Friedrich Wetter
Friedrich Kardinal Wetter in der Karmelitenkirche München (2008)
Friedrich Kardinal Wetter, Porträt von Günter Rittner 1998
Friedrich Kardinal Wetter mit dem Bischofsstab des Benno von Meißen (2006)

Friedrich Kardinal Wetter (* 20. Februar 1928 in Landau in der Pfalz) ist emeritierter Erzbischof von München und Freising.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Mit Papst Benedikt XVI. am Marienplatz, 2006
Friedrich Kardinal Wetter bei der Fronleichnamsprozession in München

Friedrich Wetter wurde als Sohn einer Eisenbahnerfamilie – der Vater war Lokomotivführer – geboren. Er wuchs mit den zwei Schwestern Hildegard und Hedwig auf.

Nach dem Abitur 1948 am Landauer Gymnasium studierte Wetter Katholische Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main und an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Dort empfing er am 10. Oktober 1953 die Priesterweihe. 1956 wurde er mit einer Dissertation zum Thema Die Lehre Benedikts XII. vom intensiven Wachstum der Gottesschau zum Doktor der Theologie promoviert.

Von 1956 bis 1958 wirkte Wetter als Kaplan in Speyer, wo er anschließend bis 1960 als Assistent und Dozent am Priesterseminar tätig war. Danach war er für kurze Zeit Hilfspriester im westpfälzischen Glan-Münchweiler, bis er 1961 zur Habilitation beurlaubt wurde.

Seine akademische Laufbahn setzte er zunächst als Dozent, später als Professor für Fundamentaltheologie an der Hochschule Eichstätt fort. 1965 habilitierte er sich am Martin-Grabmann-Forschungsinstitut in München bei dem Dogmatiker Michael Schmaus mit der Arbeit Die Trinitätslehre des Johannes Duns Scotus. 1967 erhielt er an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz eine Professur für Dogmatik. Nachdem ihn Papst Paul VI. zum Bischof von Speyer ernannt hatte, wirkte er noch als Honorarprofessor.

Seine Bischofsweihe fand am 29. Juni 1968 im Dom zu Speyer statt. Konsekrator war sein Vorgänger auf dem Speyerer Bischofssitz, Isidor Markus Emanuel; Mitkonsekratoren waren der Mainzer Bischof Hermann Volk und der Trierer Weihbischof Alfred Kleinermeilert.

Nachdem Joseph Kardinal Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation nach Rom berufen worden war, wurde Wetter 1982 als dessen Nachfolger von Papst Johannes Paul II. zum 12. Erzbischof von München und Freising ernannt und am 25. Mai 1985 als Kardinalpriester mit der Titelkirche Santo Stefano al Monte Celio in das Kardinalskollegium aufgenommen.

Wetter hatte schon 2003 kurz vor seinem 75. Geburtstag, wie es das kirchliche Recht in Can. 401 § 1 vorsieht, dem Papst seinen Amtsverzicht angeboten, doch dies hatte Johannes Paul II. vorerst abgelehnt. Erst Papst Benedikt XVI. nahm am 2. Februar 2007 den Amtsverzicht an, bat aber gleichzeitig, Wetter möge als Apostolischer Administrator mit allen Rechten und Vollmachten eines Diözesanbischofs das Erzbistum wie bisher leiten, bis ein neuer Erzbischof bestellt sei. Kardinal Wetter entsprach dieser Bitte.[1]

Die Bestellung zum Apostolischen Administrator gilt als ungewöhnlich; denn üblicherweise obliegt es dem Domkapitel, für die Dauer der Sedisvakanz einen Diözesanadministrator zu wählen. Mit der Bestellung des Administrators durch den Papst wurde dem Domkapitel diese Möglichkeit genommen. Die Maßnahme wurde auf das besondere Vertrauensverhältnis zwischen dem Papst und Wetter zurückgeführt.

Am 30. November 2007 ernannte Papst Benedikt XVI. den bisherigen Bischof von Trier, Reinhard Marx, zu Kardinal Wetters Nachfolger als Erzbischof von München und Freising. Wetters Amtszeit endete am 2. Februar 2008, als Marx im Rahmen eines Pontifikalamtes in sein neues Amt eingeführt wurde.

Wetter ist Mitglied des Kuratoriums am Jüdischen Zentrum München.

Wappen des Bischofs von Speyer
Wappen des Erzbischofs von München und Freising nach der Kreierung zum Kardinal

Bischofswappen

Das Wappen geviert, zeigt in Feld 1 und 4 ein silbernes Kreuz auf blauem Grund für das Bistum Speyer, in Feld 2 und 3 , drei rote Flammen auf silbernem Grund als Symbol des Heiligen Geistes, in ihrer Dreizahl aber auch hinweisend auf die Heiligste Dreifaltigkeit als zentrales Geheimnis des christlichen Glaubens.

Seinem Wappen als Erzbischof von München und Freising fügte er den Freisinger Mohren mit roter Krone auf goldenen Grund hinzu. Sein persönliches Wappen nun drei goldene Flammen auf rotem Grund – Ich taufe dich im Namen des Vaters + des Sohnes + und des Heiligen Geistes +.

