Al-Haddschādsch ibn Yūsuf

Al-Haddschādsch ibn Yūsuf (* 661; † 714; ‏الحجاج بن يوسف‎, DMG al-Ḥaǧǧāǧ ibn Yūsuf) war ein bedeutender umayyadischer Statthalter im Irak (694-714). Al-Haddschādsch ibn Yūsuf entstammte dem Stamm der Thaqif und war zunächst als Lehrer in Taif tätig. Al-Haddschādsch diente als Statthalter im Irak während der Herrschaft der Umayyaden unter Abd al-Malik ibn Marwan und al-Walid I.. Er trug auch wesentlich zur Verbreitung der arabischen Sprache und Schrift bei. Zuvor wurden alle wichtigen Verwaltungstexte und Urkunden von persischen Schreibern auf mittelpersisch und in Pahlavi-Schrift niedergeschrieben.

Inhaltsverzeichnis

Aufstieg

Aus den frühen Jahren seines Lebens ist wenig bekannt: Er scheint sich nicht in den Schlachten in Harra von Medina im Jahr 63/682 (Aghani, xvi, 42) und in ar-Rabahda im Jahr 65/684 (Tabari, II, 579) oder als Verwalter von Tabala in Tihima (Ibn Kutayba, Mas'arif, 396) ausgezeichnet zu haben.

Die Wende kam, als al-Haddschādsch, in den ersten Jahren der Herrschaft des Abd al-Malik, von Taif nach Damaskus versetzt wurde, der damaligen Hauptstadt des umayydischen Reichs. Er diente in der Leibgarde (Šhurta) unter Aba Zur’a Rawh ibn Zinba al-Dschudhami, dem Wesir des Kalifen. Er erregte die Aufmerksamkeit des Abd Al-Malik, weil es ihm sehr schnell gelang, die Disziplin unter den aufrührerischen Truppen wieder herzustellen, mit denen der Kalif gegen den Rebellen Musab ibn az-Zubair in den Irak zog. Mit den drastischen Mitteln, mit denen er diese Aufgabe ausführte, wurde er auch später berühmt und berüchtigt.

Eroberung Mekkas

Im Feldzug gegen Musab ibn az-Zubair, scheint al-Haddschādsch die Nachhut geführt zu haben, und hat sich durch einige Meisterstücke ausgezeichnet. Nach dem Sieg über Musab ibn az-Zubair in Maskin bei Dudjayl im Jahre 72/691, zog er auf Befehl des Kalifen im gleichen Monat von Kufa an der Spitze von ungefähr 2000 syrischen Truppen gegen Abdallah ibn az-Zubair, dem Gegenkalifen von Mekka aus. Er rückte ohne Gegenwehr bis zu seinem Geburtsort Taif vor, den er kampflos einnahm, und als Ausgangsbasis verwendete. Der Kalif hatte ihm zunächst aufgetragen, mit az-Zubayr zu verhandeln, und ihm bei seiner Kapitulation Straffreiheit zu versichern. Sollten die Kämpfe fortfahren, so sollte die Stadt Mekka belagert werden, aber unter keinen Umständen sollte es unmittelbar in der heiligen Stadt zu blutigen Auseinandersetzungen kommen. Die Verhandlungen scheiterten, und al-Haddschādsch verlor die Geduld. Er sandte einen Eilboten zu Abd Al-Malik mit der Bitte nach Verstärkung und der Erlaubnis die Stadt Mekka mit Gewalt einnehmen zu dürfen. Er erhielt die Zustimmung, und begann daraufhin die heilige Stadt vom Berg Abu Qubays aus mit Stein-Katapulten zu beschießen.

Die Beschießung wurde sogar während des Pilgermonats fortgesetzt. Voller Zorn gegen az-Zubair und seine Anhänger, hatte al-Haddschādsch auch keine Skrupel, die dort anwesenden Pilger, und sogar die Kaaba beschießen zu lassen. Als ein plötzlicher Sturm aufzog, bekamen seine Soldaten Angst vor der Strafe Gottes. Al-Haddschādsch hingegen deutete dies als göttliches Zeichen, dass der nahe Sieg bevorstehen werde.

