Aktenvernichter

Ein Aktenvernichter, auch Reißwolf, Papierwolf oder auch Büro-Schredder genannt, ist ein Gerät zum Vernichten von Dokumenten.

Aktenvernichter

Inhaltsverzeichnis

Funktionsweise

Vor der Markteinführung von elektrisch betriebenen Aktenvernichtern waren thermische Aktenvernichter (Feuerkorb) weit verbreitet in Gebrauch. Wegen der Risiken im Umgang mit offenem Feuer und nicht zuletzt wegen des entstehenden Schmutzes haben sich heute elektromechanische Schredder verschiedener Bauform durchgesetzt.

Ein Aktenvernichter zerschneidet das Dokument in so kleine Teile, dass diese für sich allein kaum verwertbare Informationen enthalten und nur mit großem Aufwand wieder korrekt zusammengefügt werden könnten.

Einfachere Aktenvernichter schneiden das Papier lediglich in schmale Streifen (Streifenschnitt). Bessere Aktenvernichter schneiden zusätzliche horizontale Schnitte. Diese Schneideweise wird als Cross-Cut (Kreuzschnitt/Partikelschnitt) bezeichnet.

Neuere Aktenvernichter können neben Papier auch Kreditkarten und CDs bzw. DVDs zerschreddern. Seit einigen Jahren werden Aktenvernichter vermehrt auch im privaten Umfeld eingesetzt.

Schneidwerke

Im Wesentlichen unterscheidet man bei Aktenvernichtern zwischen Streifenschnitt bzw. Kreuzschnitt/Partikelschnitt.

Das Schneidwerk beim Streifenschnitt besteht aus zwei gegenläufigen Wellen, die mit einer gewissen Anzahl versetzt ineinandergreifender, scharfkantiger Räder bestückt sind. Zusätzlich ist der Mantel der einzelnen Räder verzahnt, wodurch der einwandfreie Transport des Schnittguts gewährleistet wird. Der eigentliche Schneidevorgang besteht darin, dass das Schnittgut die ineinandergreifenden Räder passiert und dadurch in Streifen, welche in ihrer Breite dem Abstand der Räder entsprechen, geteilt wird. Dabei entspricht die Länge eines Streifens dem des eingeführten Dokuments. Demzufolge wird mit einer höheren Anzahl auf der Welle befindlichen Räder eine größere Anzahl an Streifen mit umso geringerer Breite erreicht. Der Vorteil des Streifenschnitts liegt im Wesentlichen darin, dass die Kapazität mehrerer gleichzeitig zu verarbeitenden Blätter stets höher ist, als beim Kreuzschnitt. Zudem ist das Betriebsgeräusch wesentlich geringer. Das Volumen des Schnittguts ist allerdings wesentlich höher und es lassen sich keine besonders hohen Sicherheitsstufen erzielen.

Das Schneidwerk beim Kreuzschnitt besteht ebenfalls aus zwei gegenläufigen Wellen mit einer gewissen Anzahl versetzt ineinandergreifender, scharfkantiger Räder und die Zerteilung des Schriftguts der Länge nach geschieht somit in gleicher Weise wie beim Streifenschnitt. Allerdings ist jedes Rad so gestaltet, dass eine scharfe Metallkante aus dem Mantel hervorragt und somit zum einen für den Transport des Schnittguts, als auch für die Teilung des Streifens in mehrere Partikel sorgt. Damit dieser Vorgang ausgeglichen erfolgt, sind die Metallkanten der Räder leicht versetzt montiert, quasi in Wellenform. Der Vorteil des Kreuzschnittes liegt im Wesentlichen in der erzielbaren höheren Sicherheitsstufe. Zudem ist das Volumen des Schnittguts wesentlich geringer. Als nachteilig darf das wesentlich lautere Betriebsgeräusch angesehen werden.

Antrieb

Grundsätzlich erfolgt der Antrieb durch einen Elektromotor, der über eine Spindelwelle das meist an der Seite des Schneidwerks angebrachte und aus mehreren Zahnrädern bestehende Getriebe antreibt. Von der Beschaffenheit und Dimensionierung des Getriebes sowie den hierfür verwendeten Materialien hängt die eigentliche Leistung des Gerätes ab. Geräte mit besonders hoher Leistung verfügen daher meist über einen Kettenantrieb, während Geräte im unteren Leistungsbereich sich mit Zahnrädern, die teilweise aus Kunststoff gefertigt sein können, begnügen.

