Albert Hirth
Albert Hirth in seinen letzten Lebensjahren.

Albert Hirth (* 7. Oktober 1858 in Meimsheim; † 12. Oktober 1935 in Nonnenhorn) war Ingenieur und Erfinder. Albert Hirth war Gründer verschiedener Unternehmen in Stuttgart, Vorsitzender des „Verbandes Württembergischer Industrieller“ und Vater von Hellmuth Hirth (Flugpionier) und Wolf Hirth (Segelflugpionier).

Inhaltsverzeichnis

Jugend und Berufseinstieg

Albert Hirth (Erster von rechts) im Präsidium des Hansa-Bundes bei einer Tagung im November 1912 in Berlin. Außerdem von links: Franz Heinrich Witthoefft, Hartmann von Richthofen Jakob Riesser, Kurt von Kleefeld.
Hirth-Verzahnung aus Aluminium, farbig eloxiert zur Darstellung des Zahneingriffes

Albert Hirth wurde am 7. Oktober 1858 als Sohn des Müllers Ludwig Hirth in der Schellenmühle bei Meimsheim geboren. Sein Vater Ludwig Hirth war als Tüftler und Mühlendoktor bekannt. In seiner Jugend ersann Albert Hirth verschiedene technische Apparaturen zur Arbeitserleichterung im eigenen Haushalt wie zum Beispiel einen Apparat zum Abwickeln von Wollsträngen und eine Vorrichtung zum Schneiden von Nudelteig. Hirth absolvierte eine Mechaniker- und Maschinenbauerlehre beim Geldschrankfabrikanten Ade in Stuttgart. Nach Abschluss seiner Lehre, der damals obligaten Wanderschaft und einer Tätigkeit in einer Maschinenfabrik in Zürich, kehrte er 1878 nach Stuttgart zurück und trug sich als Student bei der »Königlichen Baugewerkeschule« ein.

Berufliche Laufbahn und Firmengründungen

1888 trat er als Konstrukteur und Betriebsleiter in die Terrotsche Rundstrickmaschinenfabrik in Cannstatt ein und erregte 1889 durch Verbesserungen an den Maschinen seines Unternehmens auf der Pariser Weltausstellung große Beachtung. In diese Zeit fielen auch seine Patente für eine Papieraufspannmethode für Reißbretter, Schraffierlineale und verstellbare Zeichenwinkel. Der Uhrenfabrikant Kommerzienrat A. Junghans holte Hirth 1894 in sein Schramberger Werk, wo dieser die Uhrenproduktion rationalisierte sowie neue Zahnradfräsmaschinen und Spritzgusshalbautomaten konstruierte und in der Fabrikation einsetzte. Mit Unterstützung von Dr. E. Junghans gründete Hirth 1898 in Stuttgart sein eigenes Konstruktionsbüro. Eine Vielzahl von Erfindungen wurde von dort patentiert.

1903 übernahm Albert Hirth zusammen mit Emil Lilienfein, dem der kaufmännische Bereich unterstand, das Unternehmen »Fortuna« in Stuttgart. Berühmt wurde die »Fortuna-Lederschärf- und Rundschleifmaschine«. In dieser Zeit kam es zu einer Zusammenarbeit mit Robert Bosch, für den er Zündmaschinen für Automobile fertigte. Er hatte ihn auf der Pariser Automobilausstellung im Jahr 1900 kennengelernt. Zur gleichen Zeit beschäftigte sich Hirth mit Kugellagern und gründete zur Kugellagerproduktion das Unternehmen »Norma«. Als Nebenprodukt fiel dabei das Feinmessgerät »Hirth Minimeter« an, mit dessen Hilfe Kugellagerschleifspindeln auf hundertstel Millimeter genau gefertigt werden konnten. Zur Verbindung von Wellen erfand Hirth eine spezielle Verzahnungsform die noch heute als Hirth-Verzahnung im Maschinen- und Motorenbau Verwendung findet.[1]

1914 gründete Albert Hirth zusammen mit Gustav Bach und Gustav Klein die Firma KACO in Heilbronn. Zweck der Gesellschaft war die Herstellung von Motorendichtungen.[2]

Im Jahre 1922 gründete er die Albert Hirth AG. [3]

Erfindungen und Patente

Albert Hirth brachte es in seinem Leben auf über 350 Patente und Erfindungen. Deshalb wurde er auch der schwäbische Edison genannt.

Robert Bosch äußerte über ihn: Wissen Sie, wem wir im Grunde genommen die rasche Entwicklung der Massenfertigung von Präzisionsteilen verdanken? Nur dem Hirth-Minimeter und der Fortuna-Kugelschleifspindel.

Im September 1914 traf Hirth – zurückgreifend auf sein Patent von 1908 – Vorbereitungen zum Bau eines Riesenhubschraubers. Jedoch reichten die Hubkräfte auf dem Versuchsstand noch nicht aus. Die Weiterentwicklung dieser Idee wurde durch den Kriegsausbruch verhindert. Zukunftsprojekte wie der Entwurf eines Raupenschleppers, mit dem die Erdpole erforscht werden sollten, beschäftigten Hirth ebenso wie ein Riesentragflügelboot zur Überquerung des Ozeans.

Noch im Alter von 72 Jahren erfand Albert Hirth den Vierfarbstift.

Privates

Während seiner Lehrzeit gründete er den 1. Cannstatter Radfahrverein und betätigte sich als Hochradfahrer.

Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte Albert Hirth als Ballonfahrer zu den Gründungsmitgliedern des »Württembergischen Vereins für Luftfahrt«. Außerdem wurde er 1909 Vizepräsident des Hansabundes.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs hat sich Albert Hirth mit Alfred Roth getroffen. Dieser hatte nach dem Verbot des Schutz- und Trutzbundes im Sommer 1922 zeitweilig sein Domizil in Hirths Villa am Bodensee.[4]

Ehrungen

Verleihung der Ehrendoktorwürde (Dr.-Ing. e.h) durch die Technische Hochschule Stuttgart im Jahre 1921. In seinem Geburtsort Meimsheim wurde die Grundschule sowie eine Straße auf seinen Namen getauft.

Literatur

  • Stefan Blumenthal: Grüße aus der Luft. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1991, ISBN 3-613-01336-3
  • Jörg Baldenhofer (Hrsg.): Schwäbische Tüftler und Erfinder. DRW-Verlag, Stuttgart 1986, ISBN 3-87181-232-3
  • Stefan Blumenthal: Albert Hirth und seine Söhne Hellmuth und Wolf. Eine schwäbische Erfinderfamilie. In: Jörg Baldenhofer (Hrsg.): Schwäbische Tüftler und Erfinder. DRW-Verlag, Stuttgart 1986, Seite 112–121
  • Gert Behrsing: Hirth, Albert. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 9, Duncker & Humblot, Berlin 1972, S. 236 f.

Einzelnachweise

  1. [http://www.fischerprecise.ch/public/fischerag/firmenzeitung/07_01_inside/inside_0107_d.pdf Historie von Fortuna und Minimeter.] (Link nicht abrufbar) Abgerufen am 11. September 2009
  2. Historie der Kaco. Abgerufen am 11. September 2009
  3. http://publish.kommonline-gmbh.de/data/news/693-1223622501.pdf (Link nicht abrufbar) Abgerufen am 11. September 2009
  4. Uwe Lohalm: Völkischer Radikalismus. Die Geschichte des Deutschvölkischen Schutz- und Trutz-Bundes. 1919–1923. Leibniz-Verlag, Hamburg 1970, S. 102, 269, 366. ISBN 3-87473-000-X.

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