Al-Aqsa e.V.
Das Hamas-Emblem zeigt zwei gekreuzte Schwerter, den Felsendom und eine Karte vom heutigen Israel unter Einbeziehung des Westjordanlands und des Gaza-Streifens, welches sie komplett als Palästina beansprucht

Die Hamas (arabischحماسHamās) ist eine palästinensische sunnitisch-islamistische paramilitärische Terrororganisation[1][2], politische Partei und soziales Netzwerk[3]. Ihr Name ist einerseits ein Akronym aus ‏حركة المقاومة الإسلامية‎ Harakat al-muqāwama al-islāmiyya, was so viel wie „Islamische Widerstandsbewegung“ bedeutet, und andererseits ein arabisches Wort für „Eifer“.

Die aus der Muslimbruderschaft hervorgegangene Hamas und ihre Unterorganisation, die Qassam-Brigaden, werden von der Europäischen Union, den USA, und anderen, vor allem westlichen Staaten, als terroristische Vereinigung eingestuft und sind vor allem durch ihre Selbstmordattentate und andere Angriffe auf israelische Zivilisten und Soldaten bekannt geworden. In den palästinensischen Autonomiegebieten betätigt sich die Hamas auch auf karitativem Gebiet. Im Jahr 2006 trat sie als politische Partei in Erscheinung[4]. Bei der Wahl am 25. Januar errang sie die absolute Mehrheit der Mandate im palästinensischen Legislativrat. Im Juni 2007 brachte sie den Gazastreifen gewaltsam unter ihre Kontrolle, was zu einer Spaltung der Palästinensischen Autonomiegebiete führte.

Die Hamas lehnt eine Zweistaatenlösung ab; ihre Charta verlangt unter anderem die Beseitigung Israels und die Schaffung eines islamischen Gottesstaats. Die Hamas beansprucht dafür das gesamte ehemalige Mandatsgebiet Palästina zwischen Mittelmeer und dem Jordan.[5]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Hamas wurde 1987 am Anfang der Ersten Intifada [6] als palästinensischer Arm der Muslimbruderschaft gegründet. Vor der Gründung der Hamas verzichtete die Muslimbruderschaft als wichtigste islamistische Bewegung im Gazastreifen (und mit Einschränkung im Westjordanland) zunächst weitestgehend auf gewaltsame Aktionen gegen Israel. Die Gruppe enthielt sich während der frühen siebziger und achtziger Jahre der "hohen" Politik und konzentrierte sich auf moralische und soziale Hilfe, wie etwa Angriffe auf die Korruption, sie versuchte Vertrauen aufzubauen und organisierte Gemeinschaftsprojekte. Diese Beschränkung stand jedoch ihrer Etablierung als Massenbewegung entgegen.

Die Situation änderte sich mit dem Ausbruch der Intifada. Zum ersten Mal beteiligte sich die Muslimbruderschaft aktiv am gewaltsamen Kampf und gründete dezidiert aus diesem Grund die Hamas, die sich aus ihren eigenen Reihe rekrutierte.[7] Hinter der Entwicklung zur Gewalt, die Mitte der 1980er Jahre einsetzte, stand Scheich Ahmad Yasin. Diese Wandlung, mit der ein wachsender politischer Einfluss einherging, gilt als die eigentliche Geburtsstunde der Hamas.

Am 14. Dezember 1987 veröffentlichte die Bruderschaft eine Erklärung, die die Bevölkerung zum „Widerstand gegen die israelische Besatzung“ aufrief und die israelischen Geheimdienste beschuldigte, die Moral der palästinensischen Jugend zu unterwandern und sie als „Kollaborateure“ anzuwerben. Im Januar 1988 erschien der Organisationsname „Hamas“ erstmals auf einem Flugblatt.[8] Im selben Monat übertrug Yasin Scheich Jamil Hamami die Leitung der Hamas im Westjordanland.

Der politisch-karitative Arm der Hamas wurde in dieser Zeit von Israel anerkannt. Zunächst erfolgte neben einer finanziellen Unterstützung auch organisatorische Hilfen.[9]Einige Forscher, wie etwa Abu-Amr, mutmaßen, dass Israel die Hamas (bzw. ihre Vorgängerin) gewähren ließ, nicht nur, weil sie nicht als Gefahr eingeschätzt wurde, sondern auch, um sie der weltlichen Fatah-Bewegung Yassir Arafats entgegenzusetzen.[10]

Die Hamas fing mit „Bestrafungen gegen Kollaborateure“ an; die Entwicklung ging dann über Angriffe gegen das israelische Militär schließlich zu gezielten terroristischen Anschlägen gegen Zivilisten. Wie ihre Methoden hat sich auch ihre Rhetorik in den letzten dreißig Jahren geändert und besagt nun, alle israelische Zivilisten seien – aufgrund der Wehrpflicht„militärische Ziele“.

Entsprechend dem halboffiziellen historiographischen Dokument Wahrheit und Bestehen über die Hamas, durchlief diese vier Hauptstadien:

  1. 1967-1976: Aufbau der Muslimbruderschaft im Gazastreifen.
  2. 1976-1981: geographische Expansion im Gazastreifen und im Westjordanland und Gründung von Einrichtungen, z. B. al-Mudschammaʿ al-islami, al-Dschamʿiyya al-islamiyya und der islamischen Universität in Gaza.
  3. 1981-1987: politischer Einfluss durch Vorbereitung auf den bewaffneten Kampf.
  4. 1987: Gründung der Hamas als kämpfender Arm der Muslimbruderschaft in Palästina und der Ankündigung des „fortwährenden Dschihad“.

Die Muslimbruderschaft im Westjordanland erregte anfänglich kaum Aufsehen durch die Bildung oder Steuerung von öffentlichen Institutionen. Sie stellte eine höhere soziale Schicht – Kaufleute, Grundbesitzer und Beamte, und nahm bis Mitte der 1980er Jahre wesentliche Positionen in den religiösen Institutionen des Westjordanlandes ein. Hier bildete sie einen wesentlichen Bestandteil der Jordanischen Islamischen Bewegung, die sich einige Jahre mit dem Haschemitenregime verbündete.

In der Zeit zwischen September 2000 und Mai 2003 wurden 1400 israelische Zivilisten Opfer von 27 Selbstmordanschlägen; 200 Menschen kamen dabei ums Leben.[11] Weitere zwölf Selbstmordanschläge schlugen fehl. An öffentlichen Orten wie Einkaufspassagen, Tiefgaragen, Restaurants und Hochhäusern explodierten zahlreiche Sprengsätze. In der Regel war die Zivilbevölkerung das Ziel der Anschläge. Nur wenige galten Einrichtungen der israelischen Armee. [12]

Die im Rahmen eines Friedensplans für den Nahen Osten ausgehandelte Waffenruhe zwischen Israel, der Palästinensischen Autonomiebehörde und militanten islamistischen Gruppen fand bereits nach zwei Monaten durch ein Attentat in Jerusalem ihr Ende, zu dem sich die Hamas bekannte.

