Alaviden

Alawiden (arabischالعلويون‎, DMG al-ʿAlawiyūn; nach ihrer Heimat-Oase Tafilalt auch Filaliten, ‏الفيلاليون‎, DMG al-Fīlāliyūn), Alaviten oder Alawiten, wegen ihrer Abstammung Zweite Scherifen-Dynastie genannt, sind seit 1664 die herrschende Königsdynastie in Marokko.

Herrscher

Die Alawiden führten ihre Abstammung auf Hasan ibn Ali, den Enkel des Propheten Muhammad zurück und waren somit Scherifen. Daher bezeichnen sie sich selbst als Aliden. Sie kamen Ende des 13. Jahrhunderts aus dem Hedschas nach Marokko. Während der Anarchie nach dem Tod des Saadiers Ahmad al-Mansur (1578–1603) begannen die Alawiden, ihre Macht in Südmarokko auszudehnen. 1659 wurde mit der Eroberung von Marrakesch der letzte Herrscher der Saadier gestürzt. Nach dem Sieg über die Nordmarokko kontrollierende religiöse Dila-Bruderschaft wurde Marokko unter Mulai ar-Raschid (1664–1672) vereinigt und befriedet.

Die eigentliche Organisation des Reiches erfolgte unter Mulai Ismail (1672–1727) der, gegen den Widerstand der Stämme, mit dem Aufbau eines Einheitsstaates begann. Da die Alawiden im Gegensatz zu den vorhergehenden Dynastien (Saadier, Meriniden, Almohaden und Almoraviden) nicht den Rückhalt bei einem einzelnen Berber- oder Beduinenstamm hatten, baute Mulai Ismail ein Heer aus schwarzafrikanischen Sklaven auf, mit denen er Marokko kontrollieren konnte. Mit diesen Truppen wurden die Engländer aus Tanger (1684) und die Spanier aus Larache/ al-Araisch (1689) vertrieben. Allerdings überdauerte der geschaffene Einheitsstaat den Tod von Mulai Ismail nicht. In den nach 1727 ausbrechenden Machtkämpfen setzten sich die Stämme wieder als bestimmende politische und militärische Faktoren in Marokko durch.

Erst Sultan Mulai Muhammad (1757–1790) konnte das Reich wieder befrieden und die Verwaltung reorganisieren. Auf einen erneuten Versuch der Zentralisierung wurde verzichtet, womit die Stämme ihre Autonomie bewahren konnten. Unter Mulai Abd ar-Rahman (1822–1859) geriet Marokko unter den Einfluss der europäischen Mächte. Als Marokko in Algerien den Freiheitskampf des Emirs Abd al-Qadir unterstützte, wurde es 1844 von Frankreich vernichtend geschlagen und musste die Unterstützung der Algerier aufgeben.

Seit Sidi Muhammad IV. (1859–1873) und Mulai al-Hassan I. (1873–1894) versuchten die Alawiden durch Handelsverträge mit europäischen Staaten und den USA verstärkt den Handel zu fördern. Auch wurden Armee und Verwaltung modernisiert, um die Berber- und Beduinenstämme besser kontrollieren zu können. Allerdings begann mit dem Krieg Spaniens gegen Marokko (1859–1860) auch die direkte europäische Einflussnahme. Zwar konnte in der Konferenz von Madrid (1880) die Unabhängigkeit Marokkos gesichert werden, doch gewann vor allem Frankreich weiter Einfluss. Gegen diesen steigenden Einfluss Frankreichs, das 1904 seine Interessen mit Großbritannien abgestimmt hatte, versuchte das Deutsche Reich seine Interessen zu wahren. Dies führte zur 1. Marokkokrise (1905–1906) und zur 2. Marokkokrise (1911). Die Position Frankreichs konnte aber nicht mehr erschüttert werden, so dass Marokko am 3. Dezember 1912 das französische Protektorat anerkennen musste. Gleichzeitig musste das Rif-Gebiet in Nordmarokko an Spanien abgetreten werden.

