Al-Iskandariyya
Satellitenbild von Alexandria

Alexandria oder Alexandrien (griechisch Αλεξάνδρεια, Alexándreia, nach Alexander dem Großen; arabisiertالإسكندرية‎, al-Iskandariyya) ist eine Hafenstadt am Delta des Nils an der Mittelmeerküste Ägyptens.

Inhaltsverzeichnis

Bevölkerung

Mit 4,25 Millionen Einwohnern (Berechnung 2008)[1] in der eigentlichen Stadt ist Alexandria heute nach Kairo die zweitgrößte Stadt Nordafrikas, mit 4,37 Millionen Einwohnern in der Agglomeration (Berechnung 2007)[2] allerdings nur viertgrößter Ballungsraum in Nordafrika und auf Platz 10 für ganz Afrika.

Bevölkerungsentwicklung:

Jahr Einwohner (Stadt)
1976 (Zensus) 2.318.655
1986 (Zensus) 2.917.327
1996 (Zensus) 3.328.196
2006 (Zensus) 4.110.015
2008 (Berechnung) 4.247.414

Geschichte

Alexandria in der Antike

Neuesten archäologischen Analysen zufolge war der Ort bereits von etwa 2700 bis 2200 v. Chr. besiedelt[3]. Eine zweite Blüte erlebte die Region von 1000 bis 800 v. Chr. Die griechische Stadt Alexandria wurde im April 331 v. Chr. von Alexander dem Großen gegründet und geplant, dieser bekam sie aber selbst nie zu Gesicht. Obwohl im Verlauf des Alexanderzugs noch andere Städte gleichen Namens gegründet wurden (etwa im Iran oder an der Grenze zu Indien), sollte dieses Alexandria das bedeutendste von allen werden. Nach seinem frühen Tod wurde Alexander hier in einem Mausoleum begraben. In den folgenden Jahren erlangten die Ptolemäer die Herrschaft über Ägypten und behielten Alexandria als Hauptstadt bei. Unter ihrer Herrschaft wurde Alexandria rasch zu einer der berühmtesten Städte in der ganzen griechischen Welt. Das wichtigste der fünf Stadtviertel war das Brucheion mit dem Königspalast. Von Bedeutung der Stadt zeugten vor allem der Pharos von Alexandria, ein von Sostratos von Knidos zu Beginn des 3. Jahrhunderts v. Chr., etwa um 300 bis 279, erbauter Leuchtturm an der Hafeneinfahrt, der zu den sieben Weltwundern der Antike zählt, sowie die Bibliothek von Alexandria, die damals mit ca. 700.000 Schriftrollen die größte der Welt war. Sie war gleichzeitig Zentrum der Alexandrinischen Schule, wo im Laufe der Zeit viele bedeutende Philosophen und Wissenschaftler wirkten, wie z.B. Heron, Ptolemäus und Euklid.

Im Jahre 30 v. Chr. wurde Alexandria von Octavian eingenommen, der sich in einem Machtkampf im römischen Reich durchgesetzt hatte, und – wie ganz Ägypten – dem Imperium Romanum einverleibt. Auch in römischer Zeit blieb die Bedeutung Alexandrias fast ungebrochen; es war zeitweilig nach Rom die zweitgrößte Stadt der Welt und gab der Alexandrinischen Periode ihren Namen. Ebenso war die Bevölkerungsdichte der Stadt für antike Verhältnisse enorm: Diodor berichtet von 300.000 freien Einwohnern in späthellenistischer Zeit,[4] während moderne Schätzungen von bis zu 500.000 Einwohnern in spätrömischer Zeit ausgehen.[5] Auch zahlreiche Juden lebten in der Stadt. In den antiken Quellen wird die Bevölkerung als traditionell leicht erregbar beschrieben, was auch zu zahlreichen Aufständen führte.