Bedeutung des Aktenvernichters

Das Kleinschneiden von Papier hat den Vorteil, dass es im Büroalltag gefahrloser und einfacher durchführbar ist als andere Methoden der Aktenvernichtung (z. B. Verbrennen) und außerdem die Papierschnipsel noch dem Papierrecycling zugeführt werden können. Bei sehr feinem Partikelschnitt sind die Papierfasern allerdings so kurz, dass nur noch minderwertige Papiersorten daraus hergestellt werden können.

Genormte Zerkleinerungsstufen

Logo des Deutschen Instituts für Normung DIN 32757
Bereich Büro- und Datentechnik
Titel Vernichten von Informationsträgern - Teil 1: Anforderungen und Prüfungen an Maschinen und Einrichtungen, Teil 2: Maschinen und Einrichtungen; Mindestangaben
Kurzbeschreibung: Datensicherheit eines Aktenvernichters
Letzte Ausgabe 1995-01/1985-10
ISO -
Logo des Deutschen Instituts für Normung DIN EN 15713
Bereich Büro- und Datentechnik
Titel Sichere Vernichtung von vertraulichen Unterlagen - Verfahrensregeln
Letzte Ausgabe 2009-08
ISO -

In Deutschland wird die Datensicherheit eines Aktenvernichters nach den fünf Sicherheitsstufen der DIN-Norm DIN 32757 bewertet. Die höchste Sicherheitsstufe 5 fand in der Praxis kaum Verwendung, am häufigsten war die Sicherheitsstufe 2 oder 3 anzutreffen. Vereinzelt bewarben einige Hersteller auch die Sicherheitsstufe 6, welche aber nicht in der DIN 32757 genormt ist.

Im Einzelnen sind die sechs Sicherheitsstufen für Papier wie folgt definiert (DIN 32757-1:1995-01):

  • Sicherheitsstufe 1 (empfohlen für allgemeines Schriftgut)
    • bei Streifenschnitt: max. 12 mm Streifenbreite
    • bei Cross Cut: max. 1000 mm² Partikelfläche
  • Sicherheitsstufe 2 (empfohlen für internes, nicht besonders vertrauliches Schriftgut)
    • bei Streifenschnitt: max. 6 mm Streifenbreite
    • bei Cross Cut: max. 400 mm² Partikelfläche
  • Sicherheitsstufe 3 (empfohlen für vertrauliches Schriftgut)
    • bei Streifenschnitt: max. 2 mm Streifenbreite
    • bei Cross Cut: max. 4 mm Breite auf max. 60 mm Partikellänge (240 mm² Partikelfläche)
    • aber bei Kunststoffen (wie Identifikationskarten oder Mikrofilm): max. 1 mm² Partikelfläche
  • Sicherheitsstufe 4 (empfohlen für geheimzuhaltendes Schriftgut)
    • Cross Cut: max. 2 mm Breite auf max. 15 mm Partikellänge (30 mm² Partikelfläche)
    • aber bei Kunststoffen (wie Identifikationskarten oder Mikrofilm): max. 0,5 mm² Partikelfläche
  • Sicherheitsstufe 5 (für maximale Sicherheitsanforderungen)
    • Cross Cut: max. 0,8 mm Breite auf max. 15 mm Partikellänge (12 mm² Partikelfläche)
    • zerkleinerte grobe Asche, Suspension, Lösung oder Fasern
    • aber bei Kunststoffen (wie Identifikationskarten oder Mikrofilm): max. 0,2 mm² Partikelfläche
  • Sicherheitsstufe 6 (ungenormt) (für geheimdienstliche Sicherheitsanforderungen)
    • Cross Cut: max. 1,0 mm Breite auf max. 5,0 mm Partikellänge (5 mm² Partikelfläche)
    • zerkleinerte feine Asche, Suspension, Lösung oder Fasern

Zu den Sicherheitsstufen nach der DIN 32757 ist anzumerken:

  • Aufgrund der doppelten Definition des Cross Cut kann es sein, dass ein Aktenvernichter bei DIN-A4-Blättern eine höhere Sicherheitsstufe hat als bei Endlospapier.
  • Für Kunststoffe wie Identifikationskarten oder Mikrofilm gelten kleinere Materialteilchenflächen als bei Papier.

