Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege


Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege

Das Freiwillige Jahr in der Denkmalpflege (FJD) ist ein Bildungs- und Orientierungsjahr für Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 27 Jahren. Das FJD ist eine Form des Freiwilligen Sozialen Jahres und basiert auf § 3 Abs. 1 des Jugendfreiwilligendienstegesetzes.

Das Freiwillige Jahr in der Denkmalpflege dauert in der Regel zwölf Monate. Es beginnt am 1. September und endet am 31. August des Folgejahres. Das FJD kann bei der Stiftung für Hochschulzulassung, ehemals ZVS als Wartesemester angerechnet werden, einzelne Stellen können anerkannte Kriegsdienstverweigerer als Ersatz für den Zivildienst geltend machen. Es wird von den Ländern und einzelnen Trägern finanziell unterstützt und durchgeführt. Das Freiwillige Jahr in der Denkmalpflege kann auch im Ausland abgeleistet werden. Seit 2007 absolvieren jährlich etwa 250 Teilnehmer das FJD.

Inhaltsverzeichnis

Träger

Träger des Freiwilligen Jahres in der Denkmalpflege ist zurzeit (2008) ausschließlich der Verein „Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz e.V.“ in Zusammenarbeit mit den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten (ijgd). Diese übernehmen durch ihre staatliche Anerkennung die Auswahl der Einsatzstellen und Betreuung der Teilnehmer sowie die Verwaltung staatlicher Fördergelder und Spenden.

Einsatzstellen

Standorte der Jugendbauhütten sind Brandenburg/Berlin, Görlitz, Duisburg/Raesfeld, Mühlhausen (Thüringen), Quedlinburg, Romrod, Soest, Wismar, Regensburg, Stade sowie Stralsund/Szczecin und Potsdam/Altdöbern als Orte zweier deutsch-polnischer Gemeinschaftsprojekte.

Die im Aufbau befindliche Jugendbauhütte Lübeck hat am 1. September 2011 ihre Tätigkeit aufgenommen.[1][2]

Als Einsatzstellen kommen gemeinwohlorientierte Einrichtungen in Frage, die in ihrer Arbeit denkmalpflegerische Aspekte beachten (Denkmalbehörden, Museen, Vereine) sowie Handwerks- und Baubetriebe, Restaurierungswerkstätten sowie Architektur- und Planungsbüros oder ähnliches. Jede Einsatzstelle wird von örtlichen Trägern, zurzeit den ijgd, betreut, bei denen auch die FJD-Teilnehmer die Seminare besuchen. Der Deutsche Handwerkskammertag hat entschieden, dass bei Vorliegen der ausbildungsberechtigenden Voraussetzungen in der Einsatzstelle das FJD auf die Dauer einer folgenden Berufsausbildung angerechnet werden kann.

Seminare

Die Träger der einzelnen Einsatzstellen organisieren insgesamt 35 Seminartage, aufgeteilt in 7 Wochen. In den einzelnen Wochen werden von den FJD-Teilnehmern und den Trägern festgesetzte Themen wie Geschichte und Aufgaben des Denkmalschutzes, Arbeitsmethoden, Stil- und Materialkunde sowie rechtliche Grundlagen der Denkmalpflege behandelt. Die Ausgestaltung dieser Tage erfolgt meist durch Referenten oder Selbstorganisation.

Gehalt und Kosten

Den Kosten des FJD liegen Richtwerte der Förderung nach § 9 des Jugendfreiwilligendienstgesetzes zugrunde. Sie werden getragen (Jugendbauhütte Romrod, 2006) zu ca. 17 % aus Eigenleistungen der Einsatzstelle, 4 % aus Landes- und europäischen Förderungsmitteln (EVS, ESF), 6 % durch das Bundesamt für Zivildienst und 73 % durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. An anderen Orten können kommunale Fördermittel hinzutreten. FJD-Teilnehmer erhalten ein monatliches Taschengeld, Verpflegung sowie Unterkunft gestellt.

Zivildienst

Seit 2002 ist es auch für anerkannte Kriegsdienstverweigerer (KDV) möglich, das Freiwillige Jahr in der Denkmalpflege zu leisten. Im § 14c des Zivildienstgesetzes ist u. a. geregelt, dass jeder anerkannte Verweigerer, der sich zwölf Monate lang als FJDler engagiert und dies dem Bundesamt für den Zivildienst (BAZ) nachweist (durch die FJD-Trägerorganisation), nicht mehr zum Zivildienst herangezogen wird. Da die Altersgrenze für die Einberufung zum Grundwehr- und zum Zivildienst mittlerweile auf 23 Jahre abgesenkt ist, greift § 14c jedoch nur für KDV, die noch nicht 23 Jahre alt sind. Das BAZ beteiligt sich nur im Falle zusätzlich eingerichteter „14c-Plätze“ an deren Kosten. Kriegsdienstverweigerer müssen also schon bei der Bewerbung angeben, dass sie das FJD als Ersatz für den Zivildienst leisten wollen. Grundsätzlich leisten Kriegsdienstverweigerer das Freiwillige Jahr in der Denkmalpflege zu FJD-Bedingungen, d. h. die Rahmenbedingungen und Besonderheiten des Zivildienstes gelten hier nicht.

Rechtliche Grundlagen

Die sozialrechtlichen Grundlagen für das Freiwillige Jahr in der Denkmalpflege sind seit dem 1. Juni 2008 im „Gesetz zur Förderung von Jugendfreiwilligendiensten“ geregelt. Bis dahin galt das Gesetz zur Förderung des Freiwilligen Sozialen Jahres. Für zu diesem Zeitpunkt bestehende Dienstverhältnisse kann vereinbart werden, dass das neue Recht angewendet wird, ansonsten ist für sie das bis zum 1. Juni 2008 geltende Recht maßgebend.

Literatur

  • Jugendbauhütten – Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege. Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn 2007

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Monumente Magazin für Denkmalkultur in Deutschland, Deutsche Stiftung Denkmalsschutz, 21. Jahrgang., Nr. 4, August 2011, S. 71.
  2. Deutsche Stiftung Denkmalsschutz: Jugendbauhütten

Weblinks

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