue technische Errungenschaften dem Publikum zu präsentieren.[7][8][9][10]

Demians Patent

Bei seinem Patent vom 6. Mai 1829 verwendet Cyrill Demian in Wien zum ersten Mal die Bezeichnung „Accordion“ für sein neuartiges Instrument, da bei jeder Taste 3- bis 5-tönige Akkorde eingebaut waren. Neu war die extrem kleine Ausführung. So wurde die einfachste Variante nur mit der linken Hand gespielt und war so ein reines Begleitinstrument. Dieses Instrument war wechseltönig (d. h. auf Zug und Druck klingen unterschiedliche Töne) und diatonisch (d. h. es können nur die Töne bestimmter Tonleitern, pro Reihe gespielt werden). Diese Wechseltönigkeit war ebenfalls neu, da die zur selben Zeit gebauten großen Instrumente gleichtönig waren. Wegen seiner geringen Größe und des niedrigen Preises verbreitete sich das Instrument sehr rasch. So konnten z. B. Pilger das Instrument auf ihre Reisen mitnehmen, was mit großen Harmonikas nicht möglich war.

Cyrill Demian und andere Instrumentenbauer in Wien bauten auch größere Instrumente in ähnlicher Art. Spielanleitungen für Melodieinstrumente sind bereits aus dem Jahre 1833 bekannt.

Vielfalt

Im Jahr 1833 veröffentlichte der bekannte Wiener Komponist und Kapellmeister Adolph Müller eine Spielanleitung zum Selbsterlernen der diatonischen Harmonika.[11] Dem Text der Einleitung ist zu entnehmen, dass zu dieser Zeit bereits viele verschiedenartige Instrumente gebaut wurden. Er empfahl ein „vollkommenes Instrument“, welches sowohl Bassteil als auch Diskantteil besitzt. Diese Instrumente hatten bis zu 3 Tastenreihen mit allen chromatischen Basstönen.

„An großen vollständigen ACCORDIONS, mit 20 und mehr Tasten, sind am Boden des Instrumentes noch kleinere Claves angebracht, welche die in der oberen Lage fehlenden halben Töne und eine vollständige Oktave Basstöne geben, und, sowohl durch den Zug als Druck unverändert klingen.“

Weitere Entwicklung

Die Instrumente in der einfachen Bauform fanden sehr rasch Verbreitung:

  • In Paris wurden sofort Instrumente nachgebaut und auch verändert. In der Musikzeitschrift „LE MENESTREL“ aus dem Jahre 1834 wird berichtet, dass ein derartiges Instrument im Jahre 1831 nach Paris kam.
  • Auch Carl Friedrich Uhlig nahm von einer Reise nach Wien ein derartiges Instrument nach Chemnitz mit. Er veränderte es, hielt aber an der diatonischen und wechseltönigen Tastenbelegung fest. 1834 baute er sein erstes Instrument, das als „Deutsche Konzertina“ bekannt wurde.
  • Band erweiterte den Tonumfang. In seiner Spielanleitung vom Jahre 1846 war sich Band selbst nicht sicher, wie er sein Instrument einordnen sollte. Er schreibt: „Accordionschule für 40- und 44-töniges Accordion, […] selbst […] auf den Accordion oder der Ziehharmonika zu lernen.“ (op. 1 Crefeld)
  • Ziehharmonika und Accordion waren also die üblichen Bezeichnungen in jener Zeit.