Nach einer am 8. Februar 2005 vereinbarten Waffenruhe verübte die Hamas offiziell keine Attentate mehr selbst. Anschläge anderer Gruppen wurden jedoch gerechtfertigt. So bezeichnete ein offizieller Sprecher der Hamas es als „Selbstverteidigung“, als sich am 17. April 2006 ein 15-Jähriger aus Dschenin vor einem Schnellimbiss in Tel Aviv in die Luft sprengte und dabei acht Menschen tötete - über 60 Menschen wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Zu dem Anschlag bekannten sich sowohl die Gruppe Islamischer Dschihad als auch die Al-Aqsa-Brigaden der Fatah. Nach einem fehlgeleiteten israelischen Angriff auf ein Wohnviertel nahe Bait Hanun im Gazastreifen mit 24 Toten wurde die Waffenruhe am 8. November 2006 von der Hamas für beendet erklärt und angekündigt, wieder Anschläge in Israel durchzuführen.[13]

Zur Erfüllung ihrer Ziele nahm die Hamas auch an demokratischen Wahlen teil. Bei den Wahlen innerhalb der Palästinensischen Autonomiebehörde am 25. Januar 2006 erhielt sie auf Anhieb gut 44 % der Stimmen und die absolute Mehrheit der Mandate[14] und wurde nach dem Rücktritt Ministerpräsident Ahmad Qurais (Fatah) mit der Regierungsbildung beauftragt. Zudem beteiligte sich die Hamas auch an den Wahlen für die Handelskammer des Westjordanlandes. Als Gründe für den Wahlsieg der Hamas wurde von westlichen Beobachtern einerseits eine zunehmende Radikalisierung in dem über Jahrzehnte ungelösten Konflikt ausgemacht, andererseits aber auch das soziale Engagement der Hamas und die Frustration der palästinensischen Bevölkerung über eine unter der Fatah weit verbreitete Korruption als Faktoren genannt.[15]

Nach dem Wahlsieg der Hamas sagte US-Außenministerin Condoleezza Rice Palästinas Präsident Mahmud Abbas (Fatah) ihre Unterstützung zu und erteilte gleichzeitig einem Dialog mit der Hamas eine Absage. Ein wesentliches Problem für die Hamas-Regierung stellte die Finanzierung der Staatsbeamten dar, da die palästinensische Regierung überwiegend von der EU und den USA finanziert wird, diese jedoch die Zahlungen nach dem Wahlsieg der Hamas mit der Begründung einstellten, die Hamas erkenne das Existenzrecht Israels nicht an und sei kein geeigneter Partner für den Friedensprozess. Auf diese Weise unter Druck geraten, trat die Hamas-Regierung im September 2006 geschlossen zurück und willigte in eine Regierung der Nationalen Einheit mit der konkurrierenden, säkular-gemäßigten Fatah ein, wodurch die Zahlungen wieder aufgenommen wurden. Diese "große Koalition" sollte zugleich dafür sorgen, die zunehmend gewaltsamen Spannungen zwischen den beiden größten palästinensischen Parteien zu überwinden.[16] Ministerpräsident wurde das Hamas-Mitglied Ismail Haniyya.

Die Regierungskoalition wurde jedoch schon neun Monate später wieder aufgelöst. Dem vorangegangen war der Kampf um Gaza. Nach wochenlangen, blutigen Auseinandersetzungen zwischen Hamas- und Fatahmilizionären griffen am 12. Juni 2007 bewaffnete Verbände der Hamas das Fatah-Hauptquartier und weitere Ziele der verfeindeten Organisation an und konnten im Laufe des Konflikts den gesamten Gazastreifen unter Kontrolle bringen. Dabei wurden zahlreiche Fatahmitglieder getötet oder zur Flucht in benachbarte Regionen gezwungen.[17] Der Palästinenserpräsident und Fatah-Vorsitzende Mahmud Abbas setzte Ismail Haniyya als Ministerpräsident ab und bildete im von der Fatah kontrollierten Westjordanland eine Notstandsregierung ohne Hamas-Beteiligung. Abbas wurde dabei von den USA, der EU, aber auch von der Arabischen Liga unterstützt.[18] Die Hamas lehnte die Auflösung der Regierung als unrechtmäßig ab, ohne jedoch die alleinige Kontrolle über den Gazastreifen aufzugeben.

Menschenrechtsorganisationen warfen beiden Konfliktparteien schwere Verstöße gegen fundamentale Menschenrechte und Kriegsverbrechen wie die Hinrichtung von Gefangenen, das Erschießen von Zivilisten sowie Kämpfe in Krankenhäusern und den Missbrauch von Ambulanz- und Pressefahrzeugen für Kampfeinsätze vor.[19][20] Generell verschlechterte sich die Menschenrechtslage und die Lebensbedingungen der Zivilbevölkerung im Gazastreifen nach der Machtübernahme der Hamas erheblich. Presse- und Bürgerrechte wurden nicht mehr gewährleistet, Internetcafes und Restaurants wurden geschlossen.[21] Zudem kam es der Menschenrechtsorganisation amnesty international zufolge vermehrt zu willkürlichen Festnahmen, Folterungen und Misshandlungen politischer Oppositioneller.[22] Zudem war eine starke Zunahme von Raketenangriffen auf israelisches Territorium zu verzeichnen.

Im Sommer 2008 kam es nach ägyptischer Vermittlung zu einem sechsmonatigen Waffenstillstand, den Hamas-Anführer Chalid Maschal als "Taktik" im Kampf gegen den jüdischen Staat bezeichnete.[23] Nach Ablauf des brüchigen Waffenstillstands flammten die Raketenangriffe der Hamas auf Israel erneut auf, was zur israelischen Operation Gegossenes Blei führte.

Charta von 1988

In ihrer am 18. August 1988 veröffentlichtem Charta vereint die Hamas ihre Philosophie mit strategischen Überlegungen.[24][25] Die Charta definiert die Positionen der Hamas, über den Nahostkonflikt mit Israel hinausgehend, zu Themen wie etwa die Stellung der Frau oder die soziale Wohlfahrt und definiert die Rolle anderer islamistischer und nationalistischer Bewegungen (wie etwa der PLO). Inhaltlich weicht die Charta nicht von Positionen der Muslimbruderschaft ab, allerdings verlegt sie den Schwerpunkt von der Wandlung der Gesellschaft auf die Palästinafrage und den Dschihad.

