Alce

Aktaion (altgriech. Άκτέων oder Άκταίων, lat. Actaeon) ist ein griechischer Heros. Sein Vater war der Hirte Aristaios, ein Sohn des Apollo und der thessalischen Nymphe Kyrene (Diodoros 4, 81, 1-3), seine Mutter Autonoë war eine Tochter des Kadmos, des Gründers und Königs von Theben und der Harmonia , der Tochter des Ares (Pausanias 10, 17, 3). Er wurde von dem Kentaur Cheiron erzogen, der ihn besonders in der Kunst der Jagd unterrichtete.

Aktaion mit seinen Hunden

Inhaltsverzeichnis

Quellen

Darstellungen

  • Hesiod
  • ein verlorenes Gedicht des Stesichoros (Europeia?), nur aus dem Bericht von Pausanias bekannt
  • Genealogiai des Akousilaos von Argos aus der archaischen Zeit, von Apollodor (Bibliothek) erwähnt
  • Die Tragödie Aktaion des attischen Dichters Phrynichos
  • Die verlorene Tragödie Toxotides des Aeschylus, die vielleicht die Badeszene enthielt
  • Die Tragödie Aktaion des Iophon
  • Die Tragödie Aktaion des Kleophon aus Attika
  • Ein episches Gedicht des Deinarchos aus dem 3. Jh. v. Chr.
  • Ovid, Metamorphosen. Die Darstellung geht vielleicht auf Kallimachos zurück, mag aber auch die Geschichte des Sehers Teiresias aufnehmen.
  • Diodor 4, 81, 3-5
  • Hyginus, Fabulae 180, 181.

Nach Ovid

Aktaion war ein Enkel des Kadmos. Nach erfolgreicher Jagd hatte er seine Freunde mit den Speeren und Netzen bis zum folgenden Morgen nach Hause geschickt. Diana hatte sich in Gargaphia in Böotien in einem heiligen Hain eine Quelle eingerichtet, in der sie nach erfolgreicher Jagd zu baden pflegte. Eine der Nymphen nimmt ihr die Jagdwaffen ab, Krokale aus Theben richtet ihr Haar, während ihre Kolleginnen Nephele, Hyale, Rhanis, Psekas und Phiale die Göttin aus Wasserkrügen benetzen. Sorglos durch den Wald streifend, betrat Aktaion die Grotte und überraschte die Badende. Die Nymphen suchten die Blöße der Göttin mit ihren Leibern zu decken, die sie jedoch um Haupteslänge überragte und unter dem unkeuschen Blick des Sterblichen glühend errötete. Ihres Bogens beraubt, bespritzte sie Aktaion mit dem Wasser der Quelle und rief: "Nun sag, wenn Du kannst, du habest mich nackend gesehen!" Daraufhin wuchs Aktaion ein Geweih aus der Mitte der Stirn, seine Ohren wurden länger und länger, Hände und Füße wandelten sich zu gespaltenen Hufen und ein geschecktes Fell bedeckte seinen Leib. Furcht ergriff ihn und er eilte von dannen, selbst erstaunt über seinen geschwinden Lauf. Als er schließlich sein Spiegelbild im Wasser erblickte, wollte er vor Erstaunen ausrufen, aber seine menschliche Stimme war geschwunden, und nur ein Stöhnen entrang sich seiner Kehle. Als Einziges blieb sein Verstand unverändert, und er überlegte, was er tun solle, während Tränen über sein pelziges Gesicht rannen. Scham hielt ihn vom Palast seines Vaters fern, Furcht von den dichten Wäldern der Umgegend. Noch während er sinnt, erspähen ihn seine Hunde und verfolgen ihn, angespornt von seinen Freunden, die nur bedauern, dass Aktaion selbst diese Jagd versäumt. Sie rufen nach ihm und bemerken nicht, wie der Hirsch noch auf den Namen lauscht, während ihn seine eigenen Hunde zerfleischen.

Ovid ist der erste Dichter, der die Verwandlung in einen Hirsch beschreibt, bildliche Darstellungen zeigen Aktaion ausschließlich in menschlicher Gestalt. Es scheint, dass ursprünglich lediglich die Hunde behext wurden und glaubten, einen Hirsch vor sich zu haben.

In den Metamorphosen werden die Namen seiner Hunde folgendermaßen wiedergegeben: Aello, Agre, Agriodus, Alce, Astolus, Conace, Dorceus, Dromas, Harpalos, Harpyia, Hylactor, Hyläus, Ichnobates, Labros, Lachne, Lacon, Ladon, Laelaps, Leucon, Lysice, Malampus, Melanchaetes, Melaneus, Nape, Nebrophonus, Oresitrophus, Oribasus, Pamphagus, Poemenis, Pterelas, Stilbe, Theridamas, Theron, Thous, Tigris.

