Al-Mala'ika
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Der Engel (lat. angelus, von gr. άγγελος ángelosBote“, „Botschafter“; Übersetzung von hebr. מלאך mal'ach „Bote“) ist in vielen Religionen ein Wesen, das Gott oder den Göttern zur Seite steht, aber von ihnen unterschieden wird.

Erzengel Michael
Jakob ringt mit dem Engel
Gustave Doré, 1855

Inhaltsverzeichnis

Engel in Religion und Mythologie

Durch alle Kulturen und Jahrhunderte hindurch hat sich die Funktion der Engelgestalten kaum verändert. Sie sind da eingesetzt, wo Vermittlung zwischen Gott und Menschen entstehen soll und vor allem, wo Schutz vonnöten ist.

Ägypten, Mesopotamien

Die Vorstellung geflügelter Wesen als Mittler zwischen Göttern und Menschen findet sich in Form bildlicher Darstellungen schon um 2250 v. Chr. in Mesopotamien, z. B. auf einem Rollsiegel des Schreibers Adda. Um 1500 v. Chr. reichte die Macht Ägyptens bis in jenes Gebiet, möglicherweise wurde die Idee, Gottheiten oder Schutzgenien mit Flügeln zu versehen, von dort nach Ägypten transportiert.

Im Gegensatz zu den Darstellungen aus dem Vorderen Orient, im Zweistromland bis Syrien-Palästina, sind ägyptische Gottheiten mit Flügeln in der Regel weiblich. Häufig, aber nicht immer, werden Isis, Nephtys, Neith und Selket, aber auch die „Westgöttin“ (Friedhofsgöttin) Imentet mit Flügeln gezeigt, gelegentlich auch Maat (Göttin der Wahrheit und Gerechtigkeit). Die Flügel jedoch waren, anders als bei den Vorbildern des Vorderen Orients, nicht separat am Rücken, sondern in Form von Federreihen an den Armen angesetzt wiedergegeben. Beispiele solcher Darstellungen sind an den vier Ecken des Steinsarkophages Tutanachamuns gezeigt, aber auch im Rahmen von Wandmalereien, wie dem Nefertari-Grab im Tal der Königinnen. Zahlreiche weitere Belege stammen von den Sargmalereien des Neuen Reiches und der Spätzeit. Zu keiner Zeit war die Darstellungsweise der Göttinnen, mit oder ohne Flügel, konsequent. Es kam beides gleichermaßen üblich vor. Nach der Überlieferung von Plutarch fächelten Isis und Nephtys mit ihren Flügeln dem toten Osiris- nach seiner Auferstehung Unterweltsgott, als Herrscher und Richter über das Totenreich, Luft (=Atem) zu, um ihm das Leben wiederzugeben.

Desgleichen findet man auch auf verschiedenen Pektoralen, d.h. königlichem Brustschmuck bzw. Totenamuletten häufig geflügelte Wesen, eben wiederum Isis- und Nephty-Darstellungen, oder auch in Form der geiergestaltigen Göttin, einer Himmelsgottheit Nut, die den Toten ihrerseits mit ihren Flügeln umspannen und schützen kann. Andererseits existiert daneben eine Vorstellung der (Ba-)Seele in Vogelgestalt mit Menschenkopf und Menschenarmen, aber Vogelkörper, der möglicherweise die Vorstellung erhabener Tote vorwegnimmt, die zu „Engeln“ werden können.

Vier Jahrhunderte später finden sich „Engel“ in den Königspalästen der Assyrer in Ninive, Nimrud oder Dur Scharrukin, zum Teil mit Doppelflügeln nach oben und unten, als so genannte Genien, auf riesige Steinplatten gemeißelt. Sie sind auch die Vorbilder des Traumes beim Propheten Jesaja in seiner Berufungsvision.

Griechische und römische Antike

Etwa um 600 v. Chr. bekamen die Griechen unter dem Pharao Psammetich I. Zugang nach Ägypten und lernten dort die Monumental-Architektur und Reliefkunst und wohl auch die „Engelsbildnisse“ kennen. Sie ahmten nach, und so finden wir um ca. 450 v. Chr. viele Engelsdarstellungen auf Vasen. Viele davon findet man heute im Britischen Museum. Griechische Künstler waren es schließlich, die ersten Vollplastiken von Engeln schufen, als Nike von Samothrake (Louvre) oder die des Paionius. Der Engel auf den Quadrigen in London oder Paris stellt ebenfalls die Siegesgöttin Nike dar mit Siegeskranz und Palmenzweig. Heute wird diese jedoch zumeist einfach als Engel wahrgenommen. Auf dem Brandenburger Tor in Berlin wurde zunächst die Friedensgöttin Eirene dargestellt; das Relief stellt den besiegten Kriegsgott Mars dar. Nach den Befreiungskriegen werden Preußenadler und Panier mit eisernem Kreuz hinzugefügt, so dass die Darstellung einer Siegesgöttin resultiert.[1]

Persien

Ab 500 v. Chr. war Juda Provinz des damaligen Weltreichs der Perser. Die Perser waren Anhänger der Religion des Zarathustra, die bereits eine Lehre der Engel kannte und auch den Glauben des jüdischen Volkes beeinflusst hat. Schließlich kamen die Römer, bauten ihrerseits ein Weltreich und übernahmen vieles aus der Kultur ihrer Vorgänger, auch die Engel, die sich in ihrer Funktion und Gestaltung oft veränderten. Sie glichen den Putten späterer Jahrhunderte.

Judentum

Der Ausdruck „Mal'ach“ für Engel wird erstmals in Kapitel 19 von Genesis verwendet, in der Erzählung der Flucht Lots aus Sodom. Engeldarstellungen sind jedoch schon deutlich älter.

Die Bibel geht zwar davon aus, dass es Engel – himmlische, mit Bewusstsein begabte Geistwesen – gibt; aber sie verzichtet weitgehend auf ein Ausmalen dieser Himmelswelt, die in anderen Religionen damals verbreitet war. Viel wichtiger ist ihr die Funktion der Engel: den Menschen Gottes Wort, Gegenwart, Absicht und vollgültigen Willen mitzuteilen. Darum erscheinen Engel in der Bibel oft einfach als „Boten Gottes“ in menschlicher Gestalt. Sie sind ohne Zweifel souverän, den Menschen weit überlegen und nicht an die Schranken und Bedingungen der menschlichen Sinnenwelt gebunden: aber diese Fähigkeiten treten meist hinter ihrer Botschaft zurück.

