Albert Hänel
Max Liebermann: Bildnis Geheimrat Prof. Dr. Albert Hänel, 1892, Pastell auf Papier, Kunsthalle Kiel

Albert Hänel (* 10. Juni 1833 in Leipzig; † 12. Mai 1918 in Kiel) war ein deutscher Jurist, Staatsrechtler und liberaler Politiker (Schleswig-Holsteinische Liberale Partei, Deutsche Fortschrittspartei und Freisinnige Vereinigung).

Inhaltsverzeichnis

Leben

Albert Hänel war der Sohn des Medizinprofessors Albert Friedrich Hänel und ein Neffe des Rechtshistorikers Gustav Friedrich Hänel. Er wurch in Wien und Leipzig bei seinem Stiefvater Heinrich Laube auf. Nach Beendigung der Schulzeit an der humanistischen Thomasschule zu Leipzig studierte er an den Universitäten Leipzig, Wien und Heidelberg.

In Leipzig wurde er 1857 zum Dr. jur. promoviert. Bereits im darauffolgendem Jahr erfolgte seine Habilitation und Berufung zum Privatdozenten. Zu seinen Lehrern gehörten Robert von Mohl und Karl Georg von Wächter. 1860 nahm Hänel einen Ruf als außerordentlicher Professor an die Universität Königsberg an; zwei Jahre später erfolgte seine Ernennung zum ordentlichen Professor. 1863 nahm Hänel dann einen Ruf an die Universität Kiel an.

Neben seinen Lehrtätigkeiten engagierte sich Hänel auch politisch; erst als Mitglied der Schleswig-Holsteinische Liberale Partei, welche er aber nach der Annexion der Herzogtümer durch Preußen verließ. Zusammen mit Freunden gründete Hänel eine Liberale Vereinigung, die er 1867 im Abgeordnetenhaus und später im Reichstag des Norddeutschen Bundes vertrat. Ab 1871 war Hänel in selber Funktion auch im Reichstag des Deutschen Kaiserreiches vertreten. Dort wählte man ihn 1874 als Vizepräsident in den Vorstand und 1876 übernahm Hänel dieselbe Funktion im Preußischen Abgeordnetenhaus. Ende des 19. Jahrhunderts war er in der Deutschen Fortschrittspartei und Deutschen Freisinnigen Partei (Mitglied seit 1884) Gegenspieler von Eugen Richter und bemühte sich um eine Verständigung mit den Nationalliberalen. Ab 1893 war er Mitglied der Freisinnigen Vereinigung.

Neben seiner Tätigkeit als Politiker veröffentlichte Hänel auch einige beachtenswerte Werke zur deutschen Rechtsgeschichte, von denen er auch einige in Zusammenarbeit mit Kollegen veröffentlichen konnte. Er lehnte den Rechtspositivismus ab.

Anlässlich der Einweihung des Kieler Rathauses am 12. November 1911 wurde Albert Hänel die Ehrenbürgerwürde der Stadt verliehen. Vier Wochen vor seinem 85. Geburtstag starb Albert Hänel am 12. Mai 1918 in Kiel, sein Grab befindet sich auf dem dortigen Südfriedhof.

Werke

  • Das Beweissystem des Sachsenspiegels. 1858.
  • Decisiones consulum Goslariensium. 1862.
  • Die Garantien der Großmächte für Schleswig. 1864.
  • Das Recht der Erstgeburt in Schleswig-Holstein. Kiel 1864.
  • Nachweisung des Erbrechts Herzog Friedrichs VIII. auf die Herzogtümer Schleswig-Holstein. Kiel 1865.
  • mit Wilhelm Seelig: Zur Frage der „stehenden Gefälle“ in Schleswig-Holstein. 1870/73
  • Studien zum deutschen Staatsrecht.
    • 1. Studie: Die vertragsmässigen Elemente der deutschen Reichsverfassung. 1873.
    • 2. Studie, Heft 1: Die organisatorische Entwicklung der Deutschen Reichsverfassung. 1880.
    • 2. Studie, Heft 2: Das Gesetz im formellen und materiellen Sinne. 1888.
  • mit Theodor Lesse: Die Gesetzgebung des Deutschen Reichs über Konsularwesen und Seeschifffahrt. Berlin 1875
  • Deutsches Staatsrecht. Band 1: Die Grundlagen des deutschen Staates und die Reichsgewalt. Duncker & Humblot, Leipzig 1892.

Literatur

  • Robert Scheyhing: Hänel, Albert. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 7, Duncker & Humblot, Berlin 1966, S. 441 (Onlinefassung).
  • Eduard Alberti: Lexikon der Schleswig-Holstein-Lauenburgischen und Eutinischen Schriftsteller von 1829 bis Mitte 1866. Band 1, Akademische Buchhandlung, Kiel 1867
  • Eduard Alberti: Lexikon der Schleswig-Holstein-Lauenburgischen und Eutinischen Schriftsteller von 1866–1882. Band 1, Biernatzki, Kiel 1885
  • Julius Nicolaus Weisfert: Biographisch-litterarisches Lexikon für die Haupt- und Residenzstadt Königsberg und Ostpreußen. 2. Ausgabe, Bon, Königsberg 1898
  • Franz Neubert (Hrsg.): Deutsches Zeitgenossenlexikon. Schulze, Leipzig 1905
  • Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Wer ist's? 4. Ausgabe, Degener, Leipzig 1909
  • Hermann Christern (Hrsg.): Deutsches Biographisches Jahrbuch. Überleitungsband 2: 1917–1920, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, Berlin [u. a.]
  • Friedrich Volbehr und Richard Weyl: Professoren und Dozenten der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 1665–1954. 4. Auflage, Hirt, Kiel 1956 (= Veröffentlichungen der Schleswig-Holsteinischen Universitätsgesellschaft. Neue Folge Band 7)
  • Wilhelm Kosch, fortgeführt von Eugen Kuri: Biographisches Staatshandbuch. Band 1, Francke, Bern [u. a.] 1963.
  • Hans-Georg Hermann Kiehl: Albert Hänel und der Linksliberalismus im Reichstagswahlkreis Kiel-Rendsburg-Plön 1867 bis 1884. Ein Beitrag zur politischen Parteiengeschichte Schleswig-Holsteins im 19. Jahrhundert. Dissertation, Universität Kiel, 1966.
  • Hellmuth Rössler und Günther Franz (Begründer); Karl Bosl, Günther Franz und Hanns Hubert Hofmann (Bearbeiter): Biographisches Wörterbuch zur deutschen Geschichte. 2. Auflage, Band 1, Francke, München 1973.
  • Wilfried Röhrich: Hänel, Albert Friedrich. In: Olaf Klose (Hrsg.): Schleswig-holsteinisches biographisches Lexikon. Band 4, Wachholtz, Neumünster 1976
  • Bernhard Mann: Biographisches Handbuch für das preußische Abgeordnetenhaus (1867–1918). Droste, Düsseldorf 1988, ISBN 3-7700-5146-7 (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der Politischen Parteien, Band 3)
  • Bernd Haunfelder und Klaus Erich Pollmann: Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867–1870. Droste, Düsseldorf 1989, ISBN 3-7700-5151-3 (mit Bild)
  • Michael Stolleis: Hänel, Albert. In: Michael Stolleis (Hrsg.): Juristen. Ein biographisches Lexikon. Von der Antike bis zum 20. Jahrhundert. Beck, München 1995
  • Walther Killy und Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. Band 4, Saur, München [u. a.] 1996

Weblinks


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