Albert von Le Coq
Albert von Le Coq

Albert von Le Coq (auch: Albrecht von Le Coq, * 8. September 1860 in Berlin; † 21. April 1930 ebenda) war ein deutscher Archäologe und Zentralasien-Forscher.

Albert von Le Coq hatte ein Vermögen in Form von Brauereien und Weinkellern in Mittel- und Osteuropa geerbt (siehe A. Le Coq), die ihm seine Reisen und seine Studien am Museum für Völkerkunde in Berlin gestatteten. Er war Assistent des Direktors der Indischen Abteilung des Museums, Albert Grünwedel, und organisierte mit diesem Expeditionen nach Zentralasien, insbesondere zu Orten an der Seidenstraße. Als Grünwedel vor Aufbruch der zweiten Turfanexpedition erkrankte, fiel Le Coq die Leitung zu.

Die Expeditionen stießen auf ein verzweigtes Netzwerk buddhistischer und manichäistischer Höhlentempel in Xinjiang (Nordwestchina). Viele der Manuskripte in den Höhlen wurden während der Ausgrabungen zerstört. Einige Gemälde in den Höhlen ließen Le Coq spekulieren, es könnte sich um eine arische (indo-europäische) Kultur handeln, die mit den Franken verwandt sei.

Mit Hilfe seines Assistenten Theodor Bartus meißelte und sägte Le Coq über 360 kg Fresken, Statuen und andere Kunstwerke ab und transportierte sie in 305 Kisten nach Berlin. Le Coq rechtfertigte diese „Ausleihungen“ mit den Wirren in Turkestan zur Zeit der Expeditionen. Ein Teil der Kunstwerke wurde bis 1944 im damaligen Völkerkundemuseum an der Prinz-Albrecht-Straße ausgestellt, als dieses durch einen Bombentreffer stark zerstört wurde. Viele der Objekte waren jedoch zuvor ausgelagert worden, konnten größtenteils nach dem Krieg zurückgeführt werden und befinden sich heute im Museum für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin.

Von Le Coqs Grab befindet sich auf dem Berliner Friedhof Dahlem.

Werke

Literatur

  • Peter Hopkirk: Foreign Devils on the Silk Road. The Search for the Lost Cities and Treasures of Chinese Central Asia. The University of Massachusetts Press, Amherst 1980, ISBN 0-87023-435-8.
  • Heinrich G. Franz: Kunst und Kultur entlang der Seidenstraße. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1986, ISBN 3-201-01306-4.
  • Marianne Yaldız: Archäologie und Kunstgeschichte Chinesisch-Zentralasiens (Xinjiang). Brill, Leiden 1987, ISBN 90-04-07877-0.
  • Die kleine Enzyklopädie. Encyclios-Verlag, Zürich, 1950, Band 2, Seite 29
  • Bruno J. Richtsfeld (Hrsg.): Der Briefwechsel Lucian Scherman–Albert von Le Coq und die Gründe für das Scheitern einer Serindien-Abteilung am Völkerkundemuseum München. Die Serindien-Sammlung des Staatlichen Museums für Völkerkunde München II. In: Münchner Beiträge zur Völkerkunde. Jahrbuch des Staatlichen Museums für Völkerkunde München. Band 14. 2010/11. S. 129–193.

Weblinks


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