Franz Xaver Kraus

Franz Xaver Kraus
Franz Xaver Kraus

Franz Xaver Kraus (* 18. September 1840 in Trier; † 28. Dezember 1901 in San Remo) war ein deutscher Kunst- und Kirchenhistoriker.

Leben

Franz Xaver Kraus entstammte einer bürgerlichen Familie aus Trier. Sein Vater arbeitete als Zeichenlehrer am städtischen Gymnasium. Nach seinem Schulabschluss 1858 trat Kraus unter dem Einfluss seiner religiösen Mutter in das Trierer Priesterseminar ein. Zwischen 1860 und 1862 unterbrach er sein Studium am Seminar aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen; seinen Unterhalt verdiente er sich in dieser Zeit als Hauslehrer bei französischen Adelsfamilien. Er nahm die Gelegenheit war, sich an der Bibliothèque Nationale in Paris selbständig wissenschaftlich weiterzubilden. Noch von Paris aus schickte er eine Arbeit über Synesios von Kyrene an die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, um in absentia (in Abwesenheit) den Titel eines Dr. phil. ob eximiam eruditionem (aufgrund besonderer Gelehrtheit) zu erwerben, ein Verfahren, das damals nicht unüblich war, aber nicht zum Eintritt in eine akademische Laufbahn berechtigte. Anschließend kehrte er nach Trier zurück, um sein Theologiestudium fortzuführen. 1864 schloss er sein Studium ab und wurde vom Weihbischof Matthias Eberhard zum Priester geweiht. Im Herbst 1864 bezog Kraus die Freiburger Universität, wo er 1865 unter dem Kirchenhistoriker Johann Baptist Alzog im Fach Kirchengeschichte den theologischen Doktorgrad erwarb. Am 1. September 1865 trat Kraus die Stelle eines Frühmessers in Pfalzel bei Trier an. Persönliche Ambitionen, eine Lehrtätigkeit am Trierer Priesterseminar in Kirchengeschichte zu übernehmen, erfüllten sich nicht, da er sich bei den Geistlichen wegen kritischer Schriften über die in Trier verehrte Reliquie des heiligen Nagels und den apostolischen Ursprung der Diözese Trier unbeliebt gemacht hatte. 1872 erhielt Kraus in der philosophischen Fakultät der Universität Straßburg einen außerordentlichen Lehrstuhl für Christliche Kunstgeschichte. Eine Berufung an die Universität Breslau scheiterte 1874 am Widerstand des Breslauer Fürstbischofs Heinrich Förster. 1878 trat er als ordentlicher Professor für Kirchengeschichte die Nachfolge seines ehemaligen Lehrers Alzog in Freiburg an. In seiner Freiburger Amtszeit, die bis zu seinem Lebensende reichte, verfasste Kraus bedeutende Arbeiten über christliche Kunstgeschichte und den Dichter Dante. 1887, anlässlich der 500-Jahrfeier der Heidelberger Universität (1886), gab er im Auftrag der Badischen Regierung die ihm aus seiner Pariser Studienzeit bekannte Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse) noch vor der Rückkehr des Originals an die Heidelberger Universität in einer Faksimileausgabe (Lichtdruck) in Straßburg bei Karl Trübner heraus. Er gilt als einer der Begründer der modernen Christlichen Archäologie.

Mit seiner streng wissenschaftlichen Haltung wurde er zum Leitbild und mit seiner kritischen und polemischen Publizistik zur Galionsfigur des Reformkatholizismus, ohne sich jedoch selbst einer Organisation oder Partei anzuschließen.

Kurz vor seinem Tod wurde Franz Xaver Kraus in seiner Heimatstadt Trier für seine wissenschaftlichen Leistungen zum Ehrenbürger ernannt. Er vermachte der Stadt Trier wertvolle Kunstwerke und Teile seiner Bibliothek mit 12.000 Bänden; diese ging in die Stadtbibliothek ein. Andere Teile seiner Bibliothek und sein Vermögen stiftete er zur Gründung eines Lehrstuhls und eines Instituts für Christliche Archäologie an der Universität Freiburg.

Grab von Franz Xaver Kraus, gestaltet von Julius Seitz

Der in seinen letzten Jahren oft schwer kranke Kraus starb, erst 61-jährig, während eines Erholungsurlaubs in San Remo an Magenkrebs; beigesetzt ist er auf dem Freiburger Hauptfriedhof.

Literatur

  • Ernst Hauviller: Franz Xaver Kraus. Ein Lebensbild aus der Zeit des Reformkatholizismus; mit drei Autotypien und einem Anhang unveröffentlichter Briefe, Gedichte und kirchenpolitischer Schriftstücke, Colmar 1904, 2. Auflage 1905
  • Hubert Schiel: Im Spannungsfeld von Kirche und Politik, Franz Xaver Kraus. Gedenkschrift zum 50. Todestag auf Grund des unversiegelten Nachlasses. Mit einer Ahnentafel von F. X. Kraus von Heinrich Milz, Trier: Paulinus-Verlag 1951 (Trierisches Jahrbuch Beiheft 1) (grundlegend)
  • Franz Xaver Kraus, Tagebücher. Hrsg. von Hubert Schiel. Köln: Bachem 1957
  • Christoph Weber: Liberaler Katholizismus. Biographische und kirchenhistorische Essays von Franz Xaver Kraus. Tübingen: Niemeyer 1983 ISBN 3-484-82057-8
  • Claus Arnold: Katholizismus als Kulturmacht. Der Freiburger Theologe Joseph Sauer (1872-1949) und das Erbe des Franz Xaver Kraus. Paderborn u.a.: Ferdinand Schöningh 1999 ISBN 3-506-79991-6
  • Michael Graf: Liberaler Katholik - Reformkatholik - Modernist?: Franz Xaver Kraus (1840-1901) zwischen Kulturkampf und Modernismuskrise. Münster u.a.: Lit 2003 ISBN 3-8258-6481-2

Weblinks

 Wikisource: Franz Xaver Kraus – Quellen und Volltexte
 Commons: Franz Xaver Kraus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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