Aktivitäten des täglichen Lebens (Pflegemodell)

Die Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL) (orig. ADL = "activities of daily living") gehören zu einem ganzheitlichen Pflegemodell in der Alten- und Krankenpflege. Als Schöpferin dieses Modells gelten Virginia Henderson (Modell der 14 Bedürfnisse) und Nancy Roper (Modell des Lebens). Sie und ihre Nachfolgerinnen (in der Entwicklung einer Pflegetheorie) beziehen sich dabei zum Teil auf das Werk Abraham Maslows. So auch das Modell Liliane Juchlis, die sich vor allem Roper als Vorbild nahm.

Inhaltsverzeichnis

Ziele der Pflegetheorie

Ziel der Pflege, Rehabilitation und Therapie ist es demnach, die Selbständigkeit eines Patienten in einzelnen Bereichen zu erhalten oder wieder herzustellen. Mit dem Kriterienkatalog der ATL sind somit Pflegediagnose, -planung und -evaluation möglich.

Die 12 Aktivitäten

Das Modell wurde im deutschsprachigen Raum zunächst von Liliane Juchli weiterentwickelt und umfasst die folgenden 12 Aktivitäten:

  • Ruhen und schlafen / dazu gehören evtl. Fähigkeiten im Bereich
- Krankenzimmer im sauberen Zustand
- Krankenbett täglich oder wenn nötig erneuern und säubern
- Lagerung der Patienten
- nutzen von Lagerungshilfsmitteln
- Betten der Patienten
- Nachtdienst und Beobachtung des Schlafes
  • Sich bewegen
- hat Bedeutung für Geist und Körper
- Dekubitusprophylaxe durchführen
- Kontrakturprophylaxe durchführen
- Bewegungsübungen (aktiv, assistiv, passiv)
- Thromboseprophylaxe durchführen
- Mobilisation und Krankengymnastik
  • Sich waschen und kleiden
- Hilfe bei An- und Ausziehen
- Hilfestellung und komplette Übernahme der Körperpflege
- Pflege der Sinnesorgane
- Parodontitisprophylaxe durchführen
- Beobachtung der Haut und Aussehen
- Beobachtung von Schweiß und Körpergeruch
  • Essen und trinken
- Beobachtung von Körpergewicht und Körperlänge
- Hilfeleistung beim Essen und Trinken (Essen reichen; auch Ess-und Trinkassistenz)
- Kostformen patientengerecht bestimmen
- Aspirationsprophylaxe
- Ernährungssonde und Sondenkost
  • Ausscheidung
- Obstipationsprophylaxe
- Abführmittel
- Beobachtung von Urin, Stuhlgang, Erbrechen
- Inkontinentalpflege
- Darmeinlauf
  • Regulierung der Körpertemperatur
- Beobachtung der Körpertemperatur
- Pflege bei Schüttelfrost
- Pflege bei Fieber
  • Atmen
- Beobachtung der Atmung
- Pneumonieprophylaxe
- Inhalation
- Hilfe bei Atemnot
- Beobachtung von Puls und Blutdruck
  • Für Sicherheit sorgen
- Patientenaufnahme, -verlegung und -entlassung
- Verhütung von Gefahren
- persönliche Hygiene
- Umgang mit Medikamenten
- Verhütung von Nosokomialen Infektionen (im Krankenhaus erworbene Infektion)
- Infusion und Injektionen verabreichen und vorbereiten
  • Sich beschäftigen
- hat Bedeutung für Gesunden und Kranken
- Ergotherapie und Physiotherapie
- Rehabilitation
- Selbsthilfegruppen
  • Kommunizieren
- mit Patienten und Angehörigen
- innerhalb des Teams
- Übergabegespräch
- verbale und nonverbale Kommunikation
- Visite
  • Sinn finden
- Beruf, Körper, Geist und Seele
- Verwirklichung der ganzheitlichen Pflege
- Angstbewältigung
- Besinnungstage und Meditationen
- Beobachtung von Schmerz und Schmerzbewältigung
- Begleitung Sterbender
  • Sich als Mann oder Frau fühlen
- Intimsphäre schützen
- Schamgefühl wahren
- Probleme bei Intensiv- und Langzeitpatienten
- Veränderung durch Medikamente

Pflegeversicherung

Mit der Einführung der Pflegeversicherung in Deutschland hat der Ausdruck eine neue Bedeutung erlangt. Die Einordnung in die Pflegestufen erfolgt nach dem Zeitaufwand der Hilfe, die der Patient bei bestimmten Verrichtungen im täglichen Leben (Selbstpflege) und in der Pflege benötigt (Als Sachleistung finanziert die Pflegekasse dazu Leistungspakete durch ambulante Dienste).

Siehe auch

Definition ADL
Abk. für (engl.) "activities of daily living"; Aktivitäten des täglichen Lebens (Abk. ATL); Bezeichnung in der Krankenpflege (und Gerontologie) für immer wiederkehrende Tätigkeiten zur Erfüllung der physischen und psychischen menschlichen Grundbedürfnisse, die bei Erkrankungen und im Alter Schwierigkeiten bereiten können; z.B. Körperhygiene, Sauberhalten der Wohnung, Zubereiten und Einnahme von Mahlzeiten, Mobilität (Stehen, Gehen, Treppensteigen) sowie Kontinenz, Verlassen des Bettes, selbstständiges An- und Auskleiden als Kriterium der Pflegebedürftigkeit*; i. W. S. Auch Gestalten von Raum und Zeit, Arbeiten, Spielen, Kommunizieren u.a. (Pschyrembel 258. Auflage -De Gruyter- Kristof Beyer)

Literatur

  • Liliane Juchli: Ganzheitliche Pflege - Vision oder Wirklichkeit. 3. Auflage. RECOM, Basel 1993, ISBN 3-315-00076-X
  • Edith Kellnhauser u.a. (Hrsg.), Begr. von Juliane Juchli: THIEMEs Pflege - Professionalität erleben. 10., völlig neu bearb. Auflage. Thieme, Stuttgart 2004, ISBN 3-13-500010-9 (1. Auflage unter Juchli L (1971): Allgemeine und spezielle Krankenpflege. Thieme, Stgt.)
  • Carola Otterstedt (2005): Der verbale Dialog, für Begleiter von Schwerkranken, Schlaganfall-, Komapatienten und Demenzbetroffenen, Verlag modernes lernen, Dortmund.
  • Carola Otterstedt (2005): Der nonverbale Dialog, für Begleiter von Schwerkranken, Schlaganfall-, Komapatienten und Demenzbetroffenen, Verlag modernes lernen, Dortmund.
  • Pschyrembel - Klinisches Wörterbuch, 258. Auflage, De Gruyter, ISBN 3-11-014824-2

Weblinks

  • www.pflegewiki.de - ATL im PflegeWiki
  • www.oegkv.at - Österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeverband: Pflegediagnose, -planung und -evaluation

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