Im Jahr 415 wurde die Philosophin und Wissenschaftlerin Hypatia von einem christlichen Mob ermordet und damit „das letzte Überbleibsel der Ketzerei aus der Stadt entfernt“, wie der christliche Autor Johannes von Nikiu später schrieb[6]. Der zeitgenössische christliche Historiker Sokrates schrieb dagegen: „Mit Sicherheit kann nichts weiter entfernt sein vom Geist des Christentums, als das Zulassen von Massakern, Gewalttaten und Misshandlungen dieser Art.“

Alexandria blieb während der gesamten Spätantike ein wichtiges urbanes und kulturelles Zentrum, vor allem auch in Hinblick auf christlich-theologische Fragen. Die „Hochschule“ von Alexandria öffnete sich zudem, anders als etwa die von Athen, relativ schnell dem Christentum. Alexandria war nach Konstantinopel und neben Antiochia am Orontes die bedeutendste Stadt des Oströmischen Reiches. Ägypten wurde 619 von den Sassaniden erobert, doch nach 628 erhielt Ostrom/Byzanz das Land zurück. 642 ging die Stadt dem Reich dann aber endgültig verloren – sie fiel in die Hände der Araber (siehe Islamische Expansion).

Mittelalter und Neuzeit

Die Stadt blieb durch das ganze Mittelalter bis in die Neuzeit ein wichtiger Hafen, verlor aber zunehmend an politischer Bedeutung. Dies wurde insbesondere durch den Aufstieg anderer Städte wie Konstantinopel im Byzantinischen Reich und Kairo unter den Arabern bedingt. Der Wiederaufstieg vom eher unbedeutenden Fischerstädtchen zur Metropole setzte im 19. Jahrhundert mit der Industrialisierung ein. Die Lage nahe der Sues-Verbindung nach Indien weckte das Interesse der europäischen Kolonialmächte; so landete Napoleon 1798 mit einer Expedition bei Alexandria, schlug die Mamelucken, verlor aber beim nahen Abukir eine Schlacht gegen die Briten. Der französische Einfluss wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch eine quasikoloniale Herrschaft der Briten über Ägypten abgelöst, die sich auch in den Besitz des Suezkanals brachten.

Heute wird über den Hafen Alexandrias drei Viertel des ägyptischen Exports abgewickelt. Die Stadt ist mit ihrer Textilindustrie, dem Fahrzeugbau, der chemischen Industrie, der Nahrungsmittelindustrie und einer Erdölraffinerie zweitgrößter Industriestandort Ägyptens; außerdem verfügt Alexandria über einen internationalen Flughafen, sowie Anbindung an das ägyptische Straßen- und Eisenbahnnetz. Das Stadtbild zeigt sich heute zweigeteilt: Die Altstadt zwischen den beiden Hafenbecken ist geprägt von engen Gassen und Basaren, während die Neustadt auf dem Festland eher westlich und modern wirkt. Im April 2002 wurde ein neues Bibliotheksgebäude eröffnet, die Bibliotheca Alexandrina. Sie wurde mit Hilfe der Vereinten Nationen gebaut.

Im Jahre 2005 wurden im Mittelmeer vor Alexandria von Taucher-Archäologen alte versunkene Hafenanlagen aus vermutlich ptolemäischer Zeit entdeckt.

Das Museum und die Große Bibliothek

Bibliothek in Alexandria

Das Schicksal der Großen Bibliothek bei Caesars Eroberung ist umstritten. Einige antike Quellen sprechen von einem Feuer bei Caesars Eroberung der Stadt 48–47 v. Chr. Wie jedoch Edward Parsons in seiner Quellenanalyse nachweist, stützen nur sechs von 16 Quellen über das Alexandria jener Zeit diese Hypothese. Die erste dieser Quellen wurde etwa 100 Jahre nach dem angeblichen Vorfall geschrieben, und die Zahl der angeblich verlorenen Bücher schwankt von 40.000 (die erste Quelle) bis 700.000, also der kompletten Bibliothek (Aulus Gellius). Die letzte Quelle (der Kirchenhistoriker Orosius) spricht wieder von 40.000 Büchern. Das Museion von Alexandria, an das die Bibliothek angegliedert war, existierte mit Sicherheit weiterhin, da mehrere Leiter des Museions aus nachchristlicher Zeit bekannt sind und Plutarch von einem Geschenk von 200.000 Schriftrollen aus der Bibliothek von Pergamon an Caesar schreibt. Der letzte bekannte Leiter des Museions war Theon von Alexandria (ca. 335–405).

