Aldi
Aldi Nord/Aldi Süd
Logo Aldi Nord Logo ALDI Süd
Rechtsform Aldi Nord: GmbH & Co. oHG [1]

Aldi Süd: GmbH & Co. oHG [2]

Gründung 1913
Sitz Essen (Aldi Nord),
Mülheim/Ruhr (Aldi Süd)
Leitung Marc Heußinger (Aldi Nord),
Norbert Podschlapp und Jürgen Kroll (Aldi Süd)
Umsatz 41,801 Mrd. EUR (2009)[3]
Branche Lebensmitteleinzelhandel
Website www.aldi.com

Aldi ist der Kurzname der beiden weltweit operierenden deutschen Handelsunternehmen Aldi Nord und Aldi Süd. Der Name Aldi ist eine Abkürzung und stand ursprünglich für Albrecht-Discount.

Inhaltsverzeichnis

Das Unternehmen

Anfänge 1913–1946

Karl Albrecht sen. (Vater von Karl und Theo Albrecht) war gelernter Bäcker und arbeitete zunächst als Bergmann, bis er aus gesundheitlichen Gründen diese Arbeit aufgeben musste. 1913 machte sich Karl Albrecht sen. als Brothändler selbstständig und seine Frau Anna Albrecht (geb. Siepmann) eröffnete unter dem Namen ihres Mannes einen kleinen Tante-Emma-Laden in Essen.

Nachkriegszeit 1946–1960

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen Karl und Theo 1946 den elterlichen Betrieb.[4] Sie expandierten immer mehr und hatten es 1950 zu einer kleinen Lebensmittelkette von 13 Geschäften herkömmlicher Prägung gebracht.[4]

Aufteilung ab 1960

1960, im Jahr der Aufteilung in Aldi Nord und Aldi Süd, waren es bereits 300 Läden[4] mit einem Umsatz von 90 Millionen DM. Zu dieser Zeit existierten bereits zwei getrennte Zentralbetriebe mit Verwaltung und Zentrallager (von Theo Albrecht in Herten für Aldi Nord, von Karl Albrecht in Mülheim an der Ruhr für Aldi Süd).

In Mülheim am Heifeskamp wurde bereits 1960 eine Kaffee-Rösterei betrieben, die noch heute existiert.

Albrecht-Filiale in Memmingen, Ende der 60er Jahre

Durch die in Westdeutschland aufkommende Selbstbedienung im Vertriebstyp Supermarkt stagnierten Anfang der 1960er Jahre auch bei den Albrecht-Brüdern die Umsätze in den ca. 300 sehr kleinen Bedienungsläden. Dieser Vertriebstyp (auch Stubenläden genannt) hatte keine Zukunft mehr und verlor ständig mehr Umsätze an Supermarktketten wie Kaiser's, Hill, Bolle, Deutscher Supermarkt, Konsum etc. Um einen Ausweg aus dieser kritischen Situation zu finden, wandten sich Karl und Theo Albrecht ab 1960 ebenfalls dem Vertriebstyp „Supermarkt“ zu und experimentierten mit etwa 20 bis 30 Albrecht-Supermärkten. Die Läden hatten eine Verkaufsfläche von etwa 150 bis 200 m² und führten neben einem mittelgroßen Sortiment von Trockenwaren auch Frischartikel wie Obst und Gemüse, Molkereiprodukte, Wurstwaren und Frischfleisch (bei Frischfleisch stützten sich die Albrecht-Brüder auf einen sachkompetenten Partner, die Großfleischerei RUOS aus Essen). Der Test mit diesen Albrecht-Supermärkten scheiterte, da er weder in den Ladengrößen noch in der Sortimentsvielfalt der inzwischen davongeeilten Supermarkt-Konkurrenz ebenbürtig war. Diese noch unter dem roten Albrecht-Logo getesteten Märkte wurden bald wieder geschlossen bzw. konnten nach Umgestaltung kurze Zeit später auf Aldi-Discount genutzt werden.

Ein weiterer, ebenfalls nicht erfolgreicher Ausweg wurde 1961 durch einen Test mit dem aus den USA kommenden Vertriebstyp Cash & Carry an den Standorten Neuss und Mülheim/Ruhr unter dem Logo ALIO gestartet. Dieser Test ist aus heutiger Sicht ebenfalls als eher halbherzig zu bezeichnen, denn mit nur ca. 2.000 bis 3.000 m² Verkaufsfläche konnte Alio sich nicht gegen die bereits etablierte C & C -Konkurrenz, wie z. B. gegen die Märkte des damaligen Marktführers und Hauptwettbewerbers RATIO in Bochum und Münster, durchsetzen, die mit ca. zehnfacher Fläche und entsprechend größerem Sortiment antraten.

Das Unternehmen Albrecht befand sich also 1961/62 in einer Krise, aus der die Tests mit Supermärkten und Cash & Carry-Märkten keinen Ausweg gebracht hatten. Unter dem Zwang zur Neuorientierung entwickelten Karl und Theo Albrecht die Idee Lebensmittel-Discount und gaben ihren Läden dieser für Europa völlig neuen Vertriebsform den Namen ALDI (AL-brecht DI-scount).[4]

Der betriebswirtschaftliche Grundgedanke zu diesem neuen Vertriebstyp lässt sich mit dem Satz „Discount ist die Kunst des Weglassens“ umschreiben. Im Vergleich zu den damals marktführenden Supermärkten ließen die Brüder Albrecht eine ganze Reihe der damals üblichen Dienstleistungs-Funktionen der Einzelhandels-Distribution einfach weg. Aldi-Fazit: Keine breiten und tiefgestaffelten Sortimente (nur schnelldrehende Grundnahrungsmittel, keine Doubletten), keine leicht verderblichen Frischartikel (damit keine kostenintensive Warenpflege, keine Bedienung, keine teuren Kühlmöbel, geringer Energieverbrauch), keine Preisauszeichnung (die Kassiererinnen hatten die Preise, zusammengefasst in relativ wenigen Preisgruppen, auswendig zu lernen, später über Nummern aufzurufen = PLU), kein Auspacken der Ware (verkauft wurde aus den aufgeschnittenen Versandkartons), keine teure Ladeneinrichtung (verkauft wurde von Paletten oder von selbstgefertigten Holzstellagen), keine Ladendekoration und Werbung, kein Kreditverkauf, keine damals üblichen Rabattmarken. Das knapp bemessene Filial-Personal wurde für alle anfallenden Arbeiten ausgebildet, so dass bei hoher Arbeitsdichte das Personal ständig ausgelastet war. Dieses Weglassen von wesentlichen Einzelhandelsfunktionen brachte den Aldi-Märkten große Kostenvorteile gegenüber der Supermarkt-Konkurrenz. Diese Kostenvorteile ermöglichten es Aldi, trotz eines von Anfang an gut kalkulierten Gewinns den Verbrauchern große Preisvorteile zu bieten.