Inwiefern die Charta von 1988 heute noch tatsächlich Bedeutung für die Hamas-Positionen hat, ist jedoch umstritten [26]. Laut MEMRI wäre die arabische Originalfassung der Charta nur schwerlich aufzutreiben.[27] Eine Befragung von Hamasmitgliedern durch die Jerusalem Post ergab, dass viele nicht über deren antisemitischen Charakter informiert waren.[27] Der Geschichtsforscher Khaled Hroub kommt zu dem Ergebnis, dass die Hamas in neueren Dokumenten, zum Beispiel dem Wahlmanifest von 2005, Positionen der Gründungscharta verändert. Die Charta der Hamas ist jedoch dessen ungeachtet weiterhin gültig. [28]

Territorialanspruch, Verhandlungsbereitschaft und Nationalismus

2006: Wahlplakat der Hamas in Ramallah. Auf dem Plakat wird ein "Palästina von der See bis zum Fluss" gefordert, Israel von der Landkarte verschwinde und somit der neue Staat zwischen Mittelmeer und Jordan-Fluss entstehen könne.

Die Gründungs-Charta der Hamas von 1988 erklärt „die Fahne Allahs über jedem Zoll von Palästina aufzuziehen“ zum ideologischem Ziel der Organisation, was indirekt die Auflösung des Staates Israel sowie jeder weltlich orientierten palästinensischen Verwaltungsbehörde impliziert.

Die Hamas bezeichnet die gesamte Region Palästina inklusive Israels, das als „zionistisches Gebilde“ bezeichnet wird, als „islamisches Heimatland“, das niemals Nicht-Muslimen überlassen werden dürfe, weil es bis zum Tag des Jüngsten Gerichts den Muslimen anvertraut wurde (Art. 11) und erklärt es zur Pflicht eines jeden Moslem, für die Eroberung Israels zu kämpfen. In ähnlichem Sinne äußerte sich zuletzt der palästinensische Außenminister Mahmud az-Zahar (im Amt seit März 2006) in einem Xinhua-Interview. Diese Position ist radikaler als die der säkularen PLO, die 1988 zumindest Israels Souveränität anerkannt hat. Die Ideologie der Hamas ist stark nationalistisch und auf einen „reinen Palästinenserstaat“ hin ausgerichtet, was theologisch mit Koranzitaten in der Charta begründet wird.

Die Hamas sieht sich, folgt man Aussagen Zahars, als Teil einer globalen islamischen Bewegung, die dazu bestimmt ist, die Etablierung eines islamischen Staates in der ganzen westlichen und arabischen Welt herbeizuführen. Die Eroberung Palästinas müsse hierfür der erste Schritt sein.

Internationale Konferenzen werden von der Hamas in ihrer Charta nicht als Mittel angesehen, „um den Anliegen oder der Wiederherstellung der Rechte des palästinensischen Volkes gerecht zu werden oder den Unterdrückten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen“; sie werden daher als „Zeitverschwendung“ und „vergebliche Bemühungen“ abgelehnt. Sie seien „nichts anderes als ein Mittel, um Ungläubige als Schlichter in den islamischen Ländern zu bestimmen“, doch für Palästina gebe es keine andere Lösung als den Dschihad. Nach Auffassung der Hamas sei „die Vernachlässigung irgendeines Teils von Palästina gleichbedeutend mit Vernachlässigung des islamischen Glaubens“ und „sogenannte Friedenslösungen und internationale Konferenzen“ stünden „im Widerspruch zu den Prinzipien der islamischen Widerstandsbewegung“ (Artikel 13). [29] [30] Unter diesen Vorzeichen lehnt die Hamas etwa die Nahostkonferenz von Madrid im Jahre 1991 und die Verträge von Oslo ab.

Verhältnis zu anderen Religionen

Die Hamas akzeptiert andere Religionen in der Region nur unter den "Fittichen des Islams". Nur unter ihm könnten die "Anhänger anderer Religionen sicher und unter dem Schutz von Lebensart, Eigentum und Rechten leben". Ohne den Islam komme Uneinigkeit auf und gedeihten Ungerechtigkeit und Korruption (Art. 6). In Artikel 31 heißt es daher: Nur unter den Fittichen des Islam bekommen Recht und Ordnung die Oberhand. Der Ausdruck "unter den Fittichen des Islam" bedeutet, dass nicht-Muslims als Dhimmi innerhalb eines Islamischen Staates gegen die Entrichtung einer speziellen Kopfsteuer (Dschizya) zwar vor Verfolgung geschützt sind und in religiösen Fragen ihren eigenen Autoritäten unterstellt sind (z. B. Heirat, Scheidung), gegenüber Muslimen jedoch als Bürger zweiter Klasse gelten. Dieses äußert sich z. B. dadurch, dass ihre Aussage vor Gericht weniger gilt, sie keine Waffen tragen dürfen etc.

Trotzdem forderte 2007 der römisch-katholische Erzbischof und lateinische Patriarch von Jerusalem Fouad Twal den Dialog mit der Hamas. Auch wenn Israel und die USA die Hamas als terroristisch bezeichneten, müsse man ihre Erfolge im Gazastreifen zur Kenntnis nehmen. Dank der Hamas kann man sehen, dass die Zeit des Chaos vorbei ist, sagte Twal. Die Bewegung gehe mit eiserner Disziplin gegen Kriminalität vor. Es gebe keine Diebstähle mehr, man respektiere sogar die Ampeln.[31]

Verhältnis zur PLO

Einerseits bezeichnet die Charta die PLO als Vater, Bruder, Verwandten oder Freund der islamistischen Bewegung und betont, sie habe die gleichen Ziele, dasselbe Schicksal und den gemeinsamen Feind. Andererseits kritisiert sie die weltliche Agenda der PLO sowie die Zustimmung der PLO zur UN-Resolution 242 und 338 (Anerkennung Israels im November 1988). Die Hamas wirft in ihrer Charta der PLO auch Kompromissbereitschaft mit Israel vor.