Das biblische Engelbild hat mit dem der Kunst und Volksfrömmigkeit vielfach nur wenig gemein. Die verniedlichenden Darstellungen der Engel als Putten widersprechen der biblischen Darstellung. Als Wesen, die grundsätzlich der „unsichtbaren Welt“ (Nicäno-Konstantinopolitanum) angehören, entziehen sie sich der Objektivierung. Dennoch kann die Sprache des Gebets (vgl. Martin Luthers Morgen- und Abendsegen), der Liturgie und der Poesie nicht auf sie verzichten. Indem: es ermöglicht die Fähigkeit, alle Dinge in Worte zu fassen, auch die „unsichtbare Welt“ nunmehr sichtbar werden zu lassen.

Die Bibel kennt in weiten Teilen Engel als eigene Wesen, die Gottes Reich angehören. Von Engeln ist in beiden in der Genesis vorliegenden Schöpfungserzählungen (Gen. Kap. 1 und Kap. 2) nicht explizit die Rede, es wird aber in der ganzen Bibel darauf hingewiesen, dass Engel schon vor der Entstehung der Welt existierten und Gott dienten. Es heißt auch: „Engel sind Geschöpfe, die zwischen Gott und den Menschen stehen.“

Im Buch Genesis wird von Cherubim berichtet, welche mit dem Flammenschwert das Paradies bewachen (Gen 3,24 ELB). Während sie hier dem Menschen die Rückkehr ins Paradies verwehren, heißt es im ersten Korintherbrief, dass Engel letztlich den Menschen unterstellt sind und Menschen später über Engel richten werden (1.Kor 6, 3).

In Gen. 6, 2-4 tauchen sogenannte „Gottessöhne“ auf, die mit sterblichen Frauen verkehrten und dadurch „Riesen“ oder auch „Nephilim“ hervorbrachten. Die antike Mythologie wie z. B. im apokryphen Buch Henoch dachte hierbei allgemein an Geistwesen. Im Speziellen wurden hierbei die gefallenen Wächter unter Führung von Azazel gemeint, die sich Gott abgewandt haben. Das Motiv wird durch den Kontext, in den es gestellt wurde (chronologisch vor der Sintflut), entmythisiert: Gemeint sind hier die „Helden der Vorzeit“, die ersten zehn Generationen Menschen von Adam bis Noach, die zwar besonders lange lebten, gleichwohl aber sterblich waren. „Gottessöhne“ sind für die Bibel zunächst alle Menschen, die ihre Gottebenbildlichkeit auch nach dem Sündenfall behalten (Gen. 1, 27).

Im Buch Ijob (um 250-200 v. Chr.) tauchen die Gottessöhne erneut auf, wobei es sich um eine Versammlung von Geistwesen, darunter auch Satan, handelt. Später erwähnt Gott die Gottessöhne nochmals als die ersten, die ihn mit den Sternen lobten – offenbar noch vor der Schöpfung der Menschen (Hi. 38, 7). Hier werden Vorstellungen einer Engelwelt sichtbar, die der Schaffung der Menschenwelt vorausgeht und die Geschicke der Menschen mitbestimmt.

In der späten Vision vom Endgericht (Dan. 7, 1-14, um 170 v. Chr.) dagegen bleiben die Throne, die um Gottes Thron aufgestellt werden, leer. Von Engeln ist hier erst nach dem Erwachen des Sehers Daniel die Rede: Sie deuten ihm das Gesicht, ohne dass sie selbst darin eine Rolle spielen. Die Menge ohne Zahl, die vor Gottes Thron versammelt ist (Vers 10), sind keine Engel, sondern die, die im Endgericht bestehen und Gott anbeten.

Ersichtlich wird hieraus das Wesen eines Engels, das ganz offensichtlich nicht für mehrere Aufgabenbereiche bestimmt ist, sondern immer nur für jeweils einen eingeschränkten Raum. Vergleichen lässt sich das z. B. mit dem Oberbegriff „Element“, das in sich in viele verschiedene Arten von Elementen unterteilt werden kann, und keines ist gleichzeitig das Andere. Hieraus ergibt sich das vielumschriebene biblische Reinheitsgebot, welches allein vor Gott bestehen kann.

Der Priester Zacharias, Vater von Johannes dem Täufer, bekommt im Tempel Besuch von einem Engel, so berichtet es Lukas im 1. Kapitel. Anschließend verstummt er.

JHWH, der Gott Israels, erscheint hin und wieder bestimmten Menschen (zum Beispiel Abraham im Hain Mamre und Mose im brennenden Dornenbusch) in Engelsgestalt. Eine besondere Rolle spielt in diesem Zusammenhang der sogenannte „Engel des Bundes“, der Hagar, Abraham, Jakob, Moses, Gideon und Elija erscheint. Daneben gibt es auch die Todesengel und die Racheengel, in denen der Zorn Gottes Gestalt gewinnt. Vor allem aber bilden die Engel den „Hofstaat“ Gottes und seine „Heeresmacht“, mit dem Gott Zebaoth, der „Herr der Heerscharen“, für und manchmal auch gegen Menschen streitet. Eine besondere Bedeutung haben Engel auch als Überbringer von Heils- oder Gerichtsbotschaften Gottes (etwa im Alten Testament bei der Zerstörung Sodoms, oder im Neuen Testament bei der Geburt Jesu und bei Jesu Auferstehung am Ostermorgen).

Weitere Aufgaben der Engel sind nach biblischer Darstellung Schutz- und Hilfsdienste für bestimmte Menschen und Menschengruppen (Psalm 91; Daniel 6,22).

