Aktivurlaub
Badereise
Wanderreise
Kulturreise

Der Begriff Reise (v. althochdeutsch: risan = aufstehen, sich erheben) bedeutet im Sinne der Verkehrswirtschaft die Fortbewegung einer oder mehrerer Personen über eine längere Zeit zu Fuß oder mit öffentlichen bzw. nicht öffentlichen Verkehrsmitteln außerhalb des Wirtschaftsverkehrs, um ein Reiseziel zu erreichen oder mehrere Orte bis zur Beendigung der Reise am Ausgangsort kennenzulernen (Rundreise). Im fremdenverkehrswirtschaftlichen Sinne umfasst die Bezeichnung Reise die Summe der beiden Phasen „Ortsveränderung“ und Aufenthalt. Die verwendeten Verkehrsmittel bilden hierbei eine Gesamtheit: Die Reisekette (Beispiel: Bus – Flugzeug – Straßenbahn – Taxi).

Inhaltsverzeichnis

Arten

Nach dem Zweck des Aufenthalts am Zielort können insbesondere folgende Grundtypen unterschieden werden:

Urlaubsreise

Urlaubsreisen dienen primär der Erholung und Freizeitgestaltung. Wenn Reisende selbst sie planen, sind es Individualreisen – standardisierte Angebote von Reiseveranstaltern dagegen Pauschalreisen. Letztgenannter Typ ist häufig, aber nicht zwingend eine Gruppenreise.

Je nach Neigung, Interessen und Bedürfnissen gibt es eine Vielfalt von Reisearten. Primär Erholungszwecken dienen etwa Bade-, Wander- und Ski-, aber auch Gesundheits-, Wellness- und kulinarische Reisen. Aktiver sind Sport- und Abenteuer- und für Menschen mit vorwiegend kulturellen Bedürfnissen die Studien- oder Bildungsreisen; spezielle Ausprägungen sind etwa Sprach-, Städte-, Konzert- oder Opernreisen.

Eine Sonderform der Urlaubsreise stellt die Weltreise dar, bei der man – grob gesehen – einmal die Erdkugel umrundet. Urlaubsreisen sind beliebte Preise etwa bei Gewinnspielen, werden aber auch von Arbeitgebern als Belohnungen für besonders erfolgreiche Mitarbeiter eingesetzt (sog. Incentive-Reisen).

Geschäftsreise

Wirtschaftlichen Zwecken dient die Geschäftsreise. Neben dem Aufsuchen von Kunden, Lieferanten, Geschäftspartnern etc. etwa zum Zwecke von Besprechungen, Beratungen und Verhandlungen sind insbesondere die Messe- und Fortbildungsreisen zu nennen. Sie werden überwiegend individuell von Einzelpersonen oder kleineren Gruppen durchgeführt.

Pilgerreise

Aus religiöser Motivation werden Pilgerreisen unternommen. Häufig dienen sie dem Aufsuchen geheiligter Stätten wie etwa Rom, Jerusalem, Lourdes oder Mekka, aber auch von Veranstaltungen wie etwa den Kirchentagen. Mitunter werden Pilgerreisen als religiöse Pflicht vorgeschrieben (die Hadsch im Islam), zumindest verheißen sie den Gläubigen aber Seelenheil, spirituelles Wachstum, Vergebung von Sünden, Heilungen von Gebrechen und Ähnliches.

Missionsreise

Im Gegensatz dazu steht bei der Missionsreise nicht das Heil des Reisenden selbst, sondern der „Besuchten“ im Vordergrund. Sie dient der Ausbreitung des Glaubens. Besonders aktiv waren und sind in diesem Bereich die christlichen Kirchen sowie der Islam.

Forschungsreise

Wissenschaftliche Ziele verfolgen schließlich die Forschungsreisen (auch: Expedition). Teils dienen sie der bloßen Konsultation in fremden Städten befindlicher Bibliotheken und Archive, häufig werden aber auch Ausgrabungen, Baudenkmäler, Gesteinsformationen, fremde Tier- und Pflanzenarten und dergleichen untersucht. Das Urbild des Forschungsreisenden stellt Alexander von Humboldt dar, der Anfang des 19. Jahrhunderts Mittel- und Südamerika erkundet hat. Weitere Beispiele sind der Polarreisende Giuseppe Acerbi sowie später der Tibetforscher Heinrich Harrer.

Entdeckungsreise

Mit sogenannten Entdeckungsreise sind etwa Marco Polo, Christoph Kolumbus, Vasco da Gama, Ferdinand Magellan und James Cook in bis dahin (den Europäern) unbekannte Teile der Welt vorgestoßen. Heute ist dieser Reisetyp weitgehend nur noch von historischer Bedeutung, was damit zusammenhängt, dass die Erde heutzutage weitgehend als erkundet und vermessen gilt. Ausnahmen mag es noch in unzugänglichen Gebieten etwa am Amazonas oder im Himalaya geben.

Zeitreise

Eine Zeitreise ist eine Bewegung in der Zeit, welche vom gewöhnlichen Zeitablauf abweicht. Obwohl gewisse Zeitreisen zwar physikalisch prinzipiell möglich sind, übersteigt ihre praktische Durchführung das Menschenmögliche bei weitem. Der Begriff wird jedoch auch in der Reise- und Tourismusforschung verwendet. Vergleiche: Zeitreise.

