Albrecht (Preußen)
Bildnis von Markgraf Albrecht von Brandenburg-Anspach, porträtiert von Lucas Cranach d.Ä., datiert 1528. Im Besitz des Herzog Anton Ulrich-Museums in Braunschweig.
Albrecht von Brandenburg-Ansbach als Hochmeister des Deutschen Ordens im Jahre 1522
Hochmeisterwappen Albrechts von Brandenburg-Ansbach
Münze (1534) mit dem Profil Herzog Albrechts und der Inschrift „Iustus ex fide vivit“ („Der Gerechte lebt aus dem Glauben“), ein Zitat aus dem Galaterbrief nach Martin Luther
Albrecht auf dem Buchdeckel eines Bandes der Silberbibliothek. Dies wurde später das Siegellogo der Albertus-Universität Königsberg, der "Albertina".
Albrecht von Preußen im Alter von 68 Jahren

Albrecht von Preußen (auch Albrecht von Brandenburg-Ansbach, Albrecht von Hohenzollern; * 17. Mai 1490 in Ansbach; † 20. März 1568 auf Burg Tapiau in Tapiau, Herzogtum Preußen, heute Russland) war ein Prinz aus der hohenzollern'schen Sekundogenitur Ansbach sowie Hochmeister des Deutschen Ordens in Preußen und später erster Herzog des Herzogtums Preußen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Geboren wurde Albrecht am 17. Mai 1490 in Ansbach. Sein Vater war Friedrich II. von Hohenzollern, Markgraf von Brandenburg-Ansbach. Seine Mutter Sophie war eine Tochter des polnischen Königspaars Kasimir IV. Jagiello und Elisabeth von Habsburg.

Er wurde 1511 zum 37. Hochmeister des Deutschen Ordens gewählt, eine Würde, die er bis 1525 innehatte. Auf reichsdeutschen Beistand vertrauend, verweigerte er dem polnischen König den Lehnseid und ließ sich 1520 auf einen Krieg mit Polen ein, der aber nach einem Jahr unglücklich für ihn ausging. Das war der letzte Krieg zwischen dem Orden und Polen. Der König von Polen bewilligte ihm einen vierjährigen Waffenstillstand, während dessen Albrecht im Reich verweilte. Hier wurde er 1522 während der Religionskämpfe in Nürnberg von Andreas Osiander für die Reformation gewonnen. Auf Luthers Rat legte er das Amt des Hochmeisters nieder und beschloss, den Deutschordensstaat in ein weltliches Herzogtum umzuwandeln und die Reformation einzuführen. Vor seinem Onkel, dem polnischen König Sigismund I., legte Albrecht am 8. April 1525 in Krakau den Huldigungseid ab, in dem Albrecht Preußen als ein in gerader, männlicher Linie forterbendes Herzogtum zu Lehen nahm. Auf dem Landtag, der kurz darauf in Königsberg gehalten wurde, erklärten sich alle Stände - Georg von Polenz, Bischof von Samland, an der Spitze - für die Anerkennung des neuen Herzogs und für die Annahme der Reformation.

Albrecht setzte an die Durchführung seines Werkes alle Kraft. Sofort erschien eine neue Kirchenordnung, und die Versuche des Deutschen Ordens, Albrecht wieder zu verdrängen, sowie die beim Kammergericht in Deutschland 1531 gegen den Herzog erwirkte Reichsacht hatten keine andere Wirkung, als dass dieser die Einführung der evangelischen Lehre und die Befestigung seiner Herrschaft umso eifriger betrieb. Das bedeutete das Ende des Ordensstaates in Preußen.

Ganz besonders förderte Albrecht das Schulwesen: In den Städten legte er Lateinschulen an, gründete 1540 das Gymnasium in Königsberg und 1544 die dortige Universität, die Albertus-Universität ("Albertina"). Deutsche Schulbücher (Katechismen etc.) ließ er auf eigene Kosten drucken, und Leibeigenen, welche sich dem Lehrgeschäft widmen wollten, gab er die Freiheit. Von ihm stammt der Text der ersten drei Strophen des Kirchenliedes „Was mein Gott will, gescheh allzeit“ (Evangelisches Gesangbuch Nr. 364). Albrecht legte auch den Grundstock zur königlichen Bibliothek, dessen 20 prächtigsten Bände er für seine zweite Gattin Anna Maria in reinem Silber beschlagen ließ. Sie erhielt daher den Namen „Silberbibliothek“.

