Falera


Falera
Falera
Wappen von Falera
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden
Bezirk: Surselvaw
Gemeindenummer: 3572i1f3f4
Postleitzahl: 7153
Koordinaten: (736741 / 184765)46.89.231213Koordinaten: 46° 48′ 0″ N, 9° 13′ 48″ O; CH1903: (736741 / 184765)
Höhe: 1'213 m ü. M.
Fläche: 22.36 km²
Einwohner: 577 (31. Dezember 2009)[1]
Website: www.falera.net
Falera

Falera

Karte
Karte von Falera
w

Falera ( [fɐˈlɛʁɐ]?/i, deutsch und bis 1969 offiziell deutsch Fellers) ist eine politische Gemeinde im Kreis Ilanz im Bezirk Surselva des Kantons Graubünden in der Schweiz.

Der Ursprung des Namens ist unklar. Vermutlich enthält er einen vorrömischen Stamm, der sich später mit dem lateinischen Suffix -aria verband, das im Surselvisch -era ergab. Faleras Wahrzeichen ist die Kirche St. Remigius aus dem 15. Jahrhundert.

Inhaltsverzeichnis

Wappen

Blasonierung: In Rot die silberne (weisse) Kirche St. Remigius

Das Wappen zeigt die alte Pfarrkirche, eine der ältesten des Bündner Oberlandes. Das in einem Gemeindesiegel verwendete Bild des Kirchenpatrons wurde nicht verwendet.

Geographie

Die Gemeinde liegt auf einer Terrasse auf der linken Hangseite des Vorderrheintals. Vom gesamten Gemeindeareal von 2235 ha sind 1432 ha landwirtschaftliches Nutzgebiet (meist Alpwirtschaften), 435 ha Wald und Gehölz, 309 ha unproduktive Fläche (meist Gebirge) und 59 ha Siedlungsfläche. Das Gemeindegebiet hat einen Anteil am Vorabgletscher, während der beliebte Skiberg Crap Sogn Gion zum grössten Teil auf ihrem Gemeindegebiet liegt. Die Gemeinde grenzt an Laax, Ladir, Ruschein, Sagogn, Schluein und Schnaus.

Bevölkerung

Die Bevölkerung sank durch Abwanderung zwischen 1850 und 1930 beständig (1850–1930: −28,2 %). Nach einem gewaltigen Wachstumsschub in den 1930er Jahren (1930–1941: +24 %) folgte nach einem Jahrzehnt Stagnation zwischen 1950 und 1970 eine zweite Auswanderungswelle (1950–1970: −16 %). Seither wächst die Bevölkerung ununterbrochen stark (1970–2004: +77 %).

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1850 1830 1941 1950 1970 1980 1990 2000 2004 2007
Einwohnerzahl 415 298 372 370 309 383 404 504 546 568

Trotz der touristischen Entwicklung ist Falera ein Bauerndorf geblieben. Noch heute gibt es fünfzehn Bauernbetriebe. In den letzten zehn Jahren sind neun landwirtschaftliche Grossbetriebe entstanden.

Sprachen

Auch heute noch ist das Romanische die Sprache der Mehrheit der Bewohner. 1990 beherrschten noch 90 % die Sprache, im Jahr 2000 78 %. Dennoch schwindet diese Mehrheit immer mehr. 1880 gaben 99 % der Einwohner, 1941 97 % und 2000 67 % Romanisch (hier die Mundart Surselvisch) als Muttersprache/Hauptsprache an. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte zeigt folgende Tabelle an:

Sprachen in Falera
Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Deutsch 42 10,97 % 71 17,57 % 145 28,77 %
Rätoromanisch 309 80,68 % 327 80,94 % 340 67,46 %
Italienisch 7 1,83 % 3 0,74 % 10 1,98 %
Einwohner 383 100 % 404 100 % 504 100 %

Religionen – Konfessionen

In früheren Jahren gehörte die gesamte Einwohnerschaft der römisch-katholischen Kirche an. Im Jahr 2000 gab es 84 % römisch-katholische, 10 % evangelisch-reformierte und 1 % orthodoxe Christen. 0.6 % der Bevölkerung gaben keine Auskunft zu ihrem Glaubensbekenntnis. Pfarrkirche ist seit 1904 die Herz-Jesu-Kirche.

Herkunft – Nationalität

Von den Ende 2004 546 Bewohnern waren 506 (= 93 %) Schweizer Bürger. Bei der letzten Volkszählung waren 479 Personen (= 95 %) Schweizer Staatsangehörige, unter ihnen fünf Doppelbürger. Von den wenigen Zugewanderten waren die meisten aus Portugal, Deutschland, Bosnien-Herzegowina, Italien und Österreich.

Politik

Gemeindepräsident ist seit 2011 Wendelin Casutt-Cathomen. Er ist Nachfolger von ist Silvia Casutt.