Die deutsche Harmonika

Diatonische Handharmonika Marke Lester
Heinrich Wagner lernte in Wien das Handwerk des Instrumentenbauers. Ab 1836 verkaufte er noch Instrumente, die sein Schwager in Wien anfertigte, begann aber bald mit einer eigenen Produktion. Er stellte Lehrlinge und Arbeiter ein und beschäftigte schon 1852 etwa 100 Mitarbeiter. 1867 waren es bereits 380 Mitarbeiter. 1890 wurde die Firma aufgelöst, der Markenname wurde von der Fa. Buttstädt übernommen.
1845 gründete Fridrich Gessner eine Fabrik in Magdeburg. 1855 soll er bereits 150 Arbeiter beschäftigt haben. 1858 folgte noch die Fa. Traugott Schneider. Gessner wurde 1909 an die Fa. Hohner verkauft, Schneider an Dörfel in Brunndöbra. Es wurden in der folgenden Zeit viele weitere Betriebe gegründet, viele gaben aber nach dem ersten Weltkrieg auf. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges waren es nur noch vier Betriebe: A. Pitschler & Sohn, Kahnt & Ulmann, H. Buttstädt, F. Törfl.
In Berlin entstanden, ebenfalls um 1860, die beiden Firmen Pietschmann & Sohn und Kalbe. Kalbe wurde 1910 an Hohner verkauft, Pietschmann & Sohn wurde 1910 aufgelöst.
Adolph Herold war Tischler bei der Fa. Fridrich Geßner in Magdeburg. Er brachte 1852 ein Instrument nach Klingenthal, baute es in der Werkstätte seines Vaters nach. Viele Mundharmonikaerzeuger aus dem Ort wurden dadurch angeregt, selbst Harmonikas zu bauen. Bereits 1862 gab es in Klingenthal und Umgebung 20 Fabriken mit 334 Arbeitern. Die Jahresproduktion belief sich damals auf 214.500 Stück (siehe Vogtländischer Anzeiger vom 19. Juli 1860). Derartige Stückzahlen wurden nicht einmal später von der Fa. Hohner erreicht.
1903 begannen M. Hohner und A. Koch die Produktion von Handharmonikas. In Trossingen gab es vor dem Ersten Weltkrieg vier Großbetriebe: Matthias Hohner, Ands. Koch, Ch. Weiß, Chr. Messner & Co. 1907, nachdem viele andere Firmen bereits integriert waren, wurde die Fa. Hohner zur größten Musikinstrumentenfabrik der Welt. Am Höhepunkt im Jahre 1939 beschäftigte sie 4000 Mitarbeiter. Einen wesentlichen Beitrag zur maschinellen Fertigung machte Julius Bertold ab 1870. Er war Schlosser, erfand und baute Maschinen, welche die Produktion von Stimmplatten und Akkordeons vereinfachten. Darunter waren Stanzen und Fräsen für Stimmzungen, Pressen für die Balgfertigung, Holzbearbeitungsmaschinen sowie Schneidemaschinen.

Bekannte Akkordeonbaufirmen waren damals: C. A. Seydel, I.C. Herold, G.A. Dörfel, Dörfel-Steinfelser & Co., F. A. Böhm, Otto Weidrich, Karl Eschbach, Ernst Leiterd, F. A. Rauner A.G., Robert Mühlmann, Gebrüder Gündel.

Paolo Soprani in Italien baute ebenfalls seine ersten Instrumente nach dem Vorbild Demians.

Siehe auch

Pädagogik

Das Akkordeonspiel kann an Musikschulen gelernt werden.

An den Hochschulen konnte sich das Instrument vor allem in der zeitgenössischen Kammermusik etablieren. Mehrere Institute in Deutschland – unter anderem in Bremen, Trossingen, Freiburg im Breisgau, Würzburg, Weimar, Hannover, Essen, Wuppertal und Nürnberg – bieten entsprechend spezialisierte Studiengänge (KA, KP, Komposition, Lehramt) an. Eine interessante Sonderstellung nimmt zweifellos das Hohner-Konservatorium Trossingen (nicht zu verwechseln mit der Musikhochschule am gleichen Ort) ein, wo unter anderem Dirigenten am aus den Mitstudierenden zusammengesetzten Akkordeonorchester ausgebildet werden. Auch die diatonischen Instrumente haben Zugang zu den Hochschulen gefunden. An den Konservatorien in Linz, Salzburg, Graz, Klagenfurt, Innsbruck und München wird das Studium der Steirischen Harmonika gelehrt.