Seine letzten Regierungsjahre wurden ihm durch kirchliche und politische Zerwürfnisse vielfach verbittert. Der Streit des Königsberger Professors Osiander, der Melanchthon heftig anfeindete, mit seinen Kollegen, namentlich mit Joachim Mörlin, gab Anlass zu ernsten Verwicklungen. Der Herzog stand auf Seiten Osianders, der größte Teil der Geistlichkeit, auf das Volk gestützt, hielt es mit dem des Landes verwiesenen Mörlin, ebenso die Städte und der Adel, weil jene so die Anerkennung ihrer ehemaligen Vorrechte, dieser dagegen die Beschränkung der herzoglichen Gewalt auf das Verhältnis des ehemaligen Hochmeisters zu seinem Orden zu erreichen hofften. Fast das ganze Land stand dem Fürsten feindselig gegenüber, der angeklagt wurde, die Ausländer zu sehr zu begünstigen, in der Tat viele Jahre sich vom kroatischen Abenteurer und Universalgelehrten Stanislav Pavao Skalić hatte beherrschen lassen und überdies sehr verschuldet war. Die Stände suchten Hilfe in Polen. Daraufhin sandte Polen 1566 eine Kommission nach Königsberg, die gegen den Herzog entschied. Des Herzogs Beichtvater Johann Funck, der Schwiegersohn Osianders, und zwei Verbündete wurden als Hochverräter zum Tode verurteilt, Mörlin wurde zurückberufen und zum Bischof von Samland ernannt. Als solcher schrieb er zur Verdammung der Osianderschen Lehren das symbolische Buch Preußens: Repetitio corporis doctrinae Prutenicae. Neue Räte wurden dem Herzog von der polnischen Kommission und den Ständen aufgenötigt. Von ihnen abhängig, verlebte Albrecht seine letzten Tage in tiefem Kummer.

Albrecht starb am 20. März 1568 auf der Burg Tapiau an der Pest, 16 Stunden nach ihm auch seine zweite Gemahlin Anna Maria.

Familie und Nachkommen

Herzog Albrecht heiratete 1526 in erster Ehe Prinzessin Dorothea (1504-1547), Tochter von König Friedrich I. von Dänemark. Aus dieser Ehe stammten sechs Kinder:

  • Anna Sophie (* 11. Juni 1527; † 6. Februar 1591)
∞ 1555 Herzog Johann Albrecht I. von Mecklenburg (1525–1576)
  • Katharina (*/† 24. Februar 1528)
  • Friedrich Albrecht (* 5. Dezember 1529; † 1. Januar 1530)
  • Lucia Dorothea (* 8. April 1531; † 1. Februar 1532)
  • Lucia (* Februar 1537; † Mai 1539)
  • Albrecht (*/† März 1539)

In zweiter Ehe heiratete er 1550 Prinzessin Anna Maria, Tochter von Herzog Erich I. von Braunschweig-Calenberg. Aus dieser Ehe stammten zwei Kinder:

  • Elisabeth (* 20. Mai 1551; † 19. Februar 1596)
  • Albrecht Friedrich (* 29. April 1553; † 28. August 1618), Herzog von Preußen
∞ 1573 Prinzessin Marie Eleonore von Jülich-Kleve-Berg (1550–1608)