Geschichte

Die Mutta, auf der Reste eines bronzezeitlichen Dorfes gefunden wurden

Der Dorfname und viele Flurnamen stammen aus vorrömischer Zeit und lassen darauf schliessen, dass Falera seit der mittleren Bronzezeit ununterbrochen bewohnt ist.

In den 1940er Jahren entdeckte der damalige Kantonsförster Walo Burkart auf der Hügelkuppe La Mutta, dem bewaldeten Hügel hinter der Remigiuskirche, die Reste einer ummauerten Siedlung aus der Bronzezeit; die ältesten Funde reichen bis in das 18. Jahrhundert vor Christus zurück. Die Ausgrabungen zeigte, dass der Hügel während gegen 1400 Jahren besiedelt war, bis ca. 400 v. Chr. Während dieser Zeit brannte die Siedlung drei Mal vollständig ab und wurde wieder aufgebaut. In den verschiedenen Kulturschichten fanden sich Keramikscherben, Mahlsteine, Bronzesicheln sowie die weiter unten erwähnte Bronzenadel.

Die Römer haben in Falera keine Spuren hinterlassen. Das deutlichste Zeugnis der Römerzeit findet sich jedoch in der romanischen Sprache, die auf lateinische Wurzeln zurückgeht.

Mehrere Güter und der Name des Ortspriesters Lopus von Falariae wurden 765 im Testament des Bischof Tello von Chur erstmals schriftlich erwähnt. Die Vorläuferkirche von St. Remigius erscheint 841 im karolingischen Reichsurbar. Das Dorf war über Jahrhunderte nur dem Kloster Disentis in Form von Getreide abgabepflichtig. Im Hochmittelalter hatte das Kloster Disentis jedoch seine Rechte für eine gewisse Zeit dem Kloster Pfäfers und später auch den Herren von Wildenberg-Heiligenberg abgetreten. Mit der Gründung des Grauen Bundes im Jahre 1424 wurde Falera Teil der Gerichtsgemeinde Gruob/Ilanz. 1525, zur Zeit der Reformation, kaufte sich das Dorf vom Kloster Disentis frei. Wie die anderen Gemeinden der Drei Bünde war Falera eigenständig und verwaltete sich selber. Mit der Kantonsverfassung von 1854 verloren die Bündner Gemeinden teilweise ihre Selbständigkeit und wurden den kantonalen Behörden unterstellt.

Am Rande des Schleuiser Tobels liegen die Ruinen der Stammburg der Herren von Wildenberg, die Burg Wildenberg.

Tourismus

Falera um 1920

Die touristische Entwicklung Faleras begann in den Jahren zwischen 1920 und 1930 mit einer kleinen Pension von Sep Casutt mit offenem Badebassin. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Gäste von Flims und Laax in Pferdeschlitten nach Falera gefahren, wo sie spazierten und sich im Restaurant Alpina erfrischten. Erst mit dem Ausbau der Strasse von Laax nach Falera 1950 – 1954 waren die Voraussetzungen gegeben, Falera in grösserem Rahmen dem Tourismus zu öffnen.

1959 wurde der Verkehrsverein Falera gegründet; erster Präsident war Giusep Casutt. In den Sechzigerjahren konnten Einheimische Zimmer und Wohnungen vermieten, oft an Eltern von Kindern, die seit 1956 im Schulhaus in Ferienlagern untergebracht waren. In diese Jahre fiel auch der Bau der ersten Ferienhäuser. 1962 erteilte Falera der Gesellschaft Crap Sogn Gion die erste Konzession für den Bau von Skiliften hinauf zum Crap Sogn Gion. Die Verhandlungen über Linienführung und Finanzierung jedoch erwiesen sich als äusserst kompliziert und so wurde die Sesselbahn Falera – Curnius erst 1974 eingeweiht. 1995 wurde sie zu einer Vierersesselbahn umgebaut.

Kulturzentrum La Fermata

1998 fusionierten die Verkehrsvereine von Flims, Laax und Falera zu Flims Laax Falera Tourismus. Im Jahr 2000 schloss sich diese Organisation mit der Mountain Marketing AG zum heutigen Winterresort "LAAX" und zur Sommerdestination "Flims" zusammen, welche sich über Gebiete in den Dörfern Flims, Laax und Falera erstrecken. Es wird von der Weissen Arena Gruppe betrieben und vermarktet. Die Weisse Arena Gruppe nahm ihren Anfang 1996 mit dem Zusammenschluss der Bergbahnen Crap Sogn Gion und den Bergbahnen Flims. Der Name der Weissen Arena taucht schon mit dem ersten Tarifverbund auf, welche die Bergbahnen Crap Sogn Gion und Flims für den Raum Nagens einführten. Auf den ersten Werbeplakaten der Siebziger Jahre war die Gemeinde Falera noch mit dem damals gebräuchlichen deutschen Namen Fellers dabei.

