Al-Sahaf

Muhammad as-Sahhaf (arabischمحمد سعيد الصحاف‎, DMG Muḥammad Saʿīd as-Saḥḥāf, häufig auch al-Sahhaf; * 1940 in Hilla, Irak), auch „Bagdad-Bob“ oder „Comical Ali“ genannt, war unter Saddam Hussein Außenminister und später Informationsminister des Irak. Er wurde während des dritten Golfkrieges bekannt. Grund waren vor allem seine von vielen für abwegig und völlig unglaubwürdig gehaltenen Propagandaaussagen.

Sahhaf trat zunächst in die Fußstapfen seines Vaters, der ein Zigarettenverkäufer aus Hilla war. Allerdings hielt er den Job hinter der Theke nur einen Monat aus. Er studierte schließlich Journalismus, wollte aber eigentlich Englischlehrer werden. Doch er sympathisierte immer mehr mit der revolutionären Baath-Partei, welcher er schließlich auch beitrat. Nach der Revolution von 1968 stieg er zum Chef des Militärrundfunks auf. Zwei Jahre später wurde er Direktor des irakischen Fernsehens. Schon damals, so erinnert sich sein Schwager, legte er eine gewisse Sturheit an den Tag und flog 1972 wieder aus dem Amt, weil er lieber die Endausscheidung eines Ringkampfes übertrug, als eine Militärparade.

Darauf schickte man ihn als Botschafter nach Indien. Im Außenministerium machte er Karriere und wurde von Saddam Hussein schließlich zum Außenminister ernannt. Diesen Posten hielt er bis in die neunziger Jahre inne, bis er durch Tariq Aziz abgelöst wurde. Nun begann die Arbeit, für die er bekannt wurde – er wurde Informationsminister.

Zu Kriegszeiten verkündete er in regelmäßigen Presseerklärungen die angebliche Überlegenheit der irakischen Armee, beschönigte und erfand Kriegserfolge. Gleichzeitig unterschlug er reale Landgewinne und Erfolge der US-Truppen. Durch die überzogene Art, wie er dies tat, entwickelte sich im Laufe des Krieges immer mehr zu einer Art komischen Figur, was auch in der Presse – vor allem in Form von Karikaturen – seinen Niederschlag fand. Seine Darstellungen brachten ihm im Westen schließlich eine eigene Fangemeinde ein, und er bekam Spitznamen wie Comical Ali (nach Chemical Ali) oder seltener in einer Eindeutschung Lügen-Ali. In Amerika wurde er im Scherz auch Bagdad Bob genannt.

Insbesondere seine vor versammelter Öffentlichkeit abgehaltene Presseerklärung, die einrückenden US-Soldaten beendeten angesichts der zahlenmäßigen Überlegenheit irakischer Truppen vor den Toren Bagdads massenhaft ihr Leben durch Suizid, sorgte für allgemeine Erheiterung. Tatsächlich erreichten die US-Truppen zur gleichen Zeit die Außenbezirke Bagdads und das Ende der Regierung Saddam Husseins war nur noch eine Frage von Stunden. Während Sahhaf noch davon sprach, die amerikanischen Truppen endgültig abgewehrt und vernichtend geschlagen zu haben, war bereits Gefechtslärm im Hintergrund zu hören.

Kurze Zeit danach tauchte er unter. Am 24. Juni 2003 stellte er sich den US-Truppen. Er wurde verhört, allerdings bald wieder freigelassen, da er nicht auf der Liste der meistgesuchten Kriegsverbrecher stand.

Im Jahr 2005 war as-Sahhaf bei „Abu Dhabi TV“ wieder auf Sendung. Er lebt nun mit seiner Familie in den Vereinigten Arabischen Emiraten und schreibt im Moment an seinen Memoiren.

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