Haltung gegenüber Israel

Antisemitische Positionen

Die Charta der Hamas - ein Dokument, das für Sari Nusseibeh, den palästinensischen Präsidenten der Al-Quds-Universität zu Jerusalem, danach „klingt, als sei es direkt dem Stürmer entsprungen“ („sounds as if it came straight from the pages of Der Stürmer“)[32] - basiert auf einer Anzahl von antisemitischen Verschwörungstheorien. Sie besteht auf der Echtheit der Protokolle der Weisen von Zion und behauptet, dass die Freimaurer, der Lions-Club und der Rotary-Club insgeheim „im Interesse der Zionisten“ arbeiteten (Art. 22). Die Hamas sieht in den Juden die Verantwortlichen für die Französische Revolution, den „westlichen Kolonialismus“, den Kommunismus und die Weltkriege. In der Charta heißt es:

Ihr Plan [(der der Zionisten)] ist dargelegt in den Protokollen der Weisen von Zion, und ihr gegenwärtiges [Verhalten] ist der beste Beweis für was wir sagen. […] Den Kreis des Konflikts mit dem Zionismus zu verlassen ist Hochverrat. Alle die das tun, sollen verflucht sein. 'Wer immer [im Kampf mit den Ungläubigen] ihnen den Rücken zukehrt […] zieht sich den Zorn Allahs zu, und seine Wohnung soll die Hölle sein…' (Koran, 8:16)

Artikel 32

Die Tötung von Juden wird für die Hamas zur Voraussetzung für das Kommen des Jüngsten Gerichts:

Die Stunde des Gerichtes wird nicht kommen, bevor Muslime nicht die Juden bekämpfen und töten, so dass sich die Juden hinter Bäumen und Steinen verstecken und jeder Baum und Stein wird sagen: 'Oh Muslim, oh Diener Allahs, ein Jude ist hinter mir, komm und töte ihn!'

Artikel 7

Existenzrecht Israels

Die Hamas spricht Israel das Existenzrecht ab. Das Gebiet, auf dem Israel liegt, gilt der Hamas als Waqf, als göttliches Vermächtnis, was niemals Nicht-Muslimen überlassen werden darf. Der Kampf (Dschihad) um das Land Israels ist ihr deshalb eine religiöse Pflicht (fard `ain) eines jeden Muslim. Sie lehnt deshalb auch die Basis des Oslo-Friedensprozesses als "Verrat am Willen Gottes" ab. Sie behauptet zudem, dass Arafat und Abbas nichts für ihre Anerkennung Israels erhalten hätten. Der Führungspolitiker der Hamas, Mahmoud Al-Zahhar meinte am 25. Januar 2006:

"In der Region hatten wir römischer Besatzung, persischer Besatzung, der Besatzung der Kreuzzügler und der britischen Besatzung zu trotzen. Sie sind alle fort. Der israelische Feind gehört nicht in diese Region. Er passt nicht in die regionale Geschichte, Geographie oder Glaube." [33]

Im Jahre 2004 erklärte sich die Hamas allenfalls zu einem 10-jährigen Waffenstillstand (Hudna) bereit, wenn bestimmte Forderungen erfüllt würden, einschließlich eines vollständigen Rückzugs Israels aus den 1967 eroberten Gebieten. Seit September 2004 enthält sich die Hamas selbst im Allgemeinen der Gewalt gegen Israel, meint aber, dass „Israel die Ursache jeglichen Terrorismus“ sei und bezeichnet den Beschuss Israels mit Qassam-Raketen durch andere militante Gruppen als Akt der „Selbstverteidigung“ . Hinter den Kulissen unterstützt die Hamas mit Raketenlieferungen den Islamischen Dschihad, der damit den Süden Israels beschießt. Die israelische Zeitung Haaretz schrieb am 13. April 2007, die Hamas habe unter anderem auch russische Grad-Raketen mit einer Reichweite von 16 Kilometern geliefert. Israelische Sicherheitsquellen meinen, die Hamas verfolge eine Strategie der Dualität, die eine Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Situation beinhalte, inklusive der der allgemeinen Feuerpause. Als Grundlage dieser Strategie werden andere palästinensische Terrororganisationen, ungeachtet der Feuerpause, mit gewalttätigen Aktionen gegen Israel fortfahren.

Im April 2008 reiste der ehemalige US-Präsident und Friedensnobelpreisträger Jimmy Carter nach Damaskus und traf sich dort privat mit dem im syrischen Exil lebenden Hamas-Chef Khaled Maschal. Die Ergebnisse der Gespräche präsentierte er am 21. April 2008 auf einer Pressekonferenz in Jerusalem. Demnach „bestehe kein Zweifel, daß die arabische Welt und die Hamas Israels Existenzrecht in den bis 1967 gültigen Grenzen akzeptieren würden“[34]. Ferner hieß es, die Hamas würde ein palästinensisch-israelisches Friedensabkommen akzeptieren, selbst wenn sie mit einzelnen Punkten nicht einverstanden sei, vorausgesetzt, die Palästinenser würden dieses in einem Referendum annehmen. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert lehnte es ab, mit Jimmy Carter zu sprechen. Er begründete dies damit, dass er an Verhandlungen mit der Hamas nicht beteiligt sein wolle. [34] Noch im Laufe des gleichen Tages bekräftige Meschal allerdings, dass die Hamas nach wie vor eine Anerkennung Israels ablehne. Gleichzeitig bot er Israel einen zehnjährigen Waffenstillstand an.[35]

Sichtweise des Holocaust

Der Hamas wird vielfach vorgeworfen, den Holocaust zu leugnen. Als Antwort auf eine Konferenz über den Holocaust, die im Januar 2000 in Stockholm stattfand, veröffentlichte die Hamas auf ihrer damaligen offiziellen Website www.palestine-info.org einen Text, der die Existenz des Holocaust leugnet und als zionistische Geschichtsfälschung bezeichnet.[36] Abd al-Aziz ar-Rantisi, einer der Gründer und zwischenzeitlich der Führer der Hamas, bezeichnete den Holocaust als die größte aller Lügen, als Propaganda, welche die Zionisten über die Medien verbreiteten. Er führte zudem aus, dass die Ermordung vieler Juden durch die Nationalsozialisten von den Zionisten unterstützt worden sei, um die Juden zum Auswandern nach Palästina zu zwingen. Er behauptete außerdem, dass die Nationalsozialisten finanziell von den Zionisten unterstützt worden seien.[37]

In einem Artikel im britischen Guardian wies Bassem Naeem, der Informations- und Gesundheitsminister der Hamas-Regierung im Gazastreifen, den Vorwurf der Holocaustleugnung zurück:

„Weder Hamas noch die palästinensische Regierung in Gaza leugnet den Holocaust der Nazis. Der Holocaust war nicht nur ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sondern eines der abscheulichsten Verbrechen der Neuzeit. Wir verurteilen den Holocaust, so wie wir jedes Vergehen gegen die Menschlichkeit und alle Formen der Diskriminierung aufgrund von Religion, Rasse, Geschlecht und Nationalität verurteilen.
Und während wir die Verbrechen der Nazis gegen die europäischen Juden uneingeschränkt verurteilen, lehnen wir es kategorisch ab, wie die Zionisten den Holocaust ausnutzen, um ihre Verbrechen zu rechtfertigen und um internationale Unterstützung für ihren Feldzug der ethnischen Säuberung und Unterwerfung gegen uns zu gewinnen. Ihr Feldzug geht so weit, dass der israelische stellvertretende Verteidigungsminister, Matan Vilnai, der Bevölkerung von Gaza im Februar [2008] mit einem ‘Holocaust’ gedroht hat.“[38]

