Albania
Albania im 2. Jahrhundert v. Chr.

Albania, (altgriechisch: Ἀλβανία, aserbaidschanisch: Albaniya, altarmenisch: Աղուանք; neuarmenisch: Աղվանք; transkribiert: Aghwank) auch kaukasisches Albania, ist die durch altgriechische und lateinische Aufzeichnungen im Okzident geprägte Bezeichnung für ein antikes Königreich in Kaukasien, hauptsächlich auf dem Gebiet des heutigen Aserbaidschans. Die Eigenbezeichnung der Bewohner des Reichs ist, wie ihre Sprache, nicht bekannt. Man kann davon ausgehen, dass die Einwohner mehrere Sprachen nutzten.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Es ist wahrscheinlich, dass der griechische und lateinische Name eine Übersetzung der Eigenbezeichnung ist. Dabei ist der Name nach James Stuart Olson[1] mit gebirgiges Land zu übersetzen. Einen weiteren Hinweis geben Eigenbezeichnungen verschiedener Völker der Region, wie die der Roxolanen. Demnach könnte Albania die Heimat der Weißen oder Hellen gewesen sein und die ursprünglich schriftlose Bevölkerung war eher sarmatisch oder alanisch geprägt (siehe auch: Narten-Saga (narta mongolisch für Sonne)). Die armenische Bezeichnung für die Bevölkerung ist Aghwanzi (Աղվանցի).

Geschichte

Das Reich existierte wahrscheinlich etwa von Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. bis in die erste Hälfte des 9. Jahrhunderts mehr oder weniger souverän von den Nachbarreichen. Die Albanier wurden erstmals 331 v. Chr. bei der Schlacht von Gaugamela als Teil der Truppen der medischen Satrapie Persiens erwähnt. Doch war zu diesem Zeitpunkt noch keine albanianische Stadt bekannt. Die spätere Hauptstadt Albanias lag an der Küste des Kaspischen Meeres.

Im 2. Jahrhundert v. Chr. wurden die Teile Albanias rechts der Kura von Armenien erobert. Nach Claudius Ptolemäus und Strabon war dieser Fluss lange Zeit die Grenze zwischen den beiden Staaten. Nach der Eroberung Armeniens durch die Römer 66 v. Chr. verlor dieses viele seiner Gebiete, so dass sich auch die Südgrenze Albanias bis zum Aras verschob. Danach war es auch eine Zeit lang römischer Vasall. Ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. konnten die Armenier Teile Albanias bis zum Kura zurückerobern. Als 387 n. Chr. Armenien zwischen dem Sassanidenreich und Rom geteilt wurde, erhielt Albania als persischer Vasall die Gebiete zwischen Kura und Aras zurück.

Christianisierung

Albania etwa 300 n. Chr.

Ab dem 4. Jahrhundert verbreitete sich das Christentum von Armenien aus in Albania. Der armenische Bischof Grigor der Erleuchter soll auch den albanianischen König Urnayr getauft haben, die albanianische Kirche blieb in den folgenden Jahrhunderten eng mit der armenischen verbunden. Durch die Übernahme des Christentums kam es zu einer Annäherung zu Byzanz und einer Verschlechterung der Beziehung zum Sassanidenreich. Nach einer Schlacht zwischen aufständischen Armeniern und den Persern 451 n. Chr., die die Sassaniden gewannen, flohen viele Adlige und Geistliche ins bergige Arzach. Dieses wurde ein Zentrum des Widerstandes gegen die Perser. Im Laufe des 5. Jahrhunderts entwickelte sich so wie in den Nachbarländern Armenien und Iberien (Ostgeorgien) ein eigenes einheimisches Alphabet. Allerdings sind nur wenige Sprachdenkmäler der kaukasisch-albanischen Sprache erhalten; erst die Entzifferung von vor wenigen Jahren im Katharinenkloster auf dem Sinai entdeckten Palimpsesten gibt nun mehr Aufschluss.