Hersteller

Einer der größten Akkordeon-Hersteller ist die Matthias Hohner AG in Trossingen. Besonders die Solistenmodelle der Serien „Morino“ und „Gola“ und das Mittelklassemodell „Atlantic“ sind weltweit geläufig. Ende der 1990er Jahre wurde die Matthias-Hohner AG an asiatische Investoren verkauft, so dass heute ein Teil der Instrumente und insbesondere die Komponenten in China gefertigt werden. In Trossingen ist nur noch ein kleiner Stamm von Mitarbeitern verblieben. Eine weitere deutsche Herstellerfirma ist in Klingenthal die Fa. Harmona mit dem Markennamen Weltmeister; sie ist die älteste Akkordeonfabrik der Welt (seit ca. 1852), die aus rund 50 Familienbetrieben in Klingenthal im südlichen Vogtland entstanden ist. Auch Handwerksbetriebe wie Öllerer, Schneeberg und Hartenhauer in Deutschland fertigen eine beträchtliche Zahl an Instrumenten.

In Italien gibt es ca. 50 Akkordeonbauer alleine in Castelfidardo und Umgebung – bekannte Namen sind hier Beltuna, Bugari, Ballone Burini, Borsini, Brandoni (Familie Bompezzo, einer der Markennamen ist byMarco), Menghini (heutiger Firmenname Suani, mit den Markennamen Scandalli SEM, Paolo Soprani), Pigini, Victoria. In Finnland: Lasse Pihlajamaa (heute Pigini) und andere, und in einigen osteuropäischen Staaten: Jupiter, Tula, u. a. In Österreich werden ca. 20.000 diatonische Harmonikas im Jahr produziert (Müller, Strasser, Schmidt, Novak, Jamnik, Zernig)

So vielfältig wie die Musiker sind auch die Meinungen über Qualität und Vorzüge der einzelnen Marken. Die Vielzahl der technischen Komponenten am Akkordeon bringt es mit sich, dass die Instrumente nur noch selten von den Herstellern komplett gefertigt werden. Auch große Marken greifen für Einzelkomponenten auf Zulieferer zurück. So ist es für die Beliebtheit der Instrumente nicht nur ausschlaggebend, um welche Marke und welches Modell es sich handelt, sondern zum Beispiel auch, in welcher Zeit es gebaut wurde.

Viele billige Instrumente einschließlich manche einfachen Hohner kommen heute aus China, auch wenn ein deutsch oder italienisch klingender Markenname am Instrument etwas anderes vorgibt. Wie bei vielen anderen Produkten auch haben die chinesischen Instrumente an Qualität gewonnen, so dass heute vor allem bei Schülerinstrumenten nicht mehr unbedingt vom Kauf eines chinesischen Akkordeons abgeraten werden muss.

Akkordeonmusik

Literatur

Die Akkordeonliteratur konnte sich entsprechend dem noch jungen Alter des Instruments erst im 20. Jahrhundert entwickeln. Inzwischen existiert eine große Palette zeitgenössischer Werke aller Genres und Schwierigkeitsgrade in unterschiedlichen Besetzungen vom Solo bis zur Integration in sinfonische Klangkörper, v.a. aber in der Kammermusik. Zusätzlich ist es möglich, auf dem Akkordeon mit Melodiebass – bei sorgfältiger Auswahl – Werke aus der Klavier- und Orgelliteratur zu spielen. Hier sind besonders barocke Werke geeignet (z. B. von J. S. Bach und D. Scarlatti). Gleichzeitig wurden durch eine Fülle von Transkriptionen auch die vor der Erfindung des Instruments datierenden musikalischen Epochen erschlossen.