Dabei wurde das Wort Holocaust nur falsch übersetzt. Matan Vilnai sagte das hebräische Wort Shoah, welches allerdings in dem Zusammenhang große Katastrophe bedeutet.[39]

Haltung gegenüber den Vereinigten Staaten

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Die Hamas betrachtet die USA, hauptsächlich wegen ihrer Unterstützung Israels, als Feind. Hamas-Funktionäre erklärten mehrfach, die USA würden von Juden kontrolliert. Diese seien zum Teil scheinbar zum Christentum konvertiert und würden in der Rolle konservativer christlicher Politiker die Politik der USA im Sinne Israels beeinflussen. Die Attentate des 11. September 2001 wurden in Publikationen der Hamas begrüßt, in der Hoffnung, sie würden die USA zu einer Reduzierung der Unterstützung Israels bewegen. In öffentlichen Erklärungen distanziert sich die Hamas von Al-Qaida; nicht zuletzt, um nicht Ziel amerikanischer Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung zu werden.

Die USA wird von der Hamas als „korrumpierender kultureller Einfluss“ definiert, der die Verbreitung des Islamverständnisses der Muslimbruderschaft behindere. Über das Internet rief die Hamas-Führung anlässlich des Irakkrieges alle Muslime dazu auf, gegen die „tyrannische und kreuzzüglerische Aggression“ der USA und Großbritanniens zu protestieren und die Produkte dieser Staaten zu boykottieren. Ein Hamas-Sprecher appellierte an die Bevölkerung des Irak, „zehntausende Märtyrer“ bereitzustellen, um sich inmitten der amerikanischen Soldaten in die Luft zu sprengen. [40]

Am 8. November 2006 rief der militärische Flügel der Hamas dazu auf, US-amerikanische Ziele überall auf der Welt anzugreifen. Begründet wurde das damit, dass die USA den zionistischen Besatzungsverbrechen politische und finanzielle Logistik biete und für das "Massaker" verantwortlich sei. Deshalb müsse das Volk und die Nation überall auf der Welt dem US-amerikanischen Feind eine harte Lektion erteilen (so eine Hamas-Mitteilung an Associated Press). Ghazi Hamad, Sprecher der Hamas-Regierung, sagte aber gleichzeitig, die Gruppe hätte nicht vor, amerikanische Ziele anzugreifen.[41].

Das FBI und das US-Justizministerium warnten schon vor geraumer Zeit vor Hamas-Zellen auf dem Gebiet der USA.[42][43]

Organisation

Struktur

Die Hamas ist lose in Organisationen strukturiert, die sowohl im Geheimen als auch öffentlich in Moscheen und sozialen Hilfseinrichtungen arbeiten, um Mitglieder zu werben, Gelder zu sammeln und Aktivitäten zu organisieren. Besonders unter Palästinensern, die im Gazastreifen leben, erfreut sich die Hamas großer Beliebtheit. Aber auch im Westjordanland und – in geringerem Maße – in anderen Staaten des Nahen Ostens (einschließlich Israels) findet sie Unterstützer. Diese Beliebtheit liegt auch in ihren sozialen Dienstleistungen und in der Hoffnung selbst langjähriger Fatah-Parteigänger und Aktivisten, dass durch die Hamas ein Ende der Korruption in der alten Arafat-Partei und so eine Erneuerung der politischen Landschaft möglich werde.

Verschiedene Hamas-Organisationen haben sowohl politische als auch gewaltsame, einschließlich terroristische Mittel zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele angewandt (wie etwa Selbstmordattentate). Die Hamas betrachtet alle diese Handlungen als legitimen "Widerstand" gegen die "Besatzungsmacht" Israel. Im militärischen Flügel der Hamas sind verschiedene Gruppierungen vertreten:

  • die Studenten Ayyaschs, die Studenteneinheiten des Ingenieurs Yahya Ayyasch (in Gedenken an Yahya Ayyasch, verantwortlich für den Tod von mehr als 50 Israelis; er fiel 1996 einem ungeklärten Anschlag zum Opfer), sowie
  • Izz-ad-Dīn-al-Qassām-Brigaden bzw. -Bataillone (in Gedenken an Scheich Izz ad-Dīn al-Qassām, getötet von den Briten 1935).
  • die sog. Exekutiv-Einheiten, die als etwa 6000 Mann starke Sicherheitstruppe (Stand: Juni 2007) von Ismail Haniyeh, dem 2006 von der Hamas gestellten Premier der palästinensischen Einheitregierung, aufgestellt wurden. Die Exekutiv-Einheiten stehen in Konkurrenz zu den von Präsident Mahmud Abbas kontrollierten Polizei-, Militär- und Fatah-Milizeinheiten. Diese Truppe war maßgeblich am Sieg der Hamas über die Fatah im Gazastreifen im Juni 2007 beteiligt.

Die Hamas wirbt ständig um Mitglieder in Moscheen und Universitäten. Eine Schätzung geht von 80.000 Mitgliedern aus, der harte Kern der Hamas wird auf 300 bis 3.000 Mitglieder geschätzt.

Die Hamas und ihre Unterorganisation, die Qassam-Brigaden, werden von der EU[44], Australien[45], Kanada[46], Israel, den USA[47], Japan,[48]und anderen, vor allem westlichen Staaten als terroristische Vereinigung eingestuft. In Jordanien ist sie verboten.[49] Die Außenminister der EU setzten 2003 die Hamas selbst und deren politischen Arm auf die Liste terroristischer Vereinigungen. Hamas-Anhänger können seitdem strafrechtlich verfolgt und ihre Konten eingefroren werden.

Die Behörden in Jordanien schlossen 1999 das Hamas-Büro in Amman. Die Mitglieder des Politbüros wurden festgenommen und ausgewiesen. Im April 2006 wurden nach Angaben der jordanischen Regierung Mitglieder der Hamas in Jordanien verhaftet, die auf Anweisung der syrischen Exilführung der Hamas Attentate in Jordanien ausführen sollten. Im jordanischen Fernsehen wurden Waffenlager gezeigt, die laut Behördenangaben durch die Hamas angelegt wurden. Falls die Meldung zutrifft, wäre dies seitens der Hamas eine Abkehr von der bisherigen Strategie, militante Aktivitäten nur innerhalb Israels und der Palästinensischen Autonomiegebiete durchzuführen.

