Albert Langen Verlag

Der Langen Müller Verlag schloss sich 1931 aus den zuvor gegründeten Unternehmen Albert Langen Verlag und Georg Müller Verlag zusammen. Seit 1966 gehört das Haus zur Herbert Fleissner-Verlagsgruppe und hat seinen heutigen Sitz in München.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Albert Langen

1893 gründete Albert Langen seine Verlags-, Buch- und Kunsthandlung Paris und Köln, die er bald darauf verkaufte, um nach Leipzig und schließlich München übersiedeln zu können. Der Firma in München wurde ein Kunstverlag und Bühnenvertrieb angegliedert. Ein Hauptanliegen von Langen war es, zeitgenössische skandinavische Autoren wie Bjørnstjerne Bjørnson, Knut Hamsun und Georg Brandes herauszugeben. Damit galt er als Wegbereiter der skandinavischen Moderne in Deutschland.

1896 erschien das erste Mal die satirische Wochenzeitschrift Simplicissimus beim Verlag, die jedoch auf Grund der „Majestätsbeleidigungs“-Affäre schnell wieder verboten wurde. Die Autoren des Blattes mussten Deutschland verlassen und auch Albert Langen ging für fünf Jahre ins Exil. Erst 1903 konnte er gegen eine Zahlung von 30.000 Mark begnadigt werden. Die Prokura für den Verlag erhielt unterdessen sein Mitarbeiter Korfiz Holm.

Der Katalog von 1904 konnte bereits 117 Autoren mit 354 Titeln vorweisen. Wichtige Schriftsteller jener Jahre waren Marcel Prévost, Bjørnstjerne Bjørnson, Guy de Maupassant, Knut Hamsun, Émile Zola, Heinrich Heine und Jakob Wassermann. Das Programm erstreckte sich nun über deutsche, französische und skandinavische Belletristik. Die Ausstattung der Bücher spielte für den Verleger eine wichtige Rolle, und so hoben sich die plakativ gestalteten Titel von den üblichen Buchumschlägen des Marktes ab. Seit 1925 wurde die Reihe Bauhausbücher von Walter Gropius und Laszlo Moholy-Nagy bei Langen publiziert.

Nach der Simplicissimus-Affäre gründete Langen 1907 die Halbmonatsschrift für deutsche Kultur März, die er zusammen mit Hermann Hesse und Ludwig Thoma herausgab. Zwei Jahre später starb er an einer verschleppten Mittelohrentzündung. In seinem Testament setzte er vier Kuratoren und langjährige Mitarbeiter (Otto Friedrich, Reinhold Geheeb, August Gommel und Korfiz Holm) für den Verlag ein. Diese übernahmen das Unternehmen und erwarben es schließlich 1918.

Georg Müller

Am 1. Oktober 1903 gründete Georg Müller seinen gleichnamigen Verlag in der Königinstrasse 59 in München. Zuvor hatte er die Rechte des Georg Heinrich Meyer Verlags erworben und somit Autoren wie Rudolf Huch, Wilhelm Weingand, Wilhelm Fischer-Graz und Adolf Pichler zu sich geholt. Noch im gleichen Jahr gründete er die zunächst belletristische Zeitschrift Süddeutsche Monatshefte, die jedoch bereits im Juni 1905 in den Verlag Ad. Bonz & Comp. in Stuttgart überging.

Seine langjährige Freundschaft mit Reinhard Piper führte 1904 schließlich zu dem gemeinschaftlichen Reinhard Piper & Co. Verlag, der allerdings zwei Jahre später wieder aufgelöst werden musste, da Müllers Verlag eine zu starke Eigendynamik entwickelte.

Die Programmschwerpunkte bildeten Kunstpublikationen, schöne Literatur deutscher und internationaler Autoren sowie Klassiker und Gesamtausgaben. Müller eröffnete viele Reihen wie die Gastrosophische Bücherei, Lebenskunst und Denkwürdigkeiten aus Alt-Österreich. Gesamtausgaben erschienen von August Strindberg, Frank Wedekind, Friedrich Hölderlin, Shakespeare, Edgar Allan Poe, Stendhal oder Heinrich Heine.