Im alten Testament ist nur vereinzelt von Engeln die Rede.[2]. Nimmt man aber neben der Rede von Boten (malak) noch die Rede von weiteren Gott dienenden Wesen hinzu - Kerubim, Seraphim, Hajjot, Bene haElohim, Qedoshim, Irin, Sarim, Ruhhot, Ofannim, Galgallim, Merkabot etc -, kann man auch für die hebräische Bibel bereits von einer "weiter ausgreifende(n) 'Angelologie'" sprechen.[3] Im frühen, antiken und mittelalterlichen Judentum entwickelt sich eine noch reichere Tradition, die als eine Systematisierung des Volksglaubens erscheint, wie sie parallel auch im griechischen Kulturmilieu zu beobachten ist.[4] Die jüngere Forschung nimmt an, dass dieses Anwachsen auch ohne (v.a. ugaritische) Fremdeinflüsse zu erklären ist.[5] Eine Funktion der Engel ist die Vermittlung der Herrschaft des einen Gottes über die Welt und die Himmelssphären. Ein Heraushebung von sieben Engeln ist bereits früh kenntlich. So gibt sich etwa Tob 5,12 ELB Raphael als einer von sieben Engeln aus. Der äthiopische Henoch (90,21), das Testament des Levi (8) belegen ähnliche Vorstellungen; bei der Heimsuchung Jerusalems Ez 9,2 ELB im Ezechielbuch ist von sechs mit Zerstörungswerkzeugen ausgestatteten Gestalten die Rede. Der griechische Henoch spricht von sieben Erzengeln (20,7), die jeweils einem der sieben Himmel zugeordnet werden, und identifiziert diese als Michael, Gabriel, Sataqiel, Sahaqiel, Badariel, Barakiel und Pazriel. In anderen Texten finden sich variierende Listen. Im Masekhet (Traktat) Hekhalot werden ebenfalls sieben ersterschaffene Engel genannt.[6] Daneben finden sich Sechsergruppen (im Targum Pseudo-Jonathan zu Dtn 34,6 und im äthiopischen Henoch, 20) und Vierergruppen, etwa: Michael, Gabriel, Rafael, Phanuel. Im griechischen Henoch 9,1 und in rabbinischen Texten wird Phanuel ersetzt durch Uriel; in anderen Texten durch Sariel[7] oder Metatron[8] Diese vier Engel schauen Gott von Angesicht und stehen vier Scharen vor, welche Gott lobpreisen.[9] In einem mittelalterlichen hebräischen Text werden auch den sieben Wochentagen sieben Engel zugeordnet.[10]

Im Mittelalter sah Maimonides Engel in einem rationalistischen Weltbild als eine biblische Umschreibung der Naturkräfte, die Gott einsetze, um seinen Willen in der Welt umzusetzen.

Nach jüdischer Tradition wird jedem Engel eine bestimmte Botschaft zugeordnet.

Der Talmud kennt noch Samael, Sedekiel (verhindert die Opferung Isaaks), Anael (Barakiel) und Sabbataios (Schepteel). Damit ergibt sich mit Gabriel, Michael und Raphael eine Siebenereinheit wie bei Zarathustra, die sich leicht mit den Gestirnen identifizieren lassen.

Christentum

Erst im 4. Jahrhundert nach Christus wurde das Christentum zur Staatsreligion. In den ersten drei Jahrhunderten nach Christus sind von den Römern noch viele Mosaike mit schönen Engelgestalten als Fußböden entstanden, die heute beispielsweise in Tunesien zu bewundern sind. Fast nahtlos gehen Engel dann in die Ausschmückungen der frühen byzantinischen Kirchen über (z. B. Ravenna).

Viele Engellehren finden sich außerhalb der kanonischen Bibelschriften. Ein typischer Vertreter dieser im strengen Sinne nichtbiblischen Schriften sind die Chroniken des Henoch, die vermutlich im 3. Jahrhundert vor Christus entstanden sind, sich jedoch aus älteren Quellen speisen. In diesen Chroniken wird ausführlich über Engel, ihre Namen, ihre Aufgaben und ihre charakteristischen Eigenschaften berichtet. Henoch beschreibt in seinen Chroniken seine Reise in die zehn Himmel, wo er das Wirken der Engel sah und dokumentierte. Die Chroniken von Henoch wurden vom Kirchenvater Hieronymus im 4. Jahrhundert nach Christus zu Apokryphen erklärt und ihnen damit der Rang einer Heiligen Schrift aberkannt. Neueste Studien haben ergeben, dass viele Inhalte der Henoch-Texte sich im Neuen Testament wiederfinden.

Engelverehrung in der Bibel

Anbetung kommt nach Aussagen der Bibel den Engeln jedoch nicht zu (Kolosser 2,18; Offenbarung 19,10; 22,9), sondern es wird gelehrt, dass die Heiligen (alle Gläubigen) die Engel richten werden (1 Kor 6:3). Jesus lehrt, dass in der Auferstehung die Menschen bezüglich Heirat und Unsterblichkeit wie die Engel sein werden (z. B. Lukas 20:35-36). Paulus lehrt ausdrücklich den Übergang des irdischen in den unsterblichen Leib (1Kor 15:51). Während Sacharja 5,9 dahingehend interpretiert werden könnte, dass es auch weibliche Engel gibt, könnte 1. Kor 11,10 den Schluss zulassen, dass die männlichen Engel auch anfällig für die weiblichen Reize der irdischen Frauen im Gottesdienst seien. Woraus sich allerdings resultieren liesse, dass Engel emotional zu Reaktionen fähig sind, was dem Grunddenken über den absolut reinen Engel gewisse Rätsel aufgibt.

Engelverehrung im Christentum früher und heute

Zu allen Zeiten des Christentums hatte der Engelglaube eine zentrale Bedeutung. Papst Benedikt XVI. sagte: „Die Engel sollten mindestens genauso verehrt werden wie Maria, denn ohne sie wäre vieles in der Bibel nicht möglich gewesen.“ Er nannte zwei Beispiele: „Die Flucht nach Ägypten, als der Engel Josef im Traum erschien und die Verkündigung der Engel, dass Jesus auferstanden sei, dies geschah am Ostermorgen.“ Allerdings spielen hier wie so oft auch konfessionelle Unterschiede eine Rolle. Während die Verehrung von Engeln im Katholizismus und der christlichen Orthodoxie immer positiv beurteilt wurde, standen die reformierten Kirchen dieser Form der Religiosität eher skeptisch bis ablehnend gegenüber. Anders die lutherischen Kirchen. Der Gedenktag des Erzengels Michael und aller Engel, gefeiert am 29. September, wird zumindest in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) gottesdienstlich begangen. So finden sich in ihrem Evangelisch-Lutherischen Kirchengesangbuch (ELKG) Engellieder, wie

  • Herr, Gott, dich loben alle wir (lat. „Dicimus grates tibi“ des lutherischen Theologen Philipp Melanchthon (1539) deutsch von Paul Eber 1561) (ELKG 115)
  • Heut singt die liebe Christenheit (Nikolaus Hermann 1560) (ELKG 116)
  • Gott, aller Schöpfung heilger Herr (Ernst Hofmann 1971) (ELKG 447)

Ebenso findet sich in der Evangelisch-Lutherischen Kirchenagende eine gesonderte Präfation zum Tag des Erzengels Michael und aller Engel.