Führung

Wahlkampfveranstaltung der Hamas in Ramallah. Mit den getöteten Vorbildern Yasin und Rantisi auf einem Plakat

Der Mitbegründer und geistige Führer der Hamas, Scheich Ahmad Yasin, wurde vom israelischen Staat 1989 verhaftet und 1997 in einem Gefangenenaustausch gegen zwei Mossad-Agenten in jordanischer Haft entlassen. Am 22. März 2004 kam er bei einem Raketenangriff durch die israelische Luftwaffe im Rahmen der so genannten Operation Stabwechsel durch gezielte Tötung ums Leben, worauf die Hamas mit Vergeltungsschlägen drohte. Wenige Tage später wurde Yasins Stellvertreter, der Kinderarzt Abd al-Aziz ar-Rantisi, in Gaza zum neuen „Generalkommandanten“ proklamiert. Kurz darauf tauchte er in den Untergrund ab. Er vertrat wie Yasin die Ansicht, dass Terroranschläge ein legitimes Mittel „im Befreiungskampf gegen Israel“ seien. Knapp einen Monat nach seinem Aufstieg zum Hamasführer am 17. April 2004 wurde Rantisi wie Yasin von der israelischen Armee gezielt getötet. Rantisi stand für den radikalen Flügel der Organisation und hatte im Sommer 2003 die Hudna (befristeter Waffenstillstand) abgelehnt. Bekannt wurde er als Sprecher von 400 in den Libanon deportierten Kämpfern und durch seine Kontakte zur Hisbollah und zum Iran.

Als Reaktion auf die gezielten Tötungen des israelischen Militärs ernannte die Hamas danach keinen alleinigen Anführer der Organisation mehr. Als neue Schaltzentrale gilt die syrische Hauptstadt Damaskus. Dort hält sich unter anderem der einflussreiche Chef des Politbüros der Hamas, Chalid Maschal auf. Während eine weitere Führungsfigur der Hamas, Mahmud az-Zahar, als Hardliner bekannt ist, gilt Ismail Haniyya, der während der palästinensischen Regierung der Nationalen Einheit von 2006 bis 2007 Ministerpräsident war, als gemäßigter Pragmatiker und weniger einflussreich. Oberbefehlshaber des militärischen Flügels der Hamas in Gaza ist Ahmed al-Ja'abari als Nachfolger von Mohammed Deff.[50] Ein weiteres hochrangiges Mitglied ist Usama al-Mazini, der als religiöser Führer gilt.[51]

Während der israelischen Operation Gegossenes Blei traten starke Spaltungen und Richtungsstreitigkeiten innerhalb der Organisation zutage.[52]

Finanzierung

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Finanziert wurde die Hamas, wie schon ihre Vorgängerorganisation, die Muslimbruderschaft, während der 1970er und 1980er Jahre direkt und indirekt durch verschiedene Staaten, einschließlich Saudi-Arabien und Syrien, aber auch durch Israel. Heute kommen finanzielle Mittel von exilierten Palästinensern, vom Iran sowie von privaten Unterstützern aus arabischen Staaten. Finanzierungs- und Propaganda-Aktivitäten finden auch in Westeuropa und den Vereinigten Staaten statt.

Seitdem die Finanzierung der palästinensischen Regierung durch den Westen eingestellt wurde - arabische Banken zahlen, wegen der Boykottdrohung der USA, der Hamas kein Geld aus -, bemüht sich die Hamas verstärkt, Bargeld ins Land zu bringen. So wurde am 19. Mai 2006 Sami Abu Zuhri, Sprecher der Hamas, am Grenzübergang des Gazastreifens zu Ägypten festgehalten, er hatte 900.000 Euro in bar bei sich. Wenige Tage zuvor wurde Außenminister Mahmud Asahar aus Kuwait eine halbe Million Euro gestohlen. Die EU hatte die Kontrolle der Grenzen des Gazastreifens gegen Waffenschmuggel und unerwünschten Personen übernommen, eine Bedingung des israelischen Staates für den Abzug aus dem autonomen Gebiet. Infolge des Grenzzwischenfalles wurden Truppenbewegungen der Qassam-Brigaden, einem militanten Flügel der Hamas, am Grenzübergang beobachtet.

In Europa

Zu den Organisationen, die in Europa der finanziellen Unterstützung der Hamas verdächtigt werden, gehören das "Comité de Bienfaisance et de Secours aux Palestiniens" (CBSP) in Frankreich, die "Association de Secours Palestinien" (ASP) in der Schweiz, "The Palestine Relief and Development Fund" (Interpal) in Großbritannien, die "Palästinensische Vereinigung in Österreich" (PVÖ), "Sanabil Al-Aqsa" in Schweden und die Al-Aqsa-Stiftung in Deutschland, Dänemark, Belgien und den Niederlanden. Die Organisationen wurden 2003 vom US-Finanzministerium [53][54] und von der EU [55] benannt. In seiner "Kampagne der 101 Tage"[56] sammelte Yusuf al-Qaradawi im Jahr 2000 die Unterstützung von über fünfzig Hilfsorganisationen, neben den vorgenannten auch von Islamic Relief, "Muslim Aid", der World Assembly of Muslim Youth (WAMY) und der "International Islamic Relief Organization" (IIRO).[57]

In Deutschland

Von in Deutschland lebenden Angehörigen der palästinensischen Muslimbruderschaft wurde 1981 der "Islamische Bund Palästina" (IBP) im Islamischen Zentrum München gegründet. Er vertrat seit der ersten Intifada 1987 bis ca. 2003[58] offen die Positionen der Hamas.[59] Der IBP, der selbst kein eingetragener Verein ist, hat ca. 300 Mitglieder und nutzte als Treffpunkt das "Islamische Kultur- und Erziehungszentrum Berlin e. V." (IKEZ)[60], wo im Juni 2000 auch der 19. Jahreskongress des IBP stattfand. Der IBP sammelte über den 1991 in Aachen gegründeten Verein „Al-Aqsa e. V.“ auch Spendengelder zur Unterstützung der Intifada. Bundesinnenminister Otto Schily verbot am 5. August 2002 den Verein als terroristische Vereinigung[61]. Die Ermittler durchsuchten daraufhin das Vereinslokal und Wohnungen von Vorstandsmitgliedern und beschlagnahmten das Vereinsvermögen auf Konten in Aachen und Köln in Höhe von 300.000 Euro.[62] Am 3. Dezember 2004 beurteilte das Bundesverwaltungsgericht das Verbot als rechtmäßig[63]. Der Verein wurde aufgelöst. Am 5. September 2005 wurde die Nachfolgeorganisation „Yatim Kinderhilfe e. V.“ in Essen verboten[64].

