Alarmismus

Alarmismus ist ein Begriff, mit dem eine unnötige oder übertriebene Warnung vor Problemen bezeichnet oder behauptet wird. Wer den Begriff verwendet, drückt damit in der Regel aus, dass er die Warnungen und Ängste nicht teilt oder für stark überzogen hält.

Der Umgang mit vielen öffentlich diskutierten Problemen wurde zeitweilig als „alarmistisch“ (umgangssprachlich: „Panikmache“) bezeichnet. Das bedeutet nicht, dass diese Probleme nicht existieren oder übertrieben sind, sondern nur, dass sie von einigen so betrachtet werden. In öffentlichen und politischen Diskussionen wird der Alarmismus-Vorwurf auch als Totschlagargument genutzt, um eine differenzierte Auseinandersetzung mit einem Thema zu umgehen.

Alarmismus ist grundsätzlich kein neues gesellschaftliches Phänomen. Historische Belege für hysterische Angstepidemien sind aus der gesamten Geschichte der Menschheit belegt. Dem Publizist Friedrich Sieburg zufolge basiert das katastrophische Lebensgefühl auf einem psychologischen „Angstlust“-Effekt:

„Die Weltuntergangsstimmung durch scharfe Analysen ins allgemeine Bewusstsein zu heben und sie gleichzeitig auch noch zu genießen, gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen des Menschen von Heute ... Der Alltag mit seinen tristen Problemen ist langweilig. Aber die bevorstehenden Katastrophen sind hochinteressant. Niemand soll uns um unsere Krise bringen! Wir haben ein Recht auf Sie! Aber daß mir niemand zum jüngsten Gericht zu spät kommt!“[1]

Die folgenden Beispiele listen Themen, dessen Behandlung von manchen zeitweise als „alarmistisch“ bezeichnet wurden (das bedeutet jedoch keineswegs, dass die Themen selbst „unwichtig“ oder gar falsch wären): Die Folgen der Überalterung in westlichen Gesellschaften[2], die wirtschaftlichen Folgen der Einführung eines Mindestlohns, der internationale Terrorismus, die Wirkungen von DDT sowie die Folgen von dessen Verbot, das Waldsterben, die globale Erwärmung[3] und die Kosten des Klimaschutzes, das Ozonloch und die Kosten des Montrealer Protokolls zum Schutz der Ozonschicht, die Kosten des Ausbaus oder drohende Stromausfälle durch erneuerbare Energien, die Ausbreitung von HIV in Entwicklungsländern, [4] Warnungen vor der Schweinegrippe-Pandemie,[5] Elektrosmog, Impfschäden oder gentechnisch veränderte Lebensmittel sowie die Islamisierung Europas.

Eng mit dem Alarmismus verwandt sind überwiegend per E-Mail verbreitete „Horrormeldungen“, welche als Hoax bezeichnet werden. Diese haben jedoch keinerlei realen Hintergrund, werden aber meist aus gutem Glauben „zur Warnung anderer“ weiter verbreitet.

Einzelnachweise

  1. F. Sieburg (1957) zitiert nach: K. Harpprecht, Untergang des Abendlandes? Welch ein Unsinn!, in: Die Zeit, 14. Juni 2006.
  2. Johnstone, M.-J. & Kanitsaki, O. 2009: Population ageing and the politics of demographic alarmism: implications for the nursing profession, Australian Journal of Advanced Nursing, 26:86-92, May 2009
  3. Risbey, J.S. 2008: The new climate discourse: Alarmist or alarming?, Global Environmental Change-Human and Policy Dimensions, 18:26-37, Feb 2008
  4. Fletcher, H.M. 2002: HIV in Jamaica: Are we being alarmist?, West Indian Medical Journal, 51:202-203,Sep 2002
  5. BMJ-British Medical Journal (2009, September 4). Was The Public Health Response To Swine Flu Alarmist?. ScienceDaily. Retrieved December 8, 2009, from http://www.sciencedaily.com /releases/2009/09/090904071704.htm

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