Alaschia

Alašija, auch Alašia und Alasia, war in der späten Bronzezeit der akkadische Name für Zypern oder ein Königreich auf Zypern. Er ist nur aus Texten aus der Levante (Ugarit, Alalach), aus dem Amarna-Archiv und dem hethitischen Reich bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Name

In den Keilschrifttexten wird Alašija meist mit dem Determinativ KUR, also Land, geschrieben, manchmal taucht aber auch URU (Stadt) auf. Es kann sich also um eine Stadt, eine Konföderation von Städten oder um die Bezeichnung von ganz Zypern handeln, die meisten Forscher bevorzugen letztere Deutung. Unter einem ähnlichen Namen erscheint Zypern auch in ägyptischen Ortsnamenlisten des Neuen Reiches.

Lage

Die genaue Lage von Alašija und seiner möglichen Hauptstadt ist umstritten. Bisher wurde sie meist mit Enkomi gleichgesetzt. H. R. Hall und R. S. Merrilees[1] wollen es in Kilikien, Wainright in Nordsyrien oder Karkemisch lokalisieren.

Der Ton einiger „Alašija-Briefe“ (EA 33, 34, 37, 38, RS L.1, RS 20.18) wurde mit petrographischen und chemischen Analysen untersucht, die eingeschlossenen Foraminiferen identifiziert und mit Tontafeln und Scherben von bekannten Fundorten verglichen. Ophiolithreste sprechen für eine Herkunft des Tons aus der Moni-Formation am südöstlichen Rand des Tróodos-Gebirges. Goren u.a.[2] halten Kalavasos-Ayios Dhimitrios im Vasiliskos-Tal oder Alassa (Palaiotaverna) im Südwesten für die wahrscheinlichsten Herkunftsorte der Tafeln. In der Nähe von Kalavassos liegen reiche Kupfervorkommen, was diese Lokalisierung stützt.

Geschichte

Die ersten Erwähnungen von Alašija finden sich in syrischen und babylonischen Texten des späten 19. Jahrhundert v. Chr. Hethitische Texte wie die Anklage des Madduwatta vom Ende des 15. Jahrhunderts berichten von räuberischen Überfällen aus Kilikien auf Alašija. Auch die Lukka plünderten die Küste von Alašija und nahmen Geiseln, was Anlass zu Beschwerden des Königs bei dem hethitischen Großkönig gab.

In den Briefen aus dem Amarna-Archiv nennt der König von Alašija den Pharao „Bruder“, was anzeigt, dass er sich als gleichgestellt betrachtete. Er berichtet, sein Land liege unter der Hand des Nergal, was die Kupferproduktion beeinträchtige („…sie hat alle Männer meines Landes getötet, kein einziger Kupferschmelzer ist übrig…“). Das deutet auf eine Seuche hin, der vielleicht auch der Sohn des Königs zum Opfer fiel.

Handelsbeziehungen

Wie Tontafeln aus Ugarit und Amarna (EA 33-40) belegen, hatte das Königreich von Alašija im 14. und 13. Jahrhundert (Late Cypriot LC IIB-LC C) lebhafte Handelskontakte mit Syrien und Ägypten. Die Briefe stammen von den Königen von Alašija, ein Brief von dem Präfekten von Alašija. Alašija exportierte vor allem Kupfer und Holz, die gegen Silber und „süßes Öl“ eingetauscht wurden (EA 35). Zu Ugarit bestanden freundschaftliche Beziehungen. Während der Regierungszeit von Niqmaddu III. von Ugarit ist ein Brief bezeugt, der von Kušmešuša, dem König von Alašija, gesandt wurde und die Lieferung von 33 Barren (~950 Kilogramm) Kupfer dokumentiert.[3] Kurz vor dem Fall Ugarits sandte Ešuwara, der Präfekt von Alašija, einen Brief an den König von Ugarit, in dem er diesen vor feindlichen Schiffen warnt, die kurz zuvor in Alašija angelandet und dann weitergezogen waren (RS 20.18).

Herrscher

Siehe auch

Literatur

  • R. Cohen, R. Westbrook (Hrsg.): Amarna Diplomacy. The John Hopkins University Press, Maryland 2000, 1-12 (Introduction: The Amarna System., hier 7-8), 2002. ISBN 0-8018-6199-3
  • Yuval Goren: The location of Alashiya - new evidence from petrographic investigations of Alashiyan tablets from El-Amarna and Ugarit. in: American Journal of Archaeology. 107, Boston 2003,2, 233-256. ISSN 0002-9114
  • Wolfgang Helck: Zur Keftiu-, Alasia- und Ahhijawa-Frage. In: Hans-Günter Buchholz (Hrsg.), Ägäische Bronzezeit. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1987, 218-226. ISBN 3-534-07028-3
  • Hellbing, L. 1979 Alasia Problems. Studies in Mediterranean Archaeology, LVII. Göteborg: Paul Aström.
  • A. Bernard Knapp, Alashiya, Caphtor/Keftiu, and Eastern Mediterranean Trade: Recent Studies in Cypriote Archaeology and History, Journal of Field Archaeology. Boston 12/1985, 231-250. ISSN 0093-4690
  • Holms, Y. L. The Location of Alashiya. Journal of the American Oriental Society 91, 1971, 426-29.
  • R. S. Merrilees: Alashiya revisited. in: Cahiers de la Revue Biblique. Gabalda, Paris 22.1987. ISSN 0575-0741
  • Sibylle von Reden: Die Insel der Aphrodite. Vergangenheit und Gegenwart Zyperns. DuMont Schauberg, Köln 1969, 1974 (2. Aufl. Zypern.). ISBN 3-7701-0797-7

Weblinks

Einzelnachweise

  1. R. S. Merrilees: Alashiya revisited. Cahiers de la Revue Biblique 22, 1987
  2. Yuval Goren: The location of Alashiya - new evidence from petrographic investigations of Alashiyan tablets from El-Amarna and Ugarit. in: American Journal of Archaeology. 107, Boston 2003,2, 233-256
  3. Es handelt sich um RS 94.2475 aus dem Urtenu Archiv in Ugarit, vgl. dazu Itamar Singer: Ships Bound for Lukka: A New Interpretation of the Companion Letters RS 94.2530 and RS 94.2523. In: Altorientalische Forschungen. Band 33, 2006, S. 255.

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