Aktgemälde
Jean-Auguste-Dominique Ingres: La source (Die Quelle), 1820–1856. Öl auf Leinwand, 163 × 80 cm. Musée d’Orsay, Paris

Aktkunst, häufig auch nur als Akt bezeichnet, ist die Abbildung des unbekleideten menschlichen Körpers in der Kunst, insbesondere in der Zeichnung (Aktzeichnen), Malerei, Grafik, Skulptur und Fotografie (Aktfotografie). Der Begriff kam als Schulterminus der Porträt- und Genremalerei im 19. Jahrhundert auf und bezeichnete ursprünglich eher Studien vom menschlichen Körper (Aktstudie). Heute wird der Begriff auf alle Darstellungen unbekleideter menschlicher Körper bis in die Frühzeit ausgedehnt.

Inhaltsverzeichnis

Der Begriff Akt

Der Begriff Akt leitet sich von dem lateinischen agere = „handeln“ und „actus“ = „Handlung“ ab. Er bezeichnet also im ursprünglichen Sinne die Darstellung einer Bewegung. Entsprechend wurde der Begriff in der akademischen Malerei des 19. Jahrhunderts für die Positur des Modells als Übergang von einer Bewegung zur nächsten verstanden und eingesetzt. Um die Körperlichkeit des Menschen dabei hervorzuheben wurden die Modelle dabei nackt gemalt.

Um dies zu erreichen musste das Modell während des gesamten Malvorgangs still in dieser Position verharren, wobei häufig Stangen und Hängekonstruktionen zur Fixierung benutzt wurden. Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich ein Croquis-Stil, bei dem Entwürfe vorgemalt oder -gezeichnet wurden und das Modell entsprechend nur etwa halbstündig in einer Position verharren musste. Erst mit Auguste Rodin wurde das Modell in die künstlerische Gestaltung eingebunden, indem es die Stellungen selbst wählte. Erst nachfolgend wurde der Begriff Akt auf jede Form der künstlerischen Darstellung eines unbekleideten Körpers übertragen.

In der französischen Sprache hat sich zudem der Begriff Académie als Bezeichnung für eine Aktstudie oder -zeichnung etabliert. Er stammt ursprünglich vom Italienischen Accademia für eine Gesellschaft und Hochschule, die sich mit der Malerei befasste und dabei besonderen Wert auf die akademische Körpermalerei legte. Die erste Accademia wurde 1563 in Florenz als Accademia del Disegno auf Anraten von Giorgio Vasari gegründet und konzentrierte sich analog zu den Studien von Leonardo da Vinci auf die künstlerische Erforschung von Perspektiven und Proportionen des Körpers. Weitere Kunstakademien wurden in Rom (Accademia di San Luca, 1577) und Bologna (Accademia degli Incamminati, 1583) gegründet. In Paris folgte 1648 die Gründung der Académie royale de peinture et de sculpture mit dem alleinigen Recht auf eine Ausbildung mit lebenden Modellen in Frankreich.

Geschichte des Aktes in der Kunst

Rudolf Epp: Akt vor dem Spiegel, um 1900

In der Geschichte der Kunst ist der Akt eines der ältesten und vielfältigsten Genre. In der Frühgeschichte wurde der Akt fast ausschließlich als Kultgegenstand geschaffen. Erst die Griechen erhoben den Akt zum selbständigen Kunstgegenstand. Im Mittelalter wurden Aktdarstellungen lediglich für religiöse Motive zugelassen und auch nur dann, wenn die Darstellungen die Nacktheit erforderte. Ein hervorragendes Beispiel ist „die Erschaffung des Adams“ von Michelangelo Buonarotti in der Sixtinischen Kapelle. Während dieser Zeit und danach wurden ursprüngliche Arbeiten nicht selten retuschiert um eine allzu detaillierte Sicht des nackten Körpers zu verdecken. Dieses Vorgehen konnte bei den letzten Restaurierungen an den erwähnten Fresken gut nachvollzogen werden. Leonardo da Vinci und Albrecht Dürer erhoben Aktteilstudien (z.B. Hände) zu eigenständigen Kunstwerken.

Im 19. Jahrhundert wurde die Aktabbildung von der Einschränkung auf religiöse, mythologische oder historische Motive befreit. Dies zeigt sich sehr deutlich in den Werken der französischen Impressionisten wie Renoir, Manet, Degas, die Menschen in ganz normalen Situationen (oftmals in der Natur) darstellten und den Details ihrer Körpersprache nachspürten. Von den Einschränkungen befreit, entwickelte sich der Akt vielfältig in allen Künsten. Dabei beschränkt sich der Akt nicht nur auf die Darstellung des menschlichen Körpers. Die Abbildung des menschlichen Körpers ermöglicht dem Kunstschaffenden die Innere Welt des Individuums auszudrücken: Emotionen, Gefühle, Träume, Ängste und Hoffnungen. Kaum ein anderes Motiv als der menschliche Körper eignet sich so sehr, diese abstrakten Begriffe durch die Kunst zu kommunizieren. Deshalb bleibt die Auseinandersetzung mit dem Akt eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration.

Der Akt verliert bis heute und in Zukunft nie an Brisanz und Aktualität und übt auf die Künstler eine große Anziehungskraft aus. Immer wieder gelingt es Kunstschaffenden den menschlichen Körper in einer neuen Sichtweise darzustellen. Bis heute loten Kunstschaffende die Grenze des Erlaubten aus und schaffen Kunstwerke, die anfänglich auf Ablehnung stoßen.

Künstler

einige berühmte Künstler in diesem Gebiet (begonnen):

Literatur

  • Werner Maier: Die Kunst-Akademie. Faszination Aktzeichnen. Ausdrucksstark und konzentriert. Englisch Verlag. Wiesbaden 2007 ISBN 978-3-8241-1382-8

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