Föderierte Staaten von Mikronesien


Föderierte Staaten von Mikronesien
Federated States of Micronesia

Föderierte Staaten von Mikronesien

Flagge Mikronesiens
Wappen Mikronesiens
Flagge Wappen
Wahlspruch: Peace Unity Liberty

„Friede Einheit Unabhängigkeit“

Amtssprache Kosraeanisch, Pohnpeanisch, Yapesisch, Chuukesisch, Ulithisch, Woleaianisch und Englisch
Hauptstadt Palikir
Staatsform Bundesrepublik
Staatsoberhaupt und Regierungschef Präsident Manny Mori
Fläche 702 km²
Einwohnerzahl 110.218 (Stand: Oktober 2006)
Bevölkerungsdichte 157 Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner 1.975 US-Dollar (2004)
Währung US-Dollar (USD)
Unabhängigkeit 3. November 1986
Nationalhymne Patriots of Micronesia
Zeitzone UTC +10h
Kfz-Kennzeichen FSM
Internet-TLD .fm
Telefonvorwahl + 691
Micronesia in Oceania (small islands magnified).svg
Karte von Mikronesien.png

Die Föderierten Staaten von Mikronesien (englisch Federated States of Micronesia) sind ein Inselstaat im westlichen Teil des Pazifischen Ozeans.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Siehe auch: Mikronesien

(Inselgebiet)

Der Staat nimmt den größten Teil der Karolinen ein, die eine Inselgruppe Mikronesiens sind. Die Föderation besteht aus den Staaten Chuuk, Kosrae und Pohnpei, welche die Ostkarolinen bilden, und dem Staat Yap, der zusammen mit der unabhängigen Nation Palau die Westkarolinen bildet. Die größte Stadt des Landes ist Weno mit etwa 17.624 Einwohnern auf der Insel Moen im Osten des Chuuk-Atolls; Hauptstadt ist Palikir auf der Insel Pohnpei.

Hauptinseln und -atolle

(von West nach Ost)

Geschichte

Die Inseln sind mindestens seit dem Ende des 3. Jahrtausend v. Chr. menschlich besiedelt. Es wird angenommen, dass sich in vorkolonialer Zeit von der Insel Yap aus ein größeres Staatswesen in der Region entwickelt hat.

Katholische Kirche von Kolonia auf der Insel Pohnpei, 1973

Als erste Europäer kamen Portugiesen im 16. Jahrhundert nach Mikronesien. Im Jahre 1696 wurden die Inseln von Spanien in Besitz genommen. Nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg verkaufte Spanien die Inseln 1899 an Deutschland. Das damalige Deutsche Reich machte die Inseln zum Bestandteil seiner Kolonie Deutsch-Neuguinea. Im Verlaufe des Ersten Weltkrieges wurden die Inseln 1914 ohne Widerstand von der japanischen Armee besetzt, 1920 kamen sie als Völkerbundsmandat an Japan.

Im Zweiten Weltkrieg dient vor allem Truk als Stützpunkt für die japanischen Angriffe auf Neuguinea, den Bismarck-Archipel und die Salomonen. Am 16. und 17. Februar 1944 wurde dieser im Rahmen der Operation Hailstone von Flugzeugen der US-Marine massiv bombardiert und ein großer Teil der dort stationierten japanischen Streitkräfte vernichtet. Beim sogenannten „Island Hopping“ der Amerikaner wurden allerdings viele andere japanische Stützpunkte umgangen und erst nach der Kapitulation Japans übergeben.

1947 wurde Mikronesien UN-Treuhandgebiet. Unter der Bezeichnung Trust Territory of the Pacific Islands (TTPI) wurde es zunächst von der US-Marine verwaltet, ab 1961 vom US-Innenministerium. Das TTPI ermöglichte den USA, abseits der Insel Guam weitere Militärstützpunkte zu errichten und zudem Kernwaffentests auf den Inselgruppen durchzuführen. Bereits 1946 wurden Atombomben getestet. 1954 wurde ihre stärkere Nachfolgerin, die Wasserstoffbombe, auf dem Bikini-Atoll der Marshall-Inseln erstmals gezündet. Neben militärischen Vorsätzen gab es auch zivile: Die UN verlangte von der US-Verwaltung, nationales Bewusstsein in der in Stämmen lebenden Bevölkerung zu erwecken sowie die Wirtschaftsentwicklung zu fördern. 1967 begannen Beratungen über die Zukunft der Inseln, und 1970 schließlich erhielten die Mikronesier das Recht auf Souveränität.[1]

Am 10. Mai 1979 ratifizierten die vier späteren Bundesstaaten die Verfassung der so gegründeten Föderierten Staaten von Mikronesien und unterzeichneten einen Vertrag über die freie Assoziation mit den USA, der die Zuständigkeit dieser für die Verteidigung sowie finanzielle Unterstützungen festschreibt. Der Vertrag trat am 3. November 1986 in Kraft. 1991 wurden die Föderierten Staaten von Mikronesien endgültig unabhängig.

