Al-Ma'arri

Abu l-'Ala al-Ma'arri (arabischأبو العلاء المعري‎, DMG Abū l-ʿAlāʾ al-Maʿarrī; * 973; † 1057 in Ma'arra) war ein arabischer Dichter. al-Ma'arri wurde 973 als Sohn einer angesehenen Familie - sein Vater Abdallah ibn Sulaiman war Dichter und Philologe - in der nordsyrischen Stadt Ma'arra geboren. Im Alter von vier Jahren verlor er infolge einer Pockenerkrankung sein Augenlicht. Diese Behinderung machte er zwar später durch sein ausgezeichnetes Gedächtnis wett, er empfand seine Blindheit jedoch zeitlebens als "Gefängnis". In seiner Heimatstadt und in Aleppo studierte al-Ma'arri den Islam und die arabische Sprache und Literatur.

Später zog al-Ma'arri nach Bagdad. Dort machte er die Bekanntschaft zahlreicher Gelehrter und erhoffte sich angeblich auch, einen Ruf als Lobdichter zu erwerben. In seine Bagdader Zeit fällt sein Streit mit dem Literaten al-Murtada. Nach einem erhitzten Disput über den Rang der Dichtung al-Mutanabbis ließ dieser al-Ma'arri an den Füßen aus seinem literarischen Salon schleifen.

1010 kehrte al-Ma'arri in seine Heimatstadt zurück. In seinem Haus, das er bis zu seinem Tod nur noch einmal verlassen sollte, sammelte er Schüler um sich und unterhielt eine rege Korrespondenz mit führenden Gelehrten seiner Zeit. Im Alter von 84 Jahren starb al-Ma'arri nach kurzer Krankheit.

Werke

Al-Ma'arri verfasste sowohl Gedichte als auch Prosawerke. In seine Jugendzeit und Bagdader Periode fällt das Siqt az-zand, eine Sammlung eher konventioneller Gedichte, darunter Trauerklagen über den Tod seiner Eltern und Lobgedichte. Die nach dem Bagdad-Aufenthalt entstandenen Gedichte, gesammelt im Luzum ma la yalzam, beschäftigen sich dagegen in komplizierter Reimtechnik mit philosophischen Themen.

Seine umfangreichste Prosaschrift ist ein Antwortschreiben auf den ebenfalls erhaltenen Brief eines gewissen Ibn al-Qarih. Dieser, ein eher erfolgloser Dichter, wandte sich an al-Ma'arri mit der Bitte um finanzielle Unterstützung. Ibn al-Qarih hatte seinen früheren Mäzen al-Maghribi, einem fatimidischen Staatssekretär, recht schäbig im Stich gelassen, als dessen Familie beim Kalifen in Ungnade fiel. In seinem Brief an al-Ma'arri versucht Ibn al-Qarih, sich von diesem Verhalten reinzuwaschen.

Al-Ma'arris Antwort, die risalat al-ghufran ("Sendschreiben über die Vergebung"), hat man oft mit Dantes Divina Commedia verglichen. Der Dichter schickt den noch lebenden Ibn al-Qarih in seiner Vorstellung auf eine Jenseitsreise durch Paradies und Hölle. Mit viel Ironie schildert er, wie...

  • al-Fusul wal-ghayat ("Abschnitte und Enden")

Literatur

  • Abu l-'Ala al-Ma'arri: Paradies und Hölle. Die Jenseitsreise aus dem "Sendschreiben über die Vergebung". übers. von Gregor Schoeler. München 2002
  • Henri Laoust: La vie et la philosophie d'Abou- l-'Ala Al-Ma'arri. in Bulletin d'Etudes Orientales 10 (1944)

Weblinks



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