Alan Atkins
Judas Priest
Judas Priest; Sweden Rock Festival 2008
Judas Priest; Sweden Rock Festival 2008
Gründung 1969
Genre Heavy Metal
Website http://www.judaspriest.com
Gründungsmitglieder
Gesang Alan Atkins (bis 1973)
E-Gitarre K. K. Downing
E-Bass Ian Hill
Schlagzeug John Ellis (bis 1971)
Aktuelle Besetzung
Gesang Rob Halford (1973–1992, seit 2004)
E-Gitarre Glenn Tipton (seit 1974)
E-Gitarre K. K. Downing
E-Bass Ian Hill
Schlagzeug Scott Travis (seit 1990)
Ehemalige Mitglieder
Schlagzeug Alan Moore (1971, 1975–1976, 1977)
Schlagzeug Chris Campell (1971–1973)
Schlagzeug John Hinch (1973–1974)
Schlagzeug Simon Phillips (1977)
Schlagzeug Les Binks (1978–1979)
Schlagzeug Dave Holland (1980–1989)
Gesang Tim Owens (1997–2003)

Judas Priest ist eine britische Heavy-Metal-Band aus Birmingham, die seit den 1970er Jahren als eine der einflussreichsten Bands ihres Genres gilt. Ihre Leder- und Nietenkluft setzte Akzente und Lieder wie Breaking The Law, United oder Living After Midnight bescherten der Band über die Metal-Szene hinaus kommerzielle Erfolge.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Gründung (1969–1976)

Judas Priest war ursprünglich eine 1969 gegründete Blues-Band, die jedoch nach einigen Jahren wieder auseinanderfiel. Der Name entstammt Bob Dylans Lied The Ballad of Frankie Lee and Judas Priest vom Album John Wesley Harding. Sänger dieser Band war Alan Atkins; der spätere Gitarrist, Kenneth „K. K.“ Downing aus West Bromwich bei Birmingham, hatte zwar bei der Band vorgespielt, war aber nicht angenommen worden. Nach der Auflösung der ersten Band stieg Atkins in Downings Gruppe Freight ein, zu der auch der Bassist Ian Hill gehörte. Da Downing bereits zuvor in der Band von Atkins spielen wollte, änderte die Gruppe ihren Namen zum bereits zuvor verwendeten Judas Priest.

Diese Besetzung mit dem Schlagzeuger John Ellis tourte bis 1973 ohne Album durch Großbritannien, bis Atkins wieder ausstieg. Lediglich zwei Songs nahm die Band in dieser Formation auf, "Good Time Woman" und "We'll stay together".[1] Sue Halford, die Freundin von Ian Hill, brachte nach Atkins' Ausstieg 1973 ihren Bruder Rob Halford als Sänger zur Band, 1974 stieß Glenn Tipton als Gitarrist zu Judas Priest. Diese Besetzung mit den Gitarristen K. K. Downing und Glenn Tipton, dem Bassist Ian Hill und dem Sänger Rob Halford hat das Bild von Judas Priest maßgeblich geprägt.

Das erste Album Rocka Rolla erschien 1974 auf Gull Records und enthielt teilweise noch Lieder, die in Zusammenarbeit mit Atkins entstanden waren. Judas Priest spielte zu dieser Zeit Blues und Rock. Zwei Jahre später erschien das Album Sad Wings Of Destiny, welches mit Songs wie The Ripper bereits deutlich Stilelemente des Metal aufzeigte. Danach unterschrieb die Band einen Plattenvertrag mit CBS/Columbia, nachdem sich Gull Records nicht kooperativ zeigte.

