Akustischer Effekt

Ein Effektgerät ist in der Musik ein Gerät bzw. Software-Plugin zur Veränderung eines Audio-Signals. Dieses kann mechanisch, elektronisch, digital oder in jeweiliger Kombination erfolgen. Auch konventionellen Instrumenten werden mittels geeigneter Geräte zusätzliche Effekte hinzugefügt.

Inhaltsverzeichnis

Effektgeräte

Nicht immer lässt sich ein Effektgerät eindeutig einer bestimmten Gruppe zuordnen, da oft verschiedene physikalische Effekte kombiniert werden, um den gewünschten Effekt zu erreichen.

Drei Kompressoren: Oben zwei einkanalige (Mono-)Kompressoren, unten ein zweikanaliger bzw Stereo-Kompressor

Pegelorientierte Effektgeräte

Pegelorientierte Effektgeräte sind in der Regel Dynamikprozessoren. Sie nutzen den Pegel als Steuersignal. Am häufigsten verwendet werden der Kompressor, der Limiter und das Noise Gate. Darüber hinaus existieren noch weitere pegelorientierte Effekte, wie beispielsweise der Chopper, Tremolo und der Transientendesigner. Auch Effekte wie das getriggerte Überblenden der Signalquelle auf verschiedene Ausgangskanäle (Pan Flip, Ducking) sind pegelorientiert.

Verzerrende Effektgeräte

Verzerrer verändern die Signalstruktur, indem sie Obertöne hinzufügen. Verzerrende Effekte sind einerseits Verzerrer (Distortion, Fuzz oder Overdrive), die dem Signal durch gezielte Übersteuerung einen typischen, von verzerrten Rock-Gitarren bekannten Klang verleihen. Andererseits zählen dazu der Rectifier (nicht zu verwechseln mit Gleichrichter), der Enhancer oder der Exciter, die das Signal im Obertonbereich übersteuerungsfrei aufwerten. Siehe auch: Bitcrusher.

Spektral modifizierende Effektgeräte

Diese Art von Effektgeräten nimmt Veränderungen im Frequenzbereich vor. Zu den Spektral modifizierenden Effektgeräten gehören Pitch shifter, Harmonizer (gelegentlich auch in formantkontrollierbarer Form), Ringmodulator, Vocoder (Talkbox), Phaser, Leslie-Lautsprecher und Auto-Tune bzw. Intonator. Einfache Formen sind feste oder variable Filter (Equalizer, Wah-Wah)

Zeitorientierte Effektgeräte

Bei den zeitorientierten Effektgeräten finden sich der Time Shifter. Eine weitere Gruppe bilden samplebasierte Effektgeräte, für die es keine generalisierten Bezeichnungen gibt. Derartige Geräte sampeln (speichern) das Eingangssignal meistens zur Laufzeit und geben mehr oder minder veränderte Zeitsegmente aus ihm wieder, die ineinander übergeblendet werden.

Zwei Hallgeräte: Oben Dynacord DRP 20, unten Yamaha SPX 900

Verzögerungszeitorientierte Effektgeräte

Bei dieser Art von Effektgeräten wird die Veränderung des Klanges durch das Mischen des Originalsignals mit einem verzögerten Double erzeugt, was je nach Konstruktion zu Kammfiltereffekten führen kann. Die typischen verzögerungszeitorientierten Effektgeräte sind der Reverb (Hall), das Delay bzw. Echo, der Chorus, Vibrato und der Flanger.

Gitarre

Boss DS-1 Distortionpedal

Gitarreneffektgeräte werden meistens während des Spiels (auch live) vom Gitarristen selbst bedient. Sie sind deshalb mit dem Fuß bedienbar und stehen auf dem Boden vor dem Gitarristen. Daher werden sie oft auch als „Boden-Effekte“, „Bodentreter“ oder ähnlich bezeichnet. Auch der Begriff „Tretmine“/„Tellermine“ ist üblich – das Arbiter Fuzz Face Fuzz erinnerte in den Sechzigern durch seine runde Bauform und den Fußtaster an eine Tellermine.

