Albert Fraenkel (1864-1938)
Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Arzt Albert Fraenkel aus Mußbach. Für den gleichnamigen Arzt aus Frankfurt (Oder) siehe Albert Fraenkel (1848–1916).

Albert Fraenkel (* 3. Juni 1864 in Mußbach an der Weinstraße; † 22. Dezember 1938 in Heidelberg) war ein deutscher Arzt, Tuberkulose- und Herzforscher. Bekannt wurde er vor allem durch die Entdeckung und Entwicklung der intravenösen Strophanthintherapie bei Herzinsuffizienz.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Albert Fraenkel kam als Mitglied einer jüdischen Familie zur Welt. Er studierte Medizin in München und Straßburg, wo er 1888 das Staatsexamen ablegte.

Während seines Dienstes als Assistenzarzt in München erkrankte Fraenkel an Lungentuberkulose. Deshalb erweiterte er als Assistenzarzt in Berlin konsequent sein Wissen über diese Infektionskrankheit. 1891 ließ er sich in dem kleinen Schwarzwaldort Badenweiler (Baden) als Landarzt nieder. Unter seinem Wirken entwickelte sich die kleine Gemeinde zu einem Kurort besonders für Tuberkulosepatienten. Zwei Sanatorien gründete und leitete er, die Villa Hedwig zur Diätbehandlung internistischer Erkrankungen und die Villa Paul für die Therapie von Lungenkranken.

Ab 1893 forschte Fraenkel nebenbei an den Universitäten Heidelberg und Universität Straßburg über die Wirkung von Medikamenten. 1906 gelang ihm in Straßburg der Nachweis der Wirksamkeit der intravenösen Strophanthintherapie bei Herzinsuffizienz. Wegen dieser bahnbrechenden Entdeckung wurde er 1914 vom badischen Großherzog zum Professor ernannt.

Während des Ersten Weltkrieges war Fraenkel Chefarzt des Beobachtungskrankenhauses Heidelberg und fungierte zudem als beratender Arzt im Krankenhaus Rohrbach, heute Heidelberg-Rohrbach. Nachdem 1928 unter der Federführung der LVA Baden die Gründung der „Krankenhaus Rohrbach GmbH“ zustande gekommen war, die wenig später in „Tuberkulose-Krankenhaus Rohrbach GmbH“ umfirmierte, wurde Fraenkel der erste Ärztliche Direktor der Klinik und gleichzeitig zweiter Geschäftsführer der GmbH.

1927 hatte Fraenkel in Heidelberg ein weiteres Krankenhaus gegründet: das internistische Mittelstandssanatorium Speyererhof. Dort wurde er ebenfalls zum Ärztlichen Direktor ernannt. 1928 wurde er Professor an der Heidelberger Medizinischen Fakultät und erhielt einen Lehrauftrag für Tuberkulose.

Nach Adolf Hitlers Machtergreifung wurde Fraenkel als Jude am 1. April 1933 aller Ämter enthoben. Dem Entzug seines Lehrauftrages in Heidelberg kam er zuvor, indem er von sich aus auf die weitere Lehrtätigkeit verzichtete. Im September 1938 wurde ihm wie allen jüdischen Ärzten auch die Approbation entzogen. Drei Monate später verstarb er im Alter von 74 Jahren in Heidelberg.

Bedeutung

Zum Andenken an Fraenkel wird durch die Bezirksärztekammer Südbaden an verdiente Mediziner die Albert-Fraenkel-Plakette verliehen. Mit dem Albert-Fraenkel-Preis, gestiftet von der Firma Hoffmann-La Roche (Grenzach-Wyhlen) und mit 5200 Euro dotiert (Stand 2004), ehrt die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie deutschsprachige Wissenschaftler, die sich durch Publikationen auf dem Gebiet der Physiologie, Pharmakologie, Pathologie, Klinik oder Therapie des Kreislaufs qualifiziert haben.

1920, im Jahre seines Umzugs nach Heidelberg, wurde Fraenkel Ehrenbürger des Kurorts Badenweiler, sein Geburtsort Mußbach (1969 nach Neustadt an der Weinstraße eingemeindet) ehrte ihn mit einer Straßenwidmung.

Literatur

  • Peter Drings, Jörg Thierfelder, Bernd Weidemann, Friedrich Willig (Hrsg.), Michael Ehmann (Mitarbeit), Albert Fraenkel – Ein Arztleben in Licht und Schatten 1864–1938, ecomed Verlagsgesellschaft, Landsberg 2004

Weblinks


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