Die damals bei allen Markenartikeln übliche Bindung der Verbraucherpreise (Preisbindung der zweiten Hand) ließ allerdings praktisch den Albrecht-Brüdern keine Möglichkeiten, diese Kostenvorteile beim Vertrieb von Markenartikeln an die Verbraucher weiterzugeben. Deshalb blieb Aldi nur der Ausweg über markenfreie Produkte, die sogenannten No-Name-Produkte. Es galt, Hersteller zu finden, die Produkte speziell für Aldi mit Fantasie-Namen abpackten, die keiner Preisbindung unterlagen. Viele Markenartikler waren anfangs dazu nicht bereit, weil sie negative Reaktionen ihrer Bestandkundschaft befürchteten und auch tatsächlich erlebten. Aufgrund der raschen Expansion von Aldi und wegen ihrer von Anfang an guten Qualität erreichten diese Aldi-Eigenmarken schnell die Bekanntheit und den Distributionsgrad bekannter Markenartikel [5]

Die ersten Versuche mit solchen Discount-Läden fanden 1961 im Raum Dortmund und Bochum statt. In Serie ging der Vertriebstyp „Discount“ bei Aldi Süd (Leitung Horst Steinfeld, Geschäftsführer Aldi Mülheim). Die Organisation der Eröffnungen und die Führung dieser ersten Aldi-Filialen verantwortete Walter Vieth (damals Leiter des Bezirks westliches Ruhrgebiet/Niederrhein). Unter Verwertung ehemaliger Albrecht-Supermärkte wurden ab Juni 1962 im Wochenrhythmus und in dieser Reihenfolge die ersten ALDI-Discountmärkte eröffnet: Dinslaken (Neustraße), Walsum (Friedrich-Ebert-Straße), Bocholt (Nordstraße) und Wesel (Hohe Straße).

Die Verbraucher nahmen die neuen, äußerst preiswerten ALDI-Märkte in kürzester Zeit an. Die Umsatzleistung pro Mitarbeiter hatte sich gegenüber dem ALBRECHT-Supermarkt beim Discounttyp ALDI fast verzehnfacht. Die Umsatz- und Renditewerte der ersten Serienmärkte und die schnelle Akzeptanz dieser Läden bei den Verbrauchern waren so überzeugend, dass wenige Monate nach Eröffnung dieser ersten Märkte die Albrecht-Brüder in die überregionale Multiplikation gehen konnten und ihren erfolgreichen Weg durch Westdeutschland, Europa und andere Kontinente antraten. Das für diese wohl einmalige Expansion notwendige Kapital erwirtschaftete das Discount-System selbst. Durch den raschen Warenumschlag (ca. 10 Tage), die Barzahlung in den Läden und durch das übliche Zahlungsziel bei den Herstellern (30 Tage) war stets genügend Liquidität vorhanden, die Expansion ohne Bankkredite zu finanzieren.

Karl und Theo Albrecht gelang mit der Idee Aldi die wohl erfolgreichste Einzelhandels-Innovation des vergangenen Jahrhunderts. Das Potential dieser inzwischen etwa 50 Jahre alten Innovation der Albrecht-Brüder zeigt die bis heute andauernde Marktführerschaft von Aldi in Deutschland und in vielen Ländern der Erde. Dabei gilt trotz der vorsichtigen Erweiterung von Sortiment und Filialgröße nach wie vor das Prinzip des Gründungsjahres „Discount ist die Kunst des Weglassens“.[5]

Organisation

Seit 1960 haben Karl und Theo Albrecht die Stammfirma Albrecht KG in Aldi-Nord (Theo) und Aldi-Süd (Karl) getrennt. Zu diesem Zeitpunkt schied auch die Mutter der Gebrüder Albrecht als Gesellschafterin aus. Die beiden Konzerne sind freundschaftlich verbunden und treten gelegentlich gemeinsam auf, z. B. mit gemeinsamen Handelsmarken oder gegenüber Lieferanten. Das Bundeskartellamt[6] betrachtet Aldi Nord und Aldi Süd als „faktischen Gleichordnungskonzern“ im Sinne von § 18 Abs. 2 Aktiengesetz (Deutschland). Rechtlich, organisatorisch und seit 1966 auch finanziell sind beide Konzerne ansonsten als GmbH & Co. oHG unabhängig. Die Regionalgesellschaften sind als GmbH & Co. KG organisiert.

Deutschland

Der sogenannte „Aldi-Äquator“

Zurzeit besteht Aldi Nord aus 36 rechtlich selbstständigen Regionalgesellschaften mit etwa 2535 Filialen und Aldi Süd aus 31 Gesellschaften mit ca. 1780 Filialen in West- und Süddeutschland. Die Grenze zwischen Aldi Nord und Aldi Süd, auch Aldi-Äquator genannt, verläuft vom Niederrhein über Mülheim an der Ruhr, Wermelskirchen, Gummersbach (in Gummersbach gibt es Nord- und Süd-Filialen)[7], Siegen (in Siegen gibt es Nord- und Süd-Filialen, weil die Autobahn 45 die Grenze bildet), Marburg, nach Osten bis nördlich von Fulda. Ostdeutschland ist – bis auf eine Filiale im thüringischen Sonneberg, die aus Bayern beliefert wird – vollständig Aldi-Nord-Gebiet. Den Regionalgesellschaften, die als Kommanditgesellschaften (GmbH & Co. KG) geführt werden, steht jeweils ein Geschäftsführer vor. Dieser muss lediglich der Geschäftsleitung in Essen (Aldi-Nord) bzw. Mülheim an der Ruhr (Aldi-Süd), welche als Kommanditist auftritt, Rechenschaft ablegen.

Des Weiteren existieren verschiedene Tochtergesellschaften der beiden Aldi-Konzerne, die zentrale Aufgaben wie Einkauf und Immobilienverwaltung übernehmen, beispielsweise die Aldi Einkauf GmbH & Co. oHG.

Die Regionalgesellschaften haben ihren Sitz zumeist außerhalb der größeren Ballungszentren, verfügen jedoch grundsätzlich über einen nahe gelegenen Autobahnanschluss, damit die Ware schnellstmöglich zu den Filialen transportiert werden kann.

*Regionalgesellschaft ohne direktes Zentrallager

Aldi besitzt eigene Kaffeeröstereien. Aldi Nord unterhält diese in Weyhe und Herten. Die Röstereien von Aldi Süd befinden sich in Mülheim an der Ruhr und Ketsch.