Siehe auch

Literatur

  • Briefwechsel der berühmtesten Gelehrten des Zeitalters der Reformation mit Herzog Albrecht von Preussen, hg. von Johannes Voigt, Königsberg 1841 (Digitalisat)
  • Briefwechsel des Freiherrn Sigismund v. Herberstein mit dem Herzog Albrecht von Preussen, hg. von Johannes Voigt, Wien 1856 (Digitalisat)
  • Johannes Voigt, Des Herren Albrecht Kriegsstudien und Kriegsanstalten, Neue Preußische Provinzialblätter, Serie III, Bd. 4, Heft 1, Königsberg 1859, S. 1-59
  • Carl Alfred von Hase: Herzog Albrecht und sein Hofprediger, Leipzig 1879
  • Johannes Rindfleisch: Herzog Albrecht von Hohenzollern, der letzte Hochmeister und die Reformation in Preussen. Danzig 1880
  • Erich Joachim: Die Politik des letzten Hochmeisters in Preußen Albrecht von Brandenburg. 3 Teile. Hirzel, Leipzig 1892–1895 (Digitalisat)
  • Europäische Briefe im Reformationszeitalter. 200 Briefe an Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach, Herzog in Preusse, hg. von Walther Hubatsch, Kitzingen/Main 1949
  • Ingeborg Mengel: Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg und Albrecht von Preußen. Ein Fürstenbriefwechsel der Reformationszeit (= Göttinger Bausteine zur Geschichtswissenschaft; Bde. 13/14 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen ; Bd. 12a = Geschichte des Hannoverschen Klosterfonds; Beibd. = Veröffentlichungen der Kommission für Ost- und Westpreußische Landesforschung; Bd. 11); Göttingen 1954
  • Kurt Forstreuter: Zu den Kriegsstudien des Herzogs Albrecht von Preußen“, Altpreußische Forschungen 19 (1942), S. 234-249; ND in: Ders.: Beiträge zur preußischen Geschichte im 15. und 16. Jahrhundert (= Studien zur Geschichte Preußens 7), Heidelberg 1960, S. 56-72
  • Walther Hubatsch: Albrecht von Brandenburg-Ansbach. Deutschordens-Hochmeister und Herzog in Preußen 1490–1568, Heidelberg 1960.
  • Oliver Volckart, Die Münzpolitik im Ordensland und Herzogtum Preußen von 1370 bis 1550, Wiesbaden 1996 (Digitalisat)
  • Ruth Engelhardt: Artikel Albrecht von Preußen. In: Wolfgang Herbst (Hrsg.): Komponisten und Liederdichter des Evangelischen Gesangbuchs. (= Handbuch zum Evangelischen Gesangbuch; Bd. 1). Göttingen 1999
  • Thomas Anselmino: Medizin und Pharmazie am Hofe Herzog Albrechts von Preußen (1490–1568). Heidelberg 2003
  • Albrecht (Preußen). In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL).
  • K. Lohmeyer: Albrecht. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 293–310.
  • Walther Hubatsch: Albrecht der Ältere. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, S. 171–173 (Onlinefassung).
  • Regesten aus dem Herzoglichen Briefarchiv und den Ostpreußischen Folianten, 9 Bde., bearb. von Stefan Hartmann (= Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz 31, 37, 39, 49, 54, 57, 60, 61, 63) Köln u.a. 1991-2008
  • Regesten aus dem Herzoglichen Briefarchiv und den Ostpreußischen Folianten, bearb. von Ulrich Müller (= Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz 41), Köln 1996
  • Regesten aus dem Herzoglichen Briefarchiv und den Ostpreußischen Folianten, bearb. von Dieter Heckmann (= Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz 47), Köln 1999
  • Die Testamente Herzog Albrechts von Preußen aus den sechziger Jahren des 16. Jahrhunderts, hg. von Almut Bues und Igor Kąkolewski (= Deutsches Historisches Institut Warschau. Quellen und Studien; Bd. 9), Wiesbaden 1999
  • Dieter Heckmann, Die Beziehungen der preußischen Herzöge zu west- und südeuropäischen Herrschern. Formale und inhaltliche Ergebnisse der Erschließung der Abteilung G des herzoglichen Briefarchivs, in: Archivarbeit für Preußen, hg. von Jürgen Kloosterhuis (= Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz, Arbeitsberichte 2), Berlin 2000, S. 407-417.
  • Die Kriegsordnung des Markgrafen zu Brandenburg Ansbach und Herzogs zu Preussen Albrecht des Älteren, Königsberg 1555, 2 Bde. [Faksimile und Kommentar] im Auftrag des MGFA und in Zusammenarbeit mit dem DHI Warschau hg. von Hans-Jürgen Bömelburg, Bernhard Chiari und Michael Thomae, Braunschweig 2006
  • Stefan Hartmann: Das herzogliche Briefarchiv und seine Regestierung, in: Preußens erstes Provinzialarchiv. Zur Erinnerung an die Gründung des Staatsarchivs Königsberg, hg. von Bernhart Jähnig und Jürgen Kloosterhuis, Marburg 2006, S. 197-213
  • Tadeusz Marian Nowak, Die polnische Fassung der Kriegsordnung Albrechts vor dem Hintergrund der preußisch-polnischen Beziehungen, in: Die Kriegsordnung des Markgrafen, a.a.O., Bd. 2, S. 29-38
  • Matthias Rogg, Die Kriegsordnung Albrechts des Älteren von Brandenburg, Herzog in Preußen, in: Die Kriegsordnung des Markgrafen, a.a.O., Bd. 2, S. 19-27
  • Die Apologien Herzog Albrechts, hg. von Almut Bues (= Deutsches Historisches Institut Warschau. Quellen und Studien; Bd. 20). Wiesbaden 2009
  • Stefan Hartmann: Äußerungen Herzog Albrechts zum Militärwesen in bisher kaum bekannten Quellen - Kriegsbuch und Briefwechsel, in: Beiträge zur Militärgeschichte des Preußenlandes von der Ordenszeit bis zum Zeitalter der Weltkriege. Sven Ekdahl anläßlich seines 75. Geburtstages am 4. Juni 2010 gewidmet, hg. von Bernhart Jähnig (= Veröffentlichungen der Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung 25), Marburg 2010, S. 191-232