Das Dorf darf nur mit einer Bewilligung befahren werden; die Autos müssen auf einem grossen Parkplatz (erstellt 1970) beim Dorfeingang parkiert werden. Falera kann auch zu Fuss über die Senda Sursilvana erreicht werden.[2]

Sehenswürdigkeiten

Siedlung aus der Bronzezeit

Auf der Mutta (oder Muota = vorrömisch Hügel) wurde von 1935 bis 1943 ein Teil einer Siedlung aus der Bronzezeit ausgegraben. Der wichtigste Fund war eine 83 cm lange Scheibennadel aus Bronze und wird auf die Zeit um 1600 v. Chr. datiert. Sie könnte als Kalender gedient haben, mit der die synodische Umlaufszeit des Planeten Venus von 584/585 Tagen berechnet werden kann.[3] Das Original dieses weltweit einmaligen Fundes ist im Rätischen Museum in Chur ausgestellt.
Die rätselhafteste Figur auf der Mutta ist das in einen Verrucanoblock eingravierte lachende Gesicht eines kleinen Mannes. Der 'lachende Megalithiker' schaut nach Nordwesten, zum Sonnenuntergang während der Sommersonnenwende. Die Figur wurde im September 1984 von Ignaz Cathomen entdeckt. Ihr Alter ist unbestimmt.

Megalithenanlage Parc la Mutta

Das Plateau von Planezzas nördlich der Mutta und östlich der Kirche St. Remigius gilt als bedeutende megalithische Kult- und Astronomiestätte. Die vielen Steinsetzungen dienten sowohl für Kulthandlungen als auch zur Berechnung der Kalendertage. Für den Ackerbau auf dieser Höhenlage war die genaue Kenntnis von Frühlings- und Herbstbeginn für Aussaat und Ernte von existentieller Bedeutung. Die Anlage umfasst Peilsteine zur Bestimmung der Sommersonnenwende, des Bauernwinters, der Wintersonnenwende, der Nord-Süd Richtung, der Tagundnachtgleiche, des Sternes Keph der Kassiopeia. Ein Steindreieck im Zentrum der Anlage zeigt das Verhältnis der dritten Reihe der pythagoreischen Zahlen 8:15:17. Ein Stein mit einem Mondpfeil weist auf eine Sonnenfinsternis im Jahre 1089 v. Chr. hin. Die Neigung des Sonnen- oder Kalendersteines entspricht genau der Neigung der Erdachse. Die Anlage ist durch Peillinien mit der Umgebung verbunden. Zum Beispiel liegen die drei Kirchen von Falera, Ladir und Ruschein auf der gleichen südwestlichen Kultlinie.

Planetenweg

Im Sommer 2003 wurde auf die Initiative der Astronomischen Gesellschaft des Kantons Graubünden auf dem ersten Teil desPanoramawegs von Falera nach Larnags/Laax ein 1.4 km langer Planetenweg erstellt. [4]

Sternwarte Mirasteilas

Sternwarte Mirasteilas

Die Sternwarte liegt etwas oberhalb der Gemeinde in Falera und wurde am 22. Juni 2007 eröffnet. Ihr Prunkstück ist ein 1,6 Tonnen schweres, gegen 300 000 Franken teures Cassegrain-Teleskop mit einem Durchmesser 90 Zentimetern und einer Brennweite von 9 Metern.

Mirasteilas zählt zu jenen Schweizer Observatorien, die Asteroiden, Kometen und Satelliten beobachten und deren Bahn vermessen. Die Daten werden an das Minor Planet Center der Internationalen Astronomischen Union an der Harvard University in Cambridge (USA) gesandt und gelangen von dort an die US-Raumfahrtbehörde NASA. [5]

Am 26. Mai 2010 wurde von der Internationalen Astronomischen Union und des Minor Planet Centers der Harvard Universität in Cambridge der Name «Falera» für den Asteroiden mit der laufenden Nummer 233943 vergeben.

Literatur

Falera im Winter
  • Ulrich und Greti Büchi, Bücherreihe: Die Megalithe der Surselva / Die Menhire auf Planezzas / Falera, 2002
  • Ignaz Cathomen/Giusep Venzin: Falera St. Remigius, 1991
  • Ignaz Cathomen/Isidor Winzap: Falera - Geschichte und Entwicklung eines Bündner Bergdorfes 2002
  • Adrian Michael: Zauberringe - eine phantastische Erzählung aus Falera; Fröhlich Verlag, Zollikon, 2001

Weblinks

 Commons: Falera – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Statistik Schweiz – Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Kantonen, Bezirken und Gemeinden
  2. Wandern Schweiz auf der Senda Sursilvana nach Falera
  3. Falera: Bronzezeitliche Kultstätte und moderne Astronomie. Abgerufen am 1. März 2009.
  4. Planetenweg
  5. Zeitungsbericht

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