Historische Ordnungsschemata

Die Bibel erwähnt verschiedene Arten von Engeln, ohne sie in eine klar gegliederte Engelshierarchie einzuordnen: Seraphim, Cherubim, Erzengel, Thronoi, Herrschaften, Fürstentümer und Gewalten (siehe unter anderem: 1. Samuel 4,4; Jesaja 6,2; Epheserbrief 1,21; Kolosserbrief 1,16).

Die frühchristliche und mittelalterliche Theologie entwickelt verschiedene Engelshierarchien, unter anderem die nachfolgend aufgeführten. Dieser Form der Hierarchienlehre wurden im Lauf der Zeit immer wieder einzelne Elemente zugefügt. Beherrscht werden die Hierarchien in den verschiedenen Religionen vom jeweiligen Schöpfergott, so im Islam von Allah und im Christentum von der Trinität (Dreifaltigkeit).

  • Clemens von Rom (Apost. Const.) (1. Jh.): 1. Seraphim, 2. Cherubim, 3. Aeonen, 4. Heerscharen, 5. Gewalten, 6. Herrschaften, 7. Fürsten, 8. Throne, 9. Erzengel, 10. Engel, 11. Herrschaften
  • Ambrosius (Apologie des Propheten David) (4. Jh.): 1. Seraphim, 2. Cherubim, 3. Herrschaften, 4. Throne, 5. Fürsten, 6. Gewalten, 7. Tugenden, 8. Engel, 9. Erzengel
  • Hieronymus (Kirchenvater) (4. Jh.): 1. Seraphim, 2. Cherubim, 3. Gewalten, 4. Herrschaften, 5. Throne, 6. Erzengel, 7. Engel
  • Pseudo-Dionysius (De Coelesti Hierarchia) (n. 500) führt eine Gliederung nach drei Sphären ein:
    • 1. Sphäre: 1. Seraphim, 2. Cherubim, 3. Throne (Thronoi)
      • Seraphim sind vier- bzw. sechsflügelige Symbole des Lichts, der Glut des göttlichen Feuers (Ez. 1,5 f; Jes 6,1 ff) und stehen Gott am nächsten.
      • Cherubim sind Verbreiter der Erkenntnis, Ergießer der Weisheit, Beschützer des Gartens Eden (Gen 3,24), werden beim Bau der Stiftshütte (Ex 25,18 ff) sowie beim Bau des Tempels Salomo (1Kön 6,23 ff) u.a. erwähnt.
      • Thronoi (griechisch in etwa: „erhabene Gestalten“) sind die unterste Stufe der 1. Triade und bezeichnen das Erhabene. Die Septuaginta gebraucht den Begriff auch für die Seraphim, Paulus spricht im Kolosserbrief von Thronen (Kol 1,16).
    • 2. Sphäre: 4. Herrschaften (Kyriotetes), 5. Mächte (Dynameis), 6. Gewalten (Elohim)
      • Herrschaften (Dominationes) sind Beherrscher der Engel. Die Herrschaften haben die Aufgabe, die Pflichten unterer Engel zu bestimmen und unterstehen Gott oder den höheren Engeln. (Kol 1,16; Eph 1,21)
      • Mächte (Virtutes) vollziehen unerschütterlich den Willen Gottes (Kol 1,16; Eph 1,21). Die Mächte sind die Überbringer des Gewissens und Bewahrer der Geschichte.
      • Gewalten (Potestates) verkörpern die unzerstörbare Harmonie (Kol 1,16; Eph 1,21)
    • 3. Sphäre: 7. Fürsten / Tugendkräfte (Archai), 8. Erzengel (Archangeloi), 9. Engel (Angeloi).
      • Fürsten (Principatus) verkörpern den himmlischen Führungscharakter.
      • Erzengel (göttliche Kohorte) fungieren vor allem als Verkünder göttlicher Offenbarung. Neben Gabriel, Michael und Raphael taucht Uriel nur in der Moses-Apokalypse auf. Jakob kämpft mit Penuël (Gottesgesicht) in Gen 32,31.
      • Engel stehen auf der untersten Kategorie und stehen den Menschen am nächsten. Sie haben unterschiedliche Bezeichnungen wie „Schar“ (Ijob 19,12 und Ps 103,21), „Erscheinung“ (Dan 10,7) oder „Geist“ (Offb 1,4). Die Engel der 9. Ordnung sind die am allgemein bekanntesten, da sie oftmals als Boten fungieren oder mit sonstigen menschlichen Angelegenheiten zu tun haben.
  • Gregor der Große (6. Jh.): 1. Seraphim, 2. Cherubim, 3. Throne, 4. Herrschaften, 5. Fürsten, 6. Gewalten, 7. Tugenden, 8. Erzengel, 9. Engel
    • Dionysius' Engelshierarchie wurde unter anderem von Gregor dem Großen adaptiert und leicht abgewandelt. Die Ausdifferenzierungen der Hierarchie, wie sie Gregor vorstellte, war vor allem in der volkssprachlichen Literatur des Mittelalters von großer Bedeutung.
  • Isidor von Sevilla (Etymologiae) (7. Jh.): 1. Seraphim, 2. Cherubim, 3. Gewalten, 4. Fürsten, 5. Tugenden, 6. Herrschaften, 7. Throne, 8. Erzengel, 9. Engel.
  • Johannes Damascenus (De Fide Orthodoxa) (8. Jh.): 1. Seraphim, 2. Cherubim, 3. Throne, 4. Herrschaften, 5. Gewalten, 6. Herrschaften / Tugenden, 7. Fürsten, 8. Erzengel, 9. Engel
  • Thomas von Aquin (Summa Theologica) (13. Jh.):
    • 1. Seraphim, Cherubim, Throne
    • 2. Herrschaften, Tugenden, Gewalten
    • 3. Fürsten, Erzengel, Engel
  • Dante Alighieri (Divina Comedia) (14. Jh.): 1. Seraphim, 2. Cherubim, 3. Throne, 4. Herrschaften, 5. Tugenden, 6. Gewalten, 7. Erzengel, 8. Fürsten, 9. Engel