Nachdem die Belagerung über sieben Monate andauerte, sind nahezu 10.000 Männer, unter ihnen auch zwei von az-Zubair's Söhnen, zu al-Haddschādsch übergelaufen. Der Gegenkalif wurde mit einigen wenigen treuen Gefolgsleuten, darunter auch sein jüngster Sohn, beim Kampf um die Kaaba getötet (Dschumada I 73/Oktober 692) [1]. Al-Haddschādschs grausame Belagerung Hedschas führte zum Tod von Tausenden unschuldigen Bewohnern in der Region. Ein Ummayyaden Herrscher (vermutlich war es Umar B. Abd Alaziz) soll später behauptet haben: "Wenn alle Völker ihre tyrannischsten und grausamsten Herrscher aufbieten würden, so müssten die Moslems nur al-Haddschādsch aufbieten, um die mörderischsten Herrscher des Restes der Welt an Grausamkeit zu überbieten".

Statthalter im Irak

Als Statthalter Hedschas, wurde al-Haddschādsch aufgrund seiner strengen Regierung, berühmt und berüchtigt. Im Jahre 694 wurde er als Statthalter in den Irak gesandt. Auch dort fiel er durch seine strenge und grausame Herrschaft auf. Er befriedete den Irak und disziplinierte die Truppen der Garnisonen in Basra und Kufa. Auch wurde die Residenz von Basra nach al-Wasit verlegt und Reformen in der Steuerverwaltung umgesetzt. Der Ackerbau im Irak wurde ebenfalls gefördert. Des Weiteren unterdrückte al-Haddschādsch die Opposition der Schiiten und schlug den Aufstand des 'Abd ar-Rahmān ibn Muhammad ibn al-Asch'ath im Irak und Iran nieder (700-701). Auch die militanten Sekten der Charidschiten wurden bekämpft. So konnte deren extremer Zweig der Azraqiten 698 vernichtet werden. Für seine beträchtlichen Erfolge wurde al-Haddschādsch auch zum Verwalter einiger Provinzen in Persien (Iran) ernannt. Auch dort kämpfte er erfolgreich gegen Aufständische. Jedoch machte er sich durch seine strenge Herrschaft viele Feinde.

Die Befriedung und Reorganisation des Irak schuf die Voraussetzung für neue Eroberungen unter al-Haddschādschs Feldherren. Mit dem Aufstieg des Kalifen al-Walid I., wuchs auch das Ansehen al-Haddschādschs, der zahlreiche erfolgreiche Generäle ernannte, die das islamische Reich erweiterten. Somit war er einer der mächtigsten und einflussreichsten Statthalter im Umayyaden Reich.

Unter diesen Feldherren war der junge Muhammad ibn al-Qasim (* 695; † 715), der im Jahre 711 nach Sindh in Indien (heute Pakistan) zog und das Industal eroberte.

Qutaiba ibn Muslim wurde 712 nach Transoxanien gesandt, um es zu erobern. Dabei drang er sogar bis an die Ränder Chinas vor, und erreichte Dschizya (Tributzahlungen) vom chinesischen Kaiser. Al-Haddschādschs erfolgreichster Feldherr war vermutlich Mūsā ibn Nusayr, der Nordafrika (Ifriqiya) unter seine Kontrolle brachte, und Tariq ibn Ziyād gegen Spanien sandte, der das Westgotenreich eroberte.

Tod

Al-Haddschādsch starb im Jahr 714 in Wasit im Irak. Er soll nur sein Schwert als persönliches Eigentum besessen haben. Ein Jahr danach verstarb auch der Kalif al-Walid; und sein Bruder Sulaiman ibn Abd al-Malik wurde der neue Kalif. Sulaiman zweifelte an der Loyalität von al-Haddschādschs Generälen. Er ließ sämtliche Generäle verhaften und zu Tode foltern. Ihre großen Siege schien er vergessen zu haben.

Das Verhältnis zwischen al-Haddschādsch und Muhammad ibn al-Qasim wurde immer sehr kontrovers diskutiert. Einige Quellen gehen davon aus, dass al-Haddschādsch sein Onkel oder Schwiegervater war. Jedoch ist dies strittig; es scheint wahrscheinlicher, dass sie entfernte Vettern waren.

Einzelnachweise

  1. A. Dietrich, Enzyklopädie von Islam CD-ROM Ausgabe V. 1.0

Literatur

  • Ulrich Haarmann: Geschichte der Arabischen Welt. C.H. Beck München, 2001
  • Stephan und Nandy Ronart: Lexikon der Arabischen Welt. Artemis Verlag, 1972

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