Der Schild wird von den heraldischen Insignien begleitet:

  • Als Bischof mit grünen Pontifikalhut (Galero) mit je sechs grünen Quasten (fiocchi) Hirtenstab und Kreuz.
  • Als Erzbischof mit grünem Pontifikalhut mit je zehn ebenfalls grünen Quasten und aufgestelltem Doppelkreuz.
  • Als Kardinal mit rotem Pontifikalhut mit je fünfzehn Quasten.

Sein Wahlspruch Pax vobis („Friede sei mit Euch“) (Joh 20,19 EU) ist der Gruß des Auferstandenen, als er in die Mitte seiner Jünger trat.

Standpunkte

  • Wetter tritt für den Schutz des ungeborenen Lebens und für eine "ungeschmälerte Qualität und Bedeutung der von der katholischen Kirche getragenen Schwangerenberatung" ein.
  • In der Auseinandersetzung mit dem Karlsruher Kruzifix-Urteil sprach er von einem "Intoleranzedikt".[2]
  • Im Zusammenhang mit den 2010 aufgedeckten Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche kritisiert Wetter die daraufhin eingetretenen "organisatorischen Aktivitäten" und die "orientierungslose Betriebsamkeit" der kirchlichen Institutionen. Stattdessen fordert er eine Erneuerung der Kirche aus den Menschen heraus.[3]

Ehrungen

Festschriften

Literatur

  • Ferdinand Schlickel: Friedrich Wetter. Bischof von Speyer (1968–1982); in: Hans Ammerich (Hg.): Lebensbilder der Bischöfe von Speyer seit der Wiedererrichtung des Bistums Speyer 1817/21. Festgabe zum 60. Geburtstag Seiner Exzellenz Dr. Anton Schlembach, Bischof von Speyer; Archiv des Bistums Speyer: Schriften des Diözesan-Archivs Speyer, 15; Speyer 1992; S. 339–358.

Weblinks

 Commons: Friedrich Wetter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Erklärung des Amtsverzichts im Wortlaut
  2. Kardinal Friedrich Wetter - Ausführlicher Lebenslauf. Erzbistum München und Freising, abgerufen am 26. Mai 2010.
  3. Predigt des Erzbischofs em. Friedrich Kardinal Wetter beim Pontifikalgottesdienst zum Pfingstfest im Liebfrauendom in München am 23. Mai 2010. Pressestelle Erzbischöfliches Ordinariat München, abgerufen am 26. Mai 2010.


Vorgänger Amt Nachfolger
Isidor Markus Emanuel Bischof von Speyer
1968–1982
Anton Schlembach
Joseph Kardinal Ratzinger Erzbischof von München und Freising
1982–2007
Reinhard Kardinal Marx

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Friedrich Wetter — Cardinal Wetter 2008 Biographie Naissance 20 février 1928 à Landau in der Pfalz (Allemagne) …   Wikipédia en Français

  • Friedrich Wetter — infobox cardinalstyles cardinal name=Friedrich Wetter dipstyle=His Eminence offstyle=Your Eminence relstyle=Monsignor See=Munich and Freising (emeritus) deathstyle=|Friedrich Wetter (born 20 February 1928) is a German cardinal of the Catholic… …   Wikipedia

  • Friedrich Kardinal Wetter — in der Karmelitenkirche München (2008) Wappen von Friedrich Kardinal Wetter Friedrich Kardinal Wetter (* …   Deutsch Wikipedia

  • Friedrich — ist ein deutscher männlicher Vorname. Die weiblichen Form des Vornamens ist Friederike. Inhaltsverzeichnis 1 Herkunft und Bedeutung 2 Namenstage 3 Varianten 4 …   Deutsch Wikipedia

  • Friedrich Fahr — Friedrich M. Fahr (* 15. Dezember 1932 in Chicago, USA; † 15. November 2007 in Freising) war langjähriger Erzbischöflicher Finanzdirektor im Erzbistum München und Freising und zuletzt Ordensreferent im Erzbischöflichen Ordinariat München. Er… …   Deutsch Wikipedia

  • Wetter (Begriffsklärung) — Das Wetter ist das meteorologische Wetter die umgangssprachliche Bezeichnung für ein Unwetter im Bergbau die im Bergwerk vorhandene Luft, siehe Wetter (Bergbau) in Marschgebieten ein Kanal oder großer Entwässerungsgraben, siehe Wetterung. Ist der …   Deutsch Wikipedia

  • Friedrich (given name) — Infobox Given Name Revised name = Friedrich imagesize= caption= pronunciation= gender = meaning = region = origin = related names = footnotes =Friedrich is a given name, and may refer to:In artistry:* Fritz Lang (Friedrich Lang), film makerIn… …   Wikipedia

  • Friedrich Harkort — Friedrich Harkort, um 1820 Friedrich Harkort …   Deutsch Wikipedia

  • Friedrich Wilhelm Erbstolln — Andere Namen Friedrich Wilhelm, Friedrich Wilhelm Stolln, Friedrich Wilhelm Erbstollen modo Flachsteich Abbau von Steinkohle Betriebsbeginn 1805 Betriebsende 1822 Nachfolgenutzung …   Deutsch Wikipedia

  • Wetter — may refer to: * Wetter (Ruhr), a town in the Ruhr area, Germany * Wetter, Hesse, a town in Hesse, Germany * Wetter (river), a minor river in Hessen, Germany * [http://de.wikipedia.org/wiki/Wetter Wetter] , the german word for weatherWetter is the …   Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”