Luzifer

Hauptartikel: Luzifer

Zur Stützung der Annahme, Satan sei ein gefallener Engel, ein Diener Gottes, der sich von ihm gelöst habe, werden i.d.R. folgende Bibelstellen herangezogen, die von tief gefallenen Königen handeln: Jes. 14 vom König zu Babel, Hes. 28 vom König zu Tyrus. In Lk. 10 und ebenso Offb. 12 fällt der Satan vom Himmel, aber da ist er vorher nicht Engel, sondern schon Satan gewesen, und hatte ein eigenes Kontingent an Engeln unter sich. Das ist aber allegorische Auslegung und diese Texte müssen nicht in dieser Weise ausgelegt werden. Letztlich bleibt es biblisch unklar, woher genau Satan kommt.

An mehreren Stellen (Jes 14,12, Ez 28,14, Offb 12,7ff. und 19,20-20,10) berichtet die Bibel auch von einem „gefallenen“ Engel, der sich über Gott und den von ihm geschaffenen Menschen zu erheben versucht hat und dafür mit Verbannung aus dem Himmel bestraft wurde („Höllensturz“). Später wurde er als Luzifer (Lichtträger) bezeichnet und mit dem Teufel in Verbindung gebracht.

Im Buch Ijob (um 250-200 v. Chr.) erscheint Satan nicht als widergöttliche Macht, sondern als einer von ihnen (Hi. 1, 6) und schließt mit Gott die „satanische Wette“ um Hiobs Treue zu Gott (v. 11f).

Moderne Theologie

Die traditionelle dogmatische Disziplin der Angelologie findet heute meist weniger Beachtung. Im 20. Jh. haben sich zum Thema u.a. Karl Barth, Karl Rahner, Leo Scheffczyk, Ludwig Ott, Herbert Vorgrimler und Thomas Ruster geäußert.

Engel in der christlichen Kunst

Mittelalter

In den mittelalterlichen Darstellungen erscheinen Engel meist als achtungsgebietende männliche Gestalten.

Renaissance

Viele Künstler dieser Epoche entwickeln eigene Engelstypen, die sich signifikant unterscheiden. Im Laufe der Jahrhunderte wandeln sie sich dabei von Männer zu schönen Jünglingen. Engel kommen in dieser Epoche regelmäßig beim Bildmotiv Verkündigung im kirchlich-künstlerischen Kontext vor.

Barock

In dieser Phase werden aus Engeln an vielen Stellen auch „Engelchen“, zierende Putten mit der Anatomie von Kleinkindern.

20. Jahrhundert

In der weit verbreiteten Kunst von Helmuth Uhrig begegnen in über 300 seiner Kunstwerke verschiedenste Engel, durch die für diesen Künstler Gott selbst den Menschen begegnet. Bei Paul Klee spielen Engel ebenfalls eine wichtige Rolle, wobei in seinen Werken dabei eine humoristische Note nicht zu verkennen ist. Walter Benjamin gründete eine Zeitschrift mit dem Namen Angelus novus, deren Titel auf ein Bild Paul Klees zurückging.

Sonstige christliche Religionsgemeinschaften und einzelne Sondermeinungen

Mormonen

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage („Mormonen“) versteht unter "Engel" einen Boten Gottes. Dies kann der Geist eines noch nicht geborenen oder schon verstorbenen aber noch nicht auferstandenen Menschen sein, ein Auferstandener, seltener aber auch ein Mensch während seines sterblichen Lebens.

Joseph Smith behauptete, ihm seien goldene Platten von einem Engel Moroni (außerhalb des mormonischen Glaubens nicht bekannt) übergeben worden, der in seinem Erdenleben ein Prophet gleichen Namens gewesen sei. Die Engel Johannes (der Täufer), Petrus, Jakobus und Johannes (die Apostel) und Elijah hätten das Priestertum wiederhergestellt.

Darüber hinaus werden auch bereits auferstandene Menschen, die zwar des celestialen Reiches würdig sind, jedoch nicht durch die ewige Ehe an einen Partner gebunden sind und somit nicht zu Göttern erhöht werden können, als Engel bezeichnet. Ihre Aufgabe ist es, für alle Ewigkeit Gott, bzw. den Göttern, zu dienen.

Kirche Christi mit der Elias-Botschaft

Die Kirche Christi mit der Elias-Botschaft ist der Meinung, dass der auferstandene Johannes der Täufer von 1927 bis 1994 sowohl Otto Fetting als auch W. A. Draves als Engel erschien und als göttlicher Bote 117 Botschaften überbrachte, die als „Das Wort des Herrn“ herausgegeben werden.

Swedenborg

Emanuel Swedenborg beschreibt in seinem späten Werk Die eheliche Liebe, dass aus der Seele eines Mannes und der Seele einer Frau durch die Ehe im Himmel ein geschlechtsloser Engel erschaffen wird.

Engel im Islam

Die Engel, arabischالملائكةal-Mala'ika (einschließlich der Erzengel) sind nach islamischer Lehre keine verniedlichten Wesen, wie man sie aus europäischen Darstellungen kennt, sondern - ähnlich der biblischen Darstellung - gewaltige und mächtige unsichtbare Licht-Gestalten von teils gigantischen Ausmaßen, die ihre jeweiligen Aufgaben haben.

Die Engel sind im Islam die Boten, die den Propheten die Offenbarungen Allahs übermitteln (Sure 2:98-99). So ist beispielsweise dem Propheten Mohammed der Erzengel Gabriel erschienen und hat ihm den Koran übermittelt.

Der Koran erwähnt in besonderer Form vier Erzengel: Michael (Mikail), der Engel der Gerechtigkeit; Gabriel (Gibril), der als Übermittler der göttlichen Weisheit verehrt wird; Azrael, der der Todesengel ist; und Israfil, der der Engel des Jüngsten Gerichts ist.