Hinwendung zum Heavy Metal (1977–1980)

1977 wurde Sin After Sin veröffentlicht. Mit diesem Album wendete sich Judas Priest gänzlich dem Heavy Metal zu. Im gleichen Jahr spielte die Band eine erste Tour durch Amerika im Vorprogramm von Led Zeppelin. Nach dem großen Erfolg der Tour erschienen die Alben Stained Class und Killing Machine (in Amerika unter dem Namen Hell Bent For Leather). 1978 spielte Judas Priest eine erfolgreiche Welttournee; vor allem in Japan fand Judas Priest großen Anklang. 1979 wurde das in Japan aufgenommene Live-Album Unleashed in the East, produziert von Tom Allom, veröffentlicht. 1979 tourte Judas Priest als Vorgruppe von AC/DC, u. a. auch in Deutschland mit mehreren Auftritten.

Höhepunkt (1980–1992)

Judas Priest 2005/v.l.n.r.: Rob Halford, K.K. Downing, Glenn Tipton, Ian Hill und Scott Travis (nicht ganz auf dem Bild)

Das Album British Steel löste 1980 die Bewegung New Wave of British Heavy Metal mit aus. Mit Breaking the Law, Living after Midnight und United enthält das Album einige der bekanntesten Songs von Judas Priest. Erstmals nahm die Band Musikvideos auf. Außerdem erhielten sie eine Goldene Schallplatte für dieses Album. Ein Jahr später erschien das Album Point Of Entry. Das Album Screaming for Vengeance von 1982 markierte wiederum einen Höhepunkt für Judas Priest und erhielt Platin in Amerika, Europa und Japan. Im Dezember 1983 traten Judas Priest zusammen mit Iron Maiden, den Scorpions, Ozzy Osbourne und anderen Vertretern des Hard Rock und Heavy Metal beim Festival „Rockpop In Concert – The Heavy Metal“ in der Dortmunder Westfalenhalle auf. Das Zweite Deutsche Fernsehen zeichnete die Konzerte auf und sendete im Februar 1984 in einer mehrstündigen Sendung Ausschnitte. Defenders Of The Faith erschien 1984. Unter anderem spielten Judas Priest 1985 auch im Rahmen des Live-Aid-Benefizkonzerts.

1986 beschritt die Band musikalisch neue Wege mit Turbo, wo erstmals Gitarrensynthesizer verwendet wurden. Es löste aufgrund einer behaupteten „kommerziellen Ausrichtung“ Enttäuschung bei vielen alten Fans aus, war aber dennoch erfolgreich. 1987 erschien das zweite Live-Album priest...live!, zu dem es auch eine DVD gibt.

Im Jahr 1988 erschien das Album Ram It Down, mit dem Judas Priest zum Stil der erfolgreichen Alben vom Anfang der 80er Jahre zurückkehrte.

1990 erschien Painkiller, auf dem der neue Schlagzeuger Scott Travis mit härterem Sound und Doublebass eine deutliche Veränderung bewirkte. Das erste Konzert in der neuen Besetzung spielten Judas Priest als „Special Guest“ beim Foundation Forum in den USA.

Trennung und Wiedervereinigung (ab 1992)

Nach Abschluss der Painkiller-Tour 1991 kündigte Sänger Rob Halford seinen Austritt aus der Band an. 1993 erschien das von der Band zusammengestellte Best-Of-Doppelalbum Metal Works, das die erfolgreichsten und besten Songs von Judas Priest zwischen 1977 und 1990 enthielt.

Judas Priest Retribution 2005

Erst 1997 wurde mit Tim Owens versucht, die Band wiederzubeleben. Die Alben Jugulator und Demolition sowie das Livealbum Live Meltdown 98 waren kommerziell recht erfolgreich, überzeugten jedoch viele alte Fans nicht. Um eine Wiedervereinigung der Band mit Rob Halford, der mit seinen Soloprojekten wenig Erfolg hatte, zu ermöglichen, verließ Tim Owens die Band 2003 und wechselte zu Iced Earth, gründete 2005 aber seine eigene Band Beyond Fear. 2004 spielte die wiedervereinigte Band auf dem Ozzfest.