Bevölkerung

Völker

Die größte und politisch dominante Volksgruppe mit etwa 48,8 % Bevölkerungsanteil sind die Chuukesen. Daneben sind auch die Pohnpeianer mit 24,2 % Einwohneranteil eine einflussreiche Volksgruppe. Weitere mikronesische Volksgruppen sind die Kosraeaner mit 6,2 %, die Yapesen mit 5,2 % und die Yap-Außeninselbewohner mit 4,5 % Gesamtbevölkerungsanteil. Minderheiten sind die Asiaten mit 1,8 % und die Polynesier mit 1,5 % Anteil an der Bevölkerung. Andere Volksgruppen machen 6,4 % der Gesamtbevölkerung aus.[2]

Sprache

Das Land hat sieben offizielle Sprachen: Englisch, Yapesisch, Pohnpeanisch, Kosraeanisch, Chuukesisch, Ulithisch und Woleaianisch.

Weitere Sprachen sind unter anderem Mokilesisch, Mortlockesisch, Pingelapisch, Puluwatesisch, Satawalesisch, Namonuito, Pááfang, Nukuoro, Kapingamarangisch und das Ngatik Men’s-Kreol.

Die meisten Einwohner beherrschen Englisch zumindest in Grundzügen. Viele ältere Einwohner sprechen Japanisch fließend. Viele sprechen eine oder mehrere der einheimischen Sprachen. Einige dieser Sprachen wurden während der Geschichte zunächst von Spanisch und Deutsch, dann von Japanisch und in letzter Zeit vor allem von Englisch beeinflusst.[2]

Religion

Im Großen und Ganzen ist Mikronesien aufgrund der deutschen und spanischen Kolonialgeschichte christlich geprägt. Die spanische Herrschaft führte dazu, dass heute noch ein Großteil der Bevölkerung katholisch ist. Während der deutschen Kolonialzeit bis 1914 kamen dann auch protestantische Missionare aus dem Kaiserreich zum Einsatz.

Gemäß der Volkszählung von 2000 sind 52,7 % der Bevölkerung römisch-katholisch und 40,1 % Kongregationalisten. Minderheiten sind die Baptisten und die Sieben-Tags-Adventisten, zu denen sich 0,9 % respektive 0,7 % der Gesamtbevölkerung bekennen. Andere Glaubensgemeinschaften machen 3,8 % der Einwohner aus.[2]

Gesundheit

Statistisch gesehen leben in der Föderation von Mikronesien und auf Nauru die dicksten Menschen der Welt. Über 3/4 der Bevölkerung hat starkes Übergewicht, was auf eine landestypische und ortsbedingte Ernährung zurückzuführen ist.

Politik

Die Föderierten Staaten von Mikronesien sind ein demokratischer Bundesstaat mit einem präsidialen Regierungssystem in grober Anlehnung an das politische System der USA. Als Legislative dient der Kongress der Föderierten Staaten von Mikronesien mit 14 vom Volk gewählten Mitgliedern. Jeder der vier Bundesstaaten entsendet je ein auf vier Jahre gewähltes Mitglied, die anderen zehn Kongress-Mitglieder repräsentieren je einen der nach Bevölkerungszahlen bestimmten Wahlkreise für eine Legislaturperiode von zwei Jahren.

Staatsoberhaupt ist der Präsident, welchem ein Vizepräsident zur Seite steht. Beide werden für eine Amtsperiode von vier Jahren vom Kongress aus der Mitte der von den Bundesstaaten entsandten Mitgliedern gewählt. Deren Sitze im Kongress werden dann durch eine spezielle Wahl neu besetzt. Der Präsident ernennt zur Wahrnehmung der Regierungsgeschäfte ein Kabinett. In den Föderierten Staaten von Mikronesien gibt es keine formellen politischen Parteien.