Der Begriff „Boden-Effekt“ wird auch für komplexe Multieffekte mit mehreren Fußschaltern gebraucht, wogegen „Bodentreter“ eher die einfacheren Geräte bezeichnet. Die Fußsteuerung ermöglicht je nach Gerät einfaches Zuschalten des Effekts oder eine kontinuierliche Steuerung mittels Pedalwippe; z. B. Wah-Wah.

Alternativ zu den Boden-Effekten gibt es 19"-Effekt-Prozessoren, die meistens eine Vielzahl von Effekten beinhalten (oder qualitativ hochwertigere) und durch den Gitarristen mittels MIDI-Pedalen gesteuert werden. Zunehmend finden sich aber auch diese Effekt-Prozessoren modifiziert als Boden-Effekte wieder.

Musikalische Effektgeräte werden häufig in der Audio-Bearbeitung angewendet. Gitarreneffekte werden speziell an die Bedürfnisse und das individuelle Frequenzspektrum der Gitarre angepasst.

Effekte

Ibanez CF7 Bodeneffektgerät Chorus/Flanger

Typische Effektgeräte die bei Gitarren benutzt werden, sind:


speziellere Effektgeräte:

  • Talkbox
  • Looper (Sampler, Phrase Sampler)
  • „Slow Gear“ bzw. „Slow Motion“ (anschwellen des Tones wie bei einem Streichinstrument)
  • „Envelope Filter“, „Synth Wah“, „Auto Wah“

Einschleifweg

Um ein gewünschtes Klangbild zu erhalten, bedarf der Einsatz von Gitarreneffekten speziellen Anordnungen im Signalweg. So werden üblicherweise pegelverändernde Effekte wie Volumenpedal, Kompressor, Verzerrer und Wah-Wah zwischen Gitarre und Vorstufe geschaltet. Man erhält damit Einfluss auf das Übersteuerungsverhalten der Vorstufe. Nichtlineare Effekte wie Hall, Modulationseffekte und Equalizer schaltet man in der Regel in den Einschleifweg, d. h. zwischen Vorstufe und Endstufe, damit diese nicht übersteuert werden. Individuell und je nach Gebrauch wird dieses auch anders gehandhabt. So kann zum Beispiel ein Equalizer vor die Vorstufe geschaltet werden, um explizit den Klang der Gitarre selbst zu verändern. Modulations- und Delayeffekte in Bodentreterform sind in der Regel dafür ausgelegt, vor die Endstufe geschaltet zu werden.

E-Bass

Effekte für E-Bässe unterscheiden sich kaum von denen der E-Gitarren. Jedoch sind sie oftmals speziell auf das tiefe Frequenzspektrum des E-Bass abgestimmt.

Hammondorgel

Typisches Effektgerät für die Hammond-Orgel ist das Leslie-Lautsprecherkabinett.

Blasinstrumente

Bei den Blasinstrumenten, wie Trompete und Posaune kommt als Effekt insbesondere im Jazz ein Dämpfer zum Tragen um das Wah-Wah zu erzeugen.

Literatur

  • Hubert Henle: Das Tonstudio Handbuch. 5.Auflage, GC Carstensen Verlag, München, 2001, ISBN 3-910098-19-3
  • Helmuth Lemme: Gitarren-Verstärker-Sound. 1.Auflage, Richard Pflaum Verlag, Heidelberg, München, 1995, ISBN 3-7905-0717-2
  • Thomas Görne: Tontechnik. 1. Auflage, Carl Hanser Verlag, Leipzig, 2006, ISBN 3-446-40198-9
  • R. Beckmann: Handbuch der PA-Technik, Grundlagen-Komponenten-Praxis. 2. Auflage, Elektor-Verlag, Aachen, 1990, ISBN 3-921608-66-X

Weblinks


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