Im Jahr 391 wurden vom Patriarch Theophilos von Alexandria alle heidnischen Tempel in Alexandria zerstört; vorausgegangen waren blutige Zusammenstöße zwischen Heiden und Christen, wohl bewusst angeheizt von Theophilos. Christen waren teils von Heiden gekreuzigt worden, die sich im Serapisheiligtum verschanzt hatten. Kaiser Theodosius I. vergab die Morde, um so die Situation zu beruhigen, ordnete aber die Zerstörung des Tempels an.[7] Die Zerstörung des weithin bekannten Serapisheiligtums, das die Tochterbibliothek beinhaltete, sollte eine deutliche Fanalwirkung für die Heiden haben; ob auch das Museion (der „Tempel der Musen“ und damit aller Wahrscheinlichkeit nach die Bibliothek) zu diesem Zeitpunkt zerstört wurde, ist unbekannt, es kann jedoch nicht wesentlich früher oder später geschehen sein. 642 brannte die Bibliothek, nachdem die Araber die Stadt von den Byzantinern (Oströmern) erobert hatten.

Klima

Klimadiagramm

An der Mittelmeerküste um Alexandria befindet sich ein schmaler steppenhafter Landstreifen zwischen mediterranem Klima und Wüstenklima. Die Temperatur schwankt im Januar von 9 bis 19 °C und im Juli von 22 bis 31 °C. Diese Schwankungen sind auf Grund der Nähe zum Meer moderat. 190 mm Niederschlag fallen an wenigen Tagen zwischen Oktober und April.

Die Luftfeuchte ist mit 60 bis 70 Prozent recht hoch, aber erträglich. Vom Mittelmeer her kommend, wehen zumeist nördliche, gemäßigte, manchmal aber auch sehr heftige Winde. Im Frühjahr kann auch ein heißer, trockener Wüstenwind wehen, der Chamsin, der aus dem Süden dichte, gelbe Wolken aus Sand und Staub mitbringt.

Verkehr

Straßenbahnnetz 1996

Der öffentliche Stadtverkehr in Alexandria wird im Wesentlichen durch eine Vorortbahn in den östlich gelegenen Vorort Abu Quir sowie von einem ausgedehnten Straßenbahnnetz getragen.

Das Straßenbahnnetz unterscheidet sich hierbei in das innerstädtische Verkehrsnetz sowie die Vorortstrecken der „Ramleh“-Straßenbahn auf eigenem Gleiskörper, die die dichte Bebauung entlang der Corniche an der Mittelmeerküste bedient.

Der restliche öffentliche Verkehr verteilt sich auf wenige lokale Buslinien, Vorortbusse und Sammeltaxen.

Städtepartnerschaften

Söhne und Töchter der Stadt

Verkehr am frühen Abend
Am Strand
Fort Qait Bey
Planetarium neben der Bibliothek

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. bevoelkerungsstatistik.de zur Stadt Alexandria
  2. bevoelkerungsstatistik.de zur Agglomeration Alexandria
  3. Die Stadt wurde an der Stelle des alten ägyptischen Dorfes Rachotis erbaut (Abeer el-Shahawy, S. 271, 4. Z.v.u.)
  4. Diodor 17,52
  5. Walter Scheidel (Hrsg.): Debating Roman Demography. Brill, Leiden 2001, ISBN 90-04-11525-0, S. 183.
  6. www.cosmopolis.com: "The Life of Hypatia" By John, Bishop of Nikiu, from his Chronicle 84.87–103
  7. Hartmut Leppin: Theodosius der Große. Primus, Darmstadt 2003, ISBN 3-89678-471-4, S. 169 ff.

Literatur

  • Hatto H. Schmitt: Alexandreia. In: Hatto H. Schmitt und Ernst Vogt (Hrsg.): Kleines Lexikon des Hellenismus, 2. Auflage. Harrassowitz, Wiesbaden 1993, ISBN 3-447-03278-2, S. 55 f.
  • Manfred Clauss: Alexandria. Schicksale einer antiken Weltstadt. Klett-Cotta, Stuttgart 2003, ISBN 3-608-94329-3
  • Abeer el-Shahawy: Das Ägyptische Museum von Kairo. Ein Streifzug durch das Alte Ägypten. Farid Atiya Press, Gizeh 2005. Übersetzung aus dem Englischen: Evelyn Posch. 312 Seiten, ohne ISBN

Weblinks

31.229.9166666666677Koordinaten: 31° 12′ N, 29° 55′ O


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