Das höchste Organ der Rechtsprechung ist der Supreme Court, welcher in eine Verfahrens- und eine Berufungsinstanz unterteilt ist. Die Richter werden auf Vorschlag und mit Zustimmung des Kongresses vom Präsidenten ernannt.

Präsidenten

Die bisherigen Präsidenten des Landes waren

  1. Tosiwo Nakayama (1979–1987)
  2. John Haglelgam (1987–1991)
  3. Bailey Olter (1991–1997)
  4. Jacob Nena (1997–1999, vertrat Olter seit dem 8. November 1996)
  5. Leo Falcam (1999–2003)
  6. Joseph J. Urusemal (2003–2007)
  7. Manny Mori (seit 2007)

Administrative Gliederung

Karte mit den Bundesstaaten

Die Föderierten Staaten von Mikronesien bestehen aus vier Bundesstaaten. Jeder dieser Staaten hat eine eigene Verfassung, seine eigene gewählte Legislative und seine eigene Regierung. Die einzelnen Staatsregierungen haben erhebliche Rechte und unterhalten eigene Haushalte.

Karte Bundesstaat Inseln Fläche Einwohner
Map Chuuk Islands1.png Flag of Chuuk.svg
Chuuk
294 127 km² 54.000
Kosrae.png Flag of Kosrae.png
Kosrae
5 110 km² 7.900
Pohnpei Island.png Pohnpei (Staatsflagge).png
Pohnpei
163 344 km² 35.000
Yap Islands.png Flag of Yap.svg
Yap
145 119  km² 11.300

Wirtschaft

Wirtschaftszweige

Die Föderierten Staaten von Mikronesien sind ökonomisch als Entwicklungsland von subsistenzieller Landwirtschaft und Fischfang geprägt. Der Abbau von hochwertigem Phosphat-Erz bildet ein weiteres wirtschaftliches Standbein.

Größere Industrien gibt es bisher nicht, kleinere Betriebe erzeugen überwiegend Produkte für den heimischen Markt. Einzig industriell gefertigte Textilien sowie Souvenirs haben eine gewisse exportwirtschaftliche Bedeutung.

Es besteht ein touristisches Potenzial, das allerdings aufgrund der Abgeschiedenheit der Inseln sowie fehlender Infrastruktur unterentwickelt ist.

Der Verkauf von Lizenzen zum kommerziellen Fischfang in Hoheitsgewässern an ausländische Fischereiflotten ist der größte eigenständige Einnahmeposten.

Die größte Einnahmequelle sind allerdings finanzielle Zuwendungen der USA, welche aufgrund des Assoziationsabkommens gezahlt werden.

Israel unterstützt Mikronesien in Bildungswesen, Landwirtschaft und medizinischer Versorgung.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2007 Ausgaben von umgerechnet 152 Mio. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 166 Mio. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsüberschuss in Höhe von 2,2 % des BIP. Das Land erhält Zahlungen aus den USA in Höhe von Millionen US-Dollar jährlich.[3]

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

Kultur

Sport

Die Mikronesische Fußballnationalmannschaft ist weder Mitglied der FIFA, noch des OFC.

Literatur

  • Ellen Boneparth, M. James Wilkinson: Terminating Trusteeship for the Federated States of Micronesia and the Republic of the Marshall Islands. Independence and Self-Sufficiency in the Post-Cold War Pacific. In: Pacific Studies. 18, Nr. 2, 1995, ISSN 0275-3596, S. 61–78.
  • Hermann Mückler: Traditionelle und moderne Mobilität auf Atollinseln. Zur räumlichen Orientierung, Navigation, Bootsbau und Migration in Mikronesien. In: Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft Wien. 133, Wien 2003, ISSN 0373-5656, S. 125–137.
  • Glenn Petersen: Lessons Learned: The Micronesian Quest for Independence in the Context of American Imperial History. In: Micronesian Journal of the Humanities and Social Sciences. 3, 2004, ISSN 1449-7336, S. 45–63, online.

Einzelnachweise

  1. Harenberg Staatenlexikon, Dortmund 2000.
  2. a b c CIA World Fact Book Mikronesien. Abgerufen am 10. Oktober 2011.
  3. a b c The World Factbook
  4. Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, Fischer, Frankfurt, 8. September 2009, ISBN 978-3-596-72910-4

Weblinks

 Commons: Föderierte Staaten von Mikronesien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Mikronesien – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikiatlas Wikimedia-Atlas: Föderierte Staaten von Mikronesien – geographische und historische Karten
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