Untergang des Königtums – Arabische Eroberungen

Im Jahr 510 schafften die Sassaniden nach dem Tod von König Vatzagan die einheimische Monarchie in Albania ab und setzten einen Marzpan als Statthalter in der Hauptstadt Partaw ein. Im späteren 6. und früheren 7. Jh. wurde auch Albania Schauplatz der Kriege zwischen dem Sassanidenreich und dem Oströmischen, sowie Byzantinischen Reich. Als der byzantinische Kaiser Herakleios 624/625 in Albania operierte, setzte er mit Varaz-Grigor von Gardman aus dem Haus der Mihraniden einen Fürst für Albania ein; gleichzeitig verwüsteten aber die chasarischen Verbündeten des Kaisers das Land schwer. Als ab 640 die Araber in das Kaukasusgebiet vordrangen, wurde die byzantinische Macht zurückgedrängt. Ab 662 erkannte auch der Mihranidenfürst Juansher die arabische Oberhoheit an. Die anfangs lockere arabische Herrschaft ermöglichte es aber den Byzantinern in den nächsten Jahrzehnten während Schwächeperioden des Kalifats nach Armenien und Albania vorzudringen und dabei unter den Adeligen Verbündete zu finden, so dass die Araber am Ende des 7. Jahrhunderts Armenien, Iberien und Albania zu einer Großprovinz Arminiya zusammenfassten und diese einem in den armenischen Quellen Wostikan genannten Statthalter unterstellten. Er verfügte auch über arabische Garnisonen und unterwarf die Länder dem islamischen Steuersystem. Er residierte zuerst in Dwin in Armenien, dann in Partaw in Albania. Dort hatte das Haus der Mihraniden weiter die Fürstenwürde inne, verlor aber mehr und mehr an Macht, besonders als der arabische Statthalter nach Partaw übersiedelte und später eine der Statthalterfamilien in Aserbeidschan und Teilen Albanias einen eigenständigen Staat etablierte. 822 starben die Mihraniden mit Varaz-Trdat aus, der Titel des Fürsten ging an das verschwägerte Haus von Siwnik über, doch de facto verschwand Albania als christliches Staatswesen im Laufe des 9. und 10. Jahrhunderts und wurde großteils islamisiert und turkisiert. Westliche Teile des Staates wurden von Heretien in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts erobert.[2]

Nur die auf Armenisch erhaltene Geschichte Albanias des Movses Daschuranci gibt genauere Kunde von diesem Reich. Als Nachfahren der christlichen Bewohner Albanias können kleine Minderheiten im heutigen Aserbaidschan wie die Udinen gelten.

Siehe auch

Literatur

Quellen
  • Movsēs Kałankatuac‛i: Patmut‛iwn Ałowanic‛ ašχarhi. Hrsg. V. Arak‛elyan. Erewan 1983 (in altarmenischer Sprache erhaltene Hauptquelle zur Geschichte des kaukasischen Albaniens).
  • Movses Daschuranci: The History of the Caucacian Albanians. Transl. by C. J. F. Dowsett. London 1961. (englische Übersetzung)
Sekundärliteratur
  • Marco Bais: Albania Caucasica. Ethnos, storia, territorio attraverso le fonti greche, latine e armene. Mimessis, Mailand 2001. ISBN 88-87231-95-8
  • M.L. Chaumont Albania in Encyclopædia Iranica, Bd. I, London, New York 1985.
  • Michel van Esbroeck: Albanien (in Kaukasien). In: Reallexikon für Antike und Christentum. Suppl. 1. Hiersemann, Stuttgart 2001, 257-266. ISBN 3-7772-9427-6
  • Werner Seibt (Hrsg.): Die Christianisierung des Kaukasus. The Christianization of Caucasus (Armenia, Georgia, Albania). Referate des Internationalen Symposions Wien 9.-12. Dezember 1999. Veröffentlichungen der Kommission für Byzantinistik. Bd 9. Wien 2002. ISBN 3-7001-3016-3

Einzelnachweise

  1. James Stuart Olson: An Ethnohistorical Dictionary of the Russian and Soviet Empires. Greenwood Press, Westport Conn 1994. ISBN 0-313-27497-5
  2. Heinz Fähnrich: Geschichte Georgiens von den Anfängen bis zur Mongolenherrschaft, S. 103 ff.. Shaker, Aachen 1993, ISBN 3-86111-683-9.

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