Nachdem Georg Müller 1917 starb, übernahmen Siegfried Neuhöfer und Hans Winand das Unternehmen. Sie wandelten die Firma in eine KG um und versuchten den Verlag durch Teilverkäufe zu retten, da dieser im Zuge der Inflation und der daraus resultierenden gesunkenen Kaufkraft der Bevölkerung wirtschaftlich stark geschwächt wurde. Außerdem gründeten die neuen Inhaber 1919 eine Tochterfirma, den Thespis Verlag, der Unterhaltungs- und Volksliteratur zu erschwinglichen Preisen anbot und den Georg Müller Verlag dadurch finanziell stützen sollte. Das Unternehmen verschmolz 1927 wieder mit seiner Mutterfirma und wurde 1928 aufgelöst.

Im gleichen Jahr wurde der Verlag aus Kapitalmangel an den Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verband veräußert, einer völkischen Angestelltengewerkschaft, und sollte zukünftig von Gustav Pezold geleitet werden. 1932 kam es schließlich zur Fusion mit dem Albert Langen Verlag, was in den Medien eine heftige Kontroverse auslöste. 1936 wurde der Langen-Müller Verlag der Deutschen Arbeiterfront angeschlossen, die mit der NSDAP gleichzusetzen war. Dennoch versuchte das Unternehmen, sich von der Partei nicht gänzlich vereinnahmen zu lassen und brachte neben „linientreuen“ Autoren auch Bücher von Schriftstellern heraus, die dem „inneren Widerstand“ zuzuordnen waren (z. B. Ernst Wiechert). Die Zeitschrift Das innere Reich (1934-1944; von Paul Alverdes geleitet) galt sogar als heimlicher Sammelpunkt einer Gegenliteratur.

1938 überwarf sich Gustav Pezold, der bereits 1922 ein Parteimitglied war, mit den Machthabern und wurde daraufhin von Robert Ley entlassen.[1] Nachdem die Geschäftsleitung mehrmals wechselte, ging das Unternehmen 1943 in den Verlag Knorr&Hirth über, der zu diesem Zeitpunkt dem Zentralverlag der NSDAP Franz Eher angegliedert war und demnach 1945 von den Siegermächten unter Treuhänderschaft gestellt wurde.

Langen Müller Verlag

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges beschlagnahmten die amerikanischen Militärbehörden das Unternehmen als Parteieigentum und vergaben ein Großteil der Verlagsrechte an andere Verlage. 1950 wollten sie die Firma auflösen, was jedoch vom bayrischen Landesamt für Vermögensverwaltung und Wiedergutmachung verhindert werden konnte.

Zwei Jahr später ging Langen Müller in die Deutsche Angestellten Gewerkschaft über (Rechtsnachfolgerin der Deutschen Arbeitsfront) und wurde durch Joachim Schondorff und Günther Hauffe wieder aufgebaut. Schließlich erwarb Schondorff den Verlag und wurde 1964 Alleininhaber. Als herausragende Leistung kann die Buchreihe Theater der Jahrhunderte angesehen werden, in der Dramen von Gerhart Hauptmann, Hugo von Hofmannsthal, Euripides und Sophokles erschienen. Frühere Autoren wie Frank Wedekind, Otto Julius Bierbaum und August Strindberg fanden wieder Eingang ins Programm.

Der heutige Verlag

1966 ging das Unternehmen an den Verleger Herbert Fleissner über, der als Mitglied des „Witikobundes“ und Teilhaber des „Sudetendeutschen Anzeigers“ aufgefallen war. Heute firmieren die Buchverlage Langen Müller, Herbig und nymphenburger unter der F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, die mittlerweile von Brigitte Fleissner-Mikorey geleitet wird. Das Verlagsprogramm gliedert sich in die Abteilungen Belletristik, Sachbuch und Biografien. Neben einer umfangreichen Hörbuchreihe gehören die Serien Kunst im Quadrat und Star-Legenden zum aktuellen Programm. Im schöngeistigen Bereich finden sich u. a. Autoren wie Knut Hamsun, Mark Twain, Jack London, Truman Capote und Stefanie Zweig wieder. Zum Sachbuchsegment zählen besonders zeitgeschichtliche und politische Titel.

Literatur

  • Hannsludwig Geiger: Es war um die Jahrhundertwende: Gestalten im Banne des Buches; Albert Langen/Georg Müller. München: Langen-Müller 1953.
  • Helga Abret: Albert Langen: ein europäischer Verleger. München: Langen Müller 1993, ISBN 3-7844-2459-7.
  • Aesthetik des neueren Buches: Drucke englischer und deutscher Pressen, bibliophile Ausgaben der Verlage Georg Müller, Insel, Cassirer, Diederichs sowie einiger weiterer wichtiger Erstausgaben. Rotthalmünster: Thelem Antiquariat Heribert Tenschert 1978/79.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 455.

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