In Österreich

Die 1993 gegründete "Palästinensische Vereinigung in Österreich" (PVÖ) wurde im August 2003 vom US-Finanzministerium als eine Hilfsorganisation der Hamas bezeichnet und wird nach amerikanischen Angaben durch den österreichischen Repräsentanten der Hamas geleitet.[54] Im Rahmen des - letztlich erfolglosen - österreichischen gerichtlichen Verbotsverfahrens geriet die PVÖ stärker in den Fokus der Öffentlichkeit und sammelt seit 2003 keine Spenden mehr[65]. Im gleichen Zeitraum bildete sich der "Palästinensische Humanitäre Verein" (PHV)[66], der teilweise dieselben Adressen wie die PVÖ verwendet[67], aber weniger in die Öffentlichkeit tritt und als Vereinszweck die Durchführung humanitärer Hilfsleistungen angibt. Im Jahr 2006 will die PHV 784.470 Euro an palästinensische Wohltätigkeitsorganisationen oder direkt an bedürftige Familien überwiesen haben. Während die CIA annimmt, dass die PHV palästinensische Organisationen unterstützt, die mit der Hamas in Verbindung stehen, gab der PHV-Obmann an, er schließe dies aus. Laut Vereinsregister ist Obmann der PHV Hani Abdelhalim und Obmann der PVÖ Adel Doghman (alias Abu-al-Baraa, Adil Abdullah oder Abu Barah). Beide sind bei der Islamischen Glaubensgemeinschaft als Islamlehrer angestellt.[68] Doghman organisierte im März 2007 das "Erste Europäische Palästinenser-Jugendlager in Wien" [69], zu dem über 100 meist palästinensische Jugendliche aus mehreren europäischen Ländern anreisten. Doghman wies in einem Interview 2006 jede Verbindung zur Hamas zurück[70].

Öffentlichkeitsarbeit

Die Hamas nutzt für ihre Öffentlichkeitsarbeit neben den klassischen Printmedien auch Radio, Fernsehen und Internet. Hierzu gründeten die Hamas das Unternehmen Al Ribat Communications and Artistic Productions, mit Fathi Ahmad Hammad als Geschäftsführer.

Al-Aqsa TV

Nach dem für die Hamas erfolgreichen Wahlausgang im palästinensischen Parlament gründete die Hamas einen Satelitensender „Al-Aqsa TV“ (auch „Hamas TV“ genannt). Er wird von Fathi Ahmad Hammad geleitet. Das Programm enthält vorwiegend propagandistische Inhalte wie ideologisch orientierte Kindersendungen[71][72], Talk-Shows und religiös inspirierte Unterhaltung.

Siehe Hauptartikel: Al-Aqsa TV

Stimme von Al Aqsa

Der von der Hamas betriebene Radiosender „Stimme von Al Aqsa“ wird durch den Chefintendant Ibrahim Daher geleitet

Al-Risalah und Falastin

Die Hamas gibt zudem zweimal wöchentlich die Zeitung „Al-Risalah“ (bzw. „Al-Risala“) und „Falastin“ heraus. Im von der Fatah kontrollierten Westjordanland sind diese Hamas-Zeitungen bereits seit 2007 verboten.[73]

Siehe auch

Literatur

  • Joseph Croitoru: Hamas. Der islamische Kampf um Palästina. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-55735-4 Leseprobe: [4] Rezensionen u. a. Deutschlandradio Kultur 25. Juni 2007 [5]; Tagesspiegel 26. Februar 2007 [6]; FR 23. 5 . 07
  • Gerrit Hoekmann: Zwischen Ölzweig und Kalaschnikow. Geschichte und Politik der palästinensischen Linken Unrast, Münster 1999 ISBN 3-928300-88-1
  • Helga Baumgarten: Hamas. Der politische Islam in Palästina Hugendubel, Kreuzlingen 2006 ISBN 3-7205-2820-0
  • Shaul Mishal & Avraham Sela: The Palestinian Hamas. Vision, Violence, and Coexistence Columbia University Press, 2006
  • Simon Wunder: Israel-Libanon-Palästina. Der Zweite Libanonkrieg und der Israel-Palästina-Konflikt 2006 Berlin 2007
  • Matthias Küntzel: Djihad und Judenhass. Über den neuen antijüdischen Krieg Freiburg 2002. ISBN 3-924627-06-1