Akkordeonorchester

Beim Akkordeonorchester handelt es sich hauptsächlich nur um einen Klangkörper mit völlig gleicher Tonerzeugung und einheitlicher Tonfarbe. Daher kann ein Akkordeonorchester nicht mit einem Sinfonieorchester, sondern eher mit einem Streichorchester verglichen werden. Es finden sich deckungsgleiche Entsprechungen der fünf Stimmen, sodass sich auch reine Streicherkompositionen am besten für Akkordeonorchester eignen. Auch ist hier eine Transkription sehr leicht.

Am Anfang der Entwicklung stand die alleinige Verwendung von diatonischen Instrumenten im sogenannten Harmonikaorchester. Die ersten Orchester dieser Art wurden nach dem ersten Weltkrieg, etwa nach 1925 gegründet. Fortschritte im Instrumentenbau brachten es mit sich, dass das Akkordeon mit seinen schaltbaren Klangfarben immer mehr Eingang ins Orchester fand. So änderte das Bevorzugen des Piano- und auch des Knopfgriffakkordeons im Akkordeonorchester dessen innere Struktur. Das wurde schließlich bestimmend für die Literatur. Es waren damit die Voraussetzungen geschaffen, dass sich ein eigener Akkordeonorchester-Stil entwickeln konnte.

Heute gibt es drei Arten des gemeinsamen, orchestralen Akkordeonspiels, die sich allerdings nicht streng von einander abgrenzen lassen:

  • das große Akkordeonorchester (20 bis 30 Spieler)
  • das Akkordeon-Ensemble (je Stimme höchstens 2 Spieler)
  • die Akkordeon-Spielgruppe (zumeist als Quintett)

Als Zusatzinstrumente kommen Bass, Elektronium oder Keyboards, Schlagzeug, Percussion und Pauken zur Verwendung. Zuweilen wird auch ein Kontrabass verwendet, der viele klangliche Vorteile gegenüber dem Bassakkordeon aufweist.

Siehe: Landesjugendakkordeonorchester Nordrhein-Westfalen, Nürnberger Akkordeonorchester

Verbände

Der Deutsche Harmonikaverband e. V. (DHV) ist mit 120.000 Aktiven einer der größten deutschen Laienmusikverbände. Die meisten Mitglieder sind in den über 1000 Mitgliedsvereinen organisiert, die neben der Aus- und Weiterbildung der Spieler auch einen Orchesterbetrieb und regelmäßige Veranstaltungen aufrechterhalten. Gegründet wurde der DHV 1931, der Hauptsitz ist in Trossingen. Präsident ist der Singener Komponist und Dirigent Fritz Dobler. Der Verein ist beim Amtsgericht in Spaichingen registriert und teilt sich in verschiedene Landesverbände auf (z. B. Landesverband Bayern), welche wiederum in mehrere Bezirke und Kreisvereinigungen untergliedert sein können (z. B. Bezirk Karlsruhe). Über 75 % der Mitglieder sind Jugendliche und daher spielte die Jugendarbeit beim DHV schon immer eine sehr wichtige Rolle. In Baden-Württemberg wurde aus diesem Grund im Jahre 1981 eine Jugendorganisation des Verbands gegründet, die Akkordeon-Jugend Baden-Württemberg. Sie bündelt die Interessen der jugendlichen Mitglieder und ist mit einem umfangreichen überfachlichen Angebot präsent. Vorsitzender des Jugendverbands ist Andreas Geiss.

Sonstiges

Weltgrößtes Akkordeon

Das größte Akkordeon der Welt, das auch im Guinness-Buch der Rekorde erwähnt wird, befindet sich im Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen. Es ist 1,80 Meter hoch, besitzt 128 Diskanttasten und 423 Bassknöpfe, davon 360 klingende und wiegt über 100 Kilogramm. Dieses Gewicht erforderte das Anbringen von Rädern, damit das Instrument bewegt werden konnte. Der Balg kann bis zu 2000 Liter Luft aufnehmen.

