Aktionsbasiertes Lernen

Action Learning (auch Aktionsbasiertes Lernen) ist eine Methode des Erfahrungslernens ("Learning by Doing") in Unternehmen oder anderen Organisationen, die auf Reginald Revans zurückgeht.

In einem Action-Learning-Programm arbeitet ein Team an einem konkreten, für ein Unternehmen relevanten Projekt und reflektiert gleichzeitig über den Lernprozess. Action Learning ist geprägt von der Überzeugung, dass man am besten anhand einer konkreten Herausforderung lernt. Dadurch entsteht ein doppelter Nutzen - für das Unternehmen und für die Mitarbeiter: Organisationsentwicklung und persönliche Weiterentwicklung.


Action Learning ist verwandt mit dem Konzept Lernende Organisation (Chris Argyris & Schön, Peter M. Senge).

Inhaltsverzeichnis

Die Entstehung von Action Learning

Schlüsselerlebnis war für Revans der Untergang der Titanic. Revans´ Vater gehörte zu der Kommission, die aufklären sollte, warum ein Schiff, welches von einer großen Zahl der besten Ingenieure Englands gebaut worden war und das als vollkommen unsinkbar galt, schon auf der Jungfernfahrt untergegangen war. Das Ergebnis der Kommission war erstaunlich: viele der Ingenieure gaben an, durchaus gelegentlich ernste Zweifel an der Konstruktion gehabt zu haben. Da aber die zuständigen Stellen dies anders sahen, änderten sie ihre Wahrnehmung und glaubten schließlich selbst an die Unsinkbarkeit des Schiffs. Jetzt nach der Katastrophe erinnerten sie sich aber gut an ihre ursprünglichen Zweifel, die sich auf grausame Weise bewahrheitet hatten. Das Phänomen, dass einzelne sich der Gruppenmeinung anpassen und die Gruppe so verhängnisvolle Entscheidungen trifft, nennt man Gruppendenken (groupthink). Dem will Action Learning entgegenwirken, indem in einem Team Menschen aus verschiedenen Bereichen zusammenarbeiten und kritische Fragen aus ihren unterschiedlichen Perspektiven stellen.

Akteure in einem Action-Learning-Programm

  • Man braucht ein Team, welches den Willen hat, Neues zu lernen, d. h. sowohl im eigenen Verhalten als Führungspersönlichkeit und Team-Mitglied effektiver zu werden als auch das Umfeld besser zu verstehen und persönliche Möglichkeiten auf es einzuwirken zu entdecken.
  • Der Moderator unterstützt das Team bei der Reflexion und Auswertung der Erfahrungen, die im Projekt gemacht wurden.
  • Der Auftraggeber ist an der Lösung der Aufgabe unmittelbar interessiert. Das Team schließt mit dem Auftraggeber eine Projektvereinbarung, die alle wichtigen Punkte erhält, welches Ergebnis erzielt werden soll, auf welche Weise und mit welchen Ressourcen dies geschehen wird und wer wofür verantwortlich ist.

Lernen im Action Learning

Zum "Schullernen", das auf Vorrat Theoriewissen ansammelt, kommt im Action Learning wesentlich Praxislernen dazu, bei dem es darum geht, eine neuartige Situation zu erforschen - und sich dann gegebenenfalls nötiges Theoriewissen anzueignen. Revans stellt folgende Lerngleichung auf: L = P + Q Lernen (L = Learning) erfordert nach Revans Expertenwissen (P = Programmed Knowledge) und Fragenstellen (Q = Questioning Insight). Wesentlich ist das Stellen von kritischen Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven.

Wesentliche Merkmale eines Action-Learning-Programms

  • Learning by doing
  • alle Beteiligten verstehen sich als Lernende, die nicht über absolute Wahrheiten verfügen und daher eine offene Haltung einnehmen
  • Verbindung von Expertenwissen und explorativem Erkunden von Neuland, wobei tendenziell der explorative Anteil steuert, welches Expertenwissen benötigt wird
  • Das Action-Learning-Team als Medium für Reflexion, Erproben neuer Lösungen und persönliche Entwicklung
  • Die Simultanität von Problemlösen und Lernen bzw. von persönlicher und organisationaler Entwicklung

E-Action Learning

Als E-Action Learning bezeichnet Mertens[1] ein Lernen unter Verwendung elektronischer Medien in Verbindung neuartiger virtueller Welten wie Second Life. E-Action Learning unterscheidet sich vom E-Learning darin, das durch die hohe Immersion ein Eintauchen in virtuelle Welten ermöglicht wird. Durch die gleichzeitig hohe Identifikation mit seinem Avatar hat der Lerner die Möglichkeit in situativen Kontexten zu lernen. Da in virtuellen Welten diese Kontexte entstehen und nicht vorprogrammiert sind, entstehen zufällige Situationen wie im echten Leben. Interessant ist auch, dass sich in diesem Bereich das Erlernen von Sprachen abbilden lässt, als ob man Sprache durch "Alltagskontext" lernt. So ist ein treffen zwischen Lerner und Lehrenden in einer virtuellen Welt denkbar und ein Dialog beginnt mit Trainer zu Lerner: "Hallo Lerner, wie geht es Dir?" - Lerner: "Hallo Trainer, ich habe eine neue Insel in Second Life gefunden über Pflanzenwachstum, dort wird Pflanzenwachstum in Abhängigkeit von Wasser, Licht usw. simuliert ..." Der Dialog kann sich in der Sprache die gelehrt wird fortführen und Lerner und Trainer besichtigen die Second Life Insel. D. h. der Lerner spannt über seine intrinsische Motivation (Interesse an Pflanzen) einen Raum auf, in dem ein Lernkontext mit den Anschlußsstrukturen des Lerners entsteht für den eigentlichen Lerninhalt (z. B. Englisch lernen). Erste Ansätze dafür existieren bereits [2]

Seit 2007 wird Second Life für den Fremdsprachenunterricht verwendet.[3] Sowohl Second Life als auch Real Life Sprachschulen haben begonnen die virtuelle Welt für den Sprachunterricht zu verwenden. Englisch als Fremdsprache bekam durch etliche Sprachschulen sowie dem British Council welches sich auf das Teen Grid fokussiert hat, eine Präsenz in Second Life. Spaniens Sprach- und Kulturinstitut "Instituto Cervantes" hat sogar eine Insel in Second Life. Eine Liste von Bildungsprojekten (inklusive einiger Sprachschulen) in Second Life gibt es auf der Seite von SimTeach.

Literatur

  • Donnenberg, O. (Hrsg.) (1999). Action Learning: Ein Handbuch. Stuttgart: Klett-Kotta.
  • Hauser, B. (2006). Action Learning im Management Development. Mering: Hampp.
  • Revans, R. (1998). ABC of action learning: Empowering managers to act und to learn from action. London: Lemos & Crane.

Fußnoten

  1. http://www.sltalk.de/index.php/2007/06/14/e-action-learning-in-3d-welten-eine-neue-dimension-des-lernens/
  2. http://www.sltalk.de/index.php/2007/05/13/sprachlernen-in-virtuellen-3d-welten/
  3. Dorveaux, Xavier. „Apprendre une langue dans un monde virtuel “, Le Monde, 15. Juli 2007. Zugriff am 15. Juli 2007. 

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