Am 28. Februar 2005 wurde das neue Studioalbum Angel of Retribution veröffentlicht. Eine Live-DVD, die Material der Angel of Retribution Tour enthält, folgte Anfang 2006 unter dem Titel Rising in the East, in Anlehnung an ihr erstes Livealbum, das auch in Japan aufgenommen wurde.

Anfang des Jahres 2007 zog sich die Band zur Aufnahme eines „epischen Musicals“, das sich mit dem Leben von Nostradamus beschäftigt, ins Studio zurück. Im April 2008 erschien die erste Single dieses Albums, Nostradamus, im Mai die zweite Single, Visions, die beide auf der Homepage von Judas Priest zu finden sind.

Das Album Nostradamus erschien als Doppel-CD am 16.Juni in Europa und am 17. Juni in Amerika. Die damit verbundene Welttournee beinhaltet Songs, die Priest schon seit 20 Jahren nicht mehr gespielt hat. Auf der US-Tour spielen Priest mit Heaven and Hell und Motörhead zusammen. Im Frühjahr 2009 folgen weitere Konzerte unter dem Motto „Priest feast“ in Deutschland, Support erhalten sie von Megadeth und Testament.

Rezeption

Der große Einfluss Judas Priests auf die Metalszene zeigt sich unter anderem durch eine große Anzahl von Bands, die sich nach Songnamen ihrer Vorbilder benannten, darunter Exciter, Running Wild, Sinner und Steeler.

James Vance und Raymond Belknap

1985 planten zwei US-amerikanische Jugendliche, James Vance (damals 20) und Raymond Belknap (19), gemeinsam mit einem Gewehr Selbstmord zu begehen. Am 23. Dezember 1985 trafen sie sich auf einem Spielplatz in Reno (Nevada) und setzten sich unter Drogen. Belknap hielt sich als erstes das Gewehr unter das Kinn und erschoss sich. Vance wollte ihm folgen, überlebte aber mit einem von da an grausam entstellten Gesicht. Seine Eltern klagten daraufhin gegen Judas Priest. Ihre Argumentation: Ihr Sohn sei ein zufriedener Junge in einer glücklichen Familie gewesen. Nur die satanische Musik von Judas Priest könne die Jungs zu einer solchen Tat getrieben haben.

1990 kam es zum Verfahren gegen Judas Priest. Im Gerichtssaal in Nevada (wo die gesamte Band auf der Anklagebank saß) wurde daraufhin die Musik von Judas Priest auf versteckte Botschaften untersucht. Es wurden kurze Ausschnitte des Songs Better by you, better than me vorgespielt, in denen die Aufforderung „do it“ („tu es“) im unterschwelligen Bereich versteckt sei. Die Ankläger sahen darin einen versteckten Aufruf zum Selbstmord. Die Verteidigung argumentierte, dass die „do it“-Phrasen zufällig entstanden und zudem keine konkrete Aufforderung seien. Sänger Rob Halford kommentierte den Vorwurf, mit unterschwelligen Botschaften zu arbeiten, damit, es wäre kontraproduktiv, seine Fans zum Selbstmord aufzurufen; er würde es dagegen bevorzugen, die Fans zu mehr Plattenkäufen aufzufordern. Der Richter entschied, dass die „Botschaften“ zufällig waren, die Band wurde freigesprochen. James Vance starb bereits 1988 an einer Überdosis Medikamente.

1991 wurde über diesen Fall die Dokumentation Dream Deceivers: The Story Behind James Vance Vs. Judas Priest gedreht.

Dave Holland

2004 wurde der ehemalige Schlagzeuger Dave Holland des sexuellen Missbrauchs angeklagt, nachdem er einen Schüler bedrängte, der bei ihm Schlagzeugunterricht genommen hatte. Während des Verfahrens outete er sich als bisexuell. Er wurde zu 8 Jahren Gefängnis verurteilt. Auf der offiziellen Judas-Priest-Website versicherte die Band, nach dem Austritt Dave Hollands keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt zu haben:

„We are as shocked and stunned as everyone else by this news – however, we would like to point out that Scott Travis is Judas Priest's drummer and has been since 1989. We have not see or heard from or had any contact with Dave Holland at all since we parted company with him over 15 years ago.“

Judas Priest, 23. Januar 2004

Diskografie

Studioalben

  • 1974: Rocka Rolla
  • 1976: Sad Wings of Destiny
  • 1977: Sin After Sin
  • 1978: Stained Class
  • 1978: Killing Machine (US-Version: Hell bent for leather)
  • 1980: British Steel
  • 1981: Point of Entry
  • 1982: Screaming for Vengeance
  • 1984: Defenders of the Faith
  • 1986: Turbo
  • 1988: Ram It Down
  • 1990: Painkiller
  • 1997: Jugulator
  • 2001: Demolition
  • 2005: Angel of Retribution
  • 2008: Nostradamus (Doppel-CD)

Livealben

  • 1979: Unleashed in the East (Japan-Release: Priest in the East)
  • 1987: Priest...Live!
  • 1998: '98 Live Meltdown
  • 2003: Live in London

Kompilationen und Raritäten

  • 1978: Best of Judas Priest
  • 1981: Hero, Hero
  • 1989: The Collection
  • 1993: Metal Works `73 - `93
  • 1995: Metal Gods - Best
  • 1997: Living After Midnight
  • 1998: Priest, Live & Rare
  • 1999: Simply the Best
  • 2001: Breaking the Law (Neuauflage von Simply the Best)
  • 2004: Metalogy Box
  • 2006: The Essential

Videos & DVDs

  • 1983: Judas Priest Live (VHS)
  • 1986: Fuel for Life (VHS)
  • 1987: Priest... Live (VHS)
  • 1991: Painkiller (VHS)
  • 1993: Metal Works 73-93 (VHS)
  • 2001: British Steel (DVD)
  • 2001: Live in London (DVD)
  • 2003: Electric Eye (einschließlich des "Priest... Live" Videos) (DVD)
  • 2005: Rising in the East (DVD)
  • 2006: Live Vengeance '82 (DVD aus der Metalogy Box) (DVD)

Singles & EPs

  • 1974: Rocka Rolla
  • 1976: Deceiver
  • 1976: The Ripper
  • 1977: Dissident Aggressor (Japan)
  • 1977: Diamonds and Rust (Spanien)
  • 1978: Exciter
  • 1978: The Green Manalishi (With The Two Pronged Crown)
  • 1978: Hell Bent for Leather
  • 1978: Better By You Better Than Me
  • 1978: Evening Star
  • 1978: Before the Dawn
  • 1979: Take on the World
  • 1979: Diamonds and Rust (Live)
  • 1979: Rock Forever
  • 1980: United
  • 1980: Living After Midnight
  • 1980: Breaking the Law
  • 1981: Heading Out to the Highway
  • 1981: Don't Go
  • 1981: Hot Rockin'
  • 1982: You've Got Another Thing Comin'
  • 1982: (Take These) Chains
  • 1983: Tyrant
  • 1983: Sinner
  • 1984: Some Heads Are Gonna Roll
  • 1984: Freewheel Burning
  • 1984: Love Bites
  • 1986: Turbo Lover
  • 1986: Locked In
  • 1986: Parental Guidance
  • 1988: Ram It Down
  • 1988: Johnny B. Goode
  • 1990: Painkiller
  • 1991: Night Crawler
  • 1991: A Touch of Evil
  • 1997: Bullet Train
  • 2001: Machine Man
  • 2005: Revolution
  • 2008: Nostradamus
  • 2008: Visions

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Tim Eckhorst: Metall macht Musik, TheNextArt Verlag, 2008, ISBN 9783939400189, S. 43.


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