In der Geschichte Mohammeds spielen Engel eine große Rolle. So berichtet der Mohammedbiograf Ibn Ishaq, dass in der Kindheit des Propheten zwei Engel erschienen, die die Brust des jungen Propheten öffneten, um daraus einen dunklen Fleck zu entfernen. Dadurch soll der Überlieferung nach alles Böse aus Mohammeds Seele entfernt worden sein.

Zu dem persönlichen Begleiter des Propheten Mohammed gehört der Erzengel Gabriel, der dem Propheten im Lauf dessen Lebens immer wieder erschien. So wird bei der Himmelfahrt des Propheten Mohammeds berichtet, dass in dieser besonderen Nacht der Erzengel Gabriel Mohammed weckte und ihm ein besonderes Pferd, den Buraq, überreichte. Dieses Pferd soll Flügel gehabt haben. Auf diesem Pferd flog Mohammed in Begleitung des Erzengels Gabriel zur Al-Aqsa-Moschee nach Jerusalem. Dort verrichtete der Prophet Mohammed zusammen mit all den Propheten und Gesandten Allahs von Adam bis Jesus das islamische Ritualgebet. Anschließend führte der Erzengel Gabriel den Propheten Mohammed durch die sieben Paradiese bis hin zu Allahs unmittelbarer Gegenwart.

Auch bei der Übermittlung der Suren des Koran erschien dem Propheten regelmäßig ein Engel, in der Regel wiederum der Erzengel Gabriel. Zeugen berichteten, dass parallel zu der Übermittlung der Suren die Erde zitterte, die Pferde sich sträubten und alle Menschen von einem unmittelbaren Glücksgefühl erfasst wurden. Zur damaligen Zeit kamen sogar extra Menschen angereist, um an diesen Wundern teilzuhaben, wenn dem Propheten wieder eine Sure übermittelt wurde.

Auch kriegerisch greifen der islamischen Überlieferung nach die Engel zugunsten der Menschen ein. Im Jahr 624 kam es zu der für die Geschichte des Islam entscheidenden Schlacht von Badr. In dieser Schlacht rückte ein gut ausgerüstetes und von der Mannschaftsstärke vielfach überlegenes mekkanisches Expeditionsheer aus, um vor Medina die Muslime unter der Führung des Propheten Mohammed zu vernichten. In dieser Schlacht sollen unter der Führung des Erzengels Gabriel ebenfalls Engel kriegerisch in den Kampf zugunsten der Muslime eingegriffen haben, weshalb das mekkanische Heer völlig aufgerieben wurde.

In späteren Jahren berichtete der Prophet Mohammed, dass ihm jedes Jahr der Erzengel Gabriel einmal in besonderer Form erschien, um mit ihm gemeinsam den bis dahin offenbarten Koran zu zitieren. Auch Mohammeds Begleiter sollen den Erzengel Gabriel gesehen haben. So berichtet der Mohammed Biograf Ibn Ishaq, dass am Ende seines Lebens Mohammed mit seinen Gefährten im Kreis saß, als ein schöner Mann die Runde betrat. Obwohl dieser Mann nicht die Kleidung eines Reisenden trug, kannte doch keiner der anwesenden Muslime diesen Fremden, der als mit einem strahlend weißen Gewand und strahlend schwarzen Haaren beschrieben wurde. Dieser Mann setzte sich vor anwesenden Zeugen dem Propheten Mohammed gegenüber, um ihm Fragen über den Islam zu stellen. Später berichtete Mohammed, dass dieser Mann der Erzengel Gabriel war.

Der Hadith sagt, dass Allah jeweils am 120. Tage nach der Zeugung einen Engel sendet, der dem ungeborenen Menschen den Odem Gottes einhaucht.

Ein zentrales Element des islamischen Glaubens ist, dass jeder Mensch hinter sich bei der linken und der rechten Schulter einen speziellen Schreiberengel hat, der alle guten, beziehungsweise bösen Taten der Menschen aufschreibt. Während der Engel zur rechten jede gute Tat sofort aufschreibt, wartet der Engel zur linken noch eine gewisse Zeit, um eine schlechte Tat aufzuschreiben. Der Islam lehrt, wenn der Mensch eine Tat vor Gott bereut und zum Ausgleich etwas Gutes tut, wie beispielsweise sich zu entschuldigen, einen Geldbetrag zu spenden, zu beten oder den Koran zu lesen, wird die schlechte Tat nicht aufgeschrieben.

Am Ende des Lebens erscheinen dann die beiden Engel und präsentieren alle guten, beziehungsweise schlechten Taten eines jeden Menschen. Überwiegen die schlechten Taten eines Menschen, so kommen die Menschen in die Hölle. Überwiegen aber die guten Taten, so treten die Gläubigen in das Paradies ein.

Das islamische Ritualgebet, das praktizierende Muslime mindestens fünfmal täglich vollziehen, endet darum auch immer in der knienden Position mit einer Kopfbewegung zur rechten und zur linken Schulter. Dabei grüßen die Gläubigen die beiden Schreiberengel.

Die Sufis, die islamischen Mystiker, lehren, dass die Engel in ununterbrochenen Gottgedenken mit ihrem Schöpfer Allah verbunden sind. Durch spezielle Gesänge (Dhikr) und Tänze gehen so die Sufis in einen engelhaften Zustand über, um Allah näher zu sein, aber auch, um heilerisch zu wirken.

In der Mystik gibt es die Vorstellung, dass sich eine Seele über verschiedene Stufen von Steinen, Pflanzen und Tieren hin zum Menschen entwickelt. Nach dem Tod des menschlichen Körpers kann eine Seele die Stufe des Engels erreichen. Der sufische Mystiker Dschalal ad-Din Rumi beschreibt dies in seinem Gedicht Mathnawi:

Ich starb als Stein und sprosst’ als Pflanze auf
Ich starb als Pflanze und ward Tier darauf
Ich starb als Tier und bin zum Mensch geworden
Was grauet mir, hab’ durch den Tod ich je verloren?
Als Menschen rafft er mich von dieser Erde
Dass ich des Engels Fittich tragen werde
Als Engel noch ist meines bleibens nicht
Denn ewig bleibt nur Gottes Angesicht
Dort trägt mein Flug mich noch weit über Engelshort
Zu unermesslich hohem Ort
Dann ruf’ zu nichts mich, denn in mir klingt’s wie Harfenlieder
Dass zu Ihm wir kehren wieder
Rembrandts Engel (links oben) haben eine ganz eigene Flügelform, hier nähert sich ein Engel dem Abraham

Moderne Auffassungen

Die Engellehre in der Anthroposophie

Eine tiefergreifende Änderung erfuhr die Hierarchienlehre durch die Theosophie, die den jüdischen Schöpfergott JHWH in die 2. Triade stellte und als sogenannte 4. Triade die Reihenfolge Mensch, Tier, Pflanze, Stein angab.