Seit August 2009 ist eine europäische Norm veröffentlicht. Hierbei handelt es sich um die EN 15713:2009, die in Deutschland als DIN EN 15713 gültig ist. Im Anhang 1A ist eine neue Tabelle aufgeführt, die die Aktenvernichtungsstufen neu regelt. Der früher irreführende Begriff der Sicherheitsstufe wurde EU-weit durch die Bezeichnung „Zerkleinerungsstufe“ ersetzt.

Unterschiede bei den Aktenvernichtern

Wesentliche Unterschiede sind neben der elementaren Sicherheitsstufe nach DIN 32757 insbesondere die Blatteinzugsbreite, Autostart und besonders Autostopp. Der mechanische Autostart wird durch einen kleinen, in unmittelbarer Nähe des Schneidwerks liegenden Hebel, der durch das eingeführte Schnittgut aus seiner Grundstellung bewegt wird, betätigt. Somit läuft das Schneidwerk mindestens so lange, wie das eingeführte Schnittgut den Hebel in der entsprechenden Position hält. Der mechanische Autostopp beinhaltet den Nachlauf, welcher garantiert, dass das Dokument das Schneidwerk auch tatsächlich gänzlich passiert. Wenn der Hebel wieder in seine Grundposition zurückgekehrt ist, greift eine zur selben Konstruktion gehörende Laufrolle in das Gewinde einer Welle des Getriebes. Durch die Drehung der Welle wird die Laufrolle nach außen transportiert und löst durch ihr Herabfallen das Abschalten des Schneidwerks aus. Moderne Geräte verfügen über eine Lichtschrankensteuerung, welche das Schneidwerk auslöst und elektronisch gesteuert den Nachlauf berücksichtigt. Die Autostart- bzw. Autostopp-Funktion sorgt zudem für eine höhere Akzeptanz der Geräte, weil lediglich das Einführen des Informationsträgers in das Gerät dessen Vernichtung unmittelbar auslöst. Ein separat erforderlicher Ein- bzw. Ausschaltvorgang wird vielfach als umständlich empfunden und hierdurch bedingt wird zunächst eine Anzahl von Dokumenten angesammelt, bevor das Gerät benutzt wird. Dadurch entsteht ein Sicherheitsrisiko.

Gefahren für den Anwender

Die meisten Geräte sind konstruktionsbedingt sicher und schließen dadurch bereits Unfälle aus. Kontaktschalter beispielsweise sorgen dafür, dass die Geräte nur dann arbeiten, wenn sie sich auf dem dazugehörenden Behältnis befinden, bzw. die Gerätetür verschlossen ist. Dadurch wird ein unmittelbarer Kontakt mit dem Schneidwerk an der Geräteunterseite verlässlich vermieden. Eine vorhandene Gefahrenquelle stellt lediglich der praktische Umgang mit dem Gerät dar, die hauptsächlich von dem Zuführschlitz ausgeht. Tragischerweise steigt mit dessen Größe auch die Leistung des Gerätes, wodurch die Gefahr entsprechend größer wird. Deshalb sollte der Anwender

  • konzentriert an der Maschine arbeiten und sich nicht ablenken lassen
  • besondere Vorsicht bei offen getragenem, langem Haar walten lassen
  • Schmuck, wie lange Halsketten und Armbänder vor der Verwendung des Gerätes ablegen
  • gleiches gilt für lose Kleidungsstücke, insbesondere Halstücher, Schals und Krawatten.

Die genannten Kleidungs- und Schmuckstücke vermögen zwar nicht das Gerät auszulösen, könnten aber bei Unachtsamkeit zusammen mit dem zu verarbeitenden Material vom Schneidwerk erfasst werden.

Für den Alltag gute Aktenvernichter vertragen auch übersehene Heft- oder Büroklammern. Diese können das Gerät nicht beschädigen.

Die meisten gängigen Aktenvernichter sind nicht für den Dauerbetrieb ausgelegt. Einige, meist kleinere, Geräte verfügen daher über einen Hitzeschutzschalter, welcher dem Aktenvernichter nach ein bis zwei Minuten Dauerleistung automatisch 15 bis 30 Minuten Abkühlung gewährleistet.

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