Unter dem französischen Protektorat (1912–1956) wurde stark in den Ausbau der Infrastruktur investiert, um die Städte an der Atlantikküste mit dem Hinterland zu verbinden. So wurde in Marokko ein einheitlicher Wirtschaftsraum geschaffen. Ebenso wurde die Verwaltung gegenüber den Stämmen durchgesetzt. Als die Berber 1930 den französischen Gerichten unterstellt werden sollten, entwickelte sich die Unabhängigkeitsbewegung in Marokko. 1944 wurde die Unabhängigkeitspartei Istiqlal gegründet, die in der Rede von Tanger auch von Sultan Mohammed V. (1927–1961)unterstützt wurde. Zwar wurde dieser 1953 von den Franzosen zeitweise abgesetzt, doch musste Frankreich Marokko am 2. März 1956 in die Unabhängigkeit entlassen. Die Bedeutung des französischen Protektorats ist vor allem darin zu sehen, dass die Urbanisierung des Landes erheblich beschleunigt wurde und die Entwicklung einer industriellen Wirtschaft begann.

Während den Franzosen die Befriedung Marokkos gelang, kam es im Rif-Gebiet zum Aufstand der Berber und Abd al-Karim (1921–1926) bei dem die spanischen Truppen vertrieben wurden und eine Rif-Republik gegründet wurde. Nur mit Hilfe französischer Truppen gelang es Spanien, den Aufstand niederzuschlagen. Im spanischen Bürgerkrieg kämpften viele Rif-Berber auf der Seite Francos, bevor Spanien das Rif-Gebiet an das unabhängige Marokko zurückgab.


Die Herrscher stammen aus der Alawiden-Dynastie. Vor 1957 war das Amt als Sultan bekannt.

  • Muhammad I. (1640–1664)
  • Mulai ar-Raschid (1664–1672)
  • Mulai Ismail (1672–1727)
  • Ahmad (172–1728) abgesetzt
  • Abd al-Malik (1728)
  • Ahmad (1728–1729) wiedereingesetzt
  • Abd Allah (1729–1734) abgesetzt
  • Ali (1734–1736) abgesetzt
  • Abd Allah (1736) wiedereingesetzt, abgesetzt
  • Muhammad II. (1736–1738) abgesetzt
  • al-Mustadi (1738–1740) abgesetzt
  • Abd Allah (1740–1741) wiedereingesetzt, abgesetzt
  • Zayn al-Abidin (1741) abgesetzt
  • Abd Allah (1741–1742) wiedereingesetzt, abgesetzt
  • al-Mustadi (1742–1743) wiedereingesetzt, abgesetzt
  • Abd Allah (1743–1747) wiedereingesetzt, abgesetzt
  • al-Mustadí (1747–1748) wiedereingesetzt, abgesetzt
  • Abd Allah (1748–1757) wiedereingesetzt
  • Mulai Muhammad III. (1757–1790)
  • Yazid (1790–1792)
  • Hischam (1792–1798)
  • Mulai Sulaiman (1798–1822)
  • Mulai Abd ar-Rahman (1822–1859)
  • Sidi Mohammed IV. (1859–1873)
  • Mulai al-Hassan I. (1873–1894)
  • Abd al-Aziz (1894–1908)
  • Mulai Abd al-Hafiz (1908–1912)
  • Mulai Yusuf (1912–1927)
  • Mohammed V. (1927–1953) abgesetzt
  • Mohammed (VI.) ibn Arafa (1953–1955)
  • Mohammed V. (1955–1961) wiedereingesetzt
  • Hassan II. (1961–1999)
  • Mohammed VI. (1999–)

siehe auch: Liste der Referenztabellen/Herrscher und Regierungschefs, Marokko

Literatur

  • Ulrich Haarmann: Geschichte der Arabischen Welt. C.H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-38113-8

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