Weblinks

Hintergründe
Eigene Texte und Zitate

Einzelnachweise

  1. Rolf Steiniger, Der Nahostkonflikt, Fischer Taschenbuchverlag, 4. Auflage 2006, S. 60, 63 u. 115
  2. Universität Innsbruck Zeitgeschichte Informationssystem, Beziehungen Österreich-Israel seit 1945 Glossar, abgerufen am 18. Januar 2009
  3. Michael Lüders: Bomben und Karitas in Die Zeit 38/1997
  4. sueddeutsche.de: Abbas beauftragt Hamas mit Regierungsbildung, 18. Februar 2006
  5. "The Covenant of the Islamic Resistance Movement (Hamas)", MidEast Web, 18. August 1988; "The Covenant of the Islamic Resistance Movement", The Avalon Project at Yale Law School; "The Hamas charter calls for Israel to be destroyed and replaced by an Islamic state." Myre, Gred. "Israeli Official Says Hamas Has Made Abbas Irrelevant" The New York Times, 27. Februar 2006
  6. Encylopedia Britannica Artikel zu Hamas
  7. Ziad Abu-Amr: 'Hamas: A historical and political Background', in: Journal of Palestine Studies XXII, Nr 4 (Sommer 1993), S. 5-19.
  8. Ziad Abu-Amr: 'Hamas: A historical and political Background', in: Journal of Palestine Studies XXII, Nr 4 (Sommer 1993), S. 5-19, hier S. 10.
  9. Augsburger Allgemeine Zeitung, Nr. 301 vom 29. Dezember 2008 S. 3
  10. Ziad Abu-Amr: 'Hamas: A historical and political Background', in: Journal of Palestine Studies XXII, Nr 4 (Sommer 1993), S. 5-19, hier S. 8.
  11. Israelisches Außenministerium mfa.gov.il: Auszug einer Liste von Anschlägen der Hamas von 2000 bis 2004
  12. Mark Harrison: Research Note: Bombers and Bystanders in Suicide Attacks in Israel, 2000 to 2003 28. Februar 2005.
  13. Süddeutsche Zeitung: Eskalation im Nahen Osten - Hamas beendet Waffenruhe mit Israel 8. November 2006
  14. [1] - Analyse von Wahlrecht und Wahlergebnis der Wahlen von 2006 auf Wahlrecht.de
  15. sueddeutsche.de: Bewährung für Hamas, 26. Januar 2006
  16. http://de.wikinews.org/wiki/Hamas_und_Al-Fatah_bilden_Regierung_der_Nationalen_Einheit
  17. http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/6748811.stm
  18. http://sc.tagesanzeiger.ch/dyn/news/ausland/762388.html
  19. http://www.hrw.org/en/news/2007/06/12/gaza-armed-palestinian-groups-commit-grave-crimes
  20. http://www.abc.net.au/pm/content/2007/s1950580.htm
  21. http://www.tagesschau.de/ausland/meldung494382.html
  22. http://diepresse.com/home/politik/nahost/339040/index.do
  23. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,549955,00.html
  24. Der vollständige Text auf Englisch: The Covenant of the Islamic Resistance Movement (Hamas)
  25. Hamas Charter (1988), kommentarlos, dokumentiert von palestinecenter.org
  26. What Hamas really wants, by Paul Delmotte
  27. a b Ulrich W. Sahm: Hamas-Charta neu übersetzt, ntv.de, 26. Februar 2006.
  28. ISRAEL HEUTE Nr. 350 S. 11
  29. [2] MEMRI-Übersetzung der Hamas-Charta von 1988 , 17. Februar 2006; englisch
  30. [3]Cornell-Übersetzung der Hamas-Charta von 1988
  31. Radio Vatikan: Nahost: Jerusalemer Erzbischof für Dialog mit der Hamas 15. August 2007
  32. "Sympathy for the Other" LEON WIESELTIER New York Times, April 1, 2007
  33. Mahmoud Al-Zahhar: We Will Not Give Up the Resistance; We Will Not Give Up a Single Inch of Palestine; We Will Not Recognize Israel's Right to Exist Interview mit Al-Manar TV, 25. Januar 2006
  34. a b Pressebericht der Tagesschau vom 21. April 2008
  35. Pressebericht der Tagesschau vom 21. April 2008
  36. Litvak, Meir/Webman, Esther: Perceptions of the Holocaust in Palestinian Public Discourse, in: Israel Studies Bd. 8 Nr. 3 (2003) S.123-140, hier S.135f
  37. al-Rantisi. Abdel Aziz: The Holocaust - The Greatest of Lies Funded by the Zionists, in: Al-Risala, 21. August 2003, übersetzt in: MEMRI Special Dispatch Series - No. 558, 27. August 2003.
  38. Bassem Naeem: Hamas condemns the Holocaust We are not engaged in a religious conflict with Jews; this is a political struggle to free ourselves from occupation and oppression. The Guardian, 12. Mai 2008
  39. Al Jazeera.Eilmeldung Israel-Vize-Minister kündigt Holocaust in Gaza an
  40. Khaled Abu Toameh: 'Beloved Saddam, strike Tel Aviv,' Palestinians chant in West Bank rallies, in: Jerusalem Post Online, 19. Januar 2003,
  41. Hamas to Muslims: Attack US targetsThe Jerusalem Post, 8. November 2006
  42. United States v. Abu Marzook. No. 03 CR 978 12. IL District Ct. 2005.
  43. Lake, Eli.: "Hamas Agents Lurking in U.S., FBI Warns.", in: New York Sun, 29. April 2004
  44. EU-Liste05/2006 EU-Liste der Terrororganisationen vom 29. Mai 2006 30. Mai 2006
  45. Listing of Terrorist Organisations, Australian Government Attorney-General's Department, 27. Januar 2006
  46. Keeping Canadians Safe, Public Security and Emergency Preparedness Canada, National Security, Listed entities
  47. "Country reports on terrorism", U.S. State Dept., 27. April 2005
  48. Japan's Diplomatic Bluebook 2005 states that it has frozen the assets of "terrorist organizations, including… Hamas."
  49. Karmi, Omar. What does the Hamas victory mean for nearby Jordan?, The Daily Star, 18. Februar 2006
  50. Hamas schmuggelte neue Raketen durch Tunnelsystem. In: Tages-Anzeiger Online vom 29. Dezember 2008
  51. Arabische Presse: Islamisten über den Papst. In: israel heute vom 16. November 2006
  52. Volkhard Windfuhr: GAZA-KRISE: Wie gespalten die Hamas wirklich ist, Spiegel Online, 9. Januar 2009
  53. Background: AL-AQSA FOUNDATION U.S. Department of the Treasury, Office of Public Affairs, 29. Mai 2003
  54. a b „U.S. Designates Five Charities Funding Hamas and Six Senior Hamas Leaders as Terrorist Entities“ U.S. Department of the Treasury, JS-672, 22. August 2003
  55. "Council Decision on specific restrictive measures directed against certain persons and entities with a view to combating terrorism Europäischer Rat, 21. Dezember 2005
  56. Webseiten von Qaradawis "Kampagne der 101 Tage" auf französisch und arabisch: www.101days.org
  57. Union of Good members Special Information Bulletin, Intelligence and Terrorism Information Center at the Center for Special Studies (C.S.S.) Israel, Februar 2005
  58. Verfassungsschutzbericht 2002
  59. Werber um Herzen und Geld Die Zeit, 14/2004
  60. Berliner Verfassungsschutzbericht 2004, Seite 245 (erschienen April 2005, PDF, 2 MB)
  61. Bekanntmachung des Bundesinnenministeriums über die Verfügung eines Vereinsverbotes (AL-AQSA e. V., Aachen) vom 31. Juli 2002
  62. "Al-Aqsa"-Verbot: Schily sieht sich bestätigt - Erste Ermittlungen untermauern Verdacht auf Terrorunterstützung, WDR vom 5. August 2002
  63. BVerwG, Urteil vom 3. Dezember 2004 - 6 A 10. 02 (Lexetius.com/2004,3556)
  64. PM des BMI: "Schily verbietet zwei extremistische Vereine", 5. September 2005
  65. "Die gefährlichste Adresse Österreichs" Stefan Apfl, DIE ZEIT vom 17. Mai 2007
  66. arabischsprachige Webseite des Palästinensischen Humanitären Vereins (PHV)
  67. Austria: Profile of Palestinian Humanitarian Society, PHV" Foreign Broadcast Information Service Analysis vom 21. Oktober 2005
  68. "Die gefährlichste Adresse Österreichs" Stefan Apfl, DIE ZEIT vom 17. Mai 2007
  69. Stefan Beig: Mobilisiert Hamas in Wien? Wiener Zeitung vom 22. März 2007
  70. Stefan Apfl, Matthias G. Bernold: Bart haben und beten, Falter 06/2006 vom 8. Februar 2006
  71. Archiv von Mitschnitten des des Palestinian Media Watch (PMW)
  72. Transkript israwiss.net, Transkription eines propagandistischen Musikvideos
  73. Sandkastenkrieg zwischen Hamas und Fatah. Palästinas verfeindete Parteien richten sich im Zwist ein. In: NZZ Online vom 25. September 2007


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