Österreich

Aldi-Süd-Logo mit Hofer-Schriftzug

Aldi tritt in Österreich unter dem Namen Hofer auf. Dies ist historisch bedingt, weil die von Helmut Hofer im Jahre 1962 gegründete gleichnamige Filialkette Hofer im Jahre 1968 von Aldi Süd übernommen wurde.[8] Das gleiche Konzept und Logo wie bei Aldi Süd wurde nach und nach umgesetzt. Das Logo war dem Logo von Aldi-Süd ähnlich (das halbe H war nicht so geneigt wie das halbe A), nur mit „Hofer“ als Firmierung. Inzwischen sind die Logos gleich, nachdem auch das Logo von Aldi-Süd weniger nach rechts geneigt ist. Somit hat Aldi-Süd das Logo von Hofer übernommen.

Die so genannte Hauptniederlassung von „Hofer“, welche auch für die Organisation der anderen Auslandsniederlassungen von Aldi-Süd zuständig ist, befindet sich in Sattledt in Oberösterreich. Zweigniederlassungen mit Zentrallager befinden sich in Sattledt in Oberösterreich, Loosdorf, Stockerau und Trumau in Niederösterreich, Hausmannstätten in der Steiermark, Weißenbach in Kärnten und in Rietz in Tirol. In Sattledt besitzt „Hofer“ überdies eine eigene Schokoladenerzeugung.

Hofer unterhält per Ende 2009 430 Filialen und erreicht einen Marktanteil am österreichischen Lebensmitteleinzelhandel von 19,8 %, das entspricht einem Umsatz von über 3,3 Milliarden Euro. Der direkte Mitbewerber Lidl Austria erreicht zum Vergleich bei 189 Märkten einen Marktanteil von 3,8 %.[9][10]

Österreich gilt als „Probiermarkt“ für neue Marktversuche des Aldi-Konzerns, da Österreich ähnliche Kaufkraft und Kaufverhalten wie Deutschland bietet, es sich aber um ein kleineres, begrenztes Marktgebiet handelt. Beispiele, die in Österreich erprobt wurden:

  • Elektronische Bezahlung: Im ersten Quartal 2004 wurde österreichweit EC-Zahlung (Bankomatzahlung) in allen Hofer-Filialen eingeführt. Erst Monate später entschied sich Aldi, dies auch in Deutschland durchzuführen.
  • Mobilfunk-Angebote: Im April 2005 begann der Mobilfunk-Discounter (YESSS!) seinen Marktstart und vertrieb seine SIM-Wertkarten und Ladebons ausschließlich über Hofer. Monate später erst gab es dann auch in Deutschland ein Prepaid-Mobilfunkangebot.
  • Hofer-Reisen: Seit 2003 bietet Hofer Pauschalreisen für bestimmte Reisezeiträume an. Sowohl Inlands-Wochenendreisen, als auch Fernreisen gibt es zur Auswahl. Es gibt keine Reisekataloge, sondern in regelmäßigen Abständen Postwurfsendungen (Werbebogen), die auch in den Hofer-Filialen aufliegen. Hofer-Reisen ist mittlerweile der drittgrößte Reiseveranstalter Österreichs.
  • Regional beschränkte Angebote: Derzeit experimentiert Hofer bei den regelmäßigen Sonderartikeln mit eigenen Angeboten für das Bundesland Vorarlberg, wofür es auch eine andere Werbung als Postwurfsendung gibt als im restlichen Österreich.
  • „Zurück zum Ursprung“: Eine – vom Bio-Pionier Werner Lampert konzipierte – Eigenmarke für Hofer-Produkte, die ohne jegliche Konservierungsstoffe, Aromamittel oder Stabilisatoren gentechnikfrei produziert werden. Hier gibt es strenge Auflagen für die Lieferanten und Landwirte, wie artgerechte Tierhaltung und umweltschonende Produktion. Zudem ist bei diesen Produkten transparent bis zum Ursprung nachvollziehbar, wo diese hergestellt werden. Für „Zurück zum Ursprung“-Produkte gibt es auch eine eigene Marketing-Strategie, die als Aldi-untypisch gilt: Werbespots im TV und Radio, bei denen besonders diese Marke und diese Produkte beworben werden; dass sie bei Hofer erhältlich sind, wird nur im Nebensatz erwähnt. Hofer verfolgt hier offenbar die erfolgreiche Strategie des Rewe-Konzerns mit der „Ja! Natürlich.“-Marke.
  • Seit Juni 2009 gibt es bei einigen Hofer-Filialen auch Benzin und Diesel zu kaufen. Die Tankstellen auf den Hofer-Parkplätzen werden dabei vom Unternehmen Free Energy betrieben.

International

Verteilung von Aldi in Europa (Süd orange, Nord blau)
Aldi Marché, Frankreich
Aldi Marked, Dänemark
Aldi-Schild in Baltimore, USA

Die Aldi-Gruppe betreibt rund 7000 Filialen in Europa[11] und etwa 1200 Filialen in Australien und den USA. Jede Woche kommt im Schnitt eine Filiale irgendwo auf der Welt hinzu.

Aldi Nord ist zuständig für Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Frankreich, Spanien, Portugal, Dänemark und Polen. Aldi Süd kümmert sich um die Märkte in Österreich, Großbritannien, Irland, USA, Australien, Schweiz und Slowenien. Aktuell ist weiterhin die Erschließung der Schweiz und Sloweniens. In der Schweiz wurden im Oktober 2005 die ersten Filialen eröffnet. Im Februar 2008 eröffnete der Discounter seine ersten Filialen in Polen.

Während Aldi Nord seine niederländischen und belgischen Tochtergesellschaften Combi und Lansa mittlerweile in Aldi umfirmiert hat, ist Aldi Süd um regional gefärbte Marktauftritte bemüht und tritt in Deutschland explizit als Aldi Süd, in der Schweiz als Aldi Suisse und in Österreich und Slowenien als Hofer auf.

Land Name Aldi-Konzern seit Anzahl der Filialen (ca.)
Deutschland Aldi Nord 1960[12] 2535
Aldi Süd Süd 1960[12] 1790[13]
USA Aldi Süd 1976[14] 1130[12]
Frankreich Aldi Nord 1988 680
Niederlande Aldi Nord ca. 1975 480
Belgien Aldi Nord ca. 1973 380
Österreich Hofer Süd 1968 >430 [15]
Vereinigtes Königreich Aldi Süd 1990 >420[13]
Dänemark Aldi Nord 1977 230
Australien Aldi Süd Jan. 2001 >250[13]
Spanien Aldi Nord 2002 240[16]
Schweiz Aldi Suisse Süd 27. Oktober 2005 130
Irland Aldi Süd 1998 >80[13]
Slowenien Hofer Süd Dez. 2005 60[17]
Luxemburg Aldi Nord ca. 1990 12
Polen Aldi Nord 2008 56
Portugal Aldi Nord 29. Juni 2006 27
Ungarn Aldi Süd 2008[18] 75[19]