Weblinks

 Commons: Albrecht von Preußen – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Friedrich von Sachsen Hochmeister des Deutschen Ordens
1510–1525
Walther von Cronberg
--- Herzog von Preußen
1525–1568
Albrecht Friedrich

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Albrecht I. (Brandenburg-Ansbach) — Albrecht von Brandenburg Ansbach als Hochmeister des Deutschen Ordens im Jahre 1522 Hochmeisterwappen Albrechts von Brandenburg Ansbach …   Deutsch Wikipedia

  • Albrecht I. von Brandenburg-Ansbach — Albrecht von Brandenburg Ansbach als Hochmeister des Deutschen Ordens im Jahre 1522 Hochmeisterwappen Albrechts von Brandenburg Ansbach …   Deutsch Wikipedia

  • Albrecht von Brandenburg-Preußen — Albrecht von Brandenburg Ansbach als Hochmeister des Deutschen Ordens im Jahre 1522 Hochmeisterwappen Albrechts von Brandenburg Ansbach …   Deutsch Wikipedia

  • Albrecht von Preußen — ist der Name folgender Angehöriger des deutschen Adelsgeschlechts Hohenzollern: Prinz Albrecht (Preußen) (Albrecht von Brandenburg Ansbach, 1490–1568), letzter Hochmeister des Deutschen Ordens in Ostpreußen, erster weltlicher Herzog von Preußen… …   Deutsch Wikipedia

  • Albrecht von Preußen (1809–1872) — Prinz Albrecht von Preußen Albrecht von Preußen (* 4. Oktober 1809 in Königsberg; † 14. Oktober 1872 in Berlin; vollständiger Name Friedrich Heinrich Albrecht Prinz von Preußen) war ein preußischer Prinz und …   Deutsch Wikipedia

  • Preußen (Postgeschichte) — Dieser Artikel beschreibt das Preußische Postwesen seit seinen historischen Anfängen bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Für die preußische Postgeschichte des 19. Jahrhunderts siehe Preußen (Postgeschichte und Briefmarken). Inhaltsverzeichnis 1… …   Deutsch Wikipedia

  • Preußen [2] — Preußen (Gesch.). Das eigentliche Königreich P. (Ost u. Westpreußen), wurde in der ältesten geschichtlichen Zeit, im 4. Jahrh. n.Chr., diesseits der Weichsel von den germanischen Gothonen, jenseit von den slawischen Venetä (Wenden) bewohnt; an… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Albrecht von Preußen, Regent von Braunschweig — Albrecht von Preußen, Photographie von 1895 Friedrich Wilhelm Nikolaus Albrecht Prinz von Preußen (* …   Deutsch Wikipedia

  • Albrecht [1] — Albrecht (soviel wie Adalbert oder Albert, »der an Geschlecht Glänzende«), Name zahlreicher deutscher Fürsten und fürstlicher Personen. [Deutsche Könige.] 1) A. I., Herzog von Österreich, Rudolf von Habsburgs ältester Sohn, geboren um 1250, gest …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Albrecht I. — Albrecht hießen folgende Herrscher: Inhaltsverzeichnis 1 Albrecht 1.1 Albrecht I. 1.2 Albrecht II. 1.3 Albrecht III. 1.4 Albrecht IV./... 2 …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”