Laut der mittelalterlichen Lehre, an welche die Anthroposophie anknüpft, gibt es neun Hierarchien. Der Mensch soll einmal zur 10. Hierarchie werden, so jedenfalls Rudolf Steiner.

Es ergibt sich folgendes Schema:

Dreifaltigkeit Gott-Vater, Sohn und Heiliger Geist

1. dem Vater zugeordnet:

1.1. Seraphim
1.2. Cherubim
1.3. Throne

2. dem Sohne zugeordnet:

2.1. Kyriotetes (Weltenlenker)
2.2. Dynameis (Weltenkräfte)
2.3. Exusiai (Offenbarer) = hebräisch ELOHIM

3. dem Heiligen Geist zugeordnet:

3.1. Archai (Zeitgeister)
3.2. Archangeloi (Erzengel)
3.3. Angeloi (Engel, auch Schutzengel)

So jedenfalls stellt es Hans-Werner Schroeder in seinem Werk Mensch und Engel auf S. 151 (Fischer-Taschenbuchausgabe), dar.

New Age

Einige moderne spirituelle Bewegungen bezeichnen in ihren Glaubenssystemen auftretende Wesen oftmals auch als Engel, entwickeln allerdings ein von der traditionellen Bedeutung abweichendes Konzept. So wird von Esoterikern (und auch einigen Romanautoren) angegeben: Engel sind Lebewesen, die grundsätzlich von Menschen verschieden sind, da sie aus einem anderen Teil Gottes heraus geschaffen sind. Dadurch sind sie nicht in der Lage zu lügen, haben sich auch nicht so weit von der Liebe Gottes entfernt und stehen deshalb Gott näher als die meisten Menschen. In Demut und Freude vollziehen sie seinen Willen, können aber durch Gebete oder Gedanken um Hilfe gebeten werden.

In der Esoterik spielen Engel grundsätzlich eine sehr gewichtige Rolle, z. B. im Channeling.

Berichte von Kontakten zu Engeln

Auch in der Gegenwart berichten Menschen von Engelsbegegnungen, besonders nach Nahtod-Erfahrungen. Einige erzählen sogar von Dauerkontakten zu bestimmten „Geistwesen“, die sie in allen Lebenslagen beschützen, begleiten und beraten. Von evangelikaler Seite werden solche Berichte eher kritisch betrachtet - insbesondere dann, wenn Erkenntnisse aus Engelskontakten der wortwörtlichen Interpretation der Bibel zu widersprechen scheinen. Es wird dann von dämonischen Mächten gesprochen. Demgegenüber stehen im Allgemeinen römisch-katholische Christen und noch stärker die orthodoxen Christen solchen Berichten eher positiv gegenüber.

Engel in der modernen Kultur

Engel im Film (Auswahl)

Anime:

Literatur

  • Lexikon der christlichen Ikonographie, Bd. 1, 626-642
  • Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. 5, 341-601
  • F. Apel: Himmelssehnsucht, Die Sichtbarkeit der Engel in der romantischen Literatur und Kunst sowie bei Klee, Rilke und Benjamin. Paderborn 1994.
  • J. Badiee: Angels in an Islamic heaven, in: Los Angeles County Museum of Art Bulletin 24 (1978), 50-59.
  • Th. Bogler: Die Engel in der Welt von heute, Liturgie und Mönchtum 21, 1960.
  • J. Brinktrine: Die Lehre von der Schöpfung, Paderborn 1956
  • A. Caiozzo: Images du ciel d'Orient au Moyen Âge, Paris 2003
  • H. Cazelles: Fondements bibliques de la theologie des anges, in: Revue Thomiste 98 (1990), 181-193.
  • Jean Daniélou: Die Sendung der Engel, Salzburg 1963
  • P. A. Eichler: Die Dschinn, Teufel und Engel im Koran, Leipzig 1928
  • W. Eickmann: Angelologie und Dämonologie des Korans, New York / Leipzig 1908.
  • Michael N. Ebertz (Hg.): Engel unter uns. Soziologische und theologische Miniaturen. Würzburg 2008.
  • L. Gardet: Les anges en Islam, in: Studia missionalia 21 (1972), 207-27
  • R. Giorgi: Engel, Dämonen und phantastische Wesen (= Bildlexikon der Kunst), Berlin 2004
  • M. Glasmeier: Angelologische Bibliographie, in: Tumult 6 (1983), 9-15
  • Malcolm Godwin: Engel - Eine bedrohte Art. Droemer Verlag, München 1995 ISBN 3-86150-101-5 Rezension (ZEIT)
  • R. Guénon: Notes sur l'angélologie de l'alphabet arabe, in: Etudes traditionnelles 43 (1938), 324-7
  • Johann Ev. Hafner: Warum im Himmel nicht nur Seelen sind. Die Funktion der Engel als Konkurrenzgruppe, in: Evangelische Theologie 65 (2005), S. 350 - 365.
  • D.D. Hannah: Michael and Christ. Michael Traditions and Angel Christology in Early Christianity, Tübingen 1999
  • H.W. Hegemann: Der Engel in der deutschen Kunst, München 2. A. 1950
  • Torkild Hinrichsen: Alle Engel dieser Erde. Auf den irdischen Spuren eines himmlischen Phänomens, 2. Aufl., Husum 2001 [11]
  • V. Hirth: Gottes Boten im Alten Testament, Berlin 1975
  • F. Jaadane: La place des anges dans la théologie cosmique musulmane, in: Studia Islamica 41 (1975), 23-61
  • K. Jaspers / N. Rother (Hg.): Flügelschlag – Engel im Film, Berlin 2003.
  • L. Jung: Fallen angels in Jewish, Christian and Mohammadan literature, in: Jewish Quarterly Review NS 15 (1924-5), 267-502 und 17 (1925-6), 287-336.
  • David Keck: Angels & angelology in the Middle Ages, New York [u.a.] : Oxford University Press, 1998
  • Karsten Kenklies: Des Engels Erkenntnis: Der Engel im Lichte der Philosophie, in: Zeitschrift für Pädagogik und Theologie, Jg. 54, 2002, S. 270-76.
  • Heinrich Krauss: Die Engel. Überlieferung, Gestalt, Deutung. C.H. Beck, München 2000, ISBN 3-406-44735-X.
  • A. Läpple: Engel und Teufel, Augsburg 1993
  • D.B. MacDonald / W. Madelung: Malāʾika, in: Encyclopaedia of Islam, 2. A., Online für Abonnenten
  • J. Macdonald: The creation of man and angels in the eschatological literature, in: Islamic Studies 3 (1964), 285-308.
  • Michael Mach: Entwicklungsstadien des jüdischen Engelglaubens in vorrabbinischer Zeit, Mohr Siebeck 1992, ISBN 3161459377.
  • Ulrich Mann, Horst Seebaß, Karl Erich Grözinger, Otto Böcher u.a.: Engel I. Religionsgeschichtlich II. Altes Testament III. Judentum IV. Neues Testament V. Kirchengeschichtlich VI. Dogmatisch VII. Praktisch-theologisch. In: Theologische Realenzyklopädie 9 (1982), S. 580-615 (kulturgeschichtlicher und theologischer Überblick mit weiterer Lit.)
  • H. Mendelssohn: Die Engel in der bildenden Kunst, Berlin 1907
  • J. Michl: Engel (jüd.), in: RAC, Bd. 5 (1962), 60-97
  • R. Milstein: Angels in art and architecture, in: Encyclopaedia of Islam, 3. A., Online für Abonnenten
  • B. Neunheuser: Die Engel im Zeugnis der Liturgie: ALW 6/2 (1960), 4-27
  • E. Osterkamp: Lucifer, Berlin 1979
  • Ludwig Ott: Grundriss der Dogmatik, Freiburg im Breisgau 1959
  • Eric Peterson: Das Buch von den Engeln. Stellung und Bedeutung der heiligen Engel im Kultus, München 1955.
  • M. Plathow: Luther und die Angelologie in: Zeitschrift für Dialektische Theologie 12 (1996), 27-50.
  • Karl Rahner: Über Engel, in: Ders.: Schriften zur Theologie. Bd. 13. Zürich : Benziger 1978, S. 381ff
  • Ders.: Art. Engel, in: Sacramentum mundi, Bd. 1, 1038-1046 (und in: Herders Theologisches Taschenlexikon, Bd. 2, 120-125)
  • P.-R. Régamey: Die Welt der Engel, Aschaffenburg 1956
  • J. Ries / H. Limet (Hg.): Anges et Demons, Leuven 1989
  • H. Röttger: Mal'ak jhwh, Bote von Gott, Freiburg 1978
  • A. Rosenberg: Engel und Dämonen. Gestaltwandel eines Urbildes, München 2. A. 1986
  • Thomas Ruster: Von Menschen, Mächten und Gewalten. Eine Himmelslehre, Ostfildern 2. Aufl. 2007.
  • E. Sauser: Heilige und Engel im Kirchenjahr, Regensburg 1979
  • P. Schäfer: Rivalität zwischen Engeln und Menschen, Untersuchungen zur rabbinischen Engelvorstellung, 1975
  • Leo Scheffczyk: Einführung in die Schöpfungslehre, 3. A. 1987
  • W. Schmitz: Säkularisation und Utopie, Die Gestalt des Engels in der Deutschen Literatur der Moderne, in: Kunst und Kirche 54 (1991), 254ff
  • Michel Serres: Die Legende der Engel, Frankfurt am Main 1995
  • Fridolin Stier: Gott und sein Engel im Alten Testament, 1934
  • G. Stuhlfasth: Die Engel in der altchristilichen Kunst, Freiburg 1897
  • K. van der Toorn; B. Becking; Pieter W. van der Horst (Hg.): Dictionary of Deities and Demons in the Bible. Leiden, Boston, Köln, 21999.
  • Herbert Vorgrimler: Wiederkehr der Engel? Kevelaer 1991.
  • A. T. Welch: Allah and other supernational beings: the emergence of the Qur'anic doctrine of Tawḥīd , in: Journal of the American Acadademy of Religion, Thematic Issue 47/4 (1979), 739ff und 749ff
  • Dominic White OP: Are Angels Just a Matter of Faith?, in: New Blackfriars 86, 568 - 583.
  • A. Winklhofer: Die Welt der Engel, Ettal 1958

Weblinks

Quellen

  1. S. z.B. Reinhard Alings: Monument und Nation: Das Bild vom Nationalstaat im Medium Denkmal: Zum Verhältnis von Nation und Staat im deutschen Kaiserreich 1871-1918, Walter de Gruyter 1996, 505. Ulrike Krenzlin / Johann Gottfried Schadow: Die Quadriga, Frankfurt/Main 1991, 45ff.
  2. So das zuvor begründete Resümee von Horst Seebaß, Art. Engel, Altes Testament, in: TRE, Bd. 9, 585-585, hier 585
  3. Karl Erich Grözinger, Art. Engel, Judentum, in: TRE, Bd. 9, 586-596, hier 586. Grözinger verweist dort auf 1 Kön 22; Hiob 1 und 33,23; Jes 6; Ez 1 und 10; Dan 7; Ps 78,49; Ps 104,4
  4. Grözinger, l.c., 586f
  5. Ausgewählte Literaturangaben bei Grözinger, l.c., 585
  6. Vgl. Bet ha-Midrasch, hg. A. Jellinek 1967, II, 46, nachfolgend kurz BHM
  7. So in der Kriegsrolle aus Qumran, 1 QM IX, 15
  8. BHM V, 165f
  9. Belege bei Grözinger, 588
  10. Sepher Mafteah Shelomo, hg. H. Gollancz, 1914, hier XII; wie vorstehende Angaben n. Grözinger, l.c., 588
  11. Populärwissenschaftliche kulturgeschichtliche Beobachtungen eines Kunsthistorikers

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