Motivation

Während bei den meisten der genannten Reisearten die Motivation klar zutage tritt, ist sie speziell bei den Urlaubsreisen in erheblichem Maße diversifiziert. Insbesondere stellt sich die Frage, was Menschen dazu treibt, zum Zwecke der Erholung und Freizeitgestaltung gerade auf Reisen zu gehen.

Beginn vieler Reisen: Die Flugreise (Foto: Airbus A380)

Genannt werden als Motive insbesondere:

  • Physische Motivation: Viele Menschen reisen, um sich zu erholen und zu entspannen.
  • Psychische Motivation: Zum anderen gibt es solche, die zur Entlastung, Selbstfindung oder aus Abenteuerlust reisen.
  • Interpersonelle Motivation: Gesellige Menschen gehen auf Reisen, um Gruppenerfahrungen zu sammeln.
  • Kulturelle Motivation: Außerdem gibt es auch eine Menge von Menschen, die sich während ihres Reisens bilden und an dem Kennenlernen fremder Kulturen interessiert sind (speziell: Studienreise).
  • Status- oder Prestigemotivation: Ferner gibt es Reisende, die durch ein bestimmtes Reiseverhalten ihr Ansehen oder ihre Anerkennung steigern wollen. Schon 1873 übertrieb Theodor Fontane: „Zu den Eigentümlichkeiten unserer Zeit gehört das Massenreisen. Sonst reisten bevorzugte Individuen, jetzt reist jeder und jede.“

Gerhard Schulze stellt einen Zusammenhang der Reisemotivationen mit den einzelnen soziologischen Milieus her:

  • Dem vom sog. Hochkulturschema geprägten Niveaumilieu gehören vorwiegend Menschen der gehobenen Bildungsschichten an, die insbesondere nach Etablierung im Berufsleben und/oder nach abgeschlossener Kindererziehung („die Kinder sind aus dem Haus“) nun primär nach Bildung und persönlicher Entwicklung, weniger nach Amüsement streben. Dementsprechend entscheiden sie sich vorwiegend für Bildungs- und Studienreisen und besuchen etwa Kirchen und Museen, aber auch „pittoreske“ Landschaften und Städte. Abgelehnt werden etwa Touristenmassen, Lärm und Unterhaltungsbetrieb.
  • Eher die jüngere Generation neigt verstärkt dem – ebenfalls am Hochkulturschema teilhabenden – Selbstverwirklichungsmilieu zu. Man schätzt vor allem „untouristische“ und „unverdorbene“ Orte „abseits ausgetretener Pfade“. Als klassische Reiseziele dieser Gruppe gelten etwa abgelegene Dörfer in Burgund oder der Toskana, aber auch exotische Gegenden wie der Himalaya.
  • Durch eine Kombination von Hochkultur- und Trivialschema ist das vorwiegend von Angehörigen der mittleren Bildungsschicht formierte und in besonderem Maße zu Konformität neigende sogenannte Integrationsmilieu gekennzeichnet. Geschätzt werden erprobte und bekannte, durch eine gut ausgebaute Infrastruktur erschlossene Orte wie etwa die Sonnenküsten rund um das Mittelmeer, aber auch die österreichischen Berge und Seen. Gleichwohl werden in geringerem Maße auch Elemente der klassischen Bildungskanons wie etwa die Studienreise nach Paris integriert.
  • Jüngere Menschen aller gesellschaftlichen Schichten versammeln sich schließlich im Aktionsmilieu, das vom Spannungsschema geprägt ist. In ihrem Reiseverhalten streben sie vor allen Dingen nach Dynamik, Abwechslung und körperlicher Bewegung. Geschätzt werden Orte, wo „etwas los“ ist, etwa die Diskotheken der Badeorte, „actionträchtige“ Metropolen wie Berlin oder London, aber auch Abenteuer- und Sportreisen. Auf der Jagd nach immer neuen Reizen werden gerne große Strecken zurückgelegt, insbesondere etwa auch durch Trampen oder Interrail.
  • Im auf dem Trivialschema fußenden Harmoniemilieu schließlich finden sich vorwiegend ältere Menschen der einfacheren Bildungsschichten. Soweit überhaupt verreist wird, sucht man vorwiegend Ruhe, Erholung und Geborgenheit, insbesondere an bereits bekannten und vertrauten Orten im eigenen Land bzw. Sprachgebiet wie etwa dem Schwarzwald oder Südtirol. Das Freizeitprogramm besteht etwa aus Spaziergängen und Wanderungen, aus Badeaufenthalten und Heimatabenden.