Hesiod

Nach Hesiod freite Aktaion seine Tante Semele, die Tochter des Kadmos und wurde so zum Konkurrenten von Zeus selbst, der mit der Familie, bzw. den Männern der Familie ohnehin nicht auf bestem Fuße stand. Nach seinem Tod suchten seine Hunde nach ihm und beruhigten sich erst, als der Kentaur Charon eine Statue ihres Herrn anfertigte.(Hesiod, Fragmente, POxy 2509; Apollodorus n. 8)

Pausanias 1, 44, 5

Auch Pausanias berichtet, Stesichoros folgend, Artemis habe Aktaion verwandelt, um zu verhindern, dass er seine Tante Semele heirate, die schließlich die Geliebte von Zeus und die Mutter von Dionysos wurde, bevor sie der Eifersucht Heras zum Opfer fiel, ein Ereignis, das Ovid unmittelbar im Anschluss an das Schicksal Aktaions schildert. Seine Mutter Autonoë sammelte Aktaions Gebeine ein und wanderte danach ziellos umher. Sie gelangte schließlich in die Megaris, wo ihr Grab gezeigt wurde.

In Orchomenos ging Aktaion als Gespenst um und bewarf die Bewohner mit Steinen. Einem Orakel folgend, nagelten sie schließlich ein Bronzebild des Heros an einen Felsen, was die Erscheinung beendete ((Pausanias 9, 38,5, Plutarch Aristeides 11,3).

Euripides, Bacchae 337

Nach Euripides war es der Neid der Jagdgöttin auf die Erfolge des Kadmiden, der zu dessen schmählichen Ende führte. Seine Hunde sammelten sich nach seinem schrecklichen Ende in einer Höhle. Seine Mutter Autonoë suchte schließlich die Höhle auf, um ihre Verzauberung (lyssa) zu beenden, erst nun begreifen die Hunde, dass sie ihren eigenen Herren zerfleischt haben. Sie werden nun dem neugeborenen Dionysos, einem Vetter von Aktaion, anvertraut.

Diodor

Diodoros Sikilos dagegen berichtet, Aktaion habe Artemis Hirsche, bzw. deren Hufe und Köpfe (akrotiria), die Beute einer Jagd geweiht und dann versucht, sie im Heiligtum selbst zu verführen oder zur Heirat zu bewegen.

Apollodorus

Laut Apollodorus beobachtete Aktaion beim Jagen in einem Tal bei Platää die Göttin Artemis, die mit ihren Nymphen im parthenischen Quell badete. Er wurde entdeckt und von der Göttin mit dem Wasser der Quelle bespritzt, worauf Aktaion, in einen Hirsch verwandelt, von seinen eigenen Hunden gejagt und auf dem Berg Kithairon zerrissen wurde. Heulend suchten die Hunde dann ihren Herrn im ganzen Land und wurden erst in Cheirons Höhle, wo sie sein Bild sahen, beschwichtigt. Seine Knochen wurden schließlich von seiner Mutter Autonoë aufgesammelt.

Stesichoros

Nach Stesichoros (frg. 59 PMG = Pausanias 9, 2, 3-4) versuchte Aktaion dagegen, sich an Semele zu vergehen.

Hyginus, Fabulae 181

Auch Hyginus nennt die Namen der Hunde. Sie sind hier: Aeon, Aethon, Agre, Agriodus, Agrius, Alce, Arcas, Arethusa, Argo, Aura, Borax, Boreas, Canache, Charops, Chediaetros, Corax, Cyllo, Cyllopotes, Cyprius, Dinomache, Dioxippe, Dorceus, Draco („Drache”), Dromas, Dromius, Echidna, Echnobas, Elion, Eudromus, Gorgo, Haemon, Harpalus, Harpalycus, Harpyia, Hylactor, Hylaeus, Ichneus, Ichnobates, Labros, Lacaena, Lacon, Ladon, Lalaps, Lampus, Leane, Lycisce, Lyncaeste, Machimus, Melampus, Melanchaetes, Melaneus, Nape, Nebrophonus, Obrimos, Ocydrome, Ocydromus, Ocypote, Ocythous, Omelympus, Oresitrophus, Orias, Oribasus, Oxyroe, Pachitos, Pamphagus, Poemenus, Pterelas, Sagnos, Stilbe, Stilbon, Syrus, Theriope, Theriphone, Therodamas, Therodapanis, Theron , Thous, Tigris, Urania, Volatos, Zephyrus.

Orte

Auch über den Schauplatz des Geschehens herrscht keine Einigkeit.

  • Bad der Artemis:
    • Plataiai, ein Tal in den Fußhügeln des Kithairon (Elatea)
    • oder Gargaphia, die Quelle fons Parthenius
  • Antrum nemorale bei Ovid
    • Der Ort seines Todes lag vermutlich im Gebirge Kithairon (Euripides, Bacchae 1290-2)

Kult

In Plataiai war Aktaion der heros archegetes. Er wurde auch in Orchomenos verehrt.

Deutung

Aktaion ist eine Inkarnation des Hirschgottes, den man in fast allen Religionen der Welt kennt.