Das Akkordeon wurde von der Firma Glaß und Schmidt gebaut. Die Konstruktion stellt eine handwerkliche Meisterleistung dar und war ein enormer Arbeitsaufwand. Aus diesem Grund wurden die im Zweiten Weltkrieg ausgebauten Tonzungen nicht wieder eingesetzt. Daher ist das Akkordeon heute nicht mehr spielbar. Die sechsköpfige weibliche Artistengruppe, die das Instrument zwischen 1938 und 1940 bespielte, hatte im Jahr 1938 Auftritte im Kristallpalast in Leipzig, im Apollotheater Nürnberg und in der Berliner Scala. [12]

Ein ähnlich großes Akkordeon befindet sich im Akkordeonmuseum in Castelfidardo, dieses Instrument ist für Besucher zugänglich und auch spielbar.

Siehe auch

Quellen

  1. Webpräsenz des Beyreuther Musikprinzip
  2. Lit: MGG 4 (1996); NGroveD 10 (2001) [Harmonica];
  3. K. L. Röllig, Über die Harmonika 1787;
  4. F. K. Bartl, Nachrichten von der Harmonika 1796;
  5. F. K. Bartl, Abhandlung von der Tastenharmonika 1798;
  6. In aller Munde, S. 43, ISBN 3-922378-20-X
  7. H.-P. Graf, Entwicklungen einer Instrumentenfamilie: Der Standardisierungsprozeß des Akkordeons 1998;
  8. H. Luck, Die Balginstrumente. Ihre historische Entwicklung bis 1945, 1997;
  9. A. Mauerhofer in Studia instrumentorum musicae popularis 7 (1981); Hopfner 1999;
  10. W. Maurer, Accordion 1983.
  11. Wikisource, Abschrift der Schule für Accordion von Adolph Müller, eine Spielanleitung zum Selbsterlernen der diatonischen Harmonika
  12. Webpräsenz des Musikinstrumenten-Museums Markneukirchen

Filme

  • Die Akkordeonspielerin. Preisgekrönter Dokumentarfilm von Biljana Garvanlieva. Christian Beetz. Deutschland 2006. 30 Minuten. Gebrüder Beetz filmproduktion / 3sat „Mädchengeschichten“.
  • Schultze gets the Blues. Ein Film von Michael Schorr. Offizielle Homepage zum Film
  • Accordion Tribe. Ein Dokumentarfilm über die gleichnamige Musikgruppe von Stefan Schwietert.

Literatur

  • Giovanni Gagliardi: Kleines Handbuch des Akkordeonisten. Aktualisierte und um den ital. und franz. Text sowie um drei Briefe Gagliardis erweiterte Neuausgabe. (= Texte zur Geschichte und Gegenwart des Akkordeons; Bd. 2). Augemus, Bochum 2004, ISBN 3-924272-08-5
  • Hans-Peter Graf: Entwicklungen einer Instrumentenfamilie. Der Standardisierungsprozeß des Akkordeons. Lang, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-631-32841-9 (zugl. Dissertation, Universität Bremen, 1996)
  • Ralf Kaupenjohann: Das Akkordeon. Eine kurze Darstellung der heutigen, in der Bundesrepublik Deutschland gebräuchlichsten Instrumententypen. (= Texte zur Geschichte und Gegenwart des Akkordeons; Bd. 1). Augemus, Bochum 1987, ISBN 3-924272-00-X
  • Christoph Wagner: Das Akkordeon oder die Erfindung der populären Musik. Eine Kulturgeschichte. Schott, Mainz u. a. 2001, ISBN 3-7957-2361-2
  • Septimus Winner: Winner's American instructor for the German accordion. Shaw, 1882 (Digitalisat)
  • Gotthard Richter, Akkordeon. Handbuch für Musiker und Instrumentenbauer, 3. Auflage 2003, ISBN 3-7959-0569-9
  • Thomas Eickhoff, Kultur-Geschichte der Harmonika. Schmülling, Kamen, 1991, ISBN 3-925572-05-8

Weblinks


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