Dauer

Nach der Reisedauer unterscheidet man heute wissenschaftlich folgende Reisearten:

  • Tagesausflüge (höchstens 24 Stunden ohne Übernachtung)
  • Kurzreisen (Reise von zwei bis vier Tagen Dauer)
  • Urlaubsreisen (alle Reisen mit mehr als vier Tagen Dauer)
  • Langzeitreisen (alle Reisen mit mehr als drei Monaten Dauer)

Ablauf

Buchungsphase

Ursprünglich wurden die einzelnen Bestandteile wie Fahrt, Unterkunft etc. vom Reisenden unmittelbar bei den jeweiligen Leistungserbringern (Verkehrsunternehmen, Beherbergungsbetriebe) gebucht. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte die Buchung indes zunehmend, insbesondere bei Pauschalreisen, über Vermittlung eines Reisebüros. Seit dem Aufkommen des Internets ist insofern eine gewisse Umkehrung des Trends zu beobachten, als nun wieder verstärkt der Kunde selbst die Leistungen auf den Website der Anbieter auswählt und online bucht. Mit Hilfe von Reisesuchmaschinen können Angebote durchsucht werden. Google tut sich mit einer eigenen Reisesuchmaschine („Troogle“) noch schwer, auf der amerikanischen Seite des Suchmaschinenbetreibers gibt es allerdings bereits erste Ansätze für eine solche Funktion.

Verkehrsmittel

Klassische Reiseverkehrsmittel sind Kraftfahrzeuge (auch in Form des Trampens), Omnibusse, Eisenbahnen (einschließlich Autoreisezüge), Schiffe (einschließlich Fähren) sowie Flugzeuge. Zu den Verkehrsmitteln, die über die reine Transportfunktion hinaus (auch) dazu genutzt werden können, über eine längere Zeit einen eigenen Erlebniswert zu vermitteln, gehören Fahrräder, Motorräder, aber auch Schiffe (Kreuzfahrt, Flusskreuzfahrt, Frachtschiffreise, Segeltörn, Floßfahrt etc.) und Eisenbahnen. Seltener werden hierzu auch Tiere genutzt, wie z. B. Pferde, Esel, Kamele oder Elefanten. Eine Kombination aus Verkehrsmittel und Unterkunft stellen Wohnwagen, Hausboote, Rotels und Dachzeltbusse dar.

Unterkunft

Der Aufenthalt am Zielort erfolgt klassischerweise in Hotels oder Pensionen, bei jüngeren Reisenden auch in Hostels oder Jugendherbergen. Daneben haben sich Sonderformen wie das Camping und das Reisen mit dem Wohnmobil etabliert. Eine besonders neue Reiseform sind die erst durch das Internet wirklich populären Gastfreundschaftsnetzwerke.

Die Reise in Literatur und Kunst

Stets hat die Reise auch ein zentrales Motiv in Literatur und Kunst dargestellt, häufig tragen sie dort ganz oder teilweise imaginäre und phantastische Züge. Frühe Beispiele sind Homers Odyssee bzw. Vergils Aeneis, die die Irrfahrten der namensgebenden Titelfiguren nach dem Fall Trojas beschreiben. Als zentrale Figur aus dem arabischen Kulturkreis sei Sindbad, der Seefahrer aus der Sammlung Tausendundeine Nacht genannt, als Vertreter des europäischen Mittelalters die Pilger aus Chaucers Canterbury Tales. Zu erwähnen sind weiter Jonathan Swifts Gulliver, zahlreiche Romane Jules Vernes (Reise um die Erde in 80 Tagen, 5 Wochen im Ballon etc.) sowie Max Frischs bewegter Roman Homo faber.

Von der erwähnten fiktionalen Literatur zu unterscheiden sind die Reiseberichte, in denen die Autoren ihre eigenen Erlebnisse auf Reisen schildern. Bedeutendstes Werk der Gattung dürfte Goethes Italienische Reise sein. Weitere wichtige Beiträge zum Genre kamen etwa von Heinrich Heine (Harzreise), Hermann von Pückler-Muskau, Gustave Flaubert (beide Orient), Hermann Hesse (Indien, Italien) und anderen.

Im Film kam es zum Genre Roadmovie.

An Bord einer Boeing 747

Sonstiges

Der Ruf „Reise, Reise!“ war auf Segelschiffen das Signal zum Aufstehen für die Matrosen (heute nur noch in der Marine gebräuchlich). Es hatte seinen Ursprung im englischen Wort rise, sich erheben, aufstehen. Geschichtlich gesehen stammt der Ausdruck Reise vom altdeutschen Wort Reisa ab und bedeutete damals soviel wie „auf Fahrt gehen oder Aufbruch“ und stand damals für „auf Kriegszug gehen“.

Siehe auch

Literatur

  • Alain de Button: Kunst des Reisens. Frankfurt 2003, ISBN 3-596-15804-4
  • Christoph Hennig: Reiselust. Frankfurt 1999, ISBN 3-518-39501-7
  • Willy Puchner: Illustriertes Fernweh. Vom Reisen und nach Hause kommen. 2006, ISBN 3-89405-389-5
  • Gerhard Schulze: Die Erlebnisgesellschaft. Kultursoziologie der Gegenwart. Hamburg 2005, ISBN 3-593-37888-4
  • Udo Tworuschka: Heilige Wege. Frankfurt/Main 2002.
  • Voyage. Jahrbuch für Reise- & Tourismusforschung. Köln/München/Wien 1997ff.

Weblinks

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