Aktaions Vater Aristaios hatte ein Opfer an Sirius, den Hundsstern eingeführt, dessen Erscheinen die Zeit der größten Mittagshitze ankündigt (Apoll. Rhod. 2, 500). Fr. Marx hält demnach Aktaion für einen Berggott, dessen Abbild die Hitze der Hundstage abwehren sollte. Jane Ellen Harrison dagegen sieht in ihm einen Repräsentanten einer älteren chtonischen pelasgischen Religion, den Dämon Enaitos, der jährlich durch seinen Tod die Fruchtbarkeit der Natur erneuert.

S. Kramer setzt ihn mit dem sumerischen Dumuzi gleich und stellt seinen Tod in den Zusammenhang einer tödlichen Heiligen Hochzeit (hieros gamos). Interessant ist bei Aktaion die Vermischung der Rollen von Hirte, dem üblichen Gemahl und Opfer der Großen Göttin (hier nun sein Vater Aristaios) und Jäger, auch Inanna/Ištar/Atargatis wird durch die keusche Artemis ersetzt, die Hochzeit selbst nicht mehr vollzogen. Nach dem klassischen Philologen Ernst Curtius geht Artemis auf orientalisch/phönikische Ursprünge zurück.

Aktaions Ende erinnert an den thrakischen Orpheus, der ebenfalls wegen des Neids der Götter von wilden Tieren zerrissen wurde. Mit diesem ist er über seinen Vater Aristeion verbunden, der ebenfalls in die Nymphe Eurydike verliebt war und unabsichtlich an ihrem Tode schuldig wurde (Ovid, Metamorphosen 15, 359).

Während Aktaion bei Ovid ein harmloser Jüngling ist, der aus heiterem Himmel und ohne eigene Schuld zu einem schrecklichen Ende kommt, wird aus den anderen Erzählungen, die leider nur fragmentarisch überliefert sind, klar, dass er ursprünglich eine weit mächtigere Figur war. Sein Vater Aristaios wird als "alter bäuerlicher Segensgott" (kleiner Pauly I, 551) gedeutet, der auch als Zeus Aristeios und als Apollo Nomios verehrt wurde und der in der späteren Überlieferung zu einem immerhin unsterblichen Heros herabsank. Aktaion selbst ist ein Enkel des Apollon und somit der Großneffe von Artemis, sowie mütterlicherseits ein Urenkel des Ares.

Mehrere Versionen der Sage erwähnen die Schwierigkeit, nach seinem Tode seine Hunde zu kontrollieren, die so wichtig sind, dass Ovid den Namen und die Eigenschaften jedes einzelnen berichtet. Vermutlich deuten die Hunde eine Verbindung zur Unterwelt an (Höllenhunde) und stellen Aktaion in die Nähe anderer gehörnter chthonischer Gottheiten wie den keltischen Arawn, dem Herrn der Cŵn Annwn und den syrischen Reschef. Es ist anzunehmen, dass die Jagdgöttin Artemis ursprünglich seine Gattin, nicht seine Gegnerin war. Interessant ist auch (über Semele), die Verbindung zu Dionysos, der ebenfalls mit gefleckten Tieren wie dem Rehkitz und dem Leoparden steht. Vielleicht ist dieser Gott der ursprüngliche Sohn Aktaions, bevor er durch Zeus aus einer weit jüngeren Göttergeneration ersetzt wurde. Immerhin übernimmt er nach Euripides die Kontrolle der Hunde nach dem Tode seines sterblichen Vetters. Seine Mutter Autinoë war nach Euripides die Anführerin der Mänaden. Bemerkenswert ist eine Adaption der Sage, in der die Göttin auf Aktaion einen ihrer Pfeile schleudert, diese Deutung greift auch der Wiener Dichter Johann Mayrhofer um 1820 auf. [1]

Darstellung in der Kunst

Die bildende Kunst hat die Geschichte seiner Verwandlung und seines Todes mit einer gewissen Vorliebe behandelt. Ein berühmtes Beispiel ist Rembrandts 1634 fertiggestelltes Gemälde Das Bad der Diana mit Aktäon und Kallisto. Eine kleine (1774 gefundene) antike Marmorgruppe steht im Britischen Museum in London. Die Nymphen-Szene wird auch auf dem Aktäon-Kamin im Schloß Neuhaus bei Paderborn dargestellt.

Literatur

  • Wolfgang Cziesla: Aktaion polypragmon. Variationen eines antiken Themas in der europäischen Renaissance. Frankfurt am Main, Bern, New York, Paris 1989. ISBN 3-631-42431-0.
  • Lamar Ronald Lacy: Aktaion and a Lost 'Bath of Artemis'. in: Journal of Hellenic Studies. London 110. 1990, 26-42. ISSN 0075-4269
  • S. N. Kramer: The sacred marriage rite. Bloomington, Indiana 1969.
  • Walter Burkert: Homo necans. Berkeley 1983, 83-130.
  • Konrad Schauenburg: Aktaion in der italischen Vasenmalerei. in: Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts. Berlin 34.1969. ISSN 0931-7007
  • W. Rademacher: Mythos und Sage bei den Griechen. München 1942, Wiss. Buchges., Darmstadt 1968 (Repr.).

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