Alabama-Depot

Das Alabama-Depot war von 1917 bis 1974 ein militärisches Lager im Münchner Stadtteil Am Hart. Es wurde in den 1980er Jahren unter dem Namen Alabama-Halle als Veranstaltungsort deutschlandweit bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Das Alabama-Depot lag zwischen den heutigen Straßen Schleißheimer Straße (östlich) und Knorrstraße (westlich) sowie dem Eisenbahn-Nordring (nördlich) und der Rathenaustraße (südlich). Zu seiner Gründung gehörte es zur kurz zuvor nach München eingemeindeten Gemarkung Milbertshofen.

Vorgeschichte

Am 3. Juni 1906 wurde am nördlichen Münchner Stadtrand ein Rad- und Motorradstadion mit angrenzenden Sportplätzen eröffnet. Im Stadion fanden 38.000 Zuschauer Platz; es war damit weltweit eines der größten Radstadien seiner Zeit. Gebaut wurde die Anlage unter Förderung des Milbertshofener Industriellen Ludwig Petuel jun. Er wollte damit auch eigennützig für sein Fahrradwerk werben. Der damals überaus beliebte Münchner Radrennfahrer Thaddäus Robl erlebte hier seine letzten Erfolge. Nachdem die Rennbahn jedoch schon bald nicht mehr finanziert werden konnte, wurde sie 1914 wieder geschlossen.

Militärische Nutzung

Das Areal hatte bis zur Eingemeindung 1913 zur Stadt Milbertshofen gehört und ging 1917 ins Eigentum der Stadt München über, die es der bayerischen Armee überließ. Dort entstand das Heereszeugamt, dessen Haupthalle dreischiffig angelegt war. Das mittige Hauptschiff wies einen charakteristischen A-förmigen Giebel auf. Westlich davon befand sich bereits seit 1838 ein Munitionslager, der so genannte Pulverturm. Vorteilhaft für den Betrieb der logistischen Einrichtungen war die Nähe der Militärbahn, des heutigen Nordrings; so erhielten beide Einrichtungen umfangreiche Bahnanschlüsse. Im Zweiten Weltkrieg wurde im Norden des Geländes das Heeresverpflegungsamt untergebracht.

Nach dem Krieg übernahm die US-amerikanische Armee die militärischen Einrichtungen in München und benannte sie nach US-Bundesstaaten. Aus dem Heereszeugamt wurde die Alabama Storage Area (Alabama-Depot), die dem Munich Quartermaster Depot (Versorgungslager München) unterstellt war. Den nördlichen Teil des Geländes erhielt bereits 1963 die Bundeswehr, die dort die Kronprinz-Rupprecht-Kaserne einrichtete und ein Panzergrenadierbataillon unterbrachte.

Zivile Nachnutzung als Alabama-Halle

1974 verließ die US-amerikanische Armee auch den Rest des Geländes. Die dortigen Hallen dienten danach als Lager- und Verkaufsfläche für Kleingewerbe aller Art, als Musikstudios, Kleinkunsttheater und Ateliers. 1978 erwarb BMW eine Kaufoption auf das Gelände, um dort mittelfristig sein Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) zu errichten. Ab 1979 betrieben das Kulturreferat der Stadt und BMW gemeinsam den Verein Spielmotor München e.V. als Träger des Festivals der Freien Theater (heute: Theaterfestival Spielart)[1] und suchten eine neue Aufführungsstätte, weil die bisherigen Zelte zu wetterabhängig waren und Ausfälle zu großen Defiziten beitrugen. 1981 eröffnete die Alabama-Halle als Konzert- und Theaterhalle unter der Leitung des Vereins Spielmotor. Die Umnutzung einer Industriehalle ohne aufwändige Umbauten als Schauplatz von Jugendkultur und freier Kulturszene war bundesweit neu und legte den Grundstein für die Hallenkultur der 1980er und 1990er Jahre.[2]

Nachdem das Bayerische Fernsehen bereits einige Konzerte bekannter deutscher und internationaler Pop- und Rock-Musiker aus der Alabama-Halle unter dem Namen Rock aus dem Alabama und Münchner Rocktage übertragen hatte, produzierte es hier ab dem 2. Januar 1984 wöchentlich die Jugendsendung Live aus dem Alabama, die deutschlandweit bekannt wurde.

Mitte 1986 erklärte BMW, dass es das Gelände bebauen möchte und kündigte die Schließung der Halle an. Ende 1987 endeten die Konzerte, im April 1988 fand die letzte Veranstaltung in der Alabama-Halle statt. In den folgenden Jahren wurden die meisten Gebäudeteile abgerissen, der Rest verkam. BMW begann, im Süden des Geländes Gebäude für seine Entwicklungsabteilung zu errichten. Der Abriss der letzten Hallen wurde von der Stadt München zu einer Großübung des Katastrophenschutzes genutzt: Unter dem Szenario eines Flugzeugabsturzes wurden am 14. November 1991 mehrere Hallen in Brand gesetzt, um dort unter realistischen Bedingungen Rettungs- und Löscheinsätze zu üben.

Das ehemalige Alabama-Gelände wird inzwischen fast vollständig von BMW genutzt. Im Kern des Areals befindet sich in mehreren Großgebäuden das Forschungs- und Entwicklungszentrum des Automobilherstellers. Auch das Gelände der 1992 geschlossenen Kronprinz-Rupprecht-Kaserne soll in den nächsten Jahren von BMW bebaut werden; außerdem soll dort ein Gymnasium entstehen. Im Südosten des Gebiets befindet sich der Sitz des Bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz.

Weblinks

Literatur

  • Beate Freytag, Alexander Franc Storz: Milbertshofen - Die Geschichte des Stadtteils von der Schwaige zur Vorstadt Münchens. Buchendorfer Verlag München, München 2004, ISBN 3-934036-80-5.

Einzelnachweise

  1. Spielart – Das Theaterfestival: Träger
  2. Die Hummel brummt. In: Der Spiegel. Nr. 17, 1988, S. 262–263 (online).
48.19511.568

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