In den Vereinigten Staaten konnten 2008 990 Filialen unter Aldi-Landeschef Jason Hart ihren Umsatz um 21 Prozent auf etwa 7 Milliarden US-Dollar steigern. Aldi Süd gab im Januar 2009 Expansionspläne bekannt: im Jahre 2009 sollen 75 neue Filialen entstehen. Die erste Aldi-Filiale in New York entstand im Stadtteil Queens.[20]

Griechenland: Mitte 2010 wurde bekannt, dass Aldi einen Käufer für seine griechischen Filialen sucht. Dies ist das erste Mal, dass Aldi sich aus einem Land zurückzieht.[21]

Sonstige Konzepte

Tausendundeine Gelegenheit in Mannheim

Im Mannheimer Stadtteil Waldhof erprobte Aldi Süd ein neues Marktkonzept mit dem Namen Tausendundeine Gelegenheit. In dem am 4. April 2005 eröffneten Laden wurden nicht abgesetzte Schnäppchenprodukte (Aldi-Aktionsware) zu nochmals stark ermäßigten Preisen verkauft. Da das Konzept sich jedoch nicht bewährte, wurde der Laden am 30. Juni 2007 wieder geschlossen.

Finanzen

Umsätze und Erträge der Gruppe wurden bis zum Jahr 2000 nicht veröffentlicht. Ab dem Jahr 2001 werden die Zahlen zumindest für die Gesellschaften Nord im Bundesanzeiger veröffentlicht. Der Umsatz im Jahr 2003 wird für die Gruppe in Deutschland von Experten auf ca. 23,5 Mrd. € taxiert, die Umsatzrendite auf ca. 3 % bis 4 %. Aldi Nord und Aldi Süd befinden sich vollständig in Familienbesitz. Die Kapitalausstattung wird als sehr solide bezeichnet; nach eigenen Angaben hat Aldi keine Verbindlichkeiten. Soweit bekannt, ist Aldi Nord über seine Immobilientochter Eigentümer sämtlicher Logistikzentren. Der Filialbestand ist ebenfalls größtenteils Eigentum, gemietete Objekte werden verstärkt durch eigene Objekte im Zuge des Flächentausches und der Vergrößerung ersetzt. Aldi Süd ist ebenfalls Eigentümer fast aller Gebäude (Märkte, Logistikzentren) und Grundstücke, hat kürzlich aber auch Fremdkapital aufgenommen, um die weitere Immobilienexpansion finanzieren zu können. Damit verlässt zumindest Aldi Süd den bisherigen Weg der totalen Unabhängigkeit von Kreditgebern durch das Vermeiden von Fremdkapital. Die Finanzstrategie divergiert damit zwischen Nord und Süd.

Kundenprofil

Bis Anfang der 1980er Jahre hatte Aldi den Ruf eines Arme-Leute-Ladens;[22] Aldi-Produkte galten zwar als qualitativ hinreichend solide, aber ohne soziales Image. Auch heute sind arme Bevölkerungsschichten eine wichtige Zielgruppe von Aldi.[23] Das haftet Aldi mittlerweile nicht mehr an: Aldi konnte mehrmals mit sehr guten Testergebnissen bei der Stiftung Warentest punkten.[24][25] und bei Ökotest[26][27] 2006 kauften drei Viertel der Haushalte regelmäßig bei Aldi ein.[28] Im Fünfjahresrückblick waren rund 40 % der angebotenen Aktionsprodukte ein echtes Schnäppchen, nicht einmal 15 % erwiesen sich als Fehlkauf, der Rest war von angemessenem Preis.[29][30]

Leitbild

Eine flache Organisationshierarchie und einfache Unternehmensgrundsätze bilden das Unternehmensleitbild. Die oft günstigen Preise bei Aldi sind auf eine effiziente Struktur, basierend auf rigoroser Mitarbeiterführung (bei allerdings meist überdurchschnittlicher Bezahlung), straffer Logistik, eine starke Position (durch einen hohen Grad an Marktmacht) gegenüber Lieferanten und spartanischer Präsentation der Waren (unter anderem Verzicht auf Fernsehwerbung) zurückzuführen.

Sortiment

Lebensmittel

Die Grundidee ist, nur Produkte im Sortiment zu führen, die bei einem gewissen Mindestumsatz eine hohe Warenumschlagshäufigkeit aufweisen, sogenannte Schnelldreher. Das Sortiment ist somit verhältnismäßig schmal und besteht aus rund 700 Artikeln, die vorwiegend für den Durchschnittskunden interessant sind. Aldi Nord verkauft erst seit 2004 loses Obst und Gemüse, das – anders als bei Aldi Süd – an der Kasse abgewogen wird. In österreichischen Hofer-Filialen wird seit ca. Anfang 2008 ebenfalls loses Obst und Gemüse angeboten, das an der Kasse abgewogen wird. Mit Ferrero hat Aldi Süd – neben Haribo – nun weitere Produkte von Markenherstellern im Sortiment.

Sehr erfolgreich sind Nord und Süd im Kaffeegeschäft: Der gesamte Röstkaffee wird in eigenen Röstereien hergestellt. Aldi Nord lässt Markus Kaffee bei der Markus Kaffee GmbH & Co. KG in Weyhe und Herten rösten. Aldi Süd lässt Amaroy Kaffee in Röstereien in Mülheim an der Ruhr und in Ketsch produzieren. Aldi hat auch den größten Weinabsatz in Deutschland und ist in vielen anderen Warengruppen ebenfalls Marktführer.

Backautomat im Aldi Süd

Ende 2009 wurde bekannt, dass Aldi Süd seine Filialen mit Backautomaten ausrüsten wolle. Der Brotbackautomat gibt Brotprodukte per Knopfdruck heraus.[31]. Im Juli 2010 erhob der Zentralverband des Bäckerhandwerks Klage gegen Aldi wegen irreführender Werbung. Kritisiert wird die Werbung: „Ab sofort backen wir den ganzen Tag Brot und Brötchen für Sie – frisch aus dem Ofen.“ [32][33]

Bio-Label

Aldi Nord und Aldi Süd führen eigene Bio-Marken, die die Anforderungen des deutschen staatlichen Bio-Siegels erfüllen.

Der Non-Food-Bereich und der Aldi-PC

Der steigende Anteil der Non-Food-Waren zieht sich seit Anfang der 1990er Jahre wie ein roter Faden durch die Firmengeschichte nicht nur von Aldi, sondern auch von anderen Lebensmittel-Discountern. Im Unterschied zu Lebensmitteln haben Non-Food-Waren den Charakter kurzzeitiger Aktionsangebote. Mitunter wird im Rahmen einer Themenwoche ein Sortiment artverwandter Artikel angeboten, z. B. ein breites Sortiment an Campingprodukten.

Während sich in der Frühzeit der Non-Food-Bereich eher auf Textilien und Haushaltsgegenstände beschränkte, erweiterte sich das Angebot im Laufe der 1990er Jahre immer mehr auf Unterhaltungselektronik. Einen Höhepunkt erreichte die Non-Food-Sparte durch den sogenannten Aldi-PC, einen in großen Zeitabständen für den Massenmarkt eigens von Aldi in Auftrag gegebenen Personal Computer.

Der erste Aldi-PC wurde 1995 auf den Markt gebracht, zur Zeit des beginnenden Internet-Booms. Auf die ersten Aldi-PCs gab es einen regelrechten Run, da der Bedarf an Consumer-PCs auf dem Markt nicht sofort von den bisher den PC-Markt dominierenden Handelsketten gedeckt werden konnte und der Aldi-PC dank enorm hoher Absatzzahlen preisgünstig verkauft werden konnte. Besonders angesprochen waren dabei in erster Linie Familien mit unterem und mittlerem Einkommen.

Der seit Jahren gleiche Handelspartner und Hersteller der allermeisten technischen Geräte, die es bei Aldi gibt, ist Medion. In den Aldi-Süd-Filialen werden Produkte der Firma Medion nahezu ausnahmslos (außer der PC und Bildschirme) unter der Pseudonym-Marke „Tevion“ angeboten.

Die Aldi-Gruppe ist der achtgrößte Textilvermarkter in Deutschland; in diesem Segment setzt der Discounter – allgemein stagnierenden Verkaufszahlen im Textilbereich zum Trotze – über 1,095 Mrd. € pro Jahr um (2005).[34]

Seit 2003/2004 bietet nun auch Aldi Süd in Deutschland Tabakwaren an. Aldi bezieht seine Tabakwaren bei Austria Tabak.

Aldi bietet in Deutschland seit Juli 2005 einen Online-Fotoservice, bei dem Papierabzüge von Digitalbildern nach Hause bestellt werden können.

Am 7. Dezember 2005 stieg Aldi nach guten Erfahrungen bei Hofer in Österreich auch in Deutschland ins Mobilfunkgeschäft ein. Sowohl Aldi Nord als auch Aldi Süd bieten den Kunden in Kooperation mit Medion und dem Netzbetreiber E-Plus den Prepaid-Tarif Aldi Talk unter dem Markennamen MedionMobile an. In der Schweiz wird seit 2006 unter Aldi Suisse mobile ebenfalls ein No-Frills-Angebot für Mobiltelefonie angeboten.

Seit Januar 2007 vermitteln Aldi Nord und Aldi Süd auch in Deutschland und der Schweiz Pauschalreisen. Der ausführende Partner ist das Unternehmen „Berge & Meer“, eine TUI-Tochter.

Seit Februar 2008 vertreibt Aldi Nord ein Sortiment von ca. 70 Zeitschriften (Tageszeitungen und Illustrierte).

Seit April 2008 wird ein Onlinebestellservice von Schnittblumen angeboten, wobei Aldi nur als Vermittler auftritt, den Auftrag wickelt das Unternehmen fleurfrisch ab, eine Tochtergesellschaft von Landgard (Landgard ist langjähriger Vertragslieferant der Pflanzenangebote bei Aldi).[35] Die eigentliche Zusammenstellung der Sträuße übernimmt ein von fleurfrisch beauftragter Bündelservice, der sich fast ausschließlich Werkvertrags-Mitarbeitern bedient.

Für das Jahr 2008 war auch der Vertrieb von Versicherungen in Kooperation mit Signal Iduna geplant. Nach Protesten des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute zog sich Aldi aus der Kooperation zurück.[36]

Vermarktung

Modell-LKW

Aldi hat keine offizielle PR-Abteilung und gab in der gesamten Unternehmensgeschichte zu keinem Zeitpunkt Geld für externe Marketingagenturen aus. (Karl Albrecht, 1953: „Unsere Werbung liegt im billigen Preis.“)[37]. Die wöchentlichen Anzeigen in lokalen Zeitungen sehen seit Jahren gleich aus; sie zeigen die aktuellen Angebote ohne Werbeslogans (Motto ist vielmehr: „Aldi informiert“). Die Zeitungsanzeigen lösten vorher regelmäßig erscheinende vierseitige Preislisten ab, die teilweise auch an die Haushalte verteilt wurden.

Die Zeitungsanzeigen von Nord und Süd wurden vor einigen Jahren größer (seitdem 1/1 Seite) und farbig. Zudem liegen in den Märkten Flugblätter mit den Angeboten der nächsten Woche aus. Sowohl Süd als auch Nord haben ganzjährig zwei Aktionen pro Woche, die zu einem mehrseitigen Prospekt zusammengefasst werden. Aldi Nord lässt Prospekte, Flugblätter und Zeitungsanzeigen von einer konzerneigenen Werbeagentur vorbereiten und schalten, die für den Konzern europaweit tätig ist.

Vor einigen Jahren versuchte sich Aldi Nord in Sachen Merchandising und bot Aldi-Markt-Bausätze, LKW-Modelle (siehe Foto) und Badetücher in den Aldi-Farben an. Der Erfolg war eher gering. Der Aldi-Markt ist nun aber im Standardprogramm der Firma Faller, und es gibt immer wieder (vor Weihnachten) Faller-Sonderbausätze im Angebot.

Aldi Suisse wirbt wöchentlich in größeren Tageszeitungen mit farbigen Inseraten. Daneben wird im Einzugsgebiet auch wöchentlich ein rund 16-seitiges Reklameheft verteilt, das fast ausschließlich für Non-Food-Produkte wirbt.

2010 verzichtete Aldi in einigen Regionen auf Anzeigen in Tageszeitungen.[38]

Kassensystem

Vor der Verbreitung von Scannerkassen war es üblich, jeden Artikel einzeln mit einem Preisetikett auszuzeichnen; dieses wurde von den Kassierern abgelesen und eingegeben. Bei Aldi gab es keine Preisetiketten: Bei Aldi Nord erfolgte die Registrierung der verkauften Artikel früher durch Eingabe einer dreistelligen PLU-Nummer. Bei Aldi Süd wurden die DM-Preise direkt eingegeben; lange Kassenbons ohne Artikelbezeichnung waren für den Kunden schlecht zu kontrollieren. Die Kassierer mussten damals die Preise aller Produkte bzw. die PLU-Nummern mithilfe von bebilderten Sortimentslisten auswendig lernen.

Im Laufe der Zeit wurde das Produktsortiment auch bei Aldi größer. Durch die Euro-Bargeldeinführung (Ende 2001 / Anfang 2002) änderten sich sämtliche Preise. Aldi Süd stellte 2000 endgültig komplett auf Scannerkassen um, Aldi Nord Ende 2002.[39][40] Ein Grund für die späte Einführung war, dass das Eintippen schneller ging als das Scannen mit den Geräten der ersten Generationen ohne omnidirektionalen Laser.

Da Aldi größtenteils Eigenmarken vertreibt, war es relativ einfach, den Strichcode auf den Produktverpackungen in unüblichen und teilweise ungenormten Größen sowie in größerer Anzahl auf verschiedenen Seiten der Verpackung zu platzieren. Die meisten Aldi-Verpackungen besitzen daher den EAN-Strichcode (unternehmensinterner verkürzter EAN 8-Code)[41] auf mindestens drei Seiten, als lange Streifen oder als Banderole um die ganze Verpackung herum, wohingegen die Produkte in anderen Supermärkten einen genormten kleineren Strichcode an nur einer Stelle besitzen. Die Kassierer müssen daher Aldi-Artikel viel seltener drehen und wenden, um sie vom Scanner zu erfassen, was den Kassiervorgang beschleunigt.

Tests mit der Bezahlung per EC-Karte erfolgten 2004 in Filialen von Aldi Nord. Ab April 2005 folgte die flächendeckende Einführung der Zahlung per EC-Karte bei Aldi Nord und Süd, die bis Ende Oktober 2005 abgeschlossen wurde. Die Umstellung wurde durch das Unternehmen NCR durchgeführt.[42]

Leergutrücknahme

Wincor-Nixdorf-Leergutautomat
Tomra-Leergutautomat

In der zweiten Jahreshälfte 2005 führte Aldi Nord als Rationalisierungsmaßnahme testweise Leergutautomaten ein. Aldi Süd übernahm dieses System im ersten Quartal 2006. Beide schlossen sich im Zuge dieser Maßnahme dem ILN-System an. Auch die neue Pfandregelung, die am 1. Mai 2006 in Kraft trat, zwang das Unternehmen zu diesem Schritt, da die so genannten „Insellösungen“ beendet wurden.[43]

Nach ausgiebigen Tests hat sich Aldi Nord für ein Rücknahmesystem des Herstellers Wincor Nixdorf entschieden, während Aldi Süd eine Entwicklung des Herstellers Tomra Systems vorzog. Bei beiden Geräten kommt ein System zur Anwendung, bei dem die PET-Flaschen unmittelbar nach der Abgabe gepresst werden.

Bei Hofer in Österreich werden jedoch keine Produkte mit Pfandgebinde verkauft, und es gibt daher auch keine Rücknahme.

Tax Free Shopping

Seit 2006 bietet Aldi Süd in den an der Grenze zur Schweiz gelegenen Filialen ein System zur Rückerstattung der Mehrwertsteuerdifferenz für die dort überproportional stark vertretenen Schweizer Kunden an. Hierbei erfolgt jedoch keine Barauszahlung, sondern über eine eigens geschaffene Aldi Süd Tax Free Karte eine bargeldlose Überweisung durch die Firma Global Refund. Sie gilt nur für Kunden über 18 Jahren, ab einem Mindesteinkauf von 40 € und erstattet (wie bei allen Unternehmen, die sich dem Tax-Free-System angeschlossen haben) nur einen Teil der MwSt zurück; bei Aldi sind dies 75 % (25 % werden zur Finanzierung des Systems einbehalten). Aldi sah sich dazu gezwungen, da der konkurrierende Einzelhandel in diesem Gebiet den Schweizer Kunden schon seit Jahren beinahe flächendeckend eine volle Rückerstattung anbietet und der Anteil dieser Kunden in den regionalen Filialen etwa 30 %, an manchen Wochentagen über 50 % beträgt.

Ladenöffnungszeiten

Aldi befolgt bei den Ladenöffnungszeiten die in der Branche üblichen Gepflogenheiten. Manchmal werden Anpassungen vorgenommen. Aldi-Filialen in großen Einkaufszentren haben in der Regel so lange wie die anderen Läden im Zentrum geöffnet. Seit 1. September 2007 schließt Aldi Nord in Deutschland die Filialen samstags um 18 Uhr. Einige Regionalgesellschaften haben die Öffnungszeiten am Samstag bis 20 Uhr verlängert. Aldi Süd öffnet seine Märkte deutschlandweit von 8 bis 20 Uhr, mit den o.g. Ausnahmen in Einkaufszentren.

Aktuelle Marktposition

Im gesamten Lebensmitteleinzelhandel belegt ALDI derzeit in Deutschland den 5. Platz hinter den Unternehmen Edeka, Metro, Rewe sowie der Schwarz-Gruppe.[44] Mit einem Umsatz im Textilbereich von rund 1,071 Mrd. € (2009) liegt ALDI hier derzeit auf Platz 8 der größten Textileinzelhändler Deutschlands.[45] Im Bereich Gesundheitsprodukte außerhalb der Apotheke schafft es ALDI derzeit (2005) auf einen Marktanteil von rund 18 %.[46] Laut einer Forsa-Umfrage sind 95 % der Arbeiter, 88 % der Angestellten, 84 % der Beamten und 80 % der Selbstständigen Kunden bei Aldi. Nach Informationen der Gesellschaft für Konsumforschung ging der Umsatz im Jahr 2007 erstmals um 1,5 Prozent zurück, und lag bei brutto 27 Milliarden. Der Marktanteil unter den Discountern ging dadurch um 0,6 Prozentpunkte auf 18,9 Prozent zurück.[47]

Kritik

Mitarbeiter

Das Schwarzbuch Markenfirmen wirft Aldi Süd vor, dass eine gewerkschaftliche Organisierung weitgehend vermieden werde,[48] so gebe es keinen Gesamtbetriebsrat. Im April 2004 kündigte Aldi mit sofortiger Wirkung seine bisher wöchentlich erscheinende, ganzseitige Anzeige bei der Süddeutschen Zeitung, nachdem diese in einem kleineren Artikel über „schikanöse Arbeitsbedingungen“[49] und „massive Wahlbehinderungen“ bei der versuchten Gründung von Aldi-Betriebsräten in München berichtet hatte.[50] Durch diesen Boykott entgingen der Zeitung Einnahmen in Millionenhöhe.[51]

In einer Studie hat das Südwind-Institut massive Arbeitsrechtsverletzungen in chinesischen und indonesischen Zuliefererbetrieben von Aldi nachgewiesen. Dazu zählen unter anderem eine monatelange Zurückhaltung von Löhnen, Kautionszahlungen von Beschäftigten für Fabrikjobs und Kinderarbeit.[52] Im Februar 2008 trat die Aldi-Gruppe der Business Social Compliance Initiative (BSCI) bei,[53] nachdem für März 2008 die „Kampagne für Saubere Kleidung“ Aktionen in Deutschland für bessere Produktionsbedingungen der Aldi-Textilien in China und Indonesien organisiert hatte.[54] Die Kampagne kritisierte jedoch, dass die BSCI keine unabhängige Verifizierungseinrichtung sei, in der Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen an führender Stelle vertreten seien.[55] Im Jahr 2009 wies das Südwind-Institut erneut auf unwürdige Arbeitsbedingungen in Aldi-Zuliefererbetrieben hin. Die Arbeitnehmerinnen müssten bis zu 90 Stunden pro Woche arbeiten, Fehler würden mit Geldstrafen geahndet. Die Beschäftigten erhielten keinen Mutterschutz und die Bildung von Gewerkschaften sei ihnen verboten.[56] Auch 2010 wies das Südwind-Institut in einer neu veröffentlichten Studie auf massive Arbeitsrechtsverletzungen bei Aldi-Zulieferern in China hin.[57]

Im April 2008 stand Aldi Nord in der Kritik, weil jährlich 120.000 Euro an die Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) geflossen sind. Der Konzern räumte diese Zahlungen ein. Die Betriebsräte vieler Aldi Nord-Regionalgesellschaften sind Mitglied in der AUB, diese selbst steht den Arbeitgebern nahe.

Zulieferer

Aldi übt einen extremen Preisdruck auf seine Zulieferer aus; Aldi erwartet von seinen Lieferanten hingegen keine Zugeständnisse bei sinkenden Verkaufspreisen oder Werbekostenzuschüsse, Jubiläums-Rabatte oder Logistik-Optimierungsrabatte, wie in der Branche üblich.

Umwelt

Im Schwarzbuch Markenfirmen werden Ausbeutung in der Rohstoffgewinnung und Umweltzerstörung als Kritik genannt.[58]

Aldi wurde wegen seines unökologischen Angebots billiger Garnelen auf Kosten der Mangrovenwälder kritisiert.[59] 2010 warf Robin Wood der Handelskette vor, dass auch zwei Bücher ihres Angebotes Fasern aus Mangrovenholz enthalte.[60]

Im Mai 2004 verkaufte Aldi in einer Sonderaktion Gartenmöbel aus indonesischem Meranti-Holz.[61] Aufgrund von Protesten von Umweltorganisationen und einzelnen Aktivisten, die Aldi aufforderten, sich nicht an der Zerstörung der letzten indonesischen Tropenwälder zu bereichern, erklärte Aldi, in Zukunft nur noch Artikel aus Holz mit FSC-Siegel vermarkten zu wollen.[62]

Sonstiges

  • Angeblich teilten die Gebrüder Albrecht 1960 in die eigenständigen Konzerne Aldi Nord und Aldi Süd auf, weil sie sich nicht über die Aufnahme von Tabakwaren und Tiefkühlkost in das Sortiment einigen konnten.[63] Ob das wirklich ausschlaggebend für die geschäftliche Trennung des Unternehmens gewesen ist, bleibt ungeklärt.
  • Aldi-Süd besitzt die Namensrechte des größten Hörsaals der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt. Seit Beginn des Wintersemesters 2006 trägt er den Namen „Aldi-Hörsaal“. Außerdem gibt es einen „Aldi Süd Hörsaal“ in der Wiesbaden Business School der Hochschule RheinMain[64]
  • Das Schlagwort „Aldisierung“ wurde zum Wort des Jahres 2005 der Schweiz gewählt. Das bezeichnete Phänomen ist mittlerweile im gesellschaftswissenschaftlichen Bereich Untersuchungsgegenstand. Es wird definiert als „die zunehmende Suche auch besser verdienender Konsumenten nach dem günstigsten Angebot in immer mehr Konsumbereichen“. Weiterhin „charakterisiert die Aldisierung den sich intensivierenden Preis- und Sonderangebotswettbewerb im Einzelhandel, der das preisorientierte Konsumentenverhalten verstärkt. Darüber hinaus werden der Aldisierung auch verschiedene gesellschaftliche Auswirkungen problematischer Art zugeschrieben, etwa die Verödung von Innenstädten sowie die Beeinträchtigung der Beschäftigungs- und der Konsumkultur“ (Wolfgang Fritz: Die Aldisierung der Gesellschaft).
  • Die Gestaltung der Aldi-Nord-Einkaufstüte übernahm Günter Fruhtrunk, Maler und Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München.[65]

Literatur

Filme

  • Der Aldi-Check. Dokumentation, Deutschland, 2011, 45 Min., Buch und Regie: Nicole Kohnert und Herbert Kordes, Produktion: WDR, Erstsendung: 22. August 2011, Inhaltsangabe vom WDR. Online in der ARD-Mediathek
  • Aldi – Mutter aller Discounter. Dokumentation, Deutschland, 2009, 45 Min., Buch und Regie: Rasmus Gerlach, Produktion: NDR, Erstsendung: 2. November 2009, Inhaltsangabe vom NDR. Online

Weblinks

 Commons: ALDI – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ALDI - Impressum. Abgerufen am 29. Mai 2011.
  2. ALDI SÜD - Impressum. Abgerufen am 29. Mai 2011.
  3. Handel Ranking. Top 30 Zentral- und Westeuropa 2010. Lebensmittelzeitung, abgerufen am 29. Mai 2011.
  4. a b c d Ruhr-Familien : Die Brüder Albrecht. Ruhr Revue, 12. September 2009, abgerufen am 29. Mai 2011.
  5. a b Dieter Brandes: Konsequent einfach: die ALDI-Erfolgsstory. Campus, Frankfurt 1999, ISBN 3-593-35904-9.
  6. Beschluss B2 – 359/07, S. 23, Fn 20 vom 2. Juli 2008.
  7. http://www.wdr.de/tv/markt/sendungsbeitraege/2011/0822/00_aldicheck.jsp
  8. Daten und Fakten von Hofer, hofer.at
  9. Lebensmitteleinzelhandel nach Organisationen (Die Handelszeitung, abgerufen am 9. September 2011)
  10. Handel in Österreich - Basisdaten 2009/Konsumententrends 2009 (AC Nielsen Jahrbuch 2009, Archiv Gratispuplikationen, abgerufen am 1. September 2011)
  11. Stand: 1. Oktober 2007; Quelle: ACNielsen
  12. a b c Gründungsjahr von Aldi Süd und Aldi Nord
  13. a b c d ALDI SÜD Karriere ist eine Gerade - Ausland. Abgerufen am 29. Mai 2011.
  14. Geschichte von Aldi in den USA
  15. Geschichte von Aldi und Internationale Präsenz
  16. Aldi-Filialen in Spanien
  17. Geschichte von Aldi und Internationale Präsenz. Aldi Slowenien.
  18. Das Unternehmen Aldi. Aldi Ungarn.
  19. Aldi-Filialen in Ungarn
  20. Eva Schweitzer: Aldi erreicht New York. Osterhasen ja, Bier nein. Und die Tüten bitte selber packen! In: Die Zeit, 20. April 2011, Nr. 17
  21. Rückzug: Aldi verlässt Griechenland - Handel+Dienstleister - Unternehmen - Handelsblatt. Abgerufen am 29. Mai 2011.
  22. Juliane Meyer: Discounter als Ausdruck der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes, GRIN Verlag, ISBN 978-3-640-21998-8, S. 6, Fn. 22, zitiert aus: Reiner Mihr, Markus Oess: Aldi: Verkaufsmaschine Aldi – der Triumph des Schlichten, Europäische Verlagsanstalt, 2006, ISBN 3-434-46812-9, S. 7.
  23. Waltrau Schwab: Arme Discounterkunden – Kasse dank Masse. In: Die Tageszeitung, 19 Juni 2009.
  24. Stiftung Warentest: Wo Aldi guten Säfte sind. In: Süddeutsche Zeitung, 29. Juni 2006
  25. Stiftung Warentest. Sonnencreme: Aldi super, Vichy mangelhaft. In: FAZ, 25. Juni 2009
  26. Aldi-Produkte: Nicht immer gut und günstig.In: Öko-Test, Dezember 2003
  27. Christian Icking:Einzelhandel: Gute Noten für Lebensmittel von Aldi, Lidl & Co. In: Der Westeb, 5. Januar 2010
  28. Juliane Meyer: Discounter als Ausdruck der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes, GRIN Verlag, ISBN 978-3-640-21998-8, S. 6, Fn. 23, zitiert aus: Reiner Mihr, Markus Oess: Aldi: Verkaufsmaschine Aldi – der Triumph des Schlichten, Europäische Verlagsanstalt, 2006, ISBN 3-434-46812-9, S. 8.
  29. Stiftung Warentest: Aktionsware von Lidl und Aldi taugt oft nichts in Die Welt vom 23. Oktober 2008
  30. Aldi bleibt Schnäppchenkönig in der Fünfjahresbilanz. Stiftung Warentest, 15. September 2009, abgerufen am 6. August 2010
  31. AP/dma: Aldi steigt groß ins Bäckerei-Geschäft ein. In: Die Welt, 21. Dezember 2010
  32. AFP: Bäcker klagen gegen Aldi. In: Tagesspiegel, 20. Juli 2010
  33. Pressemitteilung Nr. 034 / 2010: Klage gegen Aldi – Zentralverband wehrt sich gegen irreführende Werbung und Verbrauchertäuschung, Zentralverband des Bäckerhandwerks, 10. September 2010
  34. „Die Größten im deutschen Textileinzelhandel“, IHK-Hannover, 26. September 2006, archiviert auf archive.org
  35. Aldi: Blumen statt Versicherungen, Lebensmittelpraxis, 23. April 2008.
  36. Discounter gibt auf – Protest des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute erfolgreich, BVK-Pressemitteilung vom 21. April 2008.
  37. Susanne Amann und Janko Tietz: Geheimnisse eines Clans. In: Der Spiegel, 2. August 2010, Nr. 31, S. 66, (PDF-Datei; 4,39 MB)
  38. René Martens: Billiger geht immer. In: taz, 30. Mai 2011
  39. Konrad Lischka: 30 Jahre Barcode: Diese 13 Ziffern ordnen die Welt. In: Der Spiegel vom 4. Juli 2007.
  40. Burkhard Strassmann: Kassenschlager: Kassensturz. In: Die Zeit, Nr. 42 vom 9. Oktober 2003.
  41. EAN Code, at-mix.de
  42. Revolution: Aldi akzeptiert EC-Karten. In: Focus Money, 17. Mai 2005
  43. GS 1 Germany: Jahresbericht 2005, S. 42/43
  44. „BVL-Branchenbericht 2005/2006: Preiskämpfe ruinieren Marge“, Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVL), 23. Juni 2006
  45. „Die größten Textileinzelhändler in Deutschland 2008“, Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main
  46. „Gesundheitsprodukte im Discount – eine Erfolgsgeschichte?“ ACNielsen, 13. April 2006
  47. „Aldi muss erstmals Umsatzrückgang in Deutschland hinnehmen“, ddp, 22. Juni 2008
  48. Einzelhandel: Aldi, labournet.de
  49. Siehe auch Philipp Scheffbuch: „Vorwürfe von Aldi-Mitarbeitern – Klappe halten – schneller Leistung“, Stuttgarter Zeitung, 30. Dezember 2008.
  50. Bernd Kastner:„Noch wehrt sich das Management – Die Aldi-Süd-Revolution: ein Betriebsrat“, Süddeutsche Zeitung, 7. April 2004
  51. Aldi boykottiert «Süddeutsche Zeitung», Netzeitung, 18. April 2004
    „Der SZ entgehen Anzeigen im Wert von 1,5 Millionen Euro: Nach kritischem Bericht: Aldi boykottiert „Süddeutsche Zeitung“ “, Rheinische Post, 18. April 2004
  52. Kampagne für saubere Kleidung: Firmenprofil: Aldi
    Ingeborg Wick: All die Textilschnäppchen – nur recht und billig? Arbeitsbedingungen bei Aldi-Zulieferern in China und Indonesien. Südwind-Institut für Ökonomie und Ökumene, Siegburg 2007, ISBN 978-3-929704-37-2, Broschüre
  53. Friederike Schulz: „Textil-Schnäppchen auf Kosten der Hersteller“, Deutschlandfunk, 7. März 2008
    Kampagne für Saubere Kleidung: Aldi-Gruppe tritt der BSCI bei, saubere-kleidung.de, 22. Februar 2008
  54. Kampagne für Saubere Kleidung: Startschuss für Aldi-Aktionen am Weltfrauentag, saubere-kleidung.de, 6. März 2008
  55. Firmenprofil: C&A, Kampagne für saubere Kleidung
  56. „Für Aldi-Produkte müssen Frauen schuften – 90 Stunden die Woche“, Basler Zeitung, 4. Februar 2009
  57. „Chinageschäfte von Metro, Aldi und Adidas – Kommunen und Bundesländer müssen handeln“, Südwind-Institut, 19. August 2010
  58. Schwarzbuch Markenfirmen
  59. Robin Wood, 1997, Nr. 1
  60. Rudolf Fenner: Offener Brief. Mangrovenholzfasern in Büchern des Tandem-Verlags. ROBIN WOOD, abgerufen am 29. Mai 2011 (PDF).
  61. Stephan Zimprich: „Aldi auf dem Holzweg“, Spiegel online, 20. Mai 2004
  62. „Tropenholz. Protestaktionen bringen Discounter zum Umdenken“, Social Times, 26. Mai 2004
  63. Susanne Amann und Janko Tietz: Geheimnisse eines Clans. In: Der Spiegel, 2. August 2010, Nr. 31, S. 68, (PDF-Datei; 4,39 MB)
  64. „Studieren im Aldi-Hörsaal“ (nicht mehr online verfügbar), tagesschau.de, 12. Oktober 2006
  65. Artikel im Monopol-Magazin

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