Alatsee
Alatsee
Alatsee mit Vilser Alpen
Alatsee mit Vilser Alpen
Geographische Lage Ostallgäu
Zuflüsse Grundwasser
Abfluss Faulenbach
Orte in der Nähe Füssen, Bad Faulenbach
Daten
Koordinaten 47° 33′ 39″ N, 10° 38′ 22″ O47.56083333333310.639444444444868.0Koordinaten: 47° 33′ 39″ N, 10° 38′ 22″ O
Alatsee (Bayern)
Alatsee
Höhe über Meeresspiegel 868 m ü. NN
Fläche 12 haf5
Länge 490 mf6
Breite 290 mf7
Volumen 1.840.000 m³f8
Umfang 1,300 kmf9
Maximale Tiefe 32,1 mf10
Mittlere Tiefe 15,3 mf11
Besonderheiten

meromiktisch

Alatsee001.jpg
Blick über den Alatsee Richtung Osten

Der Alatsee ist ein meromiktischer See 6 km westlich von Füssen in Bayern, nur etwa 80 Meter nördlich der Grenze zu Österreich sowie gut 500 Meter südlich des tiefer gelegenen Weißensees und von diesem getrennt durch den Unteren Weißenseeberg (Westen) und dem Burkenbichlberg (Osten) zwischen beiden in einer engen Schlucht gelegen. Er ist 490 Meter lang (Ost-West) und bis 290 Meter breit. Seine Fläche misst 12 ha, und er ist maximal 32,1 m tief. Er wird vom Grundwasser gespeist und fließt nach Osten über den Faulenbach durch Obersee und Mittersee in den Lech ab.

Inhaltsverzeichnis

Besonderheit

Alatsee mit Rossberg

In 15-18 m Tiefe weist der Alatsee eine leuchtend rote Schicht von Purpur-Schwefelbakterien auf, die weltweit zu den ausgeprägtesten in Süßwasserseen zählt. Die Bakterien selbst schwimmen auf einer extrem schwefelhaltigen Schicht Wasser wie auf einem Kissen; dies stellt gleichzeitig ihre Nahrungsquelle dar.[1] Oberhalb der Bakterienschicht ist der Alatsee sauerstoffreich und von einer reichen Flora und Fauna besiedelt, unterhalb der Schicht findet sich so gut wie kein Sauerstoff mehr im Wasser. Der für die Bakterien lebenswichtige Schwefelwasserstoff stammt nach neuesten Ergebnissen entgegen früheren Annahmen nicht aus den Gipsschichten des umgebenden Gesteins. Isotopenmessungen des Tiefenwassers haben ergeben, dass das Wasser zu alt ist, um durch Eintrag von außen so hohe Schwefelkonzentrationen zu haben. Allerdings ist die Herkunft des Schwefels noch nicht geklärt. Der Alatsee erfährt, im Gegensatz zu den meisten anderen Seen, im Winter keine Wasserzirkulation und daher liegt das schwefelhaltige Tiefenwasser seit tausenden von Jahren am Boden.

Trotz des Sauerstoffmangels und der giftigen Stoffwechselprodukte der Purpur-Schwefelbakterien wurde wiederholt beobachtet, dass sich Fische direkt in die Schicht begeben haben bzw. offensichtlich unversehrt wieder daraus hervorkamen.[1] Auch wurden sauerstoffbenötigende Lebewesen wie Süßwasserpolypen darin gefunden, ebenso Kolonien verschiedener Bakterienarten, die unter normalen Bedingungen nicht nebeneinander existieren können. Unterschiedliche Arten von Insektenlarven können ebenfalls in der schwefelhaltigen Schicht bzw. im schwefelhaltigen Schlamm überleben.[1]

Allgemein ist vieles an diesem Ökosystem noch unklar bzw. unbekannt; die Forschung hierzu ist im Gange (Stand 2010).

Der Abfluss des Sees, der sogenannte Faulenbach, weist eine erhöhte Schwefelwasserstoffkonzentration auf, die auch sofort am Geruch erkennbar ist.[1]

Geschichte

Eine keltische Kultstätte in der Nähe des Sees ist nachgewiesen worden.[1]

Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde in der unmittelbaren Umgebung des Sees Gips abgebaut. Die Umgebung des Sees selbst wurde jedoch nie besiedelt, sondern im Gegenteil bis in die Neuzeit von den Einheimischen gemieden.[1]

Im Zweiten Weltkrieg

Luftwaffentechniker haben auf und im Alatsee während des Zweiten Weltkrieges mit Unterwassermodellen der Focke-Wulf Ta 154 Aerodynamik-Versuche durchgeführt. Im See findet man noch heute große Eisenstangen und -gestelle, die dafür benutzt wurden.

Unbewiesenen Gerüchten zufolge wurden gegen Ende des Zweiten Weltkrieges Goldschätze der Deutschen Reichsbank, die zuvor auf dem Schloss Neuschwanstein gelagert worden waren, auf dem Grunde des Alatsees versenkt. Diese Gerüchte sowie die militärtechnischen Versuche haben das Autorenteam Michael Kobr und Volker Klüpfel zu ihrem Allgäu-Krimi „Seegrund“ der Reihe Kommissar Kluftinger inspiriert.

Insbesondere in den 1950er und 1960er Jahren wurden durch diese Gerüchte zahlreiche Schatzsucher und -taucher angelockt, die vieles illegal bargen, vorwiegend versenkte Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg. Ein Schatz oder andere Reichtümer wurden jedoch nicht gefunden. Nach wiederholten Todesfällen ist der See bis heute zum Tauchen gesperrt. Sondergenehmigungen werden für wissenschaftliche Zwecke erteilt.[1]

Mythen

Um den Alatsee ranken sich viele regionale Mythen und Sagen. Fabelwesen sollen dort hausen sowie Gespenster umgehen. Unvorsichtige Wanderer würden in den See gezogen und in Erdspalten gelockt.

Da wiederholt große Anzahlen an Fischen starben und auch immer wieder Menschen verschwanden, gilt der See bis heute bei der einheimischen Bevölkerung als verrufener Ort. Diese Todesfälle sind jedoch höchstwahrscheinlich auf freiwerdenden Schwefelwasserstoff zurückzuführen.[1]

Die einheimische Bevölkerung gibt an, dass es möglich sei, durch Erdspalten in der Umgebung des Sees bis nach Österreich zu gelangen.[1]

Aufgrund der Lage des Sees in einer engen Schlucht ergeben sich häufig starke Windströmungen, die zu Verwachsungen und Verkrüppelungen an Bäumen führen. Dies wird von Esoterikern als Zeichen vorhandener Kraftlinien und -felder gedeutet.[1]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j Faszination Wissen vom 9. November 2008

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