Alaria alata
Alaria alata
Systematik
Klasse: Saugwürmer (Trematoden)
Unterklasse: Digenea
Ordnung: Strigeatida
Familie: Diplostomatidae
Gattung: Alaria
Art: Alaria alata
Wissenschaftlicher Name
Alaria alata
Goeze, 1782

Alaria alata ist ein parasitisch lebender Saugwurm. Endwirte sind vor allem Hundeartige, seltener auch Katzen, bei denen er im Dünndarm parasitiert. Seine Ruheform, die Metazerkarie, wird auch als Dunker-Muskelegel bezeichnet. Als Transportwirte für diese Larve dienen viele landlebende Wirbeltiere einschließlich des Menschen, wobei auch eine Übertragung zwischen Transportwirten erfolgen kann (paratenischer Wirtswechsel). Der Befall mit dem Dunker-Muskelegel ist damit als Zoonose einzustufen. Die Metazerkarien besiedeln das Muskelgewebe und angrenzende Fett- und Bindegewebe des Zwischenwirts.

Inhaltsverzeichnis

Morphologie

Adulte Alaria alata sind etwa 3–6 mm lang und 1–2 mm breit. Der Körper ist deutlich in zwei Abschnitte gegliedert. Das Vorderende ist blattartig verbreitert (Name: alata „die geflügelte“) und trägt drüsenhaltige ohrenförmige Anhänge. Der hintere Körperabschnitt ist deutlich abgesetzt und zylindrisch. Die Saugnäpfe sind relativ klein, wobei der Bauchsaugnapf kleiner als der Mundsaugnapf ist.

Die gelappten Hoden der männlichen Individuen liegen hintereinander im hinteren Körperabschnitt. Vor ihnen liegt der Keimstock, der sich im Übergangsbereich beider Körperabschnitte befindet. Der paarige Dotterstock der weiblichen Egel liegt im vorderen Körperbereich.

Die Metazerkarien (Dunker-Muskelegel) sind rundliche, dünnwandige, nahezu durchsichtige Bläschen (Zysten) von 0,4–0,7 mm Länge und 0,2 mm Breite mit einer feinen rasterförmigen Zeichnung. In ihnen kann man mit einer Lupe die weißliche Larve erkennen.

Entwicklungszyklus

Die Adulten parasitieren im Dünndarm von Hundeartigen. Dort erfolgt die Eiablage. Die etwa 100 µm großen grünlich-grauen Eier werden über den Kot des Endwirts ausgeschieden.

Aus den Eier schlüpfen im Wasser die Mirazidien und werden vom ersten Zwischenwirt, Schnecken der Gattung Planorbis) aufgenommen. In ihnen erfolgt die Entwicklung von der Sporozyste zur Zerkarie.

Die Zerkarien (Fukozerkarien) schlüpfen aus den Schnecken und bewegen sich, mit einem Gabelschwanz schwimmend im Wasser. Von hier gelangen sie in den zweiten Zwischenwirt, Kaulquappen und Frösche. In diesen erfolgt die Entwicklung zur Mesozerkarie.

Die Mesozerkarien werden mit dem Frosch von Hunden aufgenommen. Sie vollziehen eine Körperpassage über den Darm in die Lunge, wo sich die Metazerkarien bilden. Diese werden anschließend wieder abgeschluckt und gelangen so erneut in den Dünndarm und entwickeln sich zu den adulten Saugwürmern.

Neben Hunden kann die Metazerkarie auch Transportwirte befallen, die Frösche verzehren. Dies können alle fleischfressenden Landwirbeltiere (Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere einschließlich des Menschen) sein. Auch eine Verbreitung der Metazerkarien zwischen Transportwirten ist möglich. In den Transportwirten befällt der Dunker-Muskelegel die Skelettmuskulatur und vor allem das angrenzende Fettgewebe und intermuskuläre Bindegewebe. Hier findet keine weitere Entwicklung statt („Ruheform“), befallenes Gewebe kann aber als Infektionsquelle für Hunde dienen, womit sich der Entwicklungszyklus wieder schließt.

Gesundheitliche Bedeutung

Der Befall des Endwirtes ruft bei diesem keine klinische Erkrankung hervor und gilt als harmlos.

Gesundheitspolitische Bedeutung hat der Befall mit der Metazerkarie (Dunker-Muskelegel) bei Transportwirten. Während der Befall bei Haustieren (vor allem Hausschweinen) durch die Intensivierung der Landwirtschaft keine Rolle mehr spielt, ist dies bei Wildschweinen nur wenig untersucht. Das Vorkommen bei Wildschweinen in Mitteleuropa ist zwar bekannt, aber bei der Fleischuntersuchung wird der Dunker-Muskelegel in der Regel nicht gezielt gesucht. Hierzu müsste speziell das muskelnahe Binde- und Fettgewebe untersucht werden, nicht wie bei der vorgeschriebenen Trichinenschau das Muskelgewebe.

Metazerkarien bleiben in Schweinefleisch über lange Zeit infektiös und stellen somit eine potentielle Gefährdung für den Transportwirt Mensch dar. Selbst bei -20 Grad Celsius bleiben Dunker-Muskelegel bis zu 8 Wochen infektiös. Pökeln tötet die Metazerkarien nach 10 Tagen ab.

Literatur

T. Hiepe: Lehrbuch der Parasitologie. Band 3, Fischer-Verlag Jena, S